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Duldung oder Anerkennung?
30.05.2011 14:25 |
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Warum reden eigentlich immer alle von Toleranz und kommen sich dabei auch noch so unglaublich toll vor? Toleranz bedeutet nichts weiter als Duldung und impliziert daher Minderheiten wären duldenswert und damit de facto schlechter als der Durchschnitt, wohingegen man selbst so großzügig ist, sie trotz ihrer Schlechtigkeit zu dulden. Akzeptanz hingegen ist Urteils - und wertungsfrei und damit dem passiv negativem Begriff der Toleranz vorzuziehen.
Goethe meinte ja, dass Toleranz eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein soll, sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.
Was haltet ihr davon, ohne direkt reflexartig auf das zurückgreifen zu wollen was ihr glaubt über Toleranz zu wissen, denkt euch den Begriff der Toleranz am besten einfach mal für einen kurzen Moment weg und ersetzt ihn durch dulden, denn nichts anderes heißt es. Und dann überlegt euch noch mal, ob nicht Anerkennung eher angebracht wäre. Warum wird dann aber überall von Duldung gesprochen. Empfindet ihr es nicht auch als beleidigend, schlicht geduldet, abgelehnt und nicht akzeptiert zu werden, für das war ihr seid?
Hat man womöglich Angst die Minderheiten könnten sich zu Mehrheiten entwickeln, wenn man sie Akzeptiert statt sie einfach nur zu Dulden, wenn man sie annimmt als das was sie wirklich sind und sie als vollwertige Menschen anerkennt, ohne sie zu verurteilen oder verändern zu wollen. Denn das ist doch meist das eigentliche Ziel welches sich hinter dem Begriff der Toleranz verbirgt, Minderheiten vorübergehend zu Dulden um sie längerfristig an ein bestimmtes Ideal anzupassen und sie zu verurteilen sowie öffentlich zu denunzieren, falls sie sich weigern sollten sich anzupassen.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Shinobi am 30.05.2011 14:27.
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Ich lehne die Grundübereinkunft des Gemeinwesens ab, insbesondere die Überbewertung von Besitz.
“All authority of any kind, especially in the field of thought and understanding, is the most destructive, evil thing. Leaders destroy the followers and followers destroy the leaders. You have to be your own teacher and your own disciple. You have to question everything that man has accepted as valuable, as necessary.”
„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“
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wave unregistriert
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Zunächst einmal ist es denke ich wichtig, dass man klar macht, worüber man redet. Ich mache das jetzt hier mal:
Unter AKZEPTANZ verstehe ich die Tatsache, dass ich einen Zustand okay finde, so wie er ist. (Und ihn logischerweise auch nicht zu ändern versuche.)
Unter TOLERANZ verstehe ich, dass ich einen Zustand nicht zu beseitigen versuche. (Obwohl ich ihn ggf. nicht okay finde.)
Akzeptanz ist also das schärfere Kriterium und schließt Toleranz automatisch mit ein.
So, nun zu deinen Punkten: Wenn ich sage, dass ich etwas toleriere, dann heißt das nicht, dass ich es nicht auch akzeptiere. Wie man allerdings von der alleinigen Toleranz zur Akzeptanz kommen soll, erschließt sich mir nicht. Entweder ist etwas okay und ich halte es für gut oder eben nicht. Wenn jemand eine gewisse Geisteshaltung hat, dann kann ich die gar nicht tolerieren, denn ich kann sie ihm eh nicht ausprügeln, hinter der Duldung steckt also nichts.
Sie aber zu akzeptieren, wenn ich sie nicht okay finde, macht keinen Sinn.
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Also kann man sagen, dass Toleranz, also die Duldung von etwas das einem nicht zusagt, im Grunde nur heuchlerisch ist und keinerlei nutzen in sich trägt? Was die Akzeptanz anbelangt, so muss man ja nicht unbedingt alles und jeden mögen und billigend in Kauf nehmen was einem nicht passt, das ist auch nicht zwingend notwendig, um jemanden zu akzeptieren reicht es meiner Meinung nach völlig, ihn nicht zu verurteilen oder ihn verändern zu wollen. Das bedeutet jedoch nicht, dass man ihn einfach ignorieren soll, denn dann könnte man ihn ja genauso gut auch einfach weiter dulden.
Der Mensch sucht sich in der Regel diejenigen raus, die zu ihm und seiner Wertevorstellung passen, den Rest duldet er entweder oder bekämpft sie womöglich sogar. Dieser Konflikt wäre zu vermeiden, indem man nicht länger versucht andere Menschen die nicht in das eigene Weltbild passen, verändern und anpassen zu wollen, dazu wäre es erst mal nötig damit aufzuhören, über andere zu Urteilen und Vergleiche anzustellen. Und ich denke da endet die Toleranz und es beginnt die Akzeptanz.
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Ich lehne die Grundübereinkunft des Gemeinwesens ab, insbesondere die Überbewertung von Besitz.
“All authority of any kind, especially in the field of thought and understanding, is the most destructive, evil thing. Leaders destroy the followers and followers destroy the leaders. You have to be your own teacher and your own disciple. You have to question everything that man has accepted as valuable, as necessary.”
„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“
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dian unregistriert
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| Zitat: |
| Denn das ist doch meist das eigentliche Ziel welches sich hinter dem Begriff der Toleranz verbirgt, Minderheiten vorübergehend zu Dulden um sie längerfristig an ein bestimmtes Ideal anzupassen |
Ich denke, man muss erstmal unterscheiden zwischen echter Toleranz und aufgezwungener Toleranz.
Beispielsweise ist einer meiner Nachbarn ein asozialer Proll, der gerne an seinem Auto rumschraubt, den Motor aufheulen lässt und dazu ganz laute südosteuropäische Folkloremusik hört.
Bin ich tolerant, weil ich ihn gewähren lasse? Ich glaube nicht... denn ehrlich gesagt hätte ich, wenn ich die Macht dazu hätte, ihn schon längst zurück in sein Ghetto geschickt, aus dem er sich irgendwann emporgedealt hat.
Nur habe ich eben leider nicht die Macht dazu.
Aber gut... ich könnte zumindest die Polizei rufen wegen Ruhestörung oder ihn zur Sau machen... tue es aber nicht. Bin ich deshalb tolerant?
Nein, bin ich auch nicht, weil ich das alles nur deshalb nicht tue, weil Konflikte auf diese Weise erfahrungsgemäß nur eskalieren werden, und ich an einer Eskalation kein Interesse habe, weil ich ja eigentlich viel eher meine Ruhe haben möchte.
Also dulde bzw. ertrage ich eben die Belästigungen, empfinde mich dabei aber nicht als tolerant, weil ich denke, dass zur Toleranz schon gehört, dass man aus ethischer, weltanschaulicher Überzeugung heraus andere Lebensweisen duldet, und nicht nur aufgrund der eigenen Machtlosigkeit.
Es gibt sicher auch viele Leute da draußen, die Homosexuelle dulden... aber dabei nicht wirklich tolerant sind, weil sie in Wirklichkeit alle Schwule am liebsten ins KZ stecken würden, wenn es die Möglichkeit dazu gäbe. Aber weil es diese Möglichkeit heute nicht mehr gibt, machen sie eben plötzlich notgedrungen einen auf "tolerant", ohne es jedoch tatsächlich zu sein.
Also von daher würde ich echte Toleranz eigentlich jetzt gar nicht so negativ bewerten, denn echte Toleranz heißt meiner Meinung nach: "Ich habe die Macht, anderen meinen Willen aufzuzwingen, verzichte aber darauf, weil ich die Andersartigkeit des anderen respektiere, auch wenn ich sie nicht unbedingt gut finde." Oder so ähnlich.
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@dian
südosteuropäische Folkloremusik? Hahaha dass klingt interessant. So einen lustigen Nachbarn habe ich auch. Da wir im Garten aber ab und zu etwas am Party machen sind und unser neues Soundsystem von Bose Geräusche machen kann die echt Hammer sind, haben wir hier ein akzeptables Gleichgewicht des Schreckens
Toleranz / Akzeptanz sollten niemals mit Machtlosigkeit gekoppelt sein, sonst hätten beide keinen Sinn und man müsste sie folglich Tyrannei nennen...
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wave unregistriert
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Das was du ansprichst @Shinobi, nennt sich weder Toleranz, noch Akzeptanz, sondern völlige Beliebigkeit. Und nein danke, da ist mir nicht so danach.
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| Zitat: |
Das was du ansprichst @Shinobi, nennt sich weder Toleranz, noch Akzeptanz, sondern völlige Beliebigkeit. Und nein danke, da ist mir nicht so danach.
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Hmm, dann muss ich mich wohl missverständlich ausgedrückt haben, denn das war es ganz sicher nicht was ich damit sagen wollte.
So etwas wie echte oder unechte Toleranz gibt es nicht, es gibt nur Akzeptanz und nicht Akzeptanz, alles andere ist anerzogene und auf Moral und Wertevorstellung basierende Heuchelei oder aber das vorübergehende Erdulden aufgrund nichtvorhandener anderweitiger Möglichkeiten. Würde aber jeder sich selbst, die Anderen, sowie deren Sichtweisen und Wesenszüge so akzeptieren wie sie sind, so wie wir auch akzeptieren, dass es eine Schwerkraft gibt der wir ausgesetzt sind, gäbe es keine Konflikte mehr, das hat für mich aber nichts mit Beliebigkeit zu tun und vermutlich auch nicht mehr allzuviel mit dem eigentlichen Thema.
Aber der Mensch sieht sich nun mal nicht dazu gezwungen andere Menschen und andere Sichtweisen zuzulassen, die Schwerkraft hingegen kann er nicht so einfach ignorieren. Und noch mal, Akzeptanz heißt nicht das erdulden und hinnehmen von dem was man für falsch hält, sondern das akzeptieren von dem was ist. Wie können wir etwas nicht akzeptieren, obwohl es existent ist, obwohl es direkt vor uns steht, vielleicht formuliert es das ja besser.
Ich denke ich habe mich auch sehr undeutlich ausgedrückt, aber ich schweife immer sehr schnell von dem ab, was ich eigentlich sagen wollte, das verwirrt natürlich. ^^
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Ich lehne die Grundübereinkunft des Gemeinwesens ab, insbesondere die Überbewertung von Besitz.
“All authority of any kind, especially in the field of thought and understanding, is the most destructive, evil thing. Leaders destroy the followers and followers destroy the leaders. You have to be your own teacher and your own disciple. You have to question everything that man has accepted as valuable, as necessary.”
„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“
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Ich toleriere die Schwerkraft sowie die Luft die mich umgibt, alles andere wird nicht toleriert!
Akzeptiert oder abgelehnt, dazwischen gibt es nichts was interessant wäre.
Soviel Freiheit sollte man sich einfach gönnen, im täglichen Leben.
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