zanthia unregistriert
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Diskriminierung und Entwertung
01.10.2008 01:23 |
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Man könnte es eigentlich auch als Diskriminierung , als Entwertung des Kindlichen erleben, wenn ein Analytiker betont, daß für ihn die Patienten selbstverständlich immer Erwachsene und nicht Kinder seien, als ob "kind-sein" etwas Beschämendes und nicht ein Reichtum wäre, den wir später verlieren. Ähnliche Äußerungen kann man gelegentlich über das Kranksein hören, wenn nämlich Analytiker versuchen, den Patienten so gesund wie möglich zu sehen und vor "gefährlichen Regressionen" warnen. Als ob die Krankheit nicht zuweilen gerade der einzig mögliche Ausdruck des wahren Selbst wäre.
Die Menschen, die zu uns kommen, waren ja ihr ganzes Leben lang bestrebt, so erwachsen und so gesund ("normal") wie nur möglich zu sein. Sie erleben es als eine große innere Befreiung, wenn sie diese gesellschaftlich bedingten Zwänge von Kinderfeindlichkeit und "Normalität"-Verehrung in sich entdecken und aufgeben können.
( Alice Miller, Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst )
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ich finde es nicht diskriminierend, wenn ein analytiker patienten stets erwachsen und nicht als kinder sieht.
gemeint ist hier doch eh nich das geistige alter, nech?
wo ist da eigentlich der zusammenhang..wo kommen die analytiker auf einmal her?
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zanthia unregistriert
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| Zitat: |
Original von quaid
ich finde es nicht diskriminierend, wenn ein analytiker patienten stets erwachsen und nicht als kinder sieht.
gemeint ist hier doch eh nich das geistige alter, nech?
wo ist da eigentlich der zusammenhang..wo kommen die analytiker auf einmal her? |
alice miller ist analytikerin und sie berichtet in dem buch von ihren erfahrungen.
ich denke sie wollte mit diesen aussagen auf die negativen konnotationen der wörter "kind" und "krankheit" hinaus.
jemandem dem gesagt wird, er sei krank und benehme sich wie ein kind, fühlt sich ja nicht gerade gebauchpinselt.
dagegen ist "erwachsen" und "normal" bzw. "gesund" positiv belegt.
alice miller geht zwar noch vorsichtig vor, aber wenn man genau hinliest , entlarvt sie das ganze und kehrt es um: sie spricht von kinderfeindlichkeit und normalitätverehrung als gesellschaftliche zwänge, die krank machen. erwachsen und normal sein, so wie die gesellschaft menschen dazu drängt, ist nur möglich durch selbstaufgabe.
ein mensch, der darauf mit einer krankheit reagiert, macht damit wieder einen schritt hin zu seinem wahren selbst, was durch das erwachsen- und normal-sein-müssen nicht mehr existieren durfte und welches schon in frühster kindheit "verboten" wurde.
das wahre selbst wurde bei den meisten menschen schon in der kindheit gestört und durch ein falsches selbst belegt, wie das kind "sein soll" und nicht wie es "ist".
erziehung bedeutet grob gesagt, dass erwachsene eine vorstellung haben , wie ein kind sein soll und werden soll. ziel von erziehung ist es , das kind dahin zu verformen; das wahre selbst aufzugeben und das zu werden, was die erwachsenen sehen möchten. als erwachsene erziehen sie ihre kinder dann ebenfalls.
um das selbst eines kindes nicht zu stören, müsste ein kind viel mehr begleitet statt erzogen werden und die entfaltung seines eigenen selbst unterstützt, denn unterdrückt werden. das kann erziehung aber nicht leisten. jedes kind, das erzogen wurde, gibt diesen fehler wieder an seine kinder weiter. d.h. für mich im umkehrschluß, dass jeder "normale erwachsene" , weil er eben als kind erzogen wurde, nicht mit seinem eigenen selbst , sondern mit dem , wie er sein soll herumläuft.
wenn dem kind schon von seinen eltern aus nicht erlaubt war, das kind zu sein, was es war , dann war das diskriminierend. wenn ein analytiker dem patienten nicht erlaubt , wieder zugang zu diesem kind zu finden, macht er den selben fehler wie die eltern des patienten.
hier geht es nicht um das thema geistiges alter, sondern um den respekt vor dem, was menschen schon von anfang an sind und den unsere gesellschaft ihnen nicht zollt.
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es gibt keine prüfschein oder sowas..jeder kann heutzutage ein elternteil werden. und deshalb ist ein großteil aller elternteile auch ziemlich schlecht in diesem "job".
während z.b. meine kumpels, die ich aus dem kindergarten und den ersten schulklassen noch kannte, ein leben lang in derselben umgebung geblieben sind und sich niemals aus den augen verloren hatten, bin ich - gezwungen durch meine eltern - mehrmals umgezogen.
jedes mal sehr weit weg, was neue umgebung und neue schule bedeutete. das das einschnitte in die entwicklung haben kann, daran haben sie natürlich nicht gedacht.
es hieß auch immer, ich dürfte mitbestimmen. doch wenn ich mal ausdrücklich mein nein gegeben habe, wurde ich überstimmt. und dann waren es immer kleinigkeiten..
entweder waren die vermieter blöd, oder man wolle seine ruhe haben, oder es war nach einem jahr dann doch zu ruhig und die anbindung zu schlecht..
die eltern machen sich meist doch nicht einmal mehr gedanken darüber, was das kind beigebracht bekommen soll und wann der beste zeitpunkt dafür jeweils ist.
dazu sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass die heutige gesellschaft immernoch fairer ist als das gesetz der natur - dem gesetz des stärkeren. wieviele menschen würden einfach untergehen, weil sie zu schwach sind?
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