Hansi unregistriert
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Die Matrix des Kapitalismus
20.08.2010 04:16 |
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Bevor ich was dazu schreibe (dafür lass ich mir ein bisschen Zeit, schließlich lerne ich ja jetzt professionelles Artikel schreiben und die Thematik bietet sich an, da was besseres zu schreiben, als nen hingeklatschten Beitrag in 20 Minuten oder so), mal die Frage an euch, was denkt ihr dazu?:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unterne...,712637,00.html
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Da das Internet von einer Medium für eine Elite zu einem Medium für die Massen geworden ist, dürfen nun auch die Massen ganz demokratisch durch ihr Verhalten und ihre Brieftaschen bestimmen, wie das Internet wird.
Und die meisten Menschen wollen es bequem und sich nicht damit auseinandersetzen und es verstehen, das ist ihnen lästig und mühsam.
Stickies Bild finde ich unpassend, es ist zwar ein unheimlich beliebtes und angenehmes Symbol, dass "die da oben" die armen unschuldigen Bürgen beherrschen und ausbeuten, ist aber imho nur das üblichen und bequeme "den äusseren Feind bekämpfen", statt mal zu gucken, was man selbst oder die eigene Gruppe für Mist baut.
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"Do you believe in free will?" "I have no choice."
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Hansi unregistriert
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Ja genau, schieb denen die eh schon nix haben noch die Schuld für "ihr Versagen" in die Schuhe. Auf dem Bild ist eigentlich nur zu kritisieren, dass die Medien und Religionen fehlen.
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Und evtl. noch, dass die Personifizierung von "Wirtschaft und Kapital" keine Hakennase hat?
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@Arne Reload:
Das mit der Hakennase ist nun billigste Polemik! Ausserdem ein Strohmann, welchen du gerne behalten darfst!
Derzeit ist Politik und Justiz ausschliesslich Umsetzungsorgane der Wirtschaft. Es wird wohl keiner bestreiten, dass die derzeitigen politischen Entscheidungen ausschliesslich einer einzigen Klientel betrieben wird; und gegen die breite Masse der Bevölkerung. Bestes Beispiel ist doch der Austieg vom Atomausstieg und der Laufzeitverlängerung für AKWs. Da diktierte die Atommafia der FDJ-Merkel die Bedingungen.
Und viele Gerichtsurteile sind auch zu Hauf zu Gunsten der Bonzenkaste gefällt worden; Stichwort: Frikadellen-Urteil!
Was glaubt ihr eigentlich, warum gerade wieder aktuell über den Einsatz der Bundeswehr im Innern diskutiert wird? Wegen ein paar angebliche Taliban? Oder wegen zu erwartenden Unruhen auf Grund der sozialen Schieflage in D?
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Hansi unregistriert
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| Zitat: |
Original von Sticky
@Arne Reload:
Das mit der Hakennase ist nun billigste Polemik! Ausserdem ein Strohmann, welchen du gerne behalten darfst!
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Ja, das ist das Bild, oder vielmehr, was dahinter steht, aber auch!
Es gibt keine Bonzenklasse, es gibt eine Bourgeoisie, die aber nicht aus festen Familienclans oder Einzelpersonen besteht. Die meisten Proletarier sind ebenso korrupt und sind, sobald sie eine Aufstiegsmöglichkeit haben als Büttel der Bourgeoisie oder sogar als Mitglied dort, nicht abgeneigt das zu anzunehmen.
Insofern ist eine Personifizierung unsinnig. Jeder Hartz IV- Empfanger ist ein Bourgeois aus Sicht eines Menschen im Trikont.
Die Schuld ist nur wenig im Individuum zu suchen, sondern im System selbst.
Wenn man das nicht immer wieder deutlich macht, kommt man ansonsten eben auf so unsinnige Ideen, dass nur das Austauschen der Personen innerhalb der Bourgeoisie eine Veränderung herbeiführen würden. Das bringt aber überhaupt nix, solange das System weiter besteht.
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kobin unregistriert
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Wohl gesprochen arne...
Wenn man den Ring der Macht in den Händen hält, warum sollte man ihn vernichten, nur um eine bessere Gesellschaft zu schaffen, wenn man selbst unsagbar mächtig werden kann...?
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| Zitat: |
Original von Arne Reload
t.
Wenn man das nicht immer wieder deutlich macht, kommt man ansonsten eben auf so unsinnige Ideen, dass nur das Austauschen der Personen innerhalb der Bourgeoisie eine Veränderung herbeiführen würden. Das bringt aber überhaupt nix, solange das System weiter besteht. |
Genau das ist der entscheidende Punkt an der verkürzten, personalisierenden Kapitalismus-Kritik. Ich sehe allerdings das Problem auch darin, dass die Aufklärung über diese verzerrte Wahrnehmung mitunter dazu führt, zu vergessen, dass der Kampf gegen ein abstraktes System dennoch auch (!) als Kampf gegen konkrete Personen oder besser gesagt die dahinter stehenden konkreten Institutionen geführt werden muss. Die verkehrten Verhältnisse werden eben auch von ganz bestimmten Interessensgruppen forciert, auch wenn wir sie alle mehr oder weniger mittragen (müssen).
The Loathsome mask has fallen the man remains
Sceptreless, free, uncircumscribed, but man
Equal, unclassed, tribless and nationless,
Exempt from awe, worship, degree, the king,
Over himself, just, gentle, wise.
Percy Bysshe Shelley
Indessen ist das gerade wieder der Vorzug der neuen Richtung, dass wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Karl Marx
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Fixed
| Dateianhang: |
fixed.png (76 KB, 114 mal heruntergeladen) |
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"Do you believe in free will?" "I have no choice."
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das erinnert mich an ein komplexes krankheitsbild, bei dem die bekämpfung gegen eine krankheit nichts bringt, solange die andere krankheit noch da ist, um den ausbruch der zweiten krankheit jederzeit wieder herbei zu führen. oder die bekämpfung der symptome ohne antastung des ursprungs.
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Hansi unregistriert
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Der Konsument hat überhaupt keine Macht so lange ihm das Kapital fehlt um zu konsumieren! Desweiteren würde es mich sehr wundern, wenn ich durch mein Konsumverhalten die Justiz samt ihrem Bullenapparat lenken könnte. Es mag zwar theoretisch richtig sein, dass der Konsument eine große Macht über die Wirtschaft hat, in der Praxis jedoch sieht das ja mal völlig anders aus, zumal durch Werbung und der Wahl zwischem schlechtem und sehr schlechtem Produkt Manipulation des Konsumenten betrieben wird. Wenn du mir jetzt erzählst, dass die Konsumenten dann halt zu dämlich sind ihre Macht zu nutzen, dann gebe ich dir Recht und sie aufzuklären dürfte genau so schwierig sein, wie sie zu einer sozialen Anarchie zu bewegen. Beides in der heutigen Zeit sehr utopisch.
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Hansi,
aufklären geht graduell und kontinuierlich und jedes kleine Stück ist bereits ein Gewinn (oder Verlust, wenn die Menschen weniger aufgeklärt werden). Utopisch ist da gar nichts, ausser vielleicht irgendein totales Extrem zu erreichen. Ich hoffe doch, du kannst etwas mehr als nur Schwarz-Weiss-Denken in der Hinsicht.
Und die Macht ist nicht nur theoretisch, sondern sehr praktisch.
Die Firmen wollen kein Geld für Werbung ausgeben, Firmen würden am liebsten alle Ausgaben sparen, denn die gehen vom Gewinn ab, aber der Konsument zwingt sie dazu, indem er lieber beworbene Produkte kauft.
Und deswegen wurde ganz praktisch und real die halbe Welt mit Werbung zugekleistert. Da soll nochmal jemand sagen, die Macht sei nur theoretisch.
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"Do you believe in free will?" "I have no choice."
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Hansi unregistriert
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Schön das du diesen Punkt völlig außer Acht gelassen hast:
| Zitat: |
| Der Konsument hat überhaupt keine Macht so lange ihm das Kapital fehlt um zu konsumieren! |
Der Graben zwischen Arm und Reich reißt immer weiter auseinander. Die Armen müssen den Dreck konsumieren, denn die Wohlstandsgesellschaft für sie abwirft und die Wohlstandsgesellschaft konsumiert fleißig über alle Maßen und auch ohne Sinn und Verstand. Ein Konsument mit viel Kapital hat somit viel mehr Macht als ein Konsument mit sehr wenig Kapital, findest du das gerecht? Und findest du das sich unter diesen Umständen viel zum Guten verändern wird? Theoretisch find ich deine Ansätze ja toll, praktisch bin ich wenig davon überzeugt, dass es sich mit dieser Menschheit so realisieren lässt. Der Mensch ist nunmal leider auch von naturaus gierig.
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| Zitat: |
Original von Hansi
Der Konsument hat überhaupt keine Macht so lange ihm das Kapital fehlt um zu konsumieren! Desweiteren würde es mich sehr wundern, wenn ich durch mein Konsumverhalten die Justiz samt ihrem Bullenapparat lenken könnte. Es mag zwar theoretisch richtig sein, dass der Konsument eine große Macht über die Wirtschaft hat, in der Praxis jedoch sieht das ja mal völlig anders aus, zumal durch Werbung und der Wahl zwischem schlechtem und sehr schlechtem Produkt Manipulation des Konsumenten betrieben wird. Wenn du mir jetzt erzählst, dass die Konsumenten dann halt zu dämlich sind ihre Macht zu nutzen, dann gebe ich dir Recht und sie aufzuklären dürfte genau so schwierig sein, wie sie zu einer sozialen Anarchie zu bewegen. Beides in der heutigen Zeit sehr utopisch. |
Wohl bemerkt!
Trotzdem wird auch gerne ein wichtiger Punkt vergessen zu erwähnen: Was wird denn als Konsumgut angeboten?
Selbst wenn der Verbraucher durch sein Konsumverhalten eine gewisse Macht hätte, (wobei ich auch stark bezweifele, dass die Macht ausreiche, Politik und Justiz zu beeinflussen) liegt die Grenze der Konsumentenmacht beim Angebot der Anbieter! Wenn du die Wahl hast, Brötchen zu kaufen, die billige Massenware von Discount-Bäckereien sind oder gar keine, wirst du gezwungenermaßen wohl auf erstere zurückgreifen, wenn du nicht verhungern willst.
Genauso sieht es doch derzeit aus: Die Hartzies würden es gerne vermeiden, bei solchen Ausbeutern, wie KiK, Lidl & Co. einzukaufen. Aber ihre finazielle Lage erlaubt nun mal nichts anderes. Willst du das den Leuten allen Ernstes vorwerfen?
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| Zitat: |
| Der Konsument hat überhaupt keine Macht so lange ihm das Kapital fehlt um zu konsumieren! |
Ach, du hast das als ernsthaftes Argument gedacht, ok, ich bin wohl zu optimistisch davon ausgegangen, es sei nicht ernst gemeint, nagut:
Wer nicht konsumiert ist per Definition kein Konsument.
Nun zum nächsten Punkt:
| Zitat: |
| Ein Konsument mit viel Kapital hat somit viel mehr Macht als ein Konsument mit sehr wenig Kapital, findest du das gerecht? |
Ja, es ist ziemlich gerecht, dass jeder soviel Macht über die Konsumindustrie oder wie er sie auch in Anspruch nimmt.
Die Verteilung vom Einkommen oder Kapital ist in vielen Fällen natürlich trotzdem ungerecht. Aber das ist ein anderes Thema.
Und nur, um es mal festzuhalten: Der allergrösste Teil vom Konsum verteilt auf Menschen mit nem normalen Einkommen.
| Zitat: |
| Und findest du das sich unter diesen Umständen viel zum Guten verändern wird? |
Kann es sein, dass du gerade implizit annimmst, dass Menschen, die mehr Geld haben, schlechtere Menschen sind? Ansonsten macht es nämlich keinen grossen Unterschied, welcher Konsument nun wieviel Macht genau ausübt, für die Frage, ob sie dadurch was verbessern oder nicht.
Und ich bin kein Hellseher, aber der Trend der letzten Jahrhunderte ist, dass es tendenziell immer besser für einen immer grösseren Teil der Menschheit wurde, man kann also hoffen, dass sich das noch etwas fortsetzt.
| Zitat: |
| Theoretisch find ich deine Ansätze ja toll, praktisch bin ich wenig davon überzeugt, dass es sich mit dieser Menschheit so realisieren lässt. Der Mensch ist nunmal leider auch von naturaus gierig. |
Ich habe doch eigentlich nur aufgezeigt, wie die Situation ist, damit die Leute vielleicht merken, wie sie ihre Macht effektiver einsetzen können, wenn sie das möchten. Wenn sie das nicht möchten, ok, man soll ja Leute nicht zu ihrem Glück zwingen (oder doch?).
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"Do you believe in free will?" "I have no choice."
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| Zitat: |
Original von Sticky
Selbst wenn der Verbraucher durch sein Konsumverhalten eine gewisse Macht hätte, (wobei ich auch stark bezweifele, dass die Macht ausreiche, Politik und Justiz zu beeinflussen) liegt die Grenze der Konsumentenmacht beim Angebot der Anbieter! |
Mach doch mal ein Gedankenexperiment:
Nimm an, 50% der Konsumenten haben sich organisiert und sind sich einig, wie sie ihre Macht als Konsumenten nutzen wollen.
Damit können sie den Umsatz jeder Firma von heute auf Morgen zur Strafe halbieren oder zur Belohnung extrem erhöhen.
Mir fällt nicht viel ein, was damit nicht umsetzbar wäre. Selbst wenn sich ein Grossteil der Firmen anfangs weigern würde irgendwelchen Wünschen nachzukommen, würden die einfach drastisch an Marktanteil verlieren und die, die den Wünschen der Konsumenten nachkommen, würde an ihre Stelle treten.
Bereits jetzt geben Firmen übrigens viel Geld aus, um die Wünsche ihrer Kunden zu ermitteln, nennt sich Marktforschung.
Ach ja, Politiker kann das Volk auch einfach nach seinen Wünschen wählen.
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"Do you believe in free will?" "I have no choice."
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wenn es nur so einfach wäre, wie "das volk" suggeriert.. ganz offenbar gibt es eine erhebliche menge an menschen, die entweder bei meinungsumfragen (wie aktuell, wo die fdp sogar unter der 5% grenze wäre und cdu ebenfalls abgesackt ist) etwas anderes wählen als sie es dann letztendlich tun, oder die ganz stur und konsequenzfrei ihrer partei treu bleiben.
anders kann ich mir nicht erklären, weshalb bei teilweise schon recht krassen verfehlungen hinsichtlich der wahlversprechen und parteiprogramme noch bestimmte parteien gewählt werden. von manipulativen parteiprogrammen mal abgesehen (damit meine ich, dass bei anstehenden wahlen oftmals recht beliebte und soziale politik betrieben wird, während die unbeliebten entscheidungen "mitten drin" gefällt werden in der hoffnung, der "einfache" bürger hat's bis zur wahl wieder vergessen).
dagegen kommt man doch eigentlich selbst nur mit manipulation an. ich glaube, dass man nicht viel erreichen würde durch bloße "aufklärung".
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| Zitat: |
Original von quaid
dagegen kommt man doch eigentlich selbst nur mit manipulation an. ich glaube, dass man nicht viel erreichen würde durch bloße "aufklärung". |
Der Ansatz, Manipulation mit Manipulation zu bekämpfen, wird schon seit vielen Jahren durchgeführt und hat hauptsächlich zu grosser Politikmüdigkeit geführt.
Ich würde ihn deswegen als gescheitert betrachten, ausser du kennt einen Weg so grosse Mengen an Resourcen zu kriegen, dass man alle andere "böse Manipuliation" durch "gute Manipulation" verdrängen kann.
Ach ja, das setzt natürlich vorraus, dass dich in deinem Leben nur gute Manipulation erfolgreich manipuliert hat oder du deine Meinung nur aufgrund von rationalen Argumenten gewonnen hast. Ansonsten würdest du womöglich im Glauben "gute Manipulation" zu machen, in wirklich "böse Manipulation" machen.
Mir ist es lieber und sicherer, wenn man eine möglichst grosse Anzahl von Menschen hat, die möglichst gut durch sachliche Argumentationen beeinflussbar sind und möglichst wenig durch unsachliche Rhetorik.
Richtig ist allerdings auch, dass die meisten Menschen mit sachlichen Argumenten nicht viel anfangen können. Da muss man genauer hingucken, mehr auf die Formuliereungen und Bedeutungen von Wörtern achten, Quellen prüfen und angeben, Nachdenken, Experimente machen, etc. Alles anstrengende und schwere Sachen, insbesondere, wenn man es nicht gewöhnt ist.
Aber zur Vernunft gibt es eigentlich nur eine Alternative und das ist einfach warten, bis das die Evolution das Problem auf die eine oder andere Weise gelöst hat. Das könnte länger dauern und das Ergebnis ist vielleicht auch nicht so, wie wir uns das gerade erhoffen.
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"Do you believe in free will?" "I have no choice."
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