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schule sinnvoll?
22.12.2008 18:49 |
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wir haben ja sicher einige unter uns, die mit einem erstaunlichen wissen auftrumpfen können. etwas mathematik hier, eine prise geschichte da und noch etwas geographie dazu.
wieviel davon kam tatsächlich aus der schule, und wieviel davon hat man sich hier und da selbst angeeignet - ob gewollt oder zufällig?
ich persönlich habe immer im last-minute-verfahren gelernt und das gelernte nach dem test dann auch genauso schnell wieder vergessen. sehr praktisch, dass ich damit immer durch kam bis zum abitur und nie wirklich nachteile hatte.
gut, wenn ich jetzt irgendwo vorsprechen sollte und ein einstellungstest mit umfangreichem allgemeinwissensteil mich am weiterkommen hindern würde, dann würde mich das nicht überraschen. aber ich bin auch oft umgezogen und hab verschiedene schulsysteme gehabt wodurch ich viel stoff verpasste.
die lehrer heutzutage sind zum großteil entweder unterbezahlt, unmotiviert oder beides. was kümmerts die also, was tatsächlich hängen bleibt? die vergeben ihre noten, kriegen ihre kohle und sind froh, wenn ruhe in der klasse herrscht.
und die klassen sind eh zu voll.
geographie hatte ich seit der 8 klasse net mehr, wenn ich mich recht entrinne. und im abitur-deutsch leistungskurs kam über ein halbes jahr nur geschichts-kulturelles zeug ran (die leiden des jungen werter, oder: wie man sich mit buchseiten den arsch abwischt) und wie man aufsätze schreibt.
ich glaube, ich kann mich an nichts aus der schulzeit über der 6. klasse mehr erinnern, was ich inhaltlich korrekt wiedergeben kann und was mir somit weiterhelfen würde.
also wie sinnvoll ist das schulsystem, wie wir es heute haben?
was sollte anders / besser gemacht werden?
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RE: schule sinnvoll?
22.12.2008 20:19 |
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Also ich breche mal eine Lanze für die Institution Schule.
Als wissenvermittelnde Stelle ist das ein richtiger Platz.
Als sozialisationsinstrument (was es heute mehr als das erste ist) sollte solch ein Ort nicht dienen.
Vieles meines WIssens habe ich aus der Schule, allerdings erst aus einer zweiten freiwilligen Phase, in der dann auch nicht mehr so stark auf Disziplin geskillt wurde, weil es scheinbar vorausgesetzt war
Ich stelle mir unter einem idealen System vor das man Angebote hat, die man besuchen kann. Auch klar ist das es ggf. Kurse gibt, die aufeinander aufbauen, das heisst man sollte schon das Wissen aus bestimmten anderen Kursen haben,um daran teilzunehmen, dies aber nicht als Zwang sondern als Hilfestellung oder Empfehlung. Zum Beispiel der Kurs: Wie schreibe ich ein Buch, hat als Empfehlung - schreiben können. Zwingend ist das nicht, vielleicht interessiert sich ja auch jemand für den Aufbau der Story , etc. und erzählt es dann jemanden der Schreiben kann und der setzt das dann auf Papier.
An diesem Beispiel sieht man schon wie schön komplex das ist
Kinder motivieren sich unwahrscheinlich stark selber, wenn der Kumpel rechnen kann, will man das auch ....bis man feststellt das man doch lieber liest und dann das macht, vielleicht liest der Kumpel dann ja auch mal und entscheidet sich dann doch wieder fürs Rechnen ...
Freie Wahl der Inhalte mit einem "roten Faden" als Empfehlung. Keine Noten, keine Scheine, kein Zwang, kein Kreuz bei teilgenommen, keine Beurteilung.
Einfach eine Lernmöglichkeit unentgeltlich aus Steuermitteln
, solange es noch Geld gibt , Steuern sind nämlich für den Staat da und der Staat sind seine Bewohner
So stelle ich mir das vor
PS: Ich bin für Weltsteuern, solange es Geld gibt und dann gilt der Pool für alle Menschen gleichermassen, egal ob Nord, Süd, Ost, West, SChwarz, Weiss, Rot, Gelb oder grün.
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ja ich hab abitur. allerdings auf ner gesamtschule mit gymnasialer oberstufe gemacht..manche sagen, das is weniger wert als ein "echtes" gymnasium.
zum thema allgemeinbildung ist hier ein thema: Allgemeinwissen
die groben kritikpunkte an der schulbildung sind mMn:
-unnatürlicher gehorsamszwang in zwei schichten (schüler-lehrer und schüler-schüler nach dem prinzip des stärkeren)
-lehrer sind nicht genug ausgebildet für soziale probleme
-lehrermangel führt zu häufigen ausfällen an vielen schulen
-wissen wird nicht dauerhaft vermittelt
daraus resultiert ja teilweise schon die problematik Allgemeinwissen ..
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dian unregistriert
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Ach quaid, du hast Abitur?
Merkt man irgendwie garnicht. (das ist jetzt als Kompliment gemeint!)
Heute bin ich in der Stadt zufällig meinem ehemaligen Geschichtslehrer begegnet.
Der Typ ist wohlgemerkt stinknormaler Lehrer, aber fährt nen dicken Daimler und ist FDP-Kreisvorsitzender oder irgendsowas perverses.
Ich hätte ihn ja komplett ignoriert, aber er laberte mich dann auch noch an und freute sich anscheinend tierisch darüber, dass er mich nach all den Jahren noch erkannt hat.
Mehr als drei oder vier Worte ist er mir aber nicht wertgewesen.
Irgendwie fand ich es fast bemitleidenswert, wie der sich wohl auch noch einbildet, ein beliebter Lehrer gewesen zu sein, obwohl ihn die meisten damals nicht ausstehen konnten.
Der Geschichtsunterricht ist sowieso ein gutes Beispiel, wie Schulbildung möglichst NICHT ablaufen sollte.
Die lassen dich irgendeinen alten Text lesen, der in so komischer Sprache geschrieben wurde, dass man ihn kaum versteht... dann muss man das gelesene weltfremde Zeug, obwohl es einem komplett am Arsch vorbeigeht, zusammenfassen und auswendiglernen.
Was für ein Schwachsinn!!
Ich habe mich eigentlich immer für Geschichte interessiert... aber so, wie das einem in der Schule vermittelt wird, ist es das reinste Brechmittel.
Dabei gibt es richtig coole, spannende Dokus im Fernsehen, die das Wissen auf eine Weise vermitteln, dass man das Gefühl hat, als ginge es einen auch heute noch etwas an. Würde man das auf eine ähnlich lebendige Weise den Schülern vermitteln, wüssten die heute sicher auch mehr über die Vergangenheit bescheid. Mit spannenden Comics könnte man ähnlich viel vermitteln wie mit verstaubten Quellentexte... das wäre zeitgemäßer und würde die Kids auch mehr interessieren.
Oder der Deutschunterricht...
weil Engel des Südens meinte: "Wie schreibt man ein Buch?"
Das ist nur leider so in etwa das Allerletzte, was man im realexistierenden Deutschunterricht den Schülern vermittelt.
Auch hier heißt es größtenteils, jahrhundertealtes Zeug auswendig zu lernen, mit eigenen Worten zusammenzufassen, und sich dabei vor allem auch an die Rechtschreibregeln zu halten.
Kreativität ist, sobald sie über das normierte Maß hinausschießt (was bei mir zwangsläufig der Fall ist, wenn ich kreativ werde), absolut unerwünscht.
So nach dem Motto: Der Lehrer gibt dir ein Thema vor... "Schreibe eine Geschichte über den Weihnachtsmann"...
aber wenn du dann etwas schreibst über einen Serienkiller, der sich als Weihnachtsmann verkleidet und eine Familie umbringt, dann lässt der Deutschlehrer deine Eltern in die Schule kommen oder schickt dich zum Schulpsychologen...
Ach, ich könnte kotzen, wenn ich daran denke.
Zum Glück hab ich das alles schon hinter mir.
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Mir gefällt das Gesamtschul-Konzept eigentlich recht gut, also dass man nicht auf eine Schule mit entweder "dummen", "durchschnittlichen" oder "schlauen" Schülern gesteckt wird, sondern eine Schule besucht wo nicht aussortiert wurde, und man sich lediglich bei den einzelnen Kursen zwischen unterschiedlichen Lern-Niveaux entscheidet. Klappt allerdings nur wenn man die Schulformen-Hierarchie komplett abschafft, sonst sind da fast nur Schüler die sonst auf die Hauptschule gehen würden, eine gute Zahl mit Realschulempfehlung, und nur ein paar vereinzelte die es auf's Gymnasium geschafft hätten (ich war bis zur 7 auf einer Gesamtschule, hab' dann auf's Gymnasium gewechselt).
Ansonsten gefallen mir deine Vorschläge recht gut, Engel des Süden, würde auch gerade "berufsvorbereitende" Elemente (Disziplin, Vorträge, Aufsätze etc.) nur auf komplett freiwilliger Basis anbieten (wobei Disziplin natürlich nicht zugunsten von Respektlosigkeit verschwinden darf). Ach ja, ganz wichtig: Abschaffung der "Sie"-Form, die ist fast so schlimm wie der im Mittelalter übliche "pluralis majestatis", und sorgt einfach nur für zwischenmenschliche Distanz!
Trotzdem bin ich skeptisch gegenüber einer kompletten Abschaffung des Schulzwangs, da er Kinderarbeit und Kreationisten etc. Tor und Angel öffnet. Ein bisschen Allgemeinbildung* sollte schon Pflicht sein.
* Da kann man sich wunderbar drüber streiten was da drunter fallen soll, und was nicht dabei sein darf.
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| Zitat: |
Original von Yog-Sothoth
[...](wobei Disziplin natürlich nicht zugunsten von Respektlosigkeit verschwinden darf )[...] |
Ich habe das mal genaz bewußt herausgequotet
Immer wenn es bei Diskussionen um Anarchie geht und die Abschaffung von Hierachien und Herrschaftsformen, kommt beinahe zwangsweise
die Diskussion auf Chaos, Terror, Gewalt, gegenseitiges zerfleischen
Soweit die Überspitzung.
Chaos - naja eine positive Form der Unordnung - Materie strebt ja nach dem Entropiemaximum
- dem höchsten Grad der Unordnung ...
Was ich nicht verstehe ist, warum die Menschen Gewaltenlosigkeit immer gleichsetzen mit - jeder wird ein Arsch und benimmt sich Scheisse.
Ich gebe zu das es in der Anfangsphase vielleicht ein höheres Level von Arschlöchern geben wird, weil sie sich erst einmal austoben müssen, nach jahrezenten langen persönlichen und jahrhundertelangen kollektiven eingesperrt sein. Wie mit dem Hund der lange an der kurzen Leine lebte und die Chance hatte sie zu zerreissen.
Aber danach und eigendlich auch nicht erst dann, ist es für mich klar das man sich VON ALLEINE so verhält das man andere nicht schädigt.
Wozu auch, wenn Besitzstandstreben nichts mehr zählt, wenn ich weiss am meisten nicht mehr zählt, sondern alle für alle irgendwas machen oder auch mal gerade nicht.
Ich gebe zu das erfordert eine Menge "Entsozialisierung". Das ganze mit den gleichen "krummen" Ansichten des Mainstreams durchzuführen - erfordert ....
...... viel Mut ..... und Geduld ....
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So Ontopic: - Gesamtschulen sind schon ein interessanter Aspekt, allerdings gelten hier ja auch schon Pflichtveranstaltungen. Eine Schule für alle . Alle Kurse Wahlfächer (jederzeit wechselbar) und das auf verschiedenen Niveaustufen. Heute als nutzloseingestufte Dinge wieder rein - Philosophie, Kreative Dinge, diverse Sachen die heute als Ausbildungen herhalten, Handwerk, Photografieren, Kochen, ... diese mit praktischem Unterricht - und dann noch eine kreative Unterrichtsgestaltung, wie Dian es vorschlug
Vielleicht malt ja auch ne Gruppe die Comics oder erfindet Unterrichtsideen, oder die "Schüler" beratschlagen selbst wie sie es hätten
Ja so würde ich auch noch wieder zur Schule gehen
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Naja, eben - ich wollte auch kein komplett "anarchistisches" Schulsystem vorschlagen, sondern eins wo die Teilnahme freiwillig ist. Und ich bin der Meinung dass es vom Lehrer nicht tolerierbar sein sollte wenn irgendwer laut mp3s mit seinem Handy hört, während die anderen vergeblich versuchen zu zu hören; und die Erwartung dass das nicht vorkommen wird halte ich für ziehmlich naiv, auch wenn die "Anfangsphase" überstanden ist.
Hauswirtschaft (kochen) und Technik (Handwerk) wurden übrigens an meiner Gesamtschule angeboten, so was gibt's auch schon teilweise. Ich habe gehört in den USA haben die auch alle möglichen praktischen Fächer, hab' aber leider keine Quelle.
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| Zitat: |
Original von Yog-Sothoth
Naja, eben - ich wollte auch kein komplett "anarchistisches" Schulsystem vorschlagen, sondern eins wo die Teilnahme freiwillig ist. Und ich bin der Meinung dass es vom Lehrer nicht tolerierbar sein sollte wenn irgendwer laut mp3s mit seinem Handy hört, während die anderen vergeblich versuchen zu zu hören; und die Erwartung dass das nicht vorkommen wird halte ich für ziehmlich naiv, auch wenn die "Anfangsphase" überstanden ist.
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Und da sind wir dann wieder bei dem Thema
Anarchie = assiges Verhalten ?
Ich denke nicht der Lehrer sollte da alleine einschreiten, wenn es dieser Gruppe nicht gefällt, dann wird sie einen Weg finden müssen.
Wenn er nun Bock hat auf lernen mit MP3 gibt es ja vielleicht noch mehr, die das so haben wollen. Anarchie heisst meines Erachten nicht einer Gruppe seinen Willen aufzuzwängen, aber wenn es eine andere Gruppe gibt, die das mag dann ist er frei dahin zu wechseln oder sich jemanden zu suchzen, der ihn das so beibringt wie er es am besten kann.
Die Frage stellt sich allerdings, ob es wirklich auch für denjenigen sinnvoll ist mit MP3 Musik einem Thema zu folgen
und zur Not gibt es Kopfhörer, z.B: bei praktischen Arbeiten.
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PS: So macht das Spass - Fragen aufwerfen und Lösungen suchen.
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Ich glaube wir reden gerade ein bisschen aneinander vorbei; ich fänd ein anarchistisches Schulsystem auch toll, aber ich denke das ist von der jetzigen Situation aus betrachtet ein recht großer Sprung, und erst mal nicht realisierbar; überhaupt sollte man mMn erst mal kleinere Schritte machen, damit man nicht direkt etwas startet was in die Hose geht, weil man damit keine Erfahrungen hat - deshalb meinte ich, dass mein Vorschlag nicht anarchistisch gemeint war, nicht weil ich mir eine anarchistische Schul-Praxis nicht vorstellen kann.
In meinem Beispiel schrieb ich dass die Mucke die anderen massiv beim Lernen stört, und das sollte der Lehrer nicht tolerieren. Ob er nun auf den "Störenfried" zugeht und eine Kompromisslösung vorschlägt, oder ob er ihn vor die Wahl stellt die Musik aus zu schalten oder zu gehen ist seine Entscheidung.
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In der Schule habe ich nicht sooo viel gelernt.
Die Lehrer sind halt oft auch nicht sonderlich kompetent.
Aber Schulzwang mindestens für die Grundlage halte ich schon für sinnvoll.
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"Do you believe in free will?" "I have no choice."
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auch bei inkompetenten lehrern, wo nicht sonderlich viel stoff dauerhaft vermittelt wird? wieso?
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Seneca unregistriert
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Ich möchte nun mal einzige Punkte aus dem Gesamtbild herausgreifen und einzeln darauf eingehen:
Wissen, Allgemeinwissen, Sinn und Unsinn von Bildung:
Zunächst möchte ich einmal von mir selbst behaupten, dass ich relativ viel Allgemeinwissen und grundsätzliche Bildung mir aneignen konnte bisher, einen großen Teil auch in der Schule. Nicht gigantisch viel, aber genug. Wir dürfen uns jetzt zwar nicht vormachen, dass es Universalgebildete gibt, die alles können oder dass Rundumbildung unbedingt wichtig wäre.
Aber es ist ABSOLUT FATAL zu glauben, dass Wissen und Bildung unnötig wären und dass man darauf verzichten könnte, nur weil einen evt das eine oder andere langweilt. Bildung ist eine Waffe fürs Leben, denn nur wenn man einigermaßen gebildet ist, ist man in der Lage seine eigenen Freiheiten zu nutzen und zu verteidigen. Oder um es anders auszudrücken: Wenn man keine Ahnung hat, können einen die anderen nach Strich und Faden verarschen und man merkt es nicht einmal. Merkt man an der Bankenkrise mal wieder: Da lässt sich die Omma, die von Finanzen keinerlei Ahnung hat und noch nicht mal Prozentrechnen kann von einem Banker, der ihr bildungsmäßig in diesem Bereich tausendmal überlegen ist irgendwelche risikoreichen Zertifikate andrehen und verliert nacher. Kein Wunder, von Dingen, von denen man keine Ahnung hat, muss man die Finger weg lassen. Und je weniger Ahnung man hat, von desto mehr Sachen muss man die Finger lassen und anderen blind vertrauen. Da liegt das Problem.
Zum Thema Schule als Institution:
Ich studiere ja grade auf das Ziel hin, später mal selbst Kinder und Jugendliche an der Schule "betreuen" zu dürfen.
Was mir immer wieder auffällt an Schulen, ist der Zwiespalt, dass man einerseits den Schülern erzählt, dass sie freiwillig da sind und das alles zu ihrem eigenen Wohl ist, aber andererseits man sie zu Dingen zwingt, die sie nicht wollen. Das ergibt nicht so wirklich Sinn. Das ist bei mir an der Uni ja ganz anders: Ob man in die Vorlesung geht oder nicht, ob man die Hausaufgaben macht oder nicht interessiert keine alte Sau, da fragt keiner. Man muss sich eben selbstständig durchbeißen, damit man den Stoff des selbstgewählten Studiengangs beherrscht und irgendwann kommt die Prüfung. Wie man damit zurechtkommt, bleibt jedem selbst überlassen.
Zum Thema Gesamtschule, Leistungsdruck, Noten:
Ich bin sicherlich nicht derjenige, der Ideen und Haltungen irgendwelcher Schwarz-gelber Landesregierungen gerne teilt, aber manchmal muss es halt sein: Ich bin der Meinung, dass eine Gesamtschule absoluter Krampf ist und ganz im Gegenteil eine viel schnellere und stärkere Auslese als bisher erfolgen sollte, auch im Hinblick auf spätere berufliche Zukunft. Selbstverständlich sollte es auch NICHT so sein wie bisher, dass man unter einem gewissen Notenschnitt einfach aufs Abstellgleis Hauptschule geschoben wird und dann keinerlei Perspektive mehr auf eine angenehme berufliche Zukunft hat. Man muss aber einfach frühzeitig auf die Menschen eingehen, herausfinden wo ihre Talente liegen und sie speziell in diese Richtungen fördern, fordern und natürlich auch prüfen und benoten. Grund dafür ist ganz einfach, dass es Spezialisten braucht in allen Bereichen. Wenn mein Auto in die Werkstatt muss, will ich einen Mechaniker, der Benzin im Blut hat und professionell arbeitet und niemanden, der die Berufsschule nur geschafft hat, weils keine Noten mehr gibt. Das lässt sich auf alle Tätigkeitsfelder übertragen, egal ob Akademiker, Meister, Geselle oder angelernter Arbeiter, Autoren, Philosophen, Kleriker etc etc. Schule und weiterführende Bildungseinrichtungen müssen individuell, aber mit hohen Anforderungen auf den Einzelnen eingehen.
Bloße Abschaffung von Noten und Hausaufgaben führt nur dazu, dass noch mehr Leute an Stellen landen, an denen sie nichts zu suchen haben.
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Seneca unregistriert
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Um das nochmal nachzutragen:
| Zitat: |
| auch bei inkompetenten lehrern, wo nicht sonderlich viel stoff dauerhaft vermittelt wird? wieso? |
Dass viele Lehrer inkompetent sind, mag sein. Dies beeinträchtigt zwar die Menge und die Qualität des fachlichen Wissens, aber nicht die Dauer, die es sich hält.
Daran, dass das meiste sofort wieder vergessen wird, sind die Schüler selbst schuld. War bei mir ja auch nicht anders: Das, was ich nicht richtig lernen wollte, hab ich auch wieder vergessen. Ist jedoch nicht zu empfehlen, das in großem Stil zu machen, denn dann wird die Schule sinnlos, wenn man nichts mitnimmt.
Nochmal einen Nachtrag für die "so eine blöde Schule"-Rumheuler:
Es gibt in Deutschland exakt 9 Jahre Schulpflicht. Danach steht es jedem frei die Schule zu verlassen. Wer also nach der 9. Klasse noch rumheult, dass alles so schlimm ist, der sollte sich zunächst mal selbst in den Arsch treten.
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was falsch oder garnicht rüberkommt - auch von den lehrern - ist mMn die notwendigkeit, sich wissen anzueignen und dauerhaft darauf zurückgreifen zu können.
ich hatte mein ganzes leben lang das gefühl, ich werde zu dingen gezwungen, bei denen sich mir der sinn nicht vollständig erschließt.
ist sicherlich auch ansichtssache; die menschen sind ja bekanntlich verschieden.
was mir bei dir auffällt, @seneca, ist das du deine scheinbar gottgegebene einstellung zum lernen zu schnell auf andere überträgst. weil es dir evntl leicht fiel, dir stoff anzueignen und du die notwendigkeit aus irgendeinem grund rechtzeitig oder schon immer eingesehen hast, beschreibst du dich selbst als gebildet genug. soweit okay. aber wenn du dann sagst, "dann muss man sich mal selbst in den arsch treten", dann lässt du da mMn die individualität zu sehr aus dem spiel.
ich verdeutliche das mal anhand der bundeswehr. wir stellen uns 10 unterschiedlich gebaute jugendliche vor, die einen harten parkour absolvieren sollen. je schwerer es wird, desto eher werden einige mit sich ringen, ob der verstand obsiegen soll, der sagt man solle besser weitermachen, oder der körper der sagt es ist genug, eine pause ist notwendig.
es gab ja schon immer leistungsmenschen, die nie still halten konnten. für jene war es am wichtigsten, jemand zu sein und über andere zu stehen. und es gab auch schon immer menschen, denen soetwas nie viel bedeutete.
| Zitat: |
Zitat von atreju
Bei Noten & vorallem Prüfungen wird nicht dein Wissen getestet, sondern deine Fähigkeit dich innerhalb eines hierarchischen Systems, dem du dich völlig unterwerfen musst, zu behaupten.. das wars. |
dem stimme ich zu. die noten werden am ende absolut gesehen. da ist dann die rede von z.b. "nur einer drei", obwohl das eigentliche wissen und die motivation für einen bestimmten beruf ausreichen würden.
nur vielleicht hatte man in der lernphase eine schwere zeit (ist ja immerhin auch teilweise entwicklungsphase) oder sonstige probleme. da spielen zuviele faktoren mit, als das man noten absolut sehen und einen menschen in seiner leistung darüber definieren könnte.
| Zitat: |
Zitat von Seneca als Antwort zu atreju
So verallgemeinert halte ich diese Behauptung einfach für falsch. |
es ist verallgemeinert, ja. aber schlicht falsch würde ich es deshalb keineswegs bezeichnen.
kommt man mit dem lehrer nicht klar oder wird von der klasse gemobbt, gibt es zuhause stress oder man leidet an depressionen, dann kann das lernverhalten massiv gestört werden. die daraus resultierende zensur sagt kaum etwas über die tatsächliche leistung aus, sondern eher darüber, wie gut man sich in das system eingefügt hat bzw wie gut man es trotz diverser problemstellungen geschafft hat, sich anzupassen.
das ist natürlich immernoch schwammig, da es glückspilze gibt, die nie wirklich probleme hatten wobei andere es dafür umso schwerer hatten.
aber letztendlich ist eine nackte zahl als leistungsbewertung mMn unzureichend.
| Zitat: |
| Der Threadtitel geht finde ich imo völlig am Thema vorbei.. was heißt denn "sinnvoll"? Eher würde ich fragen.."unterstützenswert?" "zu verantworten?". Man sollte schlichtweg endlich mal in Frage stellen, ob man denn wirklich meint der Staat wolle einen BILDEN[..] |
das halte ich für haarspalterei. es ist nur ein titel, der ein thema anleiten soll. was wir daraus machen, ist unsere sache.
zum thema autoritäten und gehorsam:
ich kam mal unverschuldet (wetterbedingungen) ein paar minuten zu spät zum matheunterricht in der ersten stunde. die lehrerin sagte, ich solle draussen bleiben, sie wolle den unterricht nicht stören.
wir könnten nun schauen, wie sehr die lehrerin daran interessiert ist,
a) ihren kopf durchzusetzen gemäß ihrem gemütszustand, oder
b) wissen zu vermitteln an alle schüler ihres kurses.
jedenfalls zeigt dieses beispiel klar, dass manche roboter bessere lehrer wären.
ich füge ein weiteres beispiel an, um das bild zu vervollständigen. an einem anderen tag (wochen später) kam ich ein zweites mal ein paar minuten zu spät zum matheunterricht. eigentlich wollte ich mich krankschreiben lassen, weil es mir nicht gut ging. aber ich wollte den stoff nicht verpassen; der schultag war mir zu wichtig. auf dem weg zur schule überlegte ich mir, was m ich dann sagen könnte. letztendlich betrat ich den raum und sagte zur lehrerin:
"entschuldigung, dass ich zu spät bin, aber ich wusste garnicht, dass ich zu spät bin". die ganze klasse fand das weitaus komischer als ich und lachte drauf los. die stimmung war gelockert, ich durfte mich setzen.
wieder ein beispiel für die stimmungsabhängige entscheidungskraft der lehrer, die eigentlich in keinem fall der verstandshörigen entscheidungskraft überlegen sein sollte.
edit:
| Zitat: |
Zitat von Seneca
Aber es ist ABSOLUT FATAL zu glauben, dass Wissen und Bildung unnötig wären und dass man darauf verzichten könnte, nur weil einen evt das eine oder andere langweilt. Bildung ist eine Waffe fürs Leben, denn nur wenn man einigermaßen gebildet ist, ist man in der Lage seine eigenen Freiheiten zu nutzen und zu verteidigen. Oder um es anders auszudrücken: Wenn man keine Ahnung hat, können einen die anderen nach Strich und Faden verarschen und man merkt es nicht einmal. Merkt man an der Bankenkrise mal wieder: Da lässt sich die Omma, die von Finanzen keinerlei Ahnung hat und noch nicht mal Prozentrechnen kann von einem Banker, der ihr bildungsmäßig in diesem Bereich tausendmal überlegen ist irgendwelche risikoreichen Zertifikate andrehen und verliert nacher. |
das ist etwas speziell für meinen geschmack. vom allumfassenden wissen gehst du plötzlich auf ein beispiel ein, dass sich einfach aushebeln ließe, indem man z.b. sagt, man lernt "on demand". wenn die oma eine versicherung, ein zertifikat oder sonstwas haben will, informiert sie sich eben über dieses thema, bevor sie sich zulabern lässt. dieser gedanke hat nichts mit bildung zu tun, eher mit vorsicht und cleverness.
aber sich vorbeugend über alles mögliche zu informieren, damit man in jeder lebenslage gerüstet ist, halte ich persönlich für übertrieben.
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Alles zu wissen ist auch unmöglich, das erinnert mich an die Touristen, die hier auf meine Insel kommen und alles sehen wollen.
Man kann in 3 Wochen nur 5 % sehen wenn man alles durchhetzt oder aber 2% sehen und dabei erleben, fühlen intensiv wahrnehmen. In beiden Fällen wird man auf jeden Fall über 90 % nicht sehen können.
Lernen on demand finde ich nicht schlecht und dazu einfach wach durchs Leben gehen und sich anschauen was einen interessiert, mal ein Buch lesen, mal sich auf die Strasse setzen und wie ein Obdachloser um Geld bitten, mal in seine Gedankenwelt abtauchen und gar nichts von der Umwelt wahrnehmen, mal auf gewalttätige Demos gehen und etwas abseits die Stimmung aufnehmen, im Wald nach jedem Ast und Halm schauen und ihn wahrnehmen, im Netz nach allen Infos zu einem Thema suchen, oder auch eine Vorlesung an der Uni besuchen zu einem Thema was einen gefältt ...
Immer locker bleiben und neugierig dann kommt das wissen von fast alleine und bleibt.
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| Ich sehe diese Einstellung gegenüber dem Lernen nicht als gottgegeben an, aber es ist einfach ein bisschen meine Art und jeder geht mit solchen Dingen anders um. |
also gottgegeben ^^
ich habn problem mit motivation: was auch immer ich mir vornehme, rede ich mir früher oder später freiwillig selbst aus, weil ich immer demotivierter bin. ich kann einfach nichts durchziehen. aber so bin ich einfach. und du bist eben ganz anders in dieser hinsicht.
mit abitur wird man ja ständig gefragt, ob man denn studieren wolle.
aber für mich war die sache von anfang an klar. ich muss hier weg, geld verdienen und endlich ein leben finden, dass tragbar ist. als student nehm ichn darlehen auf..ob von kredithaien oder bafög-technisch vom staat ist an sich ja erstmal nicht weiter wichtig. dann müsste ich wohl nen teilzeitjob annehmen neben den vorlesungen und dem lernen, um über die runden zu kommen.
das seh ich aber alles garnicht ein, denn am ende steh ich da wie heute, nur dass ich mir nen neuen titel geben könnte. und was bringt einem dieser titel?
irgendwo hier im forum hatte ich es schon geschrieben..wie ein diplom-irgendwas gesucht wurde..die anforderungsliste war SO lang, und was war die art der anstellung? befristete überlassung von arbeitskräften.
ich studiere ganz sicher nicht, um einen teil meines lohnes dann zeitarbeitspennern in den rachen zu werfen und jederzeit gefahr zu laufen, weg vom fenster zu sein. und die chance, nicht bei eben solchen zu landen, ist mir zu gering, als das ich meine jahre für ein studium hingeben könnte.
gab auch schon einige berichte über hochdotierte ärzte, ausgebildete handwerker u.ä., die allesamt für ihren fähigkeitsgrad und bildungsstand minderwertige berufe ausüben mussten, um überhaupt geld zu verdienen.
deutschland könnte gut ausgebildete leute eigentlich brauchen. die abwanderung in andere länder ist nicht zu verachten. aber stattdessen wird lieber der mindestlohn unter den tisch geredet und bewundert, wie sehr die zeitarbeitsbranche blüht, während aber die steuern keinesfalls gesenkt werden.
und das, während man in so manchen nachbarländern schon 2x soviel in vielen berufen verdienen könnte, wenn man einen beruf erlernt hat. wieso ist deutschland im kapitalismuswahn eigentlich so weit vorn? sind die oberen zehntausend allesamt maybach-fahrer auf der überholspur, oder was verstehe ich da nicht?
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