|
|
Gedanken eines Menschen, den ich als wirklich denkend befunden würde in einem Forum...
06.10.2008 03:18 |
 |
http://www.anarchismus.at/txt2/berkman.h...tkommunistische Anarchisten
"Zum Link:
"[...] während die Individualisten und Mutualisten nicht an diese Revolution glauben. Sie glauben, daß die heutige Gesellschaft sich allmählich von der Regierung weg zu einem Zustand der Nichtregierung entwickeln wird."
- So, tue ich das? Wäre mir neu. Auch ich stehe für eine "soziale Revolution", aber die betrifft eher den Menschen selbst als die Gesellschaft, denn der Mensch ist ihr kleinster Teil, da setze ich an, der Mensch bin ich selber, da fange ich an. Das heißt mir der Individualismus!
"Da alle Arbeit nur in Gemeinschaft geleistet werden kann, gehören die erzeugten Produkte auch der gesamten Gesellschaft; daher hat das Argument vom Recht der Einzelperson auf sein Produkt keinen praktischen Wert."
- Für mich eher teilrichtig. Arbeit kann auch außerhalb von Gemeinschaften geleistet werden, nur ist sie dann auf einem äußerst schwachem Maße möglich. Erst Arbeitsteilung bringt Effektivität. Also heißt das, effektive Arbeit auf hohen Niveau kann nur in einer Gesellschaft existieren. Dennoch arbeitet nicht die gesamte Gesellschaft gleichzeitig an einem Produkt sondern noch jeder einzelne, das Produkt geht nur in verschiedenen Vorstufen durch mehrere Hände. Grundlage der Arbeitsteilung ist seit jeher das Tauschen, ein jeder tut folglich, was er kann und sein Können wird umgesetzt. Nach seiner Arbeit bekommt diese Person dann einen direkten Lohn, den Wert der Arbeit (dieser Wert hängt bekanntlich von Angebot und Nachfrage ab und diese Orientierung ist die nächste und unmittelbarste an einen gedeckten Bedarf, nicht nur an einen gewünschten). Ist meine Arbeit aufgrund höherer Fähigkeit nun mehr wert (ein Los des Lebens), so ist es natürlich, dass ich dementsprechend höheren Lohn beziehe. Meinen Lohn mit dem eines gering Qualifizierten grundsätzlich gleichzustellen halte ich für pauschal und widernatürlich unrecht, denn es bremst den Anlass, dass sich auch höhere Qualifikation lohnt und belohnt wird. Einfacher Grundsatz; was ich leiste, steht mir zu. Die Arbeit ist das eigentliche Produkt und nicht der daraus erwachsende Gegenstand, wie es in gegebenem Link betrachtet wird. Dieser direkte Lohn ist freilich nicht das Einzige, das dieser Person nun zusteht. Meine Solidarität ermöglicht es zweifellos auch, mit dem mir vielleicht durch meine höheren Fähigkeiten größerem Versorgungsstand Menschen zu unterstützen, die geringer bestellt sind als ich selbst. (Ich kann genauso höher bestellte unterstützen, wenn mir danach ist.) Was auch immer ich will. Die Solidarität und Vernetzung, die dem Kommunismus vorschwebt, nun, die ist freilich auch noch da, mag' noch da sein, nur wird sie nicht Vorschrift. Die Solidarität erwächst aus meiner Haltung und nicht aus der Annahme, es herrsche (oder sei) Kommunismus. Ich will weiterhin meine Solidarität auch darin strömen lassen, wo ich es am sinnvollsten finde, am nötigsten und förderlichsten. - Was wäre denn diese ominöse Gesellschaft des Zitates, was ist sie? Wie kann ihr etwas gehören, sie ist nur ein abstrakter Begriff einer vielzahl von Individuen! Die logische Grundannahme, wenn einer einzelperson das Recht abgesprochen wird, direkt den Lohn ihrer Arbeit zu erhalten, so kann dieses Recht auch bei einer Gesellschaft nicht bestehen, da sie nur die Gesamtheit aller Individuen ist. Einfach mathematisch gesprochen, auch 20 x 0 ist immer noch 0. Die Schlussfolgerung des Kommunismus ist also gewissermaßen Hirngespinst, da sie auf den Gedanken einer in sich konsistenten Gesellschaft zielt, einer Grundstruktur "Gesellschaft", einem Individuum selber gleich, das jedoch über dem Individuum steht. Hier findet sich in Grundzügen sogar jener Gedanke, den "wir" bei den rechten Volksgenossen so an ihrem Volke finden. Aber weiter über das Maß der indifferenzierten Kommunismus-Kritik hinaus, die Forderung nach mehr Solidarität ist vollkommen zu unterstützen. Aber nicht obwohl ich Individualist bin, sondern weil. Sie sei Wille, Schöpfungswille, nicht Vorschrift und vorkluge Annahme. - Zusammenschließend, das Übel der starken Assymetrien von Eigentum resultiert nicht aus der unabwendbaren Existenz von Privateigentum sondern aus der Abkehr vom Grundsatz, einem jeden stünde zunächst das zu, was er selber leistet, und dann weiterhin zu seiner freien Verwendung auch Für eine Gesellschaft. Also Habgier einer Herrschaft einer Obrigkeit über den Arbeitenden und in dieser Welt von Raffgier jegliches Gespühr für soziales Miteinander. Ich will nicht den Turbokapitalismus auf höchster Schiene des Neoliberalismus, ich will einen bewussten und individuellen Umgang mit Gütern, immer wieder auf sich und die eigene Leistung bezogen und nicht auf den Neid und die Habgier über Andere.
Dann noch zur Formulierung dieses Satzes; wieso keinen praktischen Wert? Nach dieser Argumentation hätte es keine Grundlage, kann aber dennoch einen Wert haben. Der Autor misst hier mit zweierlei Maß.
"Da der Wert einer Ware nicht angemessen bestimmt werden kann, ist kein Tauschhandel gerecht."
- 1. Was ist Gerechtigkeit? Ich sollte die Möglichkeit zu einem guten Leben und zu Grundversorgung haben, da stimmen die Kommunisten freilich noch mit mir überein. Ich sollte weiterhin auch über materielle Selbstbestimmung verfügen, hier stimmen die Kommunisten schon nicht mehr überein. Ich sollte vor allem selber gerecht sein können, denn nur dadurch gibt es Gerechtigkeit; das verstehen Kommunisten schon gar nicht. 2. Was ist angemessen an einem Wert? Angemessen ist, wenn ein Produkt einen hohen Nutzen für möglichst viele Menschen bietet; Übereinstimmung mit den Kommunisten. Da sich Bedürfnisse vieler Menschen aber wandeln, kann der Wert folglich auch nicht stabil sein. Dass sich langfristig immer der Wert einer Ware an Angebot und Nachfrage orientieren muss, ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit, die im Kommunismus auch aufkäme. Was jemand produziert und keiner haben will, bringt keinem was, er sollte sich schnellstens etwas Anderes suchen. In solchem Sinne kann ein Tauschhandel durchaus gerecht zugehen. Ich betone aber, dass das wiederrum nicht die Möglichkeit von einer unentgeltlichen Schenkung - Solidarität - nimmt! Mein Eigentum, meine Arbeit kann ich genauso handeln wie schenken. Nur die grundsätzliche Forderung der Kommunisten, Schenken verstünde sich von allein und wäre das Einzige, dem kann ich mich nicht anschließen.
"Diese Tatsache führt meiner Meinung nach zum Recht der gesamten Gesellschaft am Eigentum und dessen Gebrauch, das heißt, zum Kommunismus als dem am besten praktizierbaren und auch gerechtesten Wirtschaftssystem."
- Die angebliche Gerechtigkeit des Kommunismus hat der Autor in den letzen Sätzen dargelegt, die Praktizierbarkeit jedoch in keinem Worte. Daher komme ich dem nach: Nichts ist unmittelbarer als der Tauschhandel, da ich meine Ware sofort auf einen Markt werfen kann und über den Wert im Blick habe, wie die Nachfrage aussieht. Dabei findet sich Ware zu immer großen Transportmengen und geringen Wegstrecken an zentralen Händlern des Marktes, zu denen ich transportiere und bei dem sich jeder holt, der braucht. Das wäre in einem Kommunismus im Prinzip das selbe, wenn man annimmt, dass die Bedürfnisse so ineinander greifen, dass man auf weiter strecke einen unentgeltlichen, das heißt nicht direkt vergleichenden Warenstrom aufrecht erhalten kann. Folglich ist keins der beiden "Systeme" im Grunde praktikabler, nur bedarf der Tauschhandel nicht der Annahme eben genannten Grundes, was ihn wohlmöglich flexibler und sicherer hält. - Und wieder die Betonung, dass auch der Markt einen eigenverantwortlichen Kommunismus möglich hält, nur der Kommunsimus hingegen den Tauschhandel ausschließen möchte.
"[...] und sie argumentieren, daß das Monopol mit der Abschaffung der Regierung verschwinden wird, weil es ein spezielles Privileg sei."
- Das tuen viele manchasteroide Anarchokapitalisten sicher, keine Frage. Ich tue es nicht und ich verbiete mir, grundsätzlich so zu polarisieren, wie der Autor es tut. Sicher ließen sich einige Monopole durch die Abwesenheit einer Regierung eindämmen, aber freilich lange nicht alle. Monopole entstehen durch zwei Faktoren: 1. Das Monopol nimmt sich ohne eigene Leistung und vor allem Gegenleistung, was es bekommen kann, verstößt also gegen den Grundsatz des leistungsorientierten Lohnes (den Worten eines gut befreundeten Anarchokommunisten meiner einer nach "höchst sozialistischen Prinzips"). 2. Das Monopol hat genug Macht angehäuft, diese auch zu halten. - Das lässt vorab nur einen Grundschluss zu, in dem ich mit den Kommunisten absolut übereinstimme: Die Monopole müssen hinweggefegt werden! (Das Wie ist dann noch eine zu stellende Frage.) Nur eine Umverteilung von bisherigen Monopolen liefert den Grund für eine "gerechte" Verteilung und somit der langfristigen Abwesenheit von Monopolen. Der weiter folgende Schluss ist, dass jeder Mensch auf die Barrikaden geht, wenn ihm deutlich weniger Lohn zugesprochen wird, als ihm durch den Wert seiner Leistungen zustünde, und dass er daran teil hat, Monopolbildung durch gezielten Kauf zu verhindern.
"Freier Wettbewerb, erklären sie, würde das Monopol und seine Übel beseitigen."
- Freier Wettbewerb ist bereits die Annahme, dass Monopole nicht mehr existieren. Das ist ein Ringschluss. Ein Fehler vieler Anarchokapitalisten, aber auch des Autors hier, selbst wenn er diesen Fehler in erster Linie nur wieder zu geben scheint. Die Verknüpfung wäre dann auch eher andersrum; Abwesenheit von Monopolen würde einen freien Markt ermöglichen.
"Individualistische Anarchisten, Nachfolger von Stirner und Tucker, ebenso wie die auf Tolstoi zurückgehenden Anarchisten, die an Gewaltlosigkeit glauben, haben keinen sehr klaren Plan für das Wirtschaftsleben in der Anarchie."
- Stirner hat zuerst weniger dem heutigen Gedanken der Anarchie zugespielt als dem absoluten Individualismus, der in der Interpretation vieler leider über das Ziel hinaus schießt, da er in aufklärerischer Manier zum eigenen "Sparren" (Zitat Stirner) wird. Stirner hat das eigentlich selbst widerlegt, aber er scheint nicht oft verstanden. Er selbst lässt weiterhin alle Möglichkeiten offen, auch die der Anomie. Ich wüsste aber nun gern genau, was nun Tucker mit Stirner und Tolstoi in einem Topf zu tun hat, denn ein Grund findet sich hier nicht. Was Gewaltenlosigkeit mit Wirtschaft zu tun hat, erschließt sich mir nun noch weniger. Außer natürlich, der eigene Wirtschaftsplan sieht hauptsächlich Rüstung vor... Aber die Annahme, dass ich keinen "genauen Plan" von einem Wirtschaftssystem habe, stimmt im Grunde, auch wenn wohl anders als hier gemeint. Ich plane nicht, ich gebe in die Hände jedes Einzelnen (eine Grundannahme eigentlich jedes Anarchisten).
"[...] Profite auf ein Minimum zu reduzieren und somit Reichtum genauso wie Armut beseitigen."
- Was zum Geier ist eigentlich so schlimm an Profit und Reichtum? Armut ist schlimm, keine Frage, und Reichtum, der aus dem Profit über die Armut anderer geschlagen wird, freilich. Aber hier findet sich wieder mangelnde Differenzierung und nur Pauschalität.
"Das Gesellschaftsleben in der [...] Individualisten würde auf der Heiligkeit der freien Abmachung, des freien Vertrages basieren. "
- Äh, nein!? Eigentlich basiert es nur auf der Annahme, dass Menschen umsichtig mit dem umgehen, was sie haben und leisten, und einen Blick aufeinander haben. Das ist im Grunde selbige Annahme, die bei uns Anarchisten dazu führt, zu "glauben", Menschen könnten ohne Fremdherrschaft miteinander leben. Im Gegenteil vertrauen die Kommunisten auf die Heiligkeit einer Solidarität, denn sie grenzen die finanzielle Selbstbestimmung - wie der Autor zeigt -gezielt aus. Ich hingegen spreche nichts heilig, ich will nur das öffnen, zu dem wir im Stande wären. Aber das auch in einem Prozess und nicht mit Fingerschnipfsen; lang währende Revolution, wie gesagt.
"Ich habe hier die Ansichten der individualistischen Anarchisten und Mutualisten nur grob skizziert."
- Ja, und für viele, die sich so nennen, sicher treffend. Aber für eine andere Zahl, zu der ich zähle, leider nicht nur grob sondern größtenteils noch falsch. Und aus falscher Annahme folgert sich selten richtige Wertung (was im Prinzip der gesamte Abschnitt des Links war).
"Als kommunistischer Anarchist möchte ich dem Leser die Ansichten nahebringen, die ich für die besten und vernünftigsten halte. Ich hielt es jedoch für fair, Sie auch über die Existenz anderer, nichtkommunistischer anarchistischer Theorien zu informieren."
- Ja, auch eine durchaus gute Annahme. Nur leider wurde es so durchgeführt, dass es keine "Information" war sondern eine gezielte Wertvermittelung der Meinung des Autors.
"Es ist nicht die Absicht dieses Buches, die anarchistischen Ideen detailliert zu diskutieren, die der Autor für fehlerhaft und undurchführbar hält."
- Es ist keine Idee des Anachismus, die für mich gilt, sondern meine, nur einmal angemerkt. Hier spiegelt sich das typische Schubladendenken wieder: Ich bin Kommunist, du bist Individualist, das ist dieses und das jenen und das schließt sich gegenseitig aus und wir konkurrieren miteinander. (Dafür, dass Kommunisten zumeist Konkurrenzdenken unterbinden wollen, haben sie noch reichlich viel davon.) Wenn ich jetzt in diesem Beitrag von "Kommunisten" rede, dann meine ich ganz bewusst die Mode der Kommunisten und das, was der Autor hier aufzeigt, dem sich viele zugehörig fühlen. Es gibt freilich auch andere Kommunisten, die genauso wie ich als Individualist ihren eigenen Weg gehen, quasi auch Individualisten sind. Der von mir erwähnte Freund sieht sich, wie gesagt, auch als Kommunist, und wir haben vielfach diskutiert, bis wir beide sahen, dass wir im Grunde keine gegensätzlichen Punkte vorzuweisen hatten, da ALLES bei der VERANTWORTUNG DES EINZELNEN ansetzt und unsere Forderungen ähnlich sind. Nur wenn man seinem Ideal fröhnen will, "dem Kommunismus" genauso wie "dem freien Markt", findet man solche Gegensätze. Aber nicht, weil sie da wären, sondern weil man sie erfindet, sie sich denkt, sie folglich will, sich dann aber über sein Denken und Wollen erzürnt und sie noch viel mehr will.
(Es fühle sich bitte kein Kommunist dadurch auf den Schlips getreten. Aber er prüfe bitte selbst seine Meinung, nicht nur den Kommunismus, auf die Grundfeste ihrer Existenz.)"
Und zum Thema,was DIE LINKE mit Anarchismus zu tun habe:
"Die Linke ist vielleicht ein wenig Sozialistisch aber Sozialismus ist nicht das Selbe wie Anarchie, für Anarchie grundsätzlich nicht einmal nötig. Sicher ist Anarchie mit gewissen Anteilen Sozialismus die einzige Form der Anarchie, die man guten heißen mag, dennoch kann man daraus nicht schlussfolgern, die Linke sei in irgendeiner Weise anarchistisch. Viele Anarchisten sehen es wohl über den bürgerlichen Konsens, dass Anarchie ebenfalls links sei, dass sie sich selbst im Lager der Linken ansiedeln und dann Parallelen mit solchen Parteien schaffen. Aber Anarchie ist nicht links, auch wenn es bei gewissen Überzeugungen Überschneidungen geben mag. Die lassen sich aber genausogut mit den Liberalen finden, in Bezug auf reine Anarchie da vermutlich noch mehr, trotzdem ist die FDP nun wirklich keine Anarchistische Partei; nun gut, nicht einmal wirklich liberal...
Dass eine Partei nun eine Partei ist, finde ich, spricht nun nicht gegen Anarchie. Sicher darf sie dann nicht zum Inhalt haben, ewig Partei im Parlamentarismus zu sein sondern sich wirklich der Anarchie verschreiben, sich aber unter jetztigen Bedingungen als Partei zu organisieren, dass ist sicher nicht gegen Anarchie. Aber eins stimmt; in diesem Sinne allein ist Die Linke schon nicht Anarchistisch, denn sie will das System nicht in Richtung Anarchie verändern.
Das Einzige, was man ihr positiv in der Hinsicht zugestehen kann, ist, dass sie zumindest von mehr Basisdemokratie spricht. Das ist aber vermutlich auch nur Populismus..."
|
Seien wir realistisch- versuchen wir das Unmögliche!
|
|
|
|
|
|
|