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Zum Ende der Seite springen Der Mensch und die "Furcht vor Freiheit"  
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Bakunins Bart




Der Mensch und die "Furcht vor Freiheit" 11.11.2008 03:07 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Lese gerade "Die Furcht vor Freiheit" und das Buch hat mich verdammt inspiriert.

Erich Fromm schreibt hier, der Mensch hat neben dem Selbsterhaltungs-Trieb einen Trieb der Furcht vor Isolation. Als der Mensch aus den feudalen Zwängen herausbrach, hatte er eine negative Freiheit, eine Freiheit von den Zwängen. Doch die positive Freiheit daraus entwickelte sich nur teilweise, der Mensch suchte sich, von seinen primären Bindungen losgerissen, sekundäre Bindungen, da er sich allein und isoliert vorkam.

Der Reformismus bereitete unbewusst durch Luther und Calvin den Boden für den heutigen Kapitalismus: der Mensch wurde zwar ein wenig befreit, gleichzeitig sollte er sich aber auch selbst negieren und für ein höheres Ziel, Gott heruntermachen, das man in diesem hohen Ziel aufgeht. Das hohe Ziel ist im Kapitalismus das Wirtschaftswachstum..

Der Mensch, der Händler, wie der Kunde, der Unternehmer wie der Arbeiter sind den Zwängen der kapitalistischen Logik unterworfen, all ihre Fähigkeiten sind nur von Nutzen, inwiefern sie dem Ziel der Produktivität dienen.

Masorchismus und Sadismus sind aus der Isolation hervorgehende Fluchtmechanismen, die die Symptome der Spanne zwischne Isolation und individuellem Bedürfnis zu stillen suchen..

Seien wir realistisch- versuchen wir das Unmögliche!
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quaid

their law


11.11.2008 16:11 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

furcht vor freiheit ist klaustrophobie, oder?
viele glauben ja immer, dass ist platzangst. aber irgendwann hörte ich mal, dass es genau das gegenteil ist.

verstehe ich das richtig, dass der mensch sich in seiner neuen freiheit sekundäre bindungen suchte, weil er sich isoliert vor kam? das leuchtet mir nicht so ganz ein.
auch verstehe ich nicht, wie sich sadismus und masochismus als fluchtmechanismus aus der isolation hervortun kann..
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Hansi
unregistriert
11.11.2008 16:45 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Das mit dem Sadismus/Masochismus und den Fluchtmechanismen finde ich äußerst interessant, meine Frage wäre nun ob es noch eine effektivere, bessere und vor allem gesündere Methode gibt aus der Isolation in individuelle Bedürfnisse zu flüchten und dabei eben nicht auf Sadismus/Masochismus zurück zu greifen, sondern eine weit bessere Alternative zu haben. Nur, wie soll die dann aussehen?
dian
unregistriert
11.11.2008 17:30 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

@ quaid:
Zitat:
furcht vor freiheit ist klaustrophobie, oder?
viele glauben ja immer, dass ist platzangst. aber irgendwann hörte ich mal, dass es genau das gegenteil ist.

Aufpassen, da bringst du was durcheinander.
"Klaustrophobie" ist tatsächlich die Angst vor engen Räumen und beengenden Verhältnissen. Sie müsste nur eben konsequenterweise mit "Raumangst" übersetzt werden... "Platzangst", und da liegst du völlig richtig, ist aber nicht die Angst vor engen Räumen, sondern die Angst vor großen, weiten Plätzen. (Beispielsweise, wenn man Angst hat, über ein Fußballfeld zu gehen, weil man immer irgendwelche Dinge in der Nähe braucht, an denen man sich festhalten kann.)

Was hier im Thread anklingt, würde ich aber eher als "Anarchophobie" bezeichnen... die Angst vor Zuständen, in denen es keine klare hierarchische Ordnung gibt.
Das ist meines Erachtens eine ganz eindeutige Zivilisationskrankheit, von der nicht nur Schäuble und Co. massiv befallen sind, sondern generell ein Großteil der Bevölkerung (in der Regel ohne es überhaupt zu wissen, weil das ganze von der Schulmedizin auch gar nicht als Krankheit betrachtet wird. Ist ja auch schließlich völlig normal, so zu sein. großes Grinsen )

@ Bakunins Bart:
Zitat:
Als der Mensch aus den feudalen Zwängen herausbrach, hatte er eine negative Freiheit, eine Freiheit von den Zwängen.

Das halte ich für etwas zu kurz gedacht, da es auch nach Zusammenbruch der feudalen Strukturen immer mehr als genügend Hierarchien gab. Ich sehe da nicht wirklich einen radikalen gesellschaftlichen Umbruch. Der Zwang, sich dem König unterzuordnen, wurde halt durch den Zwang, sich einem Kollektiv oder irgendwelchen anderen Unterdrückern unterzuordnen, ersetzt, ohne dass es dazwischen irgendwann eine längere Periode gegeben hätte, in der die Menschen mal wirklich in den Genuss einer Befreiung von den gesellschaftlichen Zwängen gekommen wären.
Ich denke, das Problem ist eher, dass auf jeden positiven Einfluss, durch den Kinder dazu animiert werden könnten, ihre Freiheit woanders als in hierarchischen Strukturen zu finden, hundert negative Einflüsse kommen, die versuchen, die Kinder für ihre Form von hierarchischen Strukturen zu gewinnen. (seien es nun Faschisten, Kirchen, oder die ganz normale bescheuerte Jugendclique)
Ohne jemand, der sie anleitet und ihnen ein Vorbild gibt, ist es dann ja kein Wunder, dass sich die Kinder irgendwann einem der zahlreichen negativen Vorbildern zuwenden, und so die Dummheiten und Fehler ihrer Vorfahren immer wieder aufs Neue begehen.
sandu mehta
unregistriert
11.11.2008 19:08 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

@babar
Zitat:
Erich Fromm schreibt hier, der Mensch hat neben dem Selbsterhaltungs-Trieb einen Trieb der Furcht vor Isolation.

das klingt nach einem seltsamen "trieb". ist damit nun einfach gemeint, dass menschen herdentiere seien?

ich bin mir immernoch nicht so ganz sicher, ob menschen von natur aus prinzipiell aufeinander angewiesen sind, oder bloß im säuglingsalter, da ich noch keinen erwachsenen menschen getroffen habe, der nicht irgendwie (v)erzogen wurde..

ich würde vorsichtig dabei sein zu behaupten, es läge in der menschlichen natur, denn so kommt man schnell zu der idee, es sei unabänderlich..

ich denke - vielleicht etwas naiv, aber immerhin nicht resignierend - autonomie kann erlernt werden.


den zusammenhang zu sm verstehe ich aber auch nicht..


@dian
Zitat:
Was hier im Thread anklingt, würde ich aber eher als "Anarchophobie" bezeichnen... die Angst vor Zuständen, in denen es keine klare hierarchische Ordnung gibt. Das ist meines Erachtens eine ganz eindeutige Zivilisationskrankheit, von der nicht nur Schäuble und Co. massiv befallen sind, sondern generell ein Großteil der Bevölkerung (in der Regel ohne es überhaupt zu wissen, weil das ganze von der Schulmedizin auch gar nicht als Krankheit betrachtet wird. Ist ja auch schließlich völlig normal, so zu sein. großes Grinsen )

ich würde, auch wenn es spass macht, auch bei pathologisierungen vorsichtig sein, denn sie sind recht oberflächlich, erklären keine ursachen, weil es ja krank und daher sowieso unlogisch sei. und dann kann man auch nicht mehr an der wurzel etwas ändern...

allerdings relativierst du das ja wieder, und bietest eine erklärung, indem du schreibst:
Zitat:
Ohne jemand, der sie anleitet und ihnen ein Vorbild gibt, ist es dann ja kein Wunder, dass sich die Kinder irgendwann einem der zahlreichen negativen Vorbildern zuwenden, und so die Dummheiten und Fehler ihrer Vorfahren immer wieder aufs Neue begehen.

allerdings könnte die schlüsselrolle der vorbilder vor allem in der frühen kindheit liegen; wenn dort ein kind autonomie lernt, wird es wahrscheinlich auch später keinen repressiven vaterfiguren mehr hinterher laufen.

Dieser Beitrag wurde 4 mal editiert, zum letzten Mal von sandu mehta am 11.11.2008 19:12.


Yog-Sothoth




12.11.2008 01:14 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Ich finde auch dass der Begriff "Angst vor Isolation" etwas verwirrend ist - es geht ja eher um die Angst vor Unabhängigkeit, bzw. dem "Trieb"(?) nach Abhängigkeit, während zumindest ich mit dem Begriff "Isolation" eher etwas anderes assoziiere.

Ich denke aber auch das ist nicht unbedingt etwas Natürliches, sondern zeigt sich insbesondere bei Menschen, die es nicht gewohnt sind frei zu sein, so wie ein Haustier, oder ein Kind das sich den elterlichen Autoritäten unterwirft. Ich kann mich z.B. gut an die Zeit zwischen Schule und Zivildienst erinnern, wo es mir auch irgendwann nicht so gut ging da ich die Abwesenheit von einem geregelten Tagesablauf nicht gewohnt war. Inzwischen ist das Gefühl aber fast völlig weg wenn mal wieder die recht langen Sommersemesterferien sind.

...also Fazit: Alles Gewöhnungssache (zumindest bei mir)! Augenzwinkern
E-Mail an Yog-Sothoth senden
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Bakunins Bart




12.11.2008 23:04 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

hoi, schön dass es ersteinmal zunächst auf diesen Gedanken-Anstoß so viel Rückmeldung gab, freut mich.

@quaid: "verstehe ich das richtig, dass der mensch sich in seiner neuen freiheit sekundäre bindungen suchte, weil er sich isoliert vor kam? das leuchtet mir nicht so ganz ein."

Nun Freiheit ist nicht gleich Freiheit, es gibt die Freiheit von und die Freiheit zu, also die negative und die positive. Wir gehen nun davon aus, dass der Mensch neben dem Selbsterhaltungs-Trieb einen Trieb der Furcht vor Isolation besitzt. Ist er nun einmal als Individuum aufgetaucht aus seinem früheren VErständnis als "Klasse", "Zunft",... verspürt er zunächst eigene Verantwortung, er wird sich bewusst dass er ein individuelles Wesen ist. Da der Mensch diesen 2. Trieb besitzt, sucht er sich aber auch Verbindungen, welcher Art auch immer und die Gefahr besteht, dass er sich lieber wieder als großes ganzes sieht, als Teil einer "Klasse", "Zunft",... Allerdings, wenn der Mensch einmal aus ihr aufgetaucht ist, kann er niemals wieder ganz die Zweifel abstellen, dass er doch ein individuelles Wesen ist. Das sind sekundäre Verbindungen. Allerdings kann der Mensch auch, nachdem die negative Freiheit erfolgt ist, den Sprung zur positiven Freiheit, zur Freiheit "für" erlangen.

"auch verstehe ich nicht, wie sich sadismus und masochismus als fluchtmechanismus aus der isolation hervortun kann.."

Der Mensch, hat er nun einmal die Freiheit "von", also die negative Freiheit und schafft er nicht den Sprung zur positiven Freiheit sucht nun wie gesagt Wege, um aus der Isolation herauszukommen. Findet er auch keine sekundären Bindungen, in denen er sein selbst wieder abstreifen kann oder will er es aus irgendeinem Grund nicht, kann es passieren, dass er Neurosen durchlebt.
Der neurotische Mensch, kann aber gesünder sein als der scheinbar "normale", denn der neurotische Mensch hängt noch irgendwie an seinem individuellen Selbst, während einige "normale" Menschen ihr Selbst schon aufgegeben haben und nur unbewusst noch dieselben Neurosen pft spüren.
Wenn wir hier von "normal" sprechen, dann meinen wir normal im gesellschaftlichen Sinne, das heißt für die derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnisse "normal", das heißt für die Wirtschafts-Ideologie verwertbar und Reproduzierend im Sinne von Nachwuchs.
"Normal" im individuellen Sinne aber heißt zu seinem Glück führend, das heißt man setzt sich keine Zwänge, die eiinen an seinem /ihren Glück hindern.

Nun gibt es mehrere solcher Neurosen, beispielsweise Masorchismus und Sadismus. Beide berufen auf den gleichen Ursprüngen. Der isolierte Mensch sucht sein Selbst aufzugeben in größeren Kontexten, entweder indem er sich aufgibt und einer Herrschaft unterliegt oder indem er andere unter-gräbt unter seiner Herrschaft. Sadist und Masorchist sind voneinander abhängig, der Sadist zieht seine ganze Kraft aus dem unterdrückten Objekt, der Masorchist aus dem Stärkeren.
Masorchisten neigen zu überzogener Selbstkritik, sowie beleidigen eigentlich geliebter Personen.
Sadismus kommt häufiger vor, als man denkt: Beispielsweise manchmal bei Ehe oder Eltern.
In der Ehe: Der eine Partner meint, Liebe bedeute sich aufzugeben, zu verzichten und sich dem Partner so unterzuordnen, der andere Partner meint er wüsste am besten was das beste für den anderen sei.
Genauso manchmal Eltern: Unter dem Vorwand, scheinbar naturgegeben wüssten Eltern was gut sei für die Kinder, aus "Schutz", müsste man das Kind "leiten".

@Hansi "Das mit dem Sadismus/Masochismus und den Fluchtmechanismen finde ich äußerst interessant, meine Frage wäre nun ob es noch eine effektivere, bessere und vor allem gesündere Methode gibt aus der Isolation in individuelle Bedürfnisse zu flüchten und dabei eben nicht auf Sadismus/Masochismus zurück zu greifen, sondern eine weit bessere Alternative zu haben. Nur, wie soll die dann aussehen?"

Natürlich gibt es bessere Möglichkeiten, nämlcih den Sprung in die "positive Freiheit". Diese Freiheit sieht aus, wie eine Art Selbstfindung.
Man beginnt, die persönlichkeit in gesundem, freiwilligen Austauscht zu entwickeln und entfalten.
Dies kann erschwert werden durch äußere und innere Umstände.
Fromm geht von einem Verständnis von Liebe aus, dass sich von z.B. Freuds Verständnis unterscheidet: Freud meint, Narzismus, die Selbstsucht sei die eine Liebe- die Liebe zu anderen Menschen aber die gesunde.
Fromm stellt dem ganzen entgegen, dass Selbstsucht keine Liebe sei. Liebe ist immer die Liebe zum "Menschlichen", zum Wesen des Menschen. Dieses ist in einem selbst zu finden, aber auch in anderen Menschen. Zu jenen, diie man besser versteht (aufgrund ähnlichen Erfahrungen,,.....) empfindet man "tiefere" Gefühle, weil man einen direkteren Bezug zum "Menschlichen" hat. Wenn man aber bestimmte menschliche Züge an sich selbst unterdrückt und hasst- so kann man sie auch an anderen nicht lieben.
Jemand, der seine Sexualität mit einer ZWangs-Moral unterdrückt und verachtet, der wird auch diesen Zug an anderen Menschen hassen und ihm seine Zwangs-Moral aufoktruieren.
Und diese Suche nach dem "Menschlichen", eine "Gesunde" Verbindung (gesund im individuellen Sinne), die dieser Suche dient, also variabel ist und nicht steif, fest und zwanghaft, das ist die positive Freihei- die Freiheit zur Suche der Menschlichkeit quasi die Freiheit zur Entfaltung der eigenen menschlichen Persönlichkeit.

@dian:

"Das ist meines Erachtens eine ganz eindeutige Zivilisationskrankheit, von der nicht nur Schäuble und Co. massiv befallen sind, sondern generell ein Großteil der Bevölkerung (in der Regel ohne es überhaupt zu wissen, weil das ganze von der Schulmedizin auch gar nicht als Krankheit betrachtet wird. Ist ja auch schließlich völlig normal, so zu sein. großes Grinsen )"

Das stimmt, vielen ist dies unbewusst und sekundäre Bindungen, das heißt die Aufgabe der einzelnen Persönlichkeit zugunsten einer Wirtschaftsideologie z.B. wird allgemein nciht als Krankheit angesehen.

Hier ist ein guter Punkt, um auf Freuds Verständnis zum Kapitalismus überzugehen.
Nun, zuerst war die feudale Herrschaft, der Mensch hatte klar gesteckte Grenzen. Man übte den Beruf des Vaters aus, konnte nicht die Schicht wechseln und Herrschaft war gottgegeben.
Nun kam- natürlich nicht von einem Tag auf den anderen- der Kapitalismus angeschlichen, der zunächst einmal eine Befreiung versprach, aus der allerdings, wie wir wissen, sich neue Zwänge ergaben.
Wirtschaftlich war, zumindest die Person, die das Kapital besaß, relativ frei und das Individuum begann sich als solches zu sehen. (die neue reiche Bürger-Schicht war aber durchaus von riesigen Zweifeln geprägt). Was wichtig ist, ist vor allem nun die Mittelschicht: Sie stand zwischen oben und unten und war somit nicht wie das Proletariat für die Umstürzung der Verhältnisse, aber auch von der Unterdrückung von oben betroffen.
Nun kommt Luther ins Spiel, der genau diese Zielgruppe traf: Einerseits die Befreiung nun auch von den starren Gottes-Verstellung, andererseits auch eine Theorie, die später im Kapitalismus verheerend wirken sollte: Luther vertrat die vollkommene Selbstaufgabe zugunsten des Aufgehens im Großen, Gott.
Diese Logik wurde auch im Kapitalismus fruchtend- der Gott war, über den Calvinismus- der Gott des Schaffens. Man schaffte, um zu schaffen. Das Ziel war im irrationellen Wachstum aufzugehen. Die Kapitalistische Logik- die aus den Menschen entstand- liegt nun außerhalb der Kontrolle der Menschen, jeder Mensch ist wirkendes Objekt in dieser Logik: Die Fähigkeiten eines Menschen sind nur dann "von Nutzen", wenn sie sich mit dieser Logik verwerten lassen. Auch der Unternehmer ist dieser Logik unterjocht, er muss immer weiter rationalisieren, investieren, Märkte schaffen,... denn sonst geht er in der Konkurrenz unter.

"Das halte ich für etwas zu kurz gedacht, da es auch nach Zusammenbruch der feudalen Strukturen immer mehr als genügend Hierarchien gab.
Ich sehe da nicht wirklich einen radikalen gesellschaftlichen Umbruch. Der Zwang, sich dem König unterzuordnen, wurde halt durch den Zwang, sich einem Kollektiv oder irgendwelchen anderen Unterdrückern unterzuordnen, ersetzt, ohne dass es dazwischen irgendwann eine längere Periode gegeben hätte, in der die Menschen mal wirklich in den Genuss einer Befreiung von den gesellschaftlichen Zwängen gekommen wären."

Natürlich war das ganze mehr ineinander übergehend, aber wenn wir das ganze ideell trennen, so war- als die einen Zwänge überwunden waren, doch theoretisch Chance für eine Befreiung da. Dass der Mensch sich aber wieder unterordnet liegt an dem missglückten Sprung in die "positive Freiheit":
Der Mensch hatte in sich Zwänge noch, sonst hätte er- aus den feudalen Zwängen ausgebrochen- positive Freiheit schaffen können.

"Ich denke, das Problem ist eher, dass auf jeden positiven Einfluss, durch den Kinder dazu animiert werden könnten, ihre Freiheit woanders als in hierarchischen Strukturen zu finden, hundert negative Einflüsse kommen, die versuchen, die Kinder für ihre Form von hierarchischen Strukturen zu gewinnen. (seien es nun Faschisten, Kirchen, oder die ganz normale bescheuerte Jugendclique)"

Lässt sich auch mit der Theorie verbinden: Wenn den Kindern erschwert wird, "positive Freiheit" zu suchen suchen sie ihr Heil in Bindungen.

"negativen Vorbildern " negative Vorbilder wären dann- nach der Theorie- Menschen die unter der negativen Freiheit leiden, ohne zu einer positiven zu finden...

"das klingt nach einem seltsamen "trieb". ist damit nun einfach gemeint, dass menschen herdentiere seien?
ich bin mir immernoch nicht so ganz sicher, ob menschen von natur aus prinzipiell aufeinander angewiesen sind, oder bloß im säuglingsalter, da ich noch keinen erwachsenen menschen getroffen habe, der nicht irgendwie (v)erzogen wurde.."

Die "Furcht vor Isolation" ist in weitestem Sinne zu verstehen, nicht unbeding im Herden-Dasein.
From begründet diesen Trieb so: Der Mensch, zu seinem individuellen Bewusstsein angelangt, empfindet ein großes Unbehagen und eine Sinnlosigkeit seiner Existenz, dadurch, dass er im Gegensatz zur Welt, den vielen Menschen und dem Universum so klein und unscheinbar ist.
So sieht sich der Menshc in größerem Kontext. Er kann genausogut im Wald leben und noch mit seiner Ideologie oder der Natur verbunden sein, der Engländer in Kolonial-Zeiten pflegt noch englische Traditionen oft, um noch so ideell mit seiner ihm gewohnten Umgebung verbunden zu sein,...
Auch einmal angenommen eine herrschaftslose Gruppe ist allein dadurch ideell miteinander verbunden, dass sie sich gegen Herrschaft wenden und in freiheitlicher Gemeinschaft "Menschlichkeit" erfahren wollen, Sinne suchen wollen etc.
Das heißt, wir können nicht anders, als uns auf dieser riesigen Erde in diesem riesigen Universum in bestimmten Kontexten zu sehen. Wir berufen uns auf wissenschaftliche Theorien, wir haben ein Hobby das verbindet,...
Man kann auch inmitten von Menschen sich allein und isoliert fühlen oder man kann allein leben und sich integriert fühlen in ideelle Zusammenhänge.
Auch der Gefangene in Isolations-Haft fühlt sich noch mit seiner Gruppe verbunden oder mit seiner Ideologie oder mit den Menschen da draußen, die auf ihn warten.
Was wir tun können. sind unsere Zusammenh#nge zu hinterfragen, und zu suchen- eine Art Suche nach sich selbst- wer bin ich/ was bin ich- Und wenn ja, wie viele?

"ich bin mir immernoch nicht so ganz sicher, ob menschen von natur aus prinzipiell aufeinander angewiesen sind, oder bloß im säuglingsalter, da ich noch keinen erwachsenen menschen getroffen habe, der nicht irgendwie (v)erzogen wurde.."

Wenn ein Mensch alleine im Wald aufwächst, fühlt er sich zunächst wohl eins mit der Natur, bis er vll eines Tages daraus hinausbricht und sein individuelles Ich hervortaucht. Nun sind seine Verbundenheiten gegenüber der Natur in einem neuen Licht- aber noch vorhanden.

Abhängigkeit ist dann erst eine schädlcihe Sache, wenn sie in Form von Sadismus/ Masorchismus entartet / missbraucht wird.

In welchem Grad ein Mensch sich von seinem Isolations- Furcht- Trieb abgrenzen kann ist wohl eine FRage wie wie ein Mensch seinen Essens-Trieb bedarf mindern kann. Man kann es minimieren, aber ganz los wird man es hier auf Erden wohl nicht.

"ich würde vorsichtig dabei sein zu behaupten, es läge in der menschlichen natur, denn so kommt man schnell zu der idee, es sei unabänderlich.."

Das stimmt, so entstehen Konstrukte. Prinzipiell bin ich auch eher Fan eines "Diskurses" a la Foucault. Eine Theorie a al Fromm beansprucht auch nciht "die Wahrheit" zu sein, doch es ist eine Erwaiterung des bisherigen Denkens auf das sich viele berufen a la Freud z.B:
Es beleuchtet einen Aspekt- in sich recht schlüssig- von einer Seite.
Die Theorie, dass mensch sich immer in einem Kontext sieht, kann ich persönlich allerdings (noch) nicht widerlegen. Wie dieser Kontext aussieht , direkt oder indirekt, wie stark er ist, das ist eine andere Sache.

"ich denke - vielleicht etwas naiv, aber immerhin nicht resignierend - autonomie kann erlernt werden."

Was wir als Autonomie bezeichnen ist wohl die "positive Freiheit". Da es einen "freien Willen" in dem Sinne auch unter nicht autoritären Sturkturen nicht gibt, können wir uns jedoch nur an Selbstbestimmtheit heranpirschen, da wir nie genau wissen, wer wir "selbst" wirklich sind und obwir nicht das "gesellschaftliche Selbst "angenommen haben.

Auch der Mensch im Kapitalismus hält sich für selbstbestimmt, er meint sogar er handle egoistisch. Allerdings handelt er nicht für sich selbst, also egoistisch, sondern für das "gesellschaftliche Selbst", das er fälschhlicherweise mit seinem selbst gleichsetzt. Es macht ihn/sie aber nciht wirklich glücklich, nur sein/ihr geselschaftliches Selbst.


Die ganze Theorie ist eine, die psychologische Hintergründe des Menschen erfassen will, die in jedem Menschen stecken. Wann sie zu tage treten ist u.a . von äußeren Umständen abhängig udn wie die individuelle Person darauf reagiert...

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Hansi
unregistriert
12.11.2008 23:22 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
@Hansi "Das mit dem Sadismus/Masochismus und den Fluchtmechanismen finde ich äußerst interessant, meine Frage wäre nun ob es noch eine effektivere, bessere und vor allem gesündere Methode gibt aus der Isolation in individuelle Bedürfnisse zu flüchten und dabei eben nicht auf Sadismus/Masochismus zurück zu greifen, sondern eine weit bessere Alternative zu haben. Nur, wie soll die dann aussehen?"

Natürlich gibt es bessere Möglichkeiten, nämlcih den Sprung in die "positive Freiheit". Diese Freiheit sieht aus, wie eine Art Selbstfindung.
Man beginnt, die persönlichkeit in gesundem, freiwilligen Austauscht zu entwickeln und entfalten.
Dies kann erschwert werden durch äußere und innere Umstände.
Fromm geht von einem Verständnis von Liebe aus, dass sich von z.B. Freuds Verständnis unterscheidet: Freud meint, Narzismus, die Selbstsucht sei die eine Liebe- die Liebe zu anderen Menschen aber die gesunde.
Fromm stellt dem ganzen entgegen, dass Selbstsucht keine Liebe sei. Liebe ist immer die Liebe zum "Menschlichen", zum Wesen des Menschen. Dieses ist in einem selbst zu finden, aber auch in anderen Menschen. Zu jenen, diie man besser versteht (aufgrund ähnlichen Erfahrungen,,.....) empfindet man "tiefere" Gefühle, weil man einen direkteren Bezug zum "Menschlichen" hat. Wenn man aber bestimmte menschliche Züge an sich selbst unterdrückt und hasst- so kann man sie auch an anderen nicht lieben.
Jemand, der seine Sexualität mit einer ZWangs-Moral unterdrückt und verachtet, der wird auch diesen Zug an anderen Menschen hassen und ihm seine Zwangs-Moral aufoktruieren.
Und diese Suche nach dem "Menschlichen", eine "Gesunde" Verbindung (gesund im individuellen Sinne), die dieser Suche dient, also variabel ist und nicht steif, fest und zwanghaft, das ist die positive Freihei- die Freiheit zur Suche der Menschlichkeit quasi die Freiheit zur Entfaltung der eigenen menschlichen Persönlichkeit.


Danke, du hast mir grad sehr geholfen smile .
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