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Zum Ende der Seite springen Anarcho-Syndikalismus  
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Bakunins Bart




Anarcho-Syndikalismus 19.10.2008 04:09 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

http://ger.anarchopedia.org/Anarcho-Syndikalismus

Was meint ihr zu diesem Thema? Ist der Anarchismus über Gewerkschaften zu erreichen?
Ist er prinzipiell erstrebenswert?
Kann er über Freiräume langsam "aufgebaut" werden, umgestellt, unterwandert oder bedarf es revolutionären Methoden?
Welche Organisationsstrukturen haltet ihr in einer herrschaftslosen Gesellschaft für die besten?

Seien wir realistisch- versuchen wir das Unmögliche!
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dian
unregistriert
19.10.2008 13:27 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zunächst einmal:
Das, was sich heutzutage "Gewerkschaften" schimpft, ist größtenteils ein schlechter Witz, der mit der ursprünglich hinter der Gründung von Gewerkschaften steckenden Idee so gut wie nichts mehr zu tun hat.
Gewerkschaften damals hatten stets etwas Revolutionäres und Illegales an sich...
Gewerkschaften heute gehorchen brav den Gesetzen und sind längst ein auch von den Bonzen akzeptierter Bestandteil des Systems geworden.
Sie haben keinerlei Interesse daran, die Produktionsmittel zu übernehmen... sie wollen einfach nur, dass ihre Mitglieder auch morgen noch für die reichen Unternehmer schuften dürfen, und dass sie dabei eben ein klein wenig bessere Arbeitsbedingungen haben.

Überhaupt ist das große Problem an der ganzen Sache, dass es wohl nirgendwo sonst so wenig revolutionäres Gedankengut gibt, wie im Kopf eines durchschnittlichen Arbeiters von heute.
Ich frage mich ja immer wieder, wie das früher möglich gewesen ist, dass in Spanien, Deutschland oder sonstwo kurzzeitig echte anarchistische oder kommunistische Arbeiterbewegungen existierten.
Waren die Arbeiter damals intelligenter und freigeistiger als heute?
Zumindest scheint die Bereitschaft, mal etwas grundsätzlich anderes zu versuchen und die althergebrachten Strukturen aufzugeben, damals deutlich weiter verbreitet gewesen zu sein als heute.
Mal Hand aufs Herz:
Der typische Linke bzw. Linksradikale von heute arbeitet doch überhaupt nicht mehr. großes Grinsen
Er ist entweder Künstler, Ewigstudent, Gammler oder meinetwegen Streetworker oder sowas. Er hat sich eine Nische gesucht in der Gesellschaft, wo er möglichst wenig der Willkür irgendwelcher fieser Bosse ausgesetzt ist.
Das heißt, die Leute, die du für eine solche revolutionäre Gewerkschaft bräuchtest, kommen leider größtenteils nicht aus der Arbeitswelt, sondern von "außerhalb".
Die Arbeiter hingegen tun sich erstens mal schwer damit, Gedanken von Leuten zu akzeptieren, die aus einem ganz anderen Millieu kommen und eine ganz andere Sprache sprechen als sie...
davon abgesehen, ist der typische Arbeiter heutzutage wohl auch deutlich weniger an Politik interessiert als früher. (Wäre er an Politik und den Vorgängen in der Gesellschaft interessiert, wäre er vermutlich erst gar kein Arbeiter geworden, weil es eben für Leute mit "Köpfchen" heutzutage ganz andere Möglichkeiten gibt... während es damals nicht selten war, dass selbst Hochbegabte mangels Alternativen oder richtiger Förderung ein Leben lang in der Fabrik schuften mussten)
Ich will ja keine Klischees oder rassistische Stereotypen verbreiten...
aber als ich vor einigen Jahren mal für eine Weile in der Produktion am Fließband stand, war da nicht ein einziger Kollege dabei, der vernünftiges Deutsch sprechen konnten. Die intelligenteren der Arbeiter unterhielten sich in den Pausen über ihre Urlaubspläne oder über ihre Familie, und der große Rest übers Saufen und Ficken.
Jedenfalls, wenn du mal mit einem sichtbar inzuchtgeschädigten albanischen oder russlanddeutschen Familienclan in der Umkleidekabine gestanden bist und deren Gesprächen zugehört hast, dann bekommst du schon so gewisse Zweifel daran, ob das mit der anarchistischen Selbstverwaltung der Arbeiter heutzutage tatsächlich noch funktionieren könnte.

Trotzdem... in der Theorie ist Anarcho-Syndikalismus natürlich ne feine Sache. Augenzwinkern
Hansi
unregistriert
19.10.2008 14:46 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Der typische Linke bzw. Linksradikale von heute arbeitet doch überhaupt nicht mehr. großes Grinsen
Er ist entweder Künstler, Ewigstudent, Gammler oder meinetwegen Streetworker oder sowas.


Oder kollektiver Möbelschlepper großes Grinsen . Wobei ich hier natürlich dann auch keinen Chef habe und keine Gewerkschaft brauche. Ansonsten sieht das @Dian glaub ich ganz richtig, Theorie und Praxis sind leider zwei paar Schuhe und eine Idee kann noch so gut und trotzdem nutzlos sein, wenn die Menschen dafür nicht reif sind. Daran gilt es zu arbeiten, denn wenn sich der Anarcho-Syndikalismus doch eines Tages umsetzen ließe, dann wäre der Welt schon sehr geholfen, finde ich.

Bakunins Bart




20.10.2008 01:01 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

"Das, was sich heutzutage "Gewerkschaften" schimpft, ist größtenteils ein schlechter Witz, der mit der ursprünglich hinter der Gründung von Gewerkschaften steckenden Idee so gut wie nichts mehr zu tun hat."

Das stimmt, man muss sich aber auch fragen "warum"? Warum ist die FAU, die anarcho-syndikalistische Gewerkschaft so klein hier in Deutschland?
Warum klammern sich Verdi und IGM an die "Sozialdemokratie"?

"Sie haben keinerlei Interesse daran, die Produktionsmittel zu übernehmen... sie wollen einfach nur, dass ihre Mitglieder auch morgen noch für die reichen Unternehmer schuften dürfen, und dass sie dabei eben ein klein wenig bessere Arbeitsbedingungen haben."

Vielleicht weil sie es nicht besser wissen? Weil sie denken es gäbe dazu keine Alternative? Weil niemand die Initiative übernimmt, um doch etwas "revolutionäres" aufzunehmen?

"Ich frage mich ja immer wieder, wie das früher möglich gewesen ist, dass in Spanien, Deutschland oder sonstwo kurzzeitig echte anarchistische oder kommunistische Arbeiterbewegungen existierten"

Ich denke damals war das alles noch nicht so verkompliziert: die Grenzen verliefen recht klar zwischen dem Interesse dessen, der die Produktionsmittel besitzt und dessen, der seine Arbeitskraft verkauft. Ich denke nicht, dass das Gedankengut so intellektuell revolutionär war, es war einfach konkret eine Möglichkeit, die 1. bestand, da gegebene Initiativen vorhanden waren
2. nahe lag, da es nicht derart verkompliziert war

Die Medien-Propaganda dürfte auch eine Rolle spielen.

"Zumindest scheint die Bereitschaft, mal etwas grundsätzlich anderes zu versuchen und die althergebrachten Strukturen aufzugeben, damals deutlich weiter verbreitet gewesen zu sein als heute."

1. sind wir heutzutage alle nur ausgebeudete Individuen, dass diese eine gesellschaftliche Klasse bilden, ob sie es wollen oder nicht, ist wenigen bewusst
2. Sind die sozialen Disparitäten im Zuge der Globalisierung auch global verschoben und wenige sehen ebenfalls den Zusammenhang zwischen krassem Wohlstand und Existenz-Angst.

Warum sie die Zusammenhänge nicht erkennen mag an der Verkomplizierung liegen, an der Denunzierung jeglicher Alternativen seitens Medien sowie dem staatlichen Repressions-Apparat seitens allem, was sich widerständlerisch und aufklärerisch organisiert.

"Der typische Linke bzw. Linksradikale von heute arbeitet doch überhaupt nicht mehr.
Er ist entweder Künstler, Ewigstudent, Gammler oder meinetwegen Streetworker oder sowas. Er hat sich eine Nische gesucht in der Gesellschaft, wo er möglichst wenig der Willkür irgendwelcher fieser Bosse ausgesetzt ist."

Mag sein dass das "typisch" ist, weil eben jene sich intelektuell in die linke Richtung hervortun können,welche die Mittel dazu schon haben für Bücher , Freizeit, etc.
Das größte Potential liegt aber immer noch in denen, die tagtäglich dieser Produktionsmaschinerie direkt ausgesetzt sind und es gibt auch hier durchaus fortschrittlich denkende.
Die Frage ist nur, wie man ihnen revolutionäre Impulse geben kann, mit denen sie sich auseinandersetzen. Man muss ein möglichst direktes Interesse finden, dass auch möglichst direkt umsetzbar ist, denn viele geben auch nach dem 10, Antrag an die politischen Eliten und dem 15 Streik-Versuch einfach auf....

Wenn man hier z.B. nach dem Prinzip möglichst direkt die Bedürfnisse erfüllen handelt, kann man einiges dazu bringen, sich wieder mit dem Gedanken der VEränderung auseinanderzusetzen.
Der Mensch ist Produkt seiner Umwelt bis zu einem gewissen Grad, wenn die Arbeiter so sind wie sie sind muss es in gewissem Maße mit den Gegebenheiten zusammenhängen.

Z.B. Wenn ein Haus leer ist und man hat keines- warum nicht besetzen?
Wenn die Bedinungen in der Fabrik schlecht sind und der Chef hört nicht auf die hilfe Rufe- Warum die Produktionsmittel nicht vergesellschaftlichen?
Wenn der Staat keine Rente mehr zahlt- Warum kein Projekt generationsübergreifender Ggenseitiger Hilfe aufbauen wie den "Eilhardshof"?
Wenn das Schulsystem grottig ist, warum nicht freie Schulen aufbauen?
Wenn man an alledem trotzdem noch gehindert wird, weil unter den gesellschaftlichen Umständen-Staats-Eingriffe und Herrschaft des Marktes "alle gegen alle"- die Ziele nicht umsetzbar sind, warum nicht eine anarcho-syndikalistische Organisation dem entgegensetzen?

"Die Arbeiter hingegen tun sich erstens mal schwer damit, Gedanken von Leuten zu akzeptieren, die aus einem ganz anderen Millieu kommen und eine ganz andere Sprache sprechen als sie..."

Dann sollte man vielleicht aufeinander zugehen, versuchen sich verständlich zu machen,....?
So sehr ich fachvokabular für praktisch halte, so sehr kann man doch im Prinzip alles mit einfachsten Worten ausdrücken. Und ich denke wenn der Ton nicht belehrend wirkt, wird auch der Arbeiter kein Problem damit haben, aus welchem Milieu sein ihm Gegenüber auch kommt.


"Wäre er an Politik und den Vorgängen in der Gesellschaft interessiert, wäre er vermutlich erst gar kein Arbeiter geworden, weil es eben für Leute mit "Köpfchen" heutzutage ganz andere Möglichkeiten gibt... während es damals nicht selten war, dass selbst Hochbegabte mangels Alternativen oder richtiger Förderung ein Leben lang in der Fabrik schuften mussten"

Warum sind die "Leute mit Köpfen" "Leute mit Köpfchen"? Es ist immer noch so, dass das Umfeld,die Bedingungen leider noch eine sehr große Rolle spielen in dieser Gesellschaft, kann man auch an den Statistiken ablesen wieviele Kinder mit Arbeiter Eltern auf dem Gymi sind und wieviele aús Akademiker Familien.So viel richigere Förderung als damals bekommen die Menschen denke ich heutzutage auch nicht, nur das Verhältnis der Leistungen die gebraucht werden hat sich verschoben und der Markt bestimmt das Schulsystem.


"aber als ich vor einigen Jahren mal für eine Weile in der Produktion am Fließband stand, war da nicht ein einziger Kollege dabei, der vernünftiges Deutsch sprechen konnten. Die intelligenteren der Arbeiter unterhielten sich in den Pausen über ihre Urlaubspläne oder über ihre Familie, und der große Rest übers Saufen und Ficken."

Das ganze wird nur rassistisch wenn du ihnen die Schuld dafür gibst und dies auch noch mit ihrem Herkunftsort verbindest, tust du aber hier meines Erachtens nicht.
Deutschland beutet als eine der führenden Industrinationen andere Länder aus, sodass dort auch Armut und geirnge Bildung herrschen. Die Menschen dort, jene die reich genug sind die Reise zu zahlen aber arm genug sind um wegzuwollen, jene suchen natürlich das Land auf, wo der Wohlstand, auch ihr Wohlstand sich stapelt.
Nun ist dies aber nicht das erhoffte "Paradies" da auch hierzulande der große Wohlstand nicht gerecht verteilt wird und der Migrant , der keine genügende Bildung erfahren durfte, woran Deutschland mitschuld trägt, muss in den untersten Jobs arbeiten- und muss sich häufig noch
anhören lassen daadurch nehme er "Deutschen die Arbeit weg"....
Was gibt es andere Auswege als sich in seiner sperrlichen Mittagspause und diesen Grundlagen mit die nähesten Ablenkungs-Sachen zu beschäftigen? Was bleibt mit solch niedrigen Chancen persönlicher Entwicklung (immer erniedrigende Arbeit jeden Tag viele Stunden) zur Freude sich noch den animalischten Trieben zu widmen?

"das mit der anarchistischen Selbstverwaltung der Arbeiter heutzutage tatsächlich noch funktionieren könnte."

Und ich bleibe dabei, die Bedingungen sind es, unter denen Menschen so werden und wenn man die Bedingungen ändert, öffnen sich neue Wege....

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Hansi
unregistriert
20.10.2008 07:27 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Das stimmt, man muss sich aber auch fragen "warum"? Warum ist die FAU, die anarcho-syndikalistische Gewerkschaft so klein hier in Deutschland?


An dieser Stelle kann ich nur wiedergeben, was ich bisher von ein paar ehemaligen FAUlern gehört habe. Diese meinten (und sind heute deswegen auch nicht mehr in der FAU), dass sich die FAU sehr zum negativen entwickelt hat und Leute dort mit unter den Chef spielen wollten. Es kam halt zu den altbekannten innerlinken Konflikten und statt was aufzubauen wurde vieles zerredet und eingerissen. Sprich, die FAU wurde eine neue moderne Gewerkschaft die kein Mensch mehr braucht und die viel von Idealen und Idealismus schwafeln kann, letztendlich aber anders handelt. So hab ich die Insider-Infos verstanden die ich bisher so bekommen habe und die waren auch sehr dürftig weil nach ein paar Sätzen meist nur noch mit dem Kopf geschüttelt oder abgewunken wurde, manchmal auch in Verbindung mit nem Seufzer.
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