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Zum Ende der Seite springen Der Nazi und sein Hund  
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dian
unregistriert
Der Nazi und sein Hund 21.09.2007 17:07 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Es war einmal ein Nazi, der hatte einen Schäferhund.
Da der Nazi mit den meisten Mitmenschen nicht sonderlich gut zurecht kam, war der Hund sein Ein und Alles. Er nahm den Hund mit auf ausgiebige Wanderungen, trainierte mit ihm, spielte mit ihm, und verwöhnte ihn hin und wieder sogar mit einer deutschen Wurst.
Irgendwann einmal fand man heraus, dass der Nazi während des Krieges Aufseher in einem Konzentrationslager gewesen war. Eine Gruppe Polizisten rückte an, um den Nazi zu verhaften... doch zu allererst mussten sie seinen Hund erschießen, denn der stürzte sich zähnefletschend auf sie und verteidigte seinen Herrn erbittert, bis zum letzten Atemzug.
Im Himmel dann wurde der Schäferhund vom Geist eines antifaschistischen Pudels gefragt: "Warum hast du dein Leben für diesen Mensch gegeben? Wusstest du nicht, dass er viele böse Dinge getan hat? Wusstest du nicht, dass er ein Kriegsverbrecher war?"
"Zu mir war er immer gut.", antwortete der Schäferhund überzeugt. "Er hat mich gefüttert, er hat sich mit mir abgegeben... Ihn zu verurteilen, weil er zu anderen weniger nett war als zu mir, wäre Verrat an allem, woran ich je geglaubt habe."
"Mein Herrchen war viel besser!", versuchte es der Pudel weiter, seinen Kollegen zu überzeugen. "Er hat mir jeden Tag zwei Würste gegeben, wenn dir dein Herrchen eine gab. Er ist jeden Tag zwei Stunden mit mir spazierengegangen, wenn dein Herrchen nur eine Stunde mit dir ging. Er hat mich nie angebrüllt, selbst dann nicht, wenn ich einmal unartig war... und darüberhinaus hat er nie einem anderen Menschen irgendein Leid zugefügt! Also warum trauerst du diesem alten Nazi noch immer nach?"
Der Schäferhund brauchte nicht lange zu überlegen.
"Weil dein Herrchen mir vielleicht zwei Würste am Tag gegeben HÄTTE. Doch was ist dieses HÄTTE schon gegen die konkrete eine Wurst, die mir mein Herr jeden Tag gegeben HAT?
Vom HÄTTE wird man nicht satt. Davon abgesehen... mein Herr mag mich vielleicht auch ab und zu mal etwas hart angepackt haben... aber immerhin hat er mich angepackt. Er war der einzige, der mich jemals angepackt hat, und ist somit der Einzige, dem ich mich unterordnen konnte. Ich habe das gerne getan, und würde es auch jederzeit wieder tun."
Da gab es der Pudel auf und ging traurig davon.
Er wusste, er würde den Schäferhund niemals umstimmen. Er hätte ihm noch so gute Theorien anbieten können... Theorien machten nicht satt. Theorien schimpften nicht mit einem. Theorien gingen nicht mit einem auf den Dressurplatz.
Theorien taten nichts.
Der Nazi hingegen tat zumindest manches.

Und so, wie der Schäferhund seinem Nazi-Herrn die Treue hielt bis zum Schluss, so sind auch die meisten Menschen mit dem System verbunden, in dem sie aufgewachsen sind.
Sie mögen nicht alles gut finden, sie mögen manchmal wütend sein auf diverse Ungerechtigkeiten... doch letztlich, wenn es hart auf hart kommt, werden sie für die eine Gesellschaft einstehen, die sie kennengelernt haben, und nicht für irgendwelche anderen, die sie theoretisch hätten kennenlernen können.
Ein guter Hund beißt nicht die Hand, die ihn füttert... selbst wenn ihn diese Hand manchmal auch schlägt.
Ein guter Hund wird nie kapieren, dass es außerhalb seiner eigenen Erfahrungswelt noch Dinge gibt, die eventuell alles relativieren können, was er so felsenfest zu wissen glaubt.
Ein guter Hund wird auf jeden losgehen, der seinem Herrn etwas antun möchte... und dabei ist es ihm völlig egal, ob es sein Herr moralisch gesehen verdient hat oder nicht.
Deshalb sind Revolutionen mit Hunden auch sehr schwierig durchzuführen.
Hansi
unregistriert
21.09.2007 18:50 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Jo, mal wieder sehr guter Text mit toller Metapher, aber warum denn ein Pudel? Ich hätte hier eher Boxer eingesetzt Augenzwinkern .

komakino



images/avatars/avatar-728.png


21.09.2007 19:20 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Netter Text. Ich weiß ja, warum mir Katzen lieber sind.. Zunge raus

"And manifest the daydream
Like those who fell before
And glorify our small attempts
And hate ourselves no more

Blow words between these sucker's teeth
And bind these panicked hands
Lose your heart like a clumsy bell
Please be well"

-Horses in the Sky
E-Mail an komakino senden
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dian
unregistriert
21.09.2007 20:05 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Naja, ich mag Hunde ja eigentlich schon... gerade, weil sie eben loyal sind und treu-doof im wahrsten Sinne des Wortes. Nur lassen sich treu-doofe Tiere eben auch leichter abrichten und benutzen als solche, die wie beispielsweise Katzen etwas eigensinniger sind.
Von daher hätte ich vielleicht besser "antifaschistische Katze" nehmen sollen... allerdings kam es mir dann doch etwas dämlich vor, den Geist einer Katze mit dem Geist eines Hundes reden zu lassen. Sowas ist schließlich total unrealistisch.
Wie ich dann aber ausgerechnet auf "Pudel" gekommen bin, kann ich mir im Nachhinein beim besten Willen nicht mehr erklären. Da hätte ich ja gleich "antifaschistischer Chihuahua" nehmen können...

Onkel Calgmoth



images/avatars/avatar-906.jpg


21.09.2007 22:34 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Hm, glücklicherweise bin ich der Ansicht, dass blöde Viecher (insbesondere Köter) in nicht in irgendwelche Himmel kommen, also muss ich mit der Parabel auch nicht beschäftigen.

'Indem das parlamentarische Prinzip der Majoritätsbestimmung die Autorität der Person ablehnt und an deren Stelle die Zahl des jeweiligen Haufens setzt, sündigt es wider den aristokratischen Grundgedanken der Natur, wobei allerdings deren Anschauung vom Adel in keinerlei Weise etwa in der heutigen Dekadenz unserer oberen Zehntausend verkörpert zu sein braucht.'

Keine Ahnung was zur Hölle das bedeuten sollte oder worauf ich mich da bezogen habe... Na ja, egal.
E-Mail an Onkel Calgmoth senden
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Arne Kroger
unregistriert
22.09.2007 04:09 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Sofern im Chinarestaurant es immer das gibt, was da auf der Karte steht, weiß ich leider nicht, ob ich Hunde und Katzen mag.
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