dian unregistriert
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Oktoberfest
21.09.2008 19:26 |
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Da man manche Dummheiten einmal im Leben begangen haben muss, habe ich mich mit Karim und seinem Bruder am Samstag nach München aufgemacht, um in einer urigen Wirtsstube Schweinshaxn zu essen und anschließend auf die Wiesn zu gehen.
(Wären wir mal lieber ins Stadion gegangen... da gab es anscheinend deutlich mehr zu lachen...)
Nun gut.
Jedenfalls ist München im Prinzip schon eine ganz nette Stadt.
Es leben da halt zu viele Menschen.
Eine halbe Million (ungefähr so viel, wie Stuttgart Einwohner hat), haben sich der Zeitung zufolge gleich am ersten Tag mit uns auf dem Oktoberfest befunden.
Klar, dass Bullen und Sicherheitskräfte da nicht irgendwie rücksichtsvoll und dezent auftreten können.
Vielmehr schubsen sie, wenn sie in Eile sind, schonmal Pasanten aus dem Weg, als wären diese nur irgendwelche Juden im Ghetto und sie die beschissene Waffen-SS.
Ok. War ja klar.
Was mich dann allerdings geschockt hat, war die Tatsache, dass es gar nicht so leicht ist, auf dem größten Sauffest der Welt an sein Bier zu kommen.
Die Zelte sind wegen Überfüllung geschlossen, und auch die wenigen anderen Ausschankmöglichkeiten werden von saufenden Menschen und Security-Arschlöchern belagert, dass man kaum an die Theke durchkommt.
Das liegt aber gar nicht mal so sehr daran, dass die Besoffenen es so geil finden würden, allen anderen den Weg zur Theke zu versperren... sie werden vielmehr schlicht und ergreifend vom Sicherheitspersonal dazu gezwungen, in Reichweite des Ausschanks zu bleiben und ihr Bier nicht über eine imaginäre Linie hinaus zu tragen. (trotz 3 Euro Pfand für die Gläser)
Man fühlt sich schon ein bisschen wie in einem Konzentrationslager für Alkoholleichen. Jedenfalls, wenn man mal bewusst darauf achtet...
Klar, die meisten stört das nicht sonderlich. Es geht ja schließlich um ihre eigene "Sicherheit"... und Sicherheit, so lehrt uns schon die TV-Werbung, ist das Einzige, worüber man nicht streiten kann.
Fuck them!
Aber gut.... zum Glück zwingt einen ja niemanden, da hin zu gehen und sich das anzutun.
Was mich im Zusammenhang mit meinem Oktoberfestbesuch viel eher interessieren würde:
Wieso finden die Menschen das, was man allgemein als "Geselligkeit" bezeichnet, überhaupt so toll?
Warum kann es den meisten gar nicht überfüllt genug sein?
Warum lieben sie es, sich in großen Menschentrauben zu versammeln, in denen sich alle ständig gegenseitig ins Wort fallen und alle zwei Sekunden irgendwer ohne sichtlichen Grund laut losprustet oder rumgaggert wie ein Huhn auf Extasy...
Warum lieben sie nicht eher die Ruhe, so wie ich?
In diesem Zusammenhang sei auch noch die Bahnfahrt erwähnt.
Ich fahre ja normalerweise nicht mit so etwas... und nach der Fahrt weiß ich auch endlich wieder, warum Individualverkehr für mich die einzig menschenwürdige Art der Fortbewegung ist.
Schon morgens um 8 war der Zug voller betrunkener Bayern München-Fans aus dem Saarland (!!)... (Saarbrücken oder der FC Kaiserslautern ist denen wohl nicht mehr gut genug...)
Jedenfalls faszinierend, wie man schon zu einer Uhrzeit, wo ich für gewöhnlich schlaftrunken bin und einfach noch ein bisschen Ruhe haben möchte, sturzbesoffen sein kann.
Oder wie man sich so laut unterhalten kann, dass es das ganze Zugabteil mitbekommt, während ich froh bin, wenn sich möglichst niemand durch meine Anwesenheit belästigt oder gar provoziert fühlen muss...
Was zur Hölle finden die Herdentiere so geil am Herdendasein?
Warum können sie nicht öfters mal ruhig und still sein?
Warum halten Bayernfans ihren Verein für das Zentrum des Universums, obwohl der 2 : 5 gegen Bremen verliert??
Ach, ich muss diese Welt ja nicht verstehen.
Aber ich muss darin leben.
Schade um den schönen englischen Garten.
Schade, dass es da so viele Jogger gibt.
Wie gern würde ich dort Elche jagen, und das erlegte Fleisch dann auf der Theresienwiese ausbreiten können...
Wie schön wäre München, wenn ich wie Will Smith in "I am legend" der Einzige wäre.
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| Zitat: |
| Was zur Hölle finden die Herdentiere so geil am Herdendasein? |
ich verstehe nichtmal, wie man so etwas abartiges wie bier trinken kann. ich habe schon mehrere sorten probiert, und finde diesen hefe-malz-geschmack einfach .. naja, ich verstehe nicht, wie man soetwas genießen kann.
allerdings habe ich da auch dieses klischee vom bierbäuchigen vokuhila-säufer, der am tag nen kasten killt.
tja..warum gehen die leute zu einem überfüllten oktoberfest, wenn sie doch zuhause auch bier trinken können - sogar zu viel günstigen preisen?
ich denke mal, es ist wie auf konzerten. musik hörst du auch zuhause, aber auf einem konzert kommt ein bestimmtes feeling rüber. anders könnte ich mir zumindest nicht erklären, weshalb sogar chinesen bei diesem fest auftauchen.
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zanthia unregistriert
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@quaid
bier ist sehr gesund, wenn man es nicht überteibt.
hast du schonmal guinnes und kölsch probiert? das sind so ziemlich die gegensätzlichsten biere, die ich kenne...
warum die leute extreme massenveranstaltungen brauchen und ruhe nicht so sehr geniessen können, liegt meiner vermutung nach daran, dass ihr alltag völlig dumpf macht. um dann noch durch die dumpfheit durchzukommen, um das gefühl haben zu können , überhaupt etwas erlebt zu haben, brauchen sie extreme reize und davon am besten noch eine überflutung.
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ja, brokkoli ist auch gesund, aber ich esse lieber pizza.
der geschmack der biere ist für mich einfach ein k.o.-kriterium.
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Och, gegen Massenveranstaltungen hab' ich nix, solange es nur 1-3 mal im Jahr ist; kommt halt auch immer auf die Art der Veranstaltung an, mit Oktoberfest könnte ich wohl auch nix anfangen. Ich geh allerdings inzwischen auch bevorzugt auf kleinere Festivals, da die großen immer teurer, größer und unverschämter werden (Stichwort "Full Metal Bag").
Ich muss allerdings zugeben dass Fußballfans in der Bahn 'ne echte Plage sind!
Zum Thema Bier: Kölsch und Guinness mögen recht unterschiedlich sein, sind aber beides Sorten die ich recht gerne mag; mit Weizen und Pils dagegen kann ich weniger was anfangen, und Alt hab' ich noch nicht probiert. An den Geschmack von Weißbier erinner ich mich nicht so wirklich (dian dafür sicher um so mehr ^^). Auch ganz lecker sind Tannenzäpfle und Amstel (weiß gar nicht was das für Biersorten sind).
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dian unregistriert
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Eigentlich habe ich mich schon relativ freiwillig dazu überreden lassen...
Ich will schließlich nicht mit Scheuklappen durchs Leben laufen.
Hin und wieder mal etwas völlig anderes erleben, was sich außerhalb der eigenen Lebensrealität befindet, schadet nix. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass meine Vorurteile jedes Mal nur bestätigt werden, wenn ich mich unter den gemeinen Pöbel mische.
Vorgestern kam dann noch eine Reportage im Fernsehen, wo man sehen konnte, wie eine Gruppe Besoffener sich schon morgens vors Bierzelt gestellt hat, damit sie dann auch ja einen Platz bekamen, an dem sie dann bis in den späten Abend ausgeharrt haben.
Allein der Anblick des völlig überfüllten Zeltes hat mich schon angewidert. Wenn ich mir dann noch vorstelle, wie man da drin stundenlang rumstehen und der Blasmusik zuhören kann, dann frage ich mich schon, wieso die meisten Menschen scheinbar eine völlig andere Vorstellung von "Vergnügen" haben als ich.
Für mich wäre das jedenfalls harte Arbeit.
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Ich glaube ja, das die Oktoberfest-besucher wegen des Alkohols dahin gegangen sind
, um auf deine Frage vom Startpost eingzugehen.
Aber ich kann dich gut verstehen: Mir hat schon letzten Samstag der "Tag der offenen Tür" an meiner Schule keine Freude bereitet; die letzten Jahre gab es wenigstens noch ein paar Groß/Eltern, die so taten, als würden sie sich über die "Glanzleistungen" ihrer Enkel/Kinder freuen und "ganz stolz" sein -.- .
Aber dieses Jahr sah ich auf meinem einzigen Rundgang nur gestresste Typen, denen man die psychische Belastung regelrecht angesehen hat, den so ein vergeudeter Tag eben mit sich bringt.
Ich meine, eigentlich kann ich sie verstehen: Erst muss man die Bälger zeugen, dann austragen, zur Welt bringen und ehe man sich´s versieht opfert man Samstag-Mittage, nur um sich vom Schul-ober-diktat... äh direktor volllabern zu lassen, wie gut alles gelaufen ist und wieviel Spaß doch alle hatten. Dann auch noch zu tun, als ob man Interesse an aufgeklebten Blättern und über und über beschriebenen Plakaten hätte, kann einem echt die letzte Stimmung versauen.
| Zitat: |
Original von dian
und der Blasmusik zuhören kann, |
http://www.youtube.com/watch?v=AxK7xNe7u0w
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"Einige Menschen in diesem Land sind sehr reich, aber die meisten von euch sind sehr, sehr arm. Und wisst ihr wieso? Weil ihr alle faule Säcke seid! Euer Land braucht Geld. Aber ihr könnt leider nicht genug Geld beschaffen. Also sag ich euch, was wir tun müssen: Wir werden die Krankenhäuser zumachen und den Leuten Arbeit geben und mehr Raketen herstellen!!"
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Hab neulich in Kassel so ein Plakat gesehen...
VOLKSFEST
Der Kick für alle Sinne!
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Denke so Massen-Veranstaltungen können einem auch Bestätigung geben, alle sind so wie ich, also wird das schon ganz gut sein. Alle gehen dahin, wird schon was dran sein.
Außerdem denke ich fühlen die Herden-Tiere sich gerade auf solchen Vernastaltungen befreit: Alle ihrer herden-Genossen grunzen, humpeln, gröhlen, schmatzen, stampfen,.... dann fällt es nicht so auf, wenn man selber auch einen millimeter breit seine altgewohnten höflichkeits-floskeln ablegt... unreflektiert die sau des zwangsunterdrückten herdentieres ans tageslicht bringt-wovon man dann die woche lang wieder zehren kann und evtl. dem Nachbarn berichten kann, wie toll es doch war oder sich wieder zurück über iwas beschwert, bei dem man selber regelmäßig mitmacht und das auch gut findet.
Das Herdentier muss täglich so oft Befehle ausüben und die herden-Struktur auswendig lernen und so tun, als würde man sich für welt-nachrichten interessieren udn zeitung lesen um gesprächsthemen beim Kaffee mit anderen Herden-Tieren zu haben und nicht über eigene Probleme nachdenken zu müssen, sodass es gar nicht dazu kommt mal zu entspannen.
Diese Entspannung ist aber nicht in der Ruhe zu finden, da man in der Ruhe dazu neigt sich Gedanken zu machen über sich selbst, sondern im wilden Trubel der Sinnesreize, wo man mal alles vergessen kann und sich vollständig der nicht-denkenden Animalität hingeben kann, d.h. rein nach Instinkten lebt "Fressen, Saufen, FIcken".
Danach ist das tägliche annehmen von Befehlten auch wieder viel Intelektueller im Kontrast zum Wochenend-Programm und man fühlt sich in dieser Spanne wohl, da man denkt, das sei die Breite Spanne des Lebens: zwischen Tier und Sklave.
So, meine Meinung^^
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Bakunins Bart am 03.10.2008 01:45.
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Seien wir realistisch- versuchen wir das Unmögliche!
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Das Lustigste bei dem Oktoberfest ist, dass es fast ausschließlich von NICHT Einheimischen besucht wird, obwohl es ja ein Fest war, welches zur Hochzeit Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese veranstaltet worden ist.
Da kommen die Engländer, die Australier (Aussies) und die Italiener, welche zu tausenden, an dem schon nach ihnen benannten Wochenende, nach München strömen... Das Italiener-Wochenende, welches auch das schlimmste ist!!! Die Italiener, 1,50m Gross (oder eher Klein), aber müssen jede Frau anmanchen, auch wenn sie in Begleitung ist... Nun ja so einem Latin-Lover-Zwerg kann halt keine Frau widerstehen... ;-)
Ich bin ja auch nur ein "Zugreister" aus Berlin, jedoch reicht es mir, wenn ich nur einmal in den 3 Wochen 'Ausnahmezustand', welcher dann in München herrscht, die Wiesn besuche. Dieses meist auch nur, weil die Firma dazu einlädt.
Jedoch, obwohl ich nun auch schon fast 9 Jahre in München leben, verstehe ich die ganzen Besucher nicht, die Morgens um 07:30 schon auf die Wiesn strömen? Da sieht man morgens auf dem Weg zur Arbeit, leider liegt meine Arbeit in der Einflugsschneise zur Wiesn, welches mich Morgens und Abend jeweils eine halbe Stunde mehr Zeit kostet, weil kilometerweit alles um die Theresiewiese abesperrt ist, schon Trauben von Menschen die zur Wiesn stürmen. Diese setzen sich dann vor den Zelten, mit ihrem eigenen Bier natürlich um sich schon mal anzuwärmen, um dann die ersten zu sein, wenn die Zelte um 09:00 aufmachen... In diesen 3 Wochen scheint alles erlaubt zu sein und, Männlein wie auch Weiblein, ist alles erlaubt was Spaß macht, denn ich bezweifle das 90% der, nennen wir sie mal Gäste, überhaupt noch weiss was zuvor am Abend passiert ist. Denn viel, sparen extra dafür um an diesem Event teilnehmen zu können,um dann soviel Bier wie möglich zu 'vernichten'...
Wie gesagt, einmal mit der Firma ausgelassen zu feiern ist ganz nett, aber dennoch bin ich heilfroh wenn die 3 Wochen Chaos zu Ende ist und ich eine halbe Stunde weniger zur Arbeit, bzw. nach Hause brauche.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Gentleman am 12.10.2008 23:25.
Euer Gentleman!
... There is nothing either good or bad, but thinking makes it so.
... William Shakespeare.
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