dian unregistriert
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Nokia macht dicht
18.01.2008 14:44 |
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Warum freut sich denn niemand so richtig?
Eine scheiß Handyfirma weniger in Deutschland. Ist doch prima!
Ganz davon abgesehen, dass die so sozial sind, zukünftig in Rumänien produzieren zu wollen, um die armen Rumänen nicht verhungern zu lassen und ihnen zu wirtschaftlichem Aufschwung zu verhelfen.
Letztlich kommt das dann sogar wieder uns Deutschen zu gute.
Es gilt schließlich die Formel: Mehr Rumänen, die Handys zusammenschrauben = weniger geklaute Autos hier in Deutschland.
Also eigentlich sollten alle zufrieden sein...
sind sie aber nicht.
Ist doch mal wieder typisch.
Naja, jetzt mal im Ernst:
Da hat eben ein weiterer Ausbeuterkonzern die elementarsten Gesetze des Kapitalismus befolgt und sich dahin verpisst, wo sich mit weniger Kostenaufwand mehr produzieren lässt.
Das passiert ständig überall auf der Welt, und wäre mir eigentlich keine einzige Zeile wert...
wenn da nicht diese rührigen Nokia-Mitarbeiter gewesen wären, die man im Fernsehen sehen konnte, wie sie heulend dastanden und traurig davon berichtet haben, wie sehr sie sich für diesen Konzern doch aufgeopfert haben, und wie motiviert sie doch stets ihre Überstunden geleistet haben... sogar an Weihnachten. *schnief*
Man hatte fast den Eindruck, das wären irgendwelche fleißigen Japaner, die es bei einer Kündigung gar nicht mal so sehr stört, dass sie jetzt eine Weile kein Geld mehr verdienen, sondern dass man sie ihres Lebensmittelpunktes beraubt hat... ihrer zweiten Familie... ihrer geistigen Heimat...
Ich meine, die leben mitten in Deutschland! Rings um sie herum machen seit Jahrzehnten Firmen dicht, werden die Beschäftigten auf die Straße gesetzt und Menschen wie Sklaven von einem Konzern an den anderen verkauft, etc.
Da darf man doch eigentlich gar nicht überrascht sein, wenn man dann plötzlich selber mal auf der Straße sitzt.
Sollte man jedenfalls meinen.
Aber anscheinend gibt es tatsächlich noch Menschen in Deutschland, die ernsthaft geschockt sind, wenn sie erfahren, dass sie für ihre Arbeitgeber nur überflüssiges Menschenmaterial sind, auf dessen Gefühle man nicht weiter Rücksicht zu nehmen braucht.
"Was? In einer kapitalistischen Gesellschaft geht es in erster Linie um den Profit? Das habe ich ja noch nie gehört... Ich habe immer gedacht, der Kapitalismus ist dazu da, alle Menschen glücklich und zufrieden zu machen!"
Hat zwar keiner so wörtlich gesagt... aber ich habe mir jedenfalls eingebildet, diesen Satz aus den Gesichtern der treudoofen Nokiamitarbeiter herauslesen zu können.
Ich möchte nicht wissen, wie viele von denen auch weiterhin CDU oder SPD wählen werden... (und damit jene, die dafür sorgen, dass das System auch in Zukunft garantiert so bleibt, wie es momentan ist.)
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Hansi unregistriert
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Mh ich hab ja auch mal fürn halbes Jahr bei nem riesigen Versandhandelkonzern gearbeitet
. @Dian hat schon ganz recht. Für viele wird eine Arbeitsstelle dort zu einem Heiligtum und wenn es sich dann verpisst, dann heult man ihm auch noch nach anstatt froh zu sein diesen blutsaugenden Parasiten endlich los zu sein. Klar ist es hart, wenn man dann nicht weiß woher mit den nächsten Brötchen, aber deswegen aufopferungsvoll um einen der vielen Drecksvereine zu heulen ist nunmal auch arm. Als hätten die alle mit ihrer heiligen Mutterbrust (also dem Konzern) ein schönes und erfülltes Leben *pfff*. Ein Verbrechen ist und bleibt es aber natürlich von Nokia von heute auf morgen ein paar tausend Menschen brotlos zu machen, nur sich selbst noch mehr Kapital in den Arsch zu blasen. Aber die Leute lassen sich das ja auch gefallen. Ein paar Ex-Mitarbeiter heulen, ein paar Politiker erheben ganz sacht den Zeigefinger und weinen und die Konzernführung weint auch... aber vor lachen.
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Leberkrebs unregistriert
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Ja und deswegen ist meine Variante folgende:
Chef: "Morgen seit ihr alle arbeitslos, wir verlagern ins Ausland. *dämlich grinsend*"
Arbeiter: " Ok, morgen bist DU querschnittsgelähmt..."
Wenn das paarmal stattfindet, spricht es sich herum. Die Bildzeitung würde das schon beim ersten Mal wochenlang breitwalzen. Also worauf warten die??
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Nein.
Also wenn eine Firma Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, dann ist das natürlich in jeder Hinsicht dramatisch. Das einzige, was vielleicht trösten kann, ist, daß viele im Ausland gar keine so gute Erfahrung gemacht haben und daß viele wieder daran denken, zurückzukehren (Berichten zufolge).
Wenn Du das angesprochen hättest, wenn diese Arbeitsplätze einfach wegrationalisiert worden wären, weil die Produktion zu einem hohen Grad automatsiert werden konnte, dann hätte ich zugestimmt. Das wäre eine Entwicklung zum Wohle des großen Ganzen, aber leider eben nicht für die Einzelnen, weil Einkommen und Erwerbsarbeitsplatz aneinander gekoppelt sind. Dann hätte man diskutieren können, inwiefern die notwendige Arbeit auf mehr Köpfe verteilt werden kann oder sollte, und ob längere (sic!) Arbeitszeiten wirklich das Gebot der Stunde sein können.
Aber das war es ja leider nicht. Ob solche Vorgänge wirklich destabilisierend wirken oder eher für andere Zwecke ausgenutzt werden können, ist zweifelhaft ...
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Sollen sie mich doch hassen, wenn sie mich bloß fürchten. (Unveröffentlichtes Abizeitungs-Lebensmotto)
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Leberkrebs unregistriert
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Was ist denn Deiner Meinung "das große Ganze" bei Wegrationalisierung? Und wo ist da das Wohl für ALLE?
In der Realität ist nämlich nur das Wohl für Manager, Vorstände und (begrenzt) Aktionäre! Und dieses auf KOSTEN der Restbevölkerung, die aus Steuermitteln die neuen Arbeitslosen füttern muss. Von deren persönlicher Lage ganz zu schweigen...
Wir zahlen Hungerlöhne auf HARTZ-Niveau, zocken Euch mit Betrug und Höchstpreisen bei Supermärkten, Benzin und Heizkosten ab! Kassieren dafür Subventionen und Steuergeschenke von der Regierung auf Euere Kosten! Und als DANKESCHÖN kippen wir Euch täglich neue Arbeitslose vor die Tür, die Ihr auch durchfüttern dürft!
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Leberkrebs am 18.01.2008 18:35.
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Das ergibt keinen Sinn, was Du schreibst. Was willst Du denn?
Mit der gewerkschaftlichen Arbeitsbewegung gegen die Entwertung der Erwerbsarbeit, oder ganz neue Wege beschreiten mit dem bedingungslosen Grundeinkommen, oder radikal gegen alles?
Wenn volkswirtschaftlich - also insgesamt betrachtet - gleich viel oder sogar mehr produziert werden kann, aber bei weniger Aufwand, dann ist das doch [i]an sich[i] ein Fortschritt. Jeder einzelne würde es für sich doch genauso sehen. Eine Tragödie ist es für die Einzelnen doch nur deshalb, weil das Erwerbseinkommen abhanden gekommen ist, aber nicht die Erwerbsarbeit als solche. Oder?!
Zwar grammatisch etwas unklar, aber von der Logik eindeutig war, daß ich tendenziell nicht für längere Arbeitszeiten plädiere. Den Rest überlasse ich jetzt mal jedem Einzelnen, weiterzuspinnen ...
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Sollen sie mich doch hassen, wenn sie mich bloß fürchten. (Unveröffentlichtes Abizeitungs-Lebensmotto)
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Arne Kroger unregistriert
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Ich sehe das eher ähnlich wie @Dian und glaube auch, dass man sich für die rumänischen und ungarischen Arbeiter freuen sollte und die ganzen Idioten, die es toll finden, dass es die EU gibt, mal daran erinnern sollte, das niemand sie davon abhält, nach Ungarn oder Rumänien zu ziehen, was ja die bekannte Freizügigkeit der EU war, die alle so toll finden.
Nur, @Lovecraft und @Hansi:
Es geht hier nicht um einen deutschen Konzern, der Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, sondern um einen skandinavischen Konzern, der deshalb in Deutschland hat produzieren lassen, weil unsere Lohnkosten wesentlich niedriger sind als die in Skandinavien. In Schweden z.B. muss ein Arbeitgeber 80% der Sozialbeiträge zahlen, in der BRD nicht mal mehr 50%. Da müsste man die Menschen, die jetzt blöd rumjammern mal fragen, was sie denn getan haben für die finnischen Arbeiter, die evtl. arbeitslos waren oder wurden, als Nokia in Deutschland ein Werk aufmachte. Wobei man natürlich berücksichtigen muss, dass Finnland natürlich weniger Arbeitslosigkeit und ein besseres Sozialsystem hat wie die BRD (was ja bekanntlich nicht schwer ist).
Also, letztendlich ist hier folgendes passiert:
Ein herumnomadisierender Konzern hat mal kurz in der BRD Stopp gemacht und zieht jetzt weiter. Einige tausende Mitarbeiter, von denen bestimmt auch 60% die Regierung gewählt haben, die dafür sorgte, dass der deutsche Wirtschafts- und ehemaliger Erweiterungskommissar Verheugen im Amt ist, wundert sich jetzt, dass ihnen jetzt das passiert, was sie vorher selber mit den finnischen Arbeitnehmern gemacht haben, nur, dass eben Finnen immer bereit waren, solidarisch hohe Steuern zu zahlen, so, dass die Arbeitslosigkeit dort weder quantitativ noch qualitativ ein Problem ist.
Ich wünsche allen CDUSPDFDPGRÜNEN-Wählern, die bei Nokia beschäftigt waren, mindestens so 3 bis 4 Jahre Hartz IV.
Ersatzweise auch gerne mehr Grips in der Birne, wenn es denn helfen sollte.
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Hansi unregistriert
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Naja @Arne, man muss aber auch bedenken, dass Nokia so den Arsch voller Geld hat, dass die sich ein Werk in Skandinavien, eins in Deutschland und noch eins in Rumänien leisten könnten und somit sogar 3 mal soviele Leute einen Job hätten, aber es geht bei diesen Werksschließungen ja immer nur darum, dass sich die Konzernchefs noch ein paar Milliönchen mehr in die Tasche stecken können und sowas regt mich persönlich halt auf, egal wo der Konzern nun herkommt.
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Arne Kroger unregistriert
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Nee, @Lovecraft:
Objektiv gibt es sowieso nicht und das weißt Du. Maximal gibt es subjektive Beurteilungen. Und auch einer sachlichen Überprüfung hält eben Deine Argumentation nicht stand. Denn, Du machst die falschen Prämissen:
Niemand, der in einem Nokiawerk jemals gearbeitet hat, hat ja eine gesellschaftlich sinnvolle Arbeit vollrichtet. Die haben überflüssige Scheiße hergestellt, nämlich Handys. Dafür braucht man in der BRD evtl. 10 Arbeitsplätze, um die paar Handys, die wirklich notwendig sein könnten in der BRD herzustellen.
Und dafür brauche ich auch kein Nokia, @Hansi, sondern maximal ein paar Menschen, die sich darüber Gedanken machen, was sie einkaufen. Früher gab es auch keine Handys, da machte man das, was man heute mit Handys macht, mit Objekten, die der Allgemeinheit gehörten und so gesehen, sozialisiert waren. Telefonzellen nannte man das.
Der Mist beginnt doch nicht erst, wenn eine Firma ihre Produktion verlagert, sondern in dem Moment, wo Millionen von Schwachköpfen meinen, sie müssten mit so einem Scheißdreck Arbeitsplätze schaffen, indem sie sich sowas wie Handys anschaffen. Die zwei Handys, die ich bislang in meinem Leben hatte, habe ich geschenkt bekommen. Und das Guthaben, dass ich darauf habe, ist wahrscheinlich schon einige Monate auf 5 € und wird sich auch kaum noch verändern.
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Hansi unregistriert
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Gut, dass is nun natürlich ein zweites paar Schuhe wenn man darüber diskutieren will, was diese Konzerne eigentlich herstellen und das das zu 95 % große Scheiße ist, aber das hat nun mit der Werksschließung erstmal recht wenig zu tun. Denn Fakt ist auch, dass sich große Scheiße nunmal sehr gut verkauft. Ich würd auch nicht so weit gehen und Handys grundsätzlich verurteilen. Sie haben schon große Vorteile gegenüber Telefonzellen. Was jedoch der Schwachsinn an ihnen ist, ist der Punkt das sie immer moderner, besser und teurer werden. Ich für meinen Teil will nämlich mit dem Handy SMS verschicken und telefonieren, wenns denn mal sein muss. Ne Kamerafunktion seh ich auch noch ein. Die ist recht vorteilhaft wenn man mal schnell ne Kamera bräuchte wo keine zur Hand ist. Der Rest ist aber total überflüssig, ich meine, bald kann ich mir mit meinem Handy wohl auch die Zähne putzen oder die Schnürsenkel binden. Das ist natürlich Kappes. Aber eigentlich ist das auch alles Off-Topic und gehört in nen eigenen Thread.
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Arne Kroger unregistriert
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Doch, das hat sehr viel miteinander zu tun, denn letztendlich ist es doch wohl relevant, dass eine ganze Menge überflüssige Scheiße im Kapitalismus produziert wird und dies aus unerfindlichen Gründen den Lebensstandard sichert.
Wenn Du den Punkt ausblendest, dass die das Werk auch ohne jede Schwierigkeiten schließen könnten, wenn der Punkt, den @Lovecraft angesprochen hat, nämlich die blödsinnige Verbindung von Arbeit und Lebensunterhalt verschwinden würde, wäre das nämlich alles kein Problem mehr.
Sonst kannste demnächst ja auch mal Entsetzen zeigen, wenn Krauss-Maffei keine Panzer mehr produzieren kann, weil gerade niemand einen Leopard zu Hause braucht.
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Leberkrebs unregistriert
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Als Turnierschachspieler wird man durch Handys ja bereits betrogen.
Gestern auf einem Schachturnier im Rheinland: Mein Gegner verlässt nach jedem meiner Züge den Saal und muss angeblich wegen Durchfall auf Klo. Zeitgleich konnte der Mann, ein Würstchen aus der Kreisliga, plötzlich auf Großmeisterniveau Schach spielen. Wie kommts? Das schachprogramm FRITZ, das den Weltmeister besiegt hat, ist neuerdings in moderneren Handys nutzbar. Mein Fazit: Ich ziehe mich vom Turnierschach zurück. Mir sind Nerven, Zeit und Fahrgeld zu schade um mich von Idioten betuppen zu lassen. Und ich habe auch keine Lust mir selbst ein Handy zu holen und dann dieses gegen das Handy des andern schachspielen zu lassen...
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Arne Kroger unregistriert
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Siehst Du, @Bronstein, und hättest Du dann einen Panzer dabei, dann könntest Du doch das Problem auch lösen.
Insofern finde ich auch manchmal, wenn manche Menschen mir ihre Privatsphäre durch Handys kundtun wollen in öffentlichen Verkehrsmitteln Panzer gar nicht so überflüssig, sondern maximal gleichwertig.
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Leberkrebs unregistriert
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Quatsch Panzer! In so einem Fall würde es reichen, wenn ich 24 Stunden gegen strafrechtliche Verfolgung Immun bin.
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viele arbeiten doch nur um sagen zu können: "ich arbeite!"
die heulen rotz und wasser weil das bald nichtmehr der fall ist. schon ist mein ein asozialer versager
der so schlimme sachen sagen muss wie: "ich bin arbeitslos!", "ich beziehe hartz4!" etc..
aber ganz so asozial wie der "standart-arbeitslose" werden die von nokia-werk nie dastehen.
denn sie werden bis an ihr lebensende erzählen können:"ich war damals bei dem bekannten nokia-werk aus bochum beschäftigt. ging durch alle medien... ich war 3mal im fernsehen und habe da würstchen gegrillt!!!!!!!!!!"
meine güte... warum sind die nicht in der lage zu chillen!? is doch ne schöne grillparty bis mitte des jahres!bis dahin kann man sich doch auch gut erholen... vom roboter-dasein. die haben probleme^^
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Arne Kroger unregistriert
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Den Fehler, den die alle machen, ist, dass die nicht auf der Straße rumlungern, sondern eben zu Hause noch sitzen.
Der ganze Scham, dass nicht alle Hartz IV-Empfänger auf den Straßen rumschnorren und zeigen, dass es ihnen dreckig geht, gibt der BRD immer noch ein viel zu positives Bild im Ausland. Das Ausland muss mitbekommen, dass die BRD ein heruntergekommener Staat ist und nichts mehr von denen abnehmen, damit dies auch Auswirkungen auf den Export hat.
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