|
|
Mir ist seit längerem schon aufgefallen, dass sich viele Leute in meinem Umfeld nicht nur für Japan interessieren, sondern auch ein Faible für die irische Kultur entwickelt haben.
Man trägt komische grüne T-Shirts, feiert exzessiv den St.-Patricks-Day und säuft "Guinnes" [Ginnes] oder "Kill Kenny"*.
Woher kommt das?
Haben Flogging Molly und die Dropkick Murphys mit ihrem genialen irishen Punkrock dazu beigetragen, dass die irische Kultur hier in Deutschland auf so großes Interesse stieß?
Oder ging das vielleicht schon mit dem Film The Boondock Saints (Der blutige Pfad Gottes) los? Der kam schon 1999 raus, vor über zehn Jahren.
Inzwischen haben sogar Die Simpsons eine Episode über Irland ins Fernsehen gebracht: Im Namen des Großvaters. Und in Debarted - Unter Ratten hört man zeitweilig "I´m Shipping Up To Boston" von den Dropkick Murphys.
Geschichtlich gibt es nicht viel zu berichten; ab dem Anfang des zwölften Jahrhunderts wurde Irland vom Britischen Imperium unterdrückt, erst 1921 hat sich durch den Dominion-Status daran etwas geändert, noch heute gehört ein kleiner Teil der Insel im Norden zum Vereinigten Königreich.
Traditionell besteht wohl eine Feindschaft zwischen dem eher protestantischem Norden und dem erzkatholischem Süden.
Das die irische Kultur in den U.S.A. bekannt ist, dürfte sich dadurch erklären, dass viele Iren während der Kartoffelfäule in den 1840er Jahren nach Amerika ausgewandert sind. Dort mussten sie sich lange mit Diskreminierungen und fast so großer Armut und Elend auseinander setzen wie in der Heimat. Der Sohn einer dieser Iren, der sich mit Intelligenz und schwarzen Geschäften zum Multimillionär hochgearbeitet hat, wurde später Präsident der Vereinigten Staaten; nebenbei auch der erste Katholik im Weißen Haus.

Das die irische Kulltur die Amerikanische schon damals beeinflusst hat, merkt man heute nicht nur in Filmen und Musik, sondern auch im Stepptanz, den die Iren praktisch nach Amerika importierten.
Von Amerika kamen dann vielleicht mit den genannten Bands auch das Interesse an der Kultur hierher (?).
Aus erster Hand habe ich gehört, dass die Provinz-Iren eher rückständig sind und, ich formuliere es mal so, nicht mal wissen, dass der Krieg vorbei ist. So wurde ein Bekannter von mir als als Nazi eingestuft, einfach aufgrund der Tatsache, dass er aus Deutschland kommt.
Ich persönlich habe mich in einem Irish-Pub sehr wohl gefühlt, höre sowieso seit langem Irishen Punkrock, feiere aus offensichtlichen Gründen (Alkohol) gerne den St. Patricks-Day und sollte sich die Gelegenheit bieten, werde ich mal eine Reise in das Land wagen;
wie sieht es mit euch aus?
Findet ihr Irland und seine Kultur interessant, und wenn ja, warum?
*Ja, der Name ist von South-Park inspiriert. Angeblich haben die Macher des Bieres nach einem Namen gesucht und es wurde vorgeschlagen, es nach der Figur Kenny zu bennen, die regelmäßig abkratzt.
Edit: Gerade fällt mir ein, dass die Darren O’Shaughnessy, der Autor der unübertroffenen Darren-Shan-Reihe, aus Irland kommt, das ist kulturell natürlich ein Plus!
Ein bekannterer Autor als der ist vermutlich Bram Stoker, der Autor von Dracula, ebenfalls Ire.
|
"Einige Menschen in diesem Land sind sehr reich, aber die meisten von euch sind sehr, sehr arm. Und wisst ihr wieso? Weil ihr alle faule Säcke seid! Euer Land braucht Geld. Aber ihr könnt leider nicht genug Geld beschaffen. Also sag ich euch, was wir tun müssen: Wir werden die Krankenhäuser zumachen und den Leuten Arbeit geben und mehr Raketen herstellen!!"
|
|
|
|
|
|
BasicX unregistriert
 |
|
Als ich das eine Mal in Irland war, habe ich anfangs gar keine großen Erwartungen gehabt. Den ganzen Schrott wie die Cliffs of Moher oder das bekannte Hünengrab sind in Natura nicht halb so spektakulär wie viele andere kleine, nichtig erscheinende Aspekte und Akzente dieses wundervollen Landes. Aber man kann es nur entdecken, wenn man einmal von den Publikumsmagneten abweicht und sich mal einfach ein paar andere Orte anschaut. Ich lade vielleicht noch mal ein paar Fotos hoch...
Nun ja, Dublin kann man vergessen. Für mich kann man Dublin mit jeder anderen großen Stadt in der Welt problemlos vergleichen. Es erinnert mehr an eine Sublocation von London, als eine eigenständige Metropole. Aber was mir an Irland gefallen hat, war die Spiritualität, die man hinter allem entdecken konnte, so als wäre die Luft magnetisiert und fern ab der eigentlich Realität. Obgleich ich danach durchaus gleichschöne Orte gesehen habe, landschaftlich gesehen, war Irland einfach etwas ganz besonderes und ich kann euch nicht mal erzählen warum. Vielleicht liegt es auch daran, dass so viel Mystik, so viel untergegangene Geschichte wie ein dünner Zauber über diese grüne Insel liegt. Gleiches fühlt man auch in Rom, jedoch auf eine völlig andere Art.
Ansonsten sind mir die Iren eigentlich egal und auch das Bier und die Kultur ist für mich völlig unbdeutend und doch könnte ich es mir vorstellen, dort zu leben und zu arbeiten. Sie gibt einem ein wenig Frieden, fern ab der überwucherten Großstädte der heutigen Zeit aber leider sehen auch viele andere dies genauso und mehr und mehr beginnt sich diese Insel zu füllen... Womit irgendwann auch dies zerstört werden wird.
| Beitragsänderung: |
| Ich finde, man kann Irland kaum beschreiben. Irland, wie es lebt und pulsiert, kann man nur tief im Herzen tragen... |
@deldenker: Ich empfehle dir, mit dem Rucksack und Zelt dorthin zu gehen. Ich war richtig traurig, dass es so schnell wieder nach Hause ging und es gibt so viel Schönes zu entdecken...
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von BasicX am 18.07.2010 18:22.
|
|
|
|
|
|
|
|
Meine Güte, ich habe überhaupt nicht mitbekommen, dass dieser Irland-Tick mal eine Zeitlang wohl nicht so "in" war.
Irgendwann in den 80ern fing es an, dass es auf einmal neben deutscher und holländischer Markenbutter auch irische gab (Ich denke, das muss mit dem Beitrit von Irland zur EU damals irgendwie zusammenhängen). Die Werbung zog eben darauf ab, dass das ein ganz dolles unberührtes Land wäre, wo die Landschaft grün ist und die Menschen alle rote Haare hätten.
Wie das bei solchen Kampagnen ist, fanden dann auch einige Leute auf einmal Irland toll. Das, was die meisten wohl an Irland schätzten, war, dass die eben ewig am Saufen waren. Ihr Guiness und ihren Tullamore Dew (Irischer Whiskey, den man eigentlich nur für Irish Coffee nehmen kann, zum pur trinken viel zu
).
Naja, das ist ja eh egal, auf jeden Fall Saufen, das kam gut an in Deutschland und überall wurde einem erzählt, dass man den nächsten Urlaub in Irland machen werden und wenn die zurück kamen, wie toll es da war. Wir grün und ruhig und überhaupt (In Deutschland oder in sonstiger nähereren Umgebung gibt es ja bekanntlich keine grünen oder ruhigen Flecken. Und Saufen kann man ja hier auch nicht bis zum Umfallen. Aber vor allen Dingen gab es keine Kampagnen, irgendeinen völlig unterentwickelten Agrarstaat als Tourismusparadies zu beschreiben. Und Mecklenburg-Vorpommern war damals noch sozialistisch, das durfte man nicht so verkaufen.)
Es wurde dann alles noch viel schlimmer. Noch bevor Tokio-Hotel die Gehirne der Hernawachsenden deformierte, wurde die Kelly-Family aus Irland hier so was kultisches. Man konnte denen kaum entgehen, ebenso wenig wie irischen Pubs, die überall aus dem Boden schoßen.
In den letzte Jahren war es etwas stiller geworden. Zuerst in den 90ern war Irland das Wirtschaftswunderland überhaupt der EU. Die ganzen EU-Gelder wanderten nach irland, damit die da Anschluß an die Industrie im restlichen Eruopa fanden und sie bauten dort Call-Center um Call-Center auf. (Es verlegten tatsächlich viele Firmen aus dem Bereich ihren Sitz nach Irland, weil da die Personalkosten preiswerter waren.)
Anfang des Jahrtausends wurde Irland dann noch einmal fett als europäischer Musterschüler hochgepeitscht in der Presse. Sie waren der erste Staat, der das Rauchverbot einführte in Kneipen.
(Spätestens ab diesem Moment wusste ich, dass ich Irland NIE betreten werde.)
Sonst wurde da wenig drüber berichtet.
Es gab eine sehr knappe Entscheidung in Irland, die dafür sorgte, dass ab irgendwann in den neunzigern auch Ehescheidungen möglich waren (die ist auch nur so ausgegangen, weil sie ansonsten die EU-Fördergelder, von denen sie leben, losgeworden wären), Abtreibung ist auch für vergewaltigte 14jährige, die die Geburt nicht überleben würden, verboten, tatsächlich ist Schwul oder lesbisch sein schon seit 15 Jahren kein Grund mehr in Irland, um ins Zuchthaus zu wandern. Aber wie Schwulen- oder Lesbenehen buchstabiert werden, braucht man einen Iren nicht zu fragen, das überfordert ihn.
Kurzum:
Man könnte auch das hinterste Anatolien oder Gebiete in Afgahnistan als neue Butterfabrik von Europa verkaufen. Es werden sich genug Idioten finden, die das da dann alles extrem romantsich finden und Rückständigkeit mit Mystik verwechseln. (Oder man nimmt eben Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg oder so, die Deutschen sind ja doof genug dafür. Haben die ja schon bewiesen.)
Aber das schöne ist:
Irland, dieser EU-Musterschüler, ist genau so pleite wie Griechenland, wenn nicht sogar schlimmer. (nur haben die im Gegensatz zu Griechenland eine dermaßen reaktionäre Bevölkerung, die nicht aufschreit.)
Durch die Wirtschaftskrise haben die eine Arbeitslosigkeit um 30 %, bei den zwischen 20- und 40jährigen ist es jeder zweite, der keinen Job mehr findet. Die haben da fast nur Dienstleistungsscheiße hingepackt und die geht als erstes den Bach runter, wenn die Wirtschaft mal nicht so funzt.
Viel Spaß beim Hirnwegsaufen in rauchfreien Pubs möchte man da wünschen.
|
|
|
|
|
BasicX unregistriert
 |
|
Aber da hast du ja mal gekonnt, alles positive ignoriert... alle Achtung xDD
|
|
|
|
|
|
|
|
Ich war noch nie da*, insofern kann ich nur über das schreiben, wie mir Irland hier verkauft wird und das ist nunmal zum Kotzen. Ich hatte auch in den vorhergegangenen Beiträgen nix positives gelesen, was da so toll sein soll.
*(und muss da, wie aus meinem Text hervorgeht, bestimmt auch nicht hin)
|
|
|
|
|
BasicX unregistriert
 |
|
XD du musst es einfach mal gesehen haben, anstatt dich gegen diese wunderschöne (rauchfreie) Atmosphäre zu sperren..
glaub mir, es ist schön dort, wenn ich noch ein paar gute Fotos finde stelle ich sie rein...
Wobei das hier, dir auch keine Sehnsucht verschafft ne?:
|
|
|
|
|
|
BasicX unregistriert
 |
|
Ich zitiere Mal Bilbo (war zwar Neuseeland aber Irland hätte eigentlich besser gepasst):
"Ich will wieder Berge sehen, Berge..."
|
|
|
|
|
|
Hansi unregistriert
 |
|
Dabei ist @Arne doch auch son garstiger, kleiner Hobbit. Ich versteh nich wieso der keine Berge mag?!?
|
|
|
|
|
|
|
|
Btw:
Irland ist das Land mit der höchsten Kriminalitätsrate in der EU.
Irland liegt an der Spitze der Kriminalität, was sexuelle Übergriffe auf Frauen anbelangt, gewalttätige Übergriffe, Raubüberfälle und Diebstähle.
Von 100 Iren geben 22,1 an, schon Opfer einer Straftat geworden zu sein. (BRD: 13,1; Italien: 12,6; Spanien 9,0 mal so zum Vergleich.)
|
|
|
|
|
|