zanthia unregistriert
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Das Wort zum Sonntag
31.08.2008 19:47 |
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Warum tun wir uns so schwer Andersartigkeit zu akzeptieren? Einerseits besteht jeder auf seiner Individualität und konstruiert sich mühsam Persönlichkeitsprofile, die ihn auszeichnen und als etwas besonderes erscheinen lassen sollen, anderseits werden Menschen, die tatsächlich etwas anders sind, ohne dass sie etwas dafür könnten, zu Außenseitern . Man stempelt sie falsch ab, oder , vielleicht noch schlimmer, leugnet ihre Andersartigkeit und macht sie selbst dafür verantwortlich und verlangt dabei gleichzeitig, sie mögen sich doch anstrengen , dies zu vertuschen und sich anzupassen. Die Perversion daran ist, in beiden Fällen führt es dazu , dass Menschen einander unangemessen behandeln. Und kaum etwas anderes macht Menschen so einsam und krank, als das sich gar nicht verstanden fühlen.
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zanthia unregistriert
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Original von Soulmirror
welche andersartigkeiten schweben dir denn vor? je genauer man hinschaut, desto andersartiger wird schon der beste freund z.B. |
solche, durch die menschen zu aussenseitern gemacht werden.
denke dir alleine jemanden, der die vorlieben seiner mitschüler nicht teilt und gänzlich andere interessen hat , die diese als langweilig empfinden. oder jemanden, der sich äusserlich von den anderen abhebt
| Zitat: |
| wen meinst du, wer andere menschen wegen ihrer andersartigkeit ausschließt? dich? mich? die unity? oder einfach mal alle menschen? |
sämtliche menschen verfahren so. etwas, das ihnen merkwürdig oder auch nur unbekannt vorkommt, schliessen sie tendenziell lieber aus.
| Zitat: |
| sollte für dich jede andersartigkeit toleriert, akzeptiert geschätzt(etc.) werden? gibt es da für dich ausnahmen oder meinst du, man sollte grundweg jede andersartigkeit annehmen? |
"annehmen" wäre zu unreflektiert und blind. ich wollte hiermit eher auf das verstehen wollen hinaus...
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Nur um sicher zu gehen dass ich dich richtig verstanden habe:
Es geht dir sicher um die Frage, warum viele Menschen jemanden wegen gewisser Eigenschaften ablehnen, ohne sich darum Gedanken zu machen warum er so ist wie er ist, richtig?
Die Antwort wäre dann wahrscheinlich, dass viele als kleines Kind eingetrichtert bekommen haben, dass Dinge wie die, die in diesem Video genannt werden grundsätzlich "falsch" sind, und auch nie gelernt haben dass man grundsätzlich alles kritisch hinterfragen sollte ... oder sie haben einfach keine besonders gut ausgeprägten empathischen Fähigkeiten, und haben grundsätzlich Schwierigkeiten damit sich in andere hineinzuversetzen.
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dian unregistriert
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Ich denke, das Grundproblem liegt darin, dass der Mensch (naja, zumindest die meisten Menschen) ein soziales Wesen ist... oder sagen wir besser: ein Herdentier, das sich leider viel zu sehr dadurch definiert, wie es im Vergleich mit anderen Herdentieren abschneidet.
Schon die Kinder vergleichen ihr Spielzeug miteinander... junge Männer machen Schwanzvergleich... ältere Damen und Herren, die in der Gesellschaft angekommen sind, vergleichen ihre Autos, ihre Häuser und sonstige Statussymbole... immer darauf bedacht, besser abzuschneiden als die anderen.
Dieses misstrauisch aufeinander Schielen wird den Menschen in gewisser Weise schon in die Wiege gelegt.
Sie sind sich selbst nicht genug, sondern suchen immer den Austausch mit anderen, den Wettbewerb, und auch den Konflikt.
Daher wollen sie einerseits einen gewissen Grad an Individualität zur Schau stellen, um aus der Masse der Mitmenschen herauszustechen... doch wer zu viel von dieser Individualität besitzt und zu weit aus der Masse herausragt, macht sich unbeliebt, weil er den Millionen Möchtegern-Indivudalisten da draußen quasi direkt vor die Nase hält, wie wenig individuell und besonders sie eigentlich sind.
Ein Beispiel:
Jugendliche, die nach Aufmerksamkeit und Bewunderung schielen, mögen sich ein oder zwei Piercings in die Zunge stecken und sich eine Rose auf den Arsch tätowieren, und halten sich dabei für wahnsinnig individuell und mutig...
im Vergleich zu dem Punk, der zwanzig Piercings im Gesicht trägt und am ganzen Körper tätowiert ist, werden sie IMMER das Nachsehen haben und weniger Aufmersamkeit auf sich ziehen als dieser.
Und zu sehen, dass da irgendwo jemand ist, der viel einzigartiger und außergewöhnlicher ist als sie, wurmt Menschen, die doch so dringend etwas Besonderes sein möchten, eben ganz gewaltig.
Also erklären sie den extrem Gepiercten zum "Freak" und machen sich über ihn lustig, anstatt ihn dafür zu bewundern, dass er viel konsequenter ist, als sie es sich jemals getrauen würden.
Ähnlich verhält es sich auch bei Ausgrenzung von Behinderten oder sonstigen Leuten, die anders sind, ohne wirklich etwas dazu zu können.
Sie sind für ihre Mitmenschen wie ein Spiegel, der ihnen Wahrheiten vor Augen führt, die sie am liebsten ganz tief in ihrem Unterbewusstsein schlummern lassen wollen.
Der Anblick eines sabbernd in seinem Rollstuhl hängenden Behinderten führt dem lebenslustigen Durchschnittsbürger vor Augen, dass er im Grunde, genau wie sein Gegenüber, nur ein sabberndes, atmendes Stück Fleisch ist... nur mit dem Unterschied, dass er eben im Gegensatz zu dem Behinderten die Möglichkeit hat, die Erbärmlichkeit seiner Existenz geschickt zu verbergen.
Der Anblick eines zerlumpten Bettlers wird einen Karrieremenschen daran erinnern, dass der Reichtum des einen immer auch die Armut eines anderen bedeutet.
Der Anblick eines Entstellten lässt die Schönen erahnen, dass ihre Schönheit, die sie täglich so liebevoll pflegen, etwas Vergängliches ist, und dass sie sich früher oder später auch in einer Situation wiederfinden werden, in der sie mit ihrer äußeren Optik bei niemandem mehr punkten können.
Menschen, die stark von der Norm abweichen, konfrontieren uns mit den Widersprüchen unserer eigenen Existenz.
Je mehr jemand in seiner Herde und in seinem Umfeld integriert ist, und je fester er mit beiden Beinen in der gesellschaftlichen Hackordnung verwurzelt ist, desto stärker wird ihn das Betrachten eines andersartigen Außenseiters unterbewusst provozieren und in seinem Selbstverständnis erschüttern... während Menschen, die auf die gesellschaftliche Hackordnung scheißen und ihre Prägung weitestgehend abgelegt haben, in der Regel auch weitaus weniger Probleme mit der Andersartigkeit anderer haben.
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Die Erklärung mit dem Herdentier greift zwar einen wichtigen Aspekt auf, aber es ist nicht nur das:
Ein reicher Snob, der plötzlich viel Zeit mit "Asozialen" verbringen muss wird immer noch angewidert von diesen sein, und bis er sich in dieser "Herde" wohlfühlt wird es eine ganze Weile brauchen, selbst wenn diese versuchen sich ihm gegenüber tolerant zu verhalten.
Es sind einfach auch die Werte, die man als kleines Kind eingetrichtert bekommt, und Nicht-Einhaltung dieser Werte verursacht Ekel, Abschätzigkeit, Unverständnis, Asympathie oder ähnliches, ohne dass man sich immer bewusst ist dass diese Reaktionen nicht natürlich, sondern anerzogen sind.
...kann mir übrigens jemand sagen, warum man nicht rülpsen oder schmatzen soll? Es wirkt "unzivilisiert" auf viele Menschen, aber ist es wirklich etwas natürliches wenn man sich dadurch gestört fühlt, oder bloß ein überheblicher Verhaltenskodex, der für eine Abgrenzung zwischen "zivilisierten" Menschen und Tieren / "unzivilisierten" Menschen sorgt?
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zanthia unregistriert
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| Zitat: |
Original von Yog-Sothoth
Nur um sicher zu gehen dass ich dich richtig verstanden habe:
Es geht dir sicher um die Frage, warum viele Menschen jemanden wegen gewisser Eigenschaften ablehnen, ohne sich darum Gedanken zu machen warum er so ist wie er ist, richtig? |
ja
| Zitat: |
| Die Antwort wäre dann wahrscheinlich, dass viele als kleines Kind eingetrichtert bekommen haben, dass Dinge wie die, die in diesem Video |
| Zitat: |
| genannt werden grundsätzlich "falsch" sind, und auch nie gelernt haben dass man grundsätzlich alles kritisch hinterfragen sollte ... oder sie haben einfach keine besonders gut ausgeprägten empathischen Fähigkeiten, und haben grundsätzlich Schwierigkeiten damit sich in andere hineinzuversetzen. |
ja, kritisches reflektieren und empathie sind wohl die wichtigsten fähigkeiten um ein mensch zu werden.
| Zitat: |
Original von dian
Menschen, die stark von der Norm abweichen, konfrontieren uns mit den Widersprüchen unserer eigenen Existenz.
Je mehr jemand in seiner Herde und in seinem Umfeld integriert ist, und je fester er mit beiden Beinen in der gesellschaftlichen Hackordnung verwurzelt ist, desto stärker wird ihn das Betrachten eines andersartigen Außenseiters unterbewusst provozieren und in seinem Selbstverständnis erschüttern... während Menschen, die auf die gesellschaftliche Hackordnung scheißen und ihre Prägung weitestgehend abgelegt haben, in der Regel auch weitaus weniger Probleme mit der Andersartigkeit anderer haben. |
ja, menschen, die abweichen, konfrontieren die blökende masse mit den widersprüchen ihrer existenz, bzw. sind diese ein hinweis auf etwas unbekanntes, was sie nicht versteht, was bedrohlich wirkt , da es ihre kleine welt gefährden könnte.
was kann man selber dafür tun, um angemessener miteinander umzugehen?
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| Zitat: |
Original von zanthia
was kann man selber dafür tun, um angemessener miteinander umzugehen? |
Schwer zu sagen...in manchen Fällen ist das eine besser, und in anderen wiederum das genaue Gegenteil; Individuen unterscheiden sich, und mit ihnen auch die Frage was "angemessen" ist.
Ich denke die Differenzen in der Unity haben auch gezeigt dass es manchmal schwierig bis unmöglich ist, sich in bestimmten Gruppen auf einen angemessenen Umgang zu einigen, und dass es manchmal besser ist dann getrennte Wege zu gehen.
Schwierig wird es natürlich, wenn Gemeinschaft nicht freiwillig, sondern erzwungen ist, so wie z.B. in Schule, Arbeitsplatz, Elternhaus etc.
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zanthia unregistriert
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| Zitat: |
Original von Yog-Sothoth
[ Individuen unterscheiden sich, und mit ihnen auch die Frage was "angemessen" ist. |
"ihr seid doch alle individuen. und ihr seid alle völlig verschieden." - "ich nicht." (leben des brian)
| Zitat: |
| Schwierig wird es natürlich, wenn Gemeinschaft nicht freiwillig, sondern erzwungen ist, so wie z.B. in Schule, Arbeitsplatz, Elternhaus etc. |
erziehungsberechtigte haben kaum ein problem damit, kindern zu vermitteln, wie sie sich am besten der norm anpassen und loben sie auch noch dafür, wenn es ihnen gut gelingt. angefangen bei braver hörigkeit scheinbarer autoritäten gegenüber , über angepasste kleidung bis hin zu der ellenbogenmentalität, so egoistisch wie möglich , das beste für sich herauszuholen, auch auf kosten anderer.
die vorurteile, die eltern selber haben, ahmen die kinder ja bloß nach.
in zwangsgemeinschaften, wie die schule, ist es eigentlich sehr leicht für kompetente lehrer, die schüler in gewünschte richtungen zu beeinflussen (heimlicher lehrplan). und es ist daher eigentlich auch kein problem für sie, zu verhindern, dass jemand zum aussenseiter wird.
da dies aber trotzdem viel zu oft passiert, kann man es später nur ändern, wenn man seine eigene prägung hinterfragt.
warum kann ich intuitiv jemanden nicht leiden? in den meisten fällen doch deshalb, weil ich irgendetwas an ihm überhaupt nicht einordnen kann. und andersherum entsteht sympathie, wenn ich mich mit jemandem verstehe. das, was ich selbst ändern kann, hat m.e. bloß mit der fähigkeit zu tun, verstehen zu können. und an der kann ich selbst arbeiten. mich selbst und meine prägung verstehen und die der anderen. dann verschwimmen irgendwann die unterschiede und man versteht, dass menschen in ihren grundzügen sich eigentlich mehr gleichen , als unterscheiden.
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| Zitat: |
Original von zanthia
warum kann ich intuitiv jemanden nicht leiden? in den meisten fällen doch deshalb, weil ich irgendetwas an ihm überhaupt nicht einordnen kann. und andersherum entsteht sympathie, wenn ich mich mit jemandem verstehe. das, was ich selbst ändern kann, hat m.e. bloß mit der fähigkeit zu tun, verstehen zu können. und an der kann ich selbst arbeiten. mich selbst und meine prägung verstehen und die der anderen. dann verschwimmen irgendwann die unterschiede und man versteht, dass menschen in ihren grundzügen sich eigentlich mehr gleichen , als unterscheiden. |
Dem kann ich nicht widersprechen. Nun gibt es allerdings Menschen, die ein starkes Harmoniebedürfnis haben und versuchen, mit allen so gut klar zu kommen wie möglich, und es gibt Menschen die es nicht besonders stört, wenn sie jemanden nicht leiden können, oder wenn jemand sie nicht leiden kann.
Ich gehöre eher zu der ersten Sorte, verstehe mich aber auch mit einigen Leuten der zweiten Sorte recht gut, und habe auch den Eindruck dass es irgendwie zu ihrem Charakter gehört und unnatürlich wäre, wenn sie sich anders verhalten würden; würde also in vielen Fällen gar nicht versuchen, sie zu "missionieren".
(die Einteilung in "erste Sorte" und "zweite Sorte" ist nur so eine Idee, und miuss nicht unbedingt sinnvoll sein; konstruktive Kritik ist da willkommen)
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zanthia unregistriert
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everybody ´s darling sein zu wollen, führt meiner erfahrung nach bloß zu oberflächlichen beziehungen. man sollte auch mal den mut aufbringen, menschen an sich zerschellen zu lassen...das kann sehr befreiend sein.
aber darauf wollte ich eigentlich auch nicht hinaus.
brr.. schwierig, da jetzt ne brücke hinzubekommen...
muss da vielleicht mal weiter ausholen.
was ich immer wieder sehe, ist , dass menschen an ihren profilneurosen scheitern. konkret bedeutet das: sie gieren nach anerkennung aus ihrem umfeld nicht etwa für etwas , das sie wirklich sind und können, sondern für identitäten , die sie sich verzweifelt aus allem möglichen gestrickt haben.
die folgen dessen erlebte ich ziemlich extrem in einem forum für asexuelle. das grundbedürfnis der meisten leute dort war nicht etwa ursachenforschung und selbstanalyse zu betreiben um vielleicht irgendwann einmal genau dadurch der gesellschaft eine andere betrachtungsweise von sexualität entgegenzuhalten, die allen menschen gerechter wird, sondern bloß, in eine neue identität flüchten zu können. am liebsten ergossen sie sich in selbstmitleid und beweihräucherten sich gegenseitig für ihre tapferkeit, das unverständnis ihrer bösen umwelt zu ertragen. viele bekundeten ihre erleichterung, nun endlich einen neuen stempel für ihre identität bekommen zu haben und zu einer neuen gruppe von gleichgesinnten zu gehören. leute , die in das forum kommen und nicht in das selbe horn tuten, werden sehr schnell wieder rausgeschmissen, nachdem sie mit anfeindungen konfrontiert wurden.
aussenseiter in einer schulklasse haben es nicht geschafft, eine anerkennungswürdige identität zu übernehmen, deshalb sind sie aussenseiter. die anderen finden es befremdlich, wenn jemand ihr oberflächliches identitätenspiel nicht mitspielt und nicht assimiliert werden kann.
was desöfteren noch funktionieren kann, ist, wenn jemand ein besonders "cooler" aussenseiter ist , der sich z.b. als punk oder als rebell darstellt , was die anderen als stärke deuten und als besonders interessant. er macht aber damit nichts anderes, als auch dieses masken- und verkleidungsspiel mitzuspielen, was eben nicht auf "sein" , sondern auf "schein" basiert.
was aber, wenn jemand gar keine chance hat , bzw. sieht , irgendeine identität anzunehmen, die die anderen anerkennen, weil er z.b. psychisch, geistig oder körperlich tatsächlich "anders" ist?
dian sagte:
| Zitat: |
| während Menschen, die auf die gesellschaftliche Hackordnung scheißen und ihre Prägung weitestgehend abgelegt haben, in der Regel auch weitaus weniger Probleme mit der Andersartigkeit anderer haben. |
nur wie schafft man es, seine prägung abzulegen , bzw. anderen dabei zu helfen, ihre prägung zu durchschauen?
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]i]Original von Yog[/i]
...kann mir übrigens jemand sagen, warum man nicht rülpsen oder schmatzen soll? Es wirkt "unzivilisiert" auf viele Menschen, aber ist es wirklich etwas natürliches wenn man sich dadurch gestört fühlt, oder bloß ein überheblicher Verhaltenskodex, der für eine Abgrenzung zwischen "zivilisierten" Menschen und Tieren / "unzivilisierten" Menschen sorgt? |
Schon Martin Luther (und wer weiß schon, wer noch), sagte: "Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket?"
Damals war es halt nicht nur normal, sondern sogar höflich, zu rülpsen und zu furzen. Das bedeutete soviel wie: "Gutes Essen!"
Heute werden ja viele normale, körperliche Dinge als absoßend abgetan. Rülpsen, furzen, Schweiß z.B. sind "eklig".
Warum? Vielleicht weil heutzutage in unseren Breiten arg auf Reinlichkeit geachtet wird und alles andere wirklich als "tierisch" gillt.
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"Einige Menschen in diesem Land sind sehr reich, aber die meisten von euch sind sehr, sehr arm. Und wisst ihr wieso? Weil ihr alle faule Säcke seid! Euer Land braucht Geld. Aber ihr könnt leider nicht genug Geld beschaffen. Also sag ich euch, was wir tun müssen: Wir werden die Krankenhäuser zumachen und den Leuten Arbeit geben und mehr Raketen herstellen!!"
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Original von zanthia
everybody ´s darling sein zu wollen, führt meiner erfahrung nach bloß zu oberflächlichen beziehungen. man sollte auch mal den mut aufbringen, menschen an sich zerschellen zu lassen...das kann sehr befreiend sein.
aber darauf wollte ich eigentlich auch nicht hinaus. |
Oh, da hab' ich mich wohl etwas ungünstig ausgedrückt; klar soll man nicht anfangen rum zu schleimen obwohl man jemanden auf den Tod nicht ausstehen kann; es ist nur so dass ich Menschen, die gewisse Eigenschaften haben, die mir zuwider sind, trotzdem so akzeptiere wie sie sind, solange sie sich tolerant verhalten, statt dass ich Zoff mit ihnen anfange bloß weil die Chemie nicht stimmt.
...nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, auch wenn du darauf eigentlich nicht hinaus wolltest.
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Original von zanthia
nur wie schafft man es, seine prägung abzulegen , bzw. anderen dabei zu helfen, ihre prägung zu durchschauen? |
Bei mir ist es so dass ich mich dann am meisten verändere, wenn sich mein soziales Umfeld verändert. Das kann der Freundeskreis, die Arbeits / Ausbildungsstätte, aber vor allem auch die Wohnung / WG etc. sein. Hat man viel mit Leuten unterschiedlicher oder sogar "gegensätzlicher" Prägungen zu tun kann das sicher helfen, die Lächerlichkeit dahinter zu erkennen.
Was die Illusion der Identität anbelangt ist aber auch unsere Sprache ein wenig schuld:
"Ich bin Kommunist."
"Ich bin Metaller."
"Ich bin Bäcker"
-> Problem 1: Obwohl es sich hier nur um Eigenschaften handelt, wird suggeriert dass es sich hier um komplette Identitäten handelt, was es erschwert, andere als Identitäten verkleidete Eigenschaften an zu nehmen.
-> Problem 2: Dadurch, dass eine Identität suggeriert wird klammert man sich an diesen Eigenschaften fest, da niemand seine "Identität" aufgeben will.
@deldenker: Ja, viele Dinge erscheinen uns auch unangenehm wegen unseren hohen Hygiene-Standards. Aber während ich es noch nachvollziehen kann dass jemand Gerüche als unangenehm empfindet, erscheint mir das mit dem Schmatzen z.B. vollkommen willkürlich; ich wüsste nicht wieso sich jemand daran stören sollte wenn mir unbekannt wäre, dass jedem als Kind beigebracht wurde dass man nicht schmatzen soll.
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zanthia unregistriert
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Original von Yog-Sothoth
Bei mir ist es so dass ich mich dann am meisten verändere, wenn sich mein soziales Umfeld verändert. Das kann der Freundeskreis, die Arbeits / Ausbildungsstätte, aber vor allem auch die Wohnung / WG etc. sein. Hat man viel mit Leuten unterschiedlicher oder sogar "gegensätzlicher" Prägungen zu tun kann das sicher helfen, die Lächerlichkeit dahinter zu erkennen. |
...also im grunde , sich in anderen spiegeln?
| Zitat: |
Was die Illusion der Identität anbelangt ist aber auch unsere Sprache ein wenig schuld:
"Ich bin Kommunist."
"Ich bin Metaller."
"Ich bin Bäcker"
-> Problem 1: Obwohl es sich hier nur um Eigenschaften handelt, wird suggeriert dass es sich hier um komplette Identitäten handelt, was es erschwert, andere als Identitäten verkleidete Eigenschaften an zu nehmen.
-> Problem 2: Dadurch, dass eine Identität suggeriert wird klammert man sich an diesen Eigenschaften fest, da niemand seine "Identität" aufgeben will.
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genau. das "ich bin" führt dazu. bzw. daran kann man es erkennen-nur, wie weit geht das ? was ist mit : ich bin ein mann ? ich bin eine frau? ich bin ein mensch?
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nemesus unregistriert
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Ich möchte kurz einwerfen, dass ich einen vielleicht etwas seltsam wirkenden Zusammenhang zwischen Denken und Reden sehe.
Denken und Reden mögen miteinander wechselwirken, doch ich komme zum unerwarteten Schluss, dass das, was wir sagen uns mehr im Denken beeinflusst, als das, was wir denken uns im sprechen beeinflussen würde.
Scientology unterscheidet zwischen den drei Zuständen >>Sein<<, >>Haben<< und >>Tun<<, und postuliert, dass es häufig zu Verwechslungen dieser Zustände kommen kann.
Bei dem, was Du schilderst, zanthia, scheint mir eine derartige Verwechslung vorzuliegen.
Beispiel I
Ich male, also bin ich Maler
Ich bin depremiert, also bin ich ein Depri,
usw.
Im Gegensatz zu Scientology gehe ich allerdings davon aus, dass nur eine Änderung INNERHALB der Sprache nötig wäre, um nicht so oft in die Falle zu tappen.
Diese Änderung besteht darin, dauerhaft auf eine präzise Beschreibung der Zeit wertzulegen.
Als Beispiel II:
Ich male jeden Tag einige Stunden.
Ich befinde mich in einer depressiven Phase,
usw.
Der Sinn der Übung:
Durch die unteren Sätze wird uns selbst klarer, dass es sich nur um Etappen unseres Lebens handelt. Genau deshalb wird die Gefahr reduziert, unser Sein mit unserem Tun zu verwechseln.
Gruß,
N.
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Original von zanthia
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Original von Yog-Sothoth
Bei mir ist es so dass ich mich dann am meisten verändere, wenn sich mein soziales Umfeld verändert. Das kann der Freundeskreis, die Arbeits / Ausbildungsstätte, aber vor allem auch die Wohnung / WG etc. sein. Hat man viel mit Leuten unterschiedlicher oder sogar "gegensätzlicher" Prägungen zu tun kann das sicher helfen, die Lächerlichkeit dahinter zu erkennen. |
...also im grunde , sich in anderen spiegeln? |
Das sicher auch, aber worauf ich hauptsächlich hinaus wollte ist, dass in einem neuen sozialen Umfeld schon mal Aktivitäten anstehen, bei denen man sich fragt ob man diese mit seiner "Pseudo-Identität" vereinbaren kann, und evtl. zu dem Schluss kommt dass dieses Identitätsdenken zumindest teilweise albern ist und einen nur unnötig einschränkt.
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Original von zanthia
genau. das "ich bin" führt dazu. bzw. daran kann man es erkennen-nur, wie weit geht das ? was ist mit : ich bin ein mann ? ich bin eine frau? ich bin ein mensch? |
Klar, es gibt natürlich auch tatsächliche Identitäten (ja, wenn man Geschlechtsumwandlungen hinzu nimmt sind einige zeitlich begrenzt), wobei hier immer noch das Problem ist, dass man damit irgendwelche willkürlichen Eigenschaften verbindet: Man verwendet Eigenschaften wie männlich, weiblich und menschlich ja auch oft über die Spezifizierung von Geschlecht / Tierart hinaus (ja, ich behaupte mal der Mensch ist ein Tier ^^).
@Nemesus: Sehr guter Beitrag, das mit der zeitlichen Eingrenzung!
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zanthia unregistriert
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Original von Yog-Sothoth
Klar, es gibt natürlich auch tatsächliche Identitäten |
genau diesen punkt wollte ich damit eigentlich in frage stellen. ich denke nämlich auch , dass du hiermit:
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| (ja, wenn man Geschlechtsumwandlungen hinzu nimmt sind einige zeitlich begrenzt), wobei hier immer noch das Problem ist, dass man damit irgendwelche willkürlichen Eigenschaften verbindet: Man verwendet Eigenschaften wie männlich, weiblich und menschlich ja auch oft über die Spezifizierung von Geschlecht / Tierart hinaus (ja, ich behaupte mal der Mensch ist ein Tier ^^). |
recht hast und auch menschlich, männlich, weiblich größtenteils willkürlich sind. wenn diese begriffe verwendet werden, werden damit gleichzeitig unzählige , unreflektierte eigenschaften impliziert und wenn man mal konsequent hingeht, und das alles dekonstruiert, bleibt gar nicht mehr soviel übrig.
das wäre z.b. auch eine möglichkeit, seine prägung zu hinterfragen:
wie du schon sagtest , sind die "frei" gewählten und auch die oktroyierten identitäten freiheitseinschränkend und darum könnten fragen wie : "sollte ich mir jetzt besser das lachen verkneifen, weil alle mich als depri kennen?" , "sollte ich mir das weinen verkneifen, weil ich schwanzträger bin?" , "sollte ich die aussagen der älteren herren lieber nicht korrigieren, weil ich ein loch zuviel habe?" , "sollte ich mir das verlockende gericht entgehen lassen, weil ich veganer bin?"...etc. helfen, zu verstehen, welches blöde spiel wir alle da eigentlich spielen...
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von zanthia am 21.09.2008 18:08.
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Tja, das Blöde ist auch dass man ständig in eine gesellschaftliche Funktion hineingepresst wird: Man ist Schüler, Soldat/Zivi, AZuBi, Student, Arbeitsloser/Hartz-IV-Empfänger etc., Rentner, hat einen konkreten Beruf, oder sonstiges; aber in einer bestimmten Kategorie sind die meisten, und es wird erwartet dass man sich entsprechend verhält.
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nemesus unregistriert
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| Tja, das Blöde ist auch dass man ständig in eine gesellschaftliche Funktion hineingepresst wird: Man ist Schüler, Soldat/Zivi, AZuBi, Student, Arbeitsloser/Hartz-IV-Empfänger etc., Rentner, hat einen konkreten Beruf, oder sonstiges; aber in einer bestimmten Kategorie sind die meisten, und es wird erwartet dass man sich entsprechend verhält. |
Ich würde sogar noch weiter gehen, und behaupten, dass die "nichtgesellschaftlichen" Funktionen mindestens genauso tief gehen. Wir alle kennen den Begriff des "KlassenClowns", des "Sonderlings", usw. Sind diese Rollen ersteinmal gefestigt, ist es sehr schwer, für die Betroffenen, dem Umfeld, was versuchen wird, sie in diesen Rollen zu halten, um es leichter zu haben, zu entkommen.
Abschließend möchte ich Werner Heisenberg gedenken.
Die Erkenntnis, dass die Alchymisten auf sonderbare Weise Recht behielten, und der Experimentator sein eigenes Experiment mit seiner Anwesenheit verfälscht, brachte ihn in die Nähe eines Nervenzusammenbruchs.
Es wundert mich, dass die Unschärfe-Thematik in der Schulpsychologie meines Wissens noch nie verarbeitet wurde.
Wenn ich einen Menschen als obligatorischen Zuspätkommer betrachte, motiviere ich ihn nicht gerade, bei mir pünktlich zu sein.
Wenn ich einen Menschen oft genug der Lüge bezichtige, obgleich er mich nicht belogen hat, wird er mich irgendwann belügen.
Um nocheinmal auf Heisenberg im Kontext zu meinem vorigen Post zurückzukommen:
So, wie ich für eine präzisiere Beschreibung der Zeit war, bin ich auch für eine präzisere Beschreibung der Vorgänge.
Eine Person XY VERHIELT sich zu mir in einem bestimmten ZEITRAHMEN unpünktlich.
Ich war nicht immer mit ihm zusammen, weshalb ich nicht wissen kann, ob er in der selben Zeit, die ich ihn "kenne" nicht anderen gegenüber pünktlich war.
Sollte sich jedoch herausstellen, dass er in der Zeit, in der ich ihn "kenne" auch zu Verabredungen mit anderen unpünktlich erschien/erscheint, so weiss ich noch nicht zwingend, ob er früher nicht der pünktliche Mensch vom Dienst war.
Dies als Beispiel
Gruß,
nemi
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von nemesus am 24.09.2008 16:29.
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