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Ruf aus dem aufständischen Griechenland
26.12.2008 20:30 |
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Passt inhaltlich wahrscheinlich ganz gut hierher:
Ein Aufruf aus Griechenland zur internationalen Solidarität
Quelle Indymedia Barcelona
Ruf aus dem aufständischen Griechenland
Eine Bande an Politikern und Jornalisten schwärmen herum und versuchen sich unsere Bewegung zu nutze zu machen und ihr ihre eigne Rationalität aufzudrängen. Sie sagen, dass wir rebellieren, weil unsere Regierung korrupt ist oder weil wir mehr Geld und mehr Arbeit von ihr bekommen wollen. Falsch.
Wenn wir Banken zerstören, dann darum, weil wir in ihrem Geld einen Hauptgrund unserer Traurigkeit erkennen. Wenn wir die Schaufenster der Läden zertrümmern, ist es nicht weil das Leben teuer ist, sondern weil uns die Güter selbst am Leben hindern, unabhängig von ihrem Preis.
Wenn wir die polizeilichen Formationen angreifen, dann nicht nur um unseren toten Kameraden zu rächen, sondern weil sie zwischen der Welt und der Welt, wie wir sie uns wünschen, immer ein Hindernis sein werden.
Wir wissen, dass der Moment gekommen ist, indem wir strategisch denken müssen. In diesen imperialen Zeiten, ist es uns klar, dass unser Aufstand sich ausbreiten muss, um siegreich zu werden, zumindest auf europäischem Niveau. Wir haben andere Bewegungen gesehen und von ihnen gelernt: von den Gipfeltreffen IMF-G7, die auf globalem Level beantwortet wurden, von den rebellierenden Studenten, von den innerstädtischen Strassenkämpfen in Frankreich, von der Anti-TAV Bewegung in Italien, von der Kommune von Oaxaca, von den Unruhen in Montreal.
Von der Verteidung zur Offensive, wie die die in Ungdomshuset, in Kopenhagen, sich wehren, wie die die die nationalistisch-republikanische Zusammenkunft in den USA boykottieren.... eine lange Liste die immer weiter läuft.
Genährt durch die Katastrophe sind wir Kinder aller Krisen, der Politischen, Sozialen, Ökonomischen, Ökologischen. Wir wissen, dass diese Welt bereits tot ist. Dass man verrückt sein muss, sich an ihren Ruinen festzuklammern. Dass die einzige vernünftige Möglichkeit darin liegt, sich selbst zu organisieren.
Hieraus wird auch die vollständige Ablehnung jeglicher Politik der Parteien und Organisationen offensichtlich, da sie Teil der alten Welt sind. Wir sind die schlecht behandelten Kinder dieser Gesellschaft und wir wollen nichts von ihr. Das ist die letzte Sünde, die sie uns nie verzeihen wird. Hinter den schwarzen Schaals, sind es wir, ihre Kinder. Und wir haben uns organisiert.
Wir könnten niemals soviele Anstrengungen unternehmen, um das Materielle dieser Welt zu zerstören, ihre Banken, ihre Supermärkte, ihre Polizeistationen, wenn wir nicht wüssten, dass wir dadurch ihre Metaphysik, ihre Ideale und Ideen und ihre Rationalität untergraben.
Die Medien beschrieben das Geschehene letzte Woche als einen Ausbruch des Nihilismus. Was sie sich nicht zu sagen trauen ist, dass wir in dem selben Prozess, diese Realität zu überfallen und zu vernichten, eine höhere Gemeinschaftsform ausprobieren. Eine Gemeinschaft der Mitbestimmung, eine höhere Form der spontanen und fröhlichen Organisation in der die Basis für eine andere Welt gelegt wird.
Manche mögen sagen, dass unsere Revolte an ihre eignen Grenzen stossen wird, aus dem einfachen Grund, dass sie nur Zerstörung schafft. Das wäre die Wahrheit, wenn wir nicht, abgesehen von den Strassenkämpfen, für die notwendige Organsation gesorgt hätten, die eine langlebige Bewegung benötigt: Lagerräume für die geplünderten Sachen, die Krankenstationen um unsere Verwundeten zu versorgen, die Medien, um unsere eigene Presse zu veröffentlichen, unsere Radiostationen, unsere Kinos, unsere Leben.
In ganz Europa zittern die Regierungen. Sicherlich ist das, was sie am meisten erschreckt nicht das Lautwerden auf den Strassen, was sich auf lokaler Ebene reproduziert, sondern die Möglichkeit, dass die westliche Jugend einen gemeinsamen Grund findet und sich erhebt, um dieser Gesellschaft den Todesschlag zu verpassen.
Dies ist ein Ruf an alle die ihn hören:
Von Berlin nach Madrid, von London nach Tarnac, alles ist möglich.
Die Solidarität soll sich in Komplizenschaft verwandeln. Die Konfrontationen müssen sich ausdehnen. Die Kommunen müssen ausgerufen werden.
Damit die Dinge nie wieder werden wie zuvor. Damit die Ideen und die Praktiken die uns verbinden sich in einen wirkichen Fortschritt verwandeln.
So dass wir weiterhin unregierbar bleiben.
Einen revolutionären Gruß an alle Kameraden auf dieser Welt.
An alle Gefangenden: Wir werden euch befreien!
Quelle: Indymedia Barcelona: http://barcelona.indymedia.org/newswire/...60578/index.php
The Loathsome mask has fallen the man remains
Sceptreless, free, uncircumscribed, but man
Equal, unclassed, tribless and nationless,
Exempt from awe, worship, degree, the king,
Over himself, just, gentle, wise.
Percy Bysshe Shelley
Indessen ist das gerade wieder der Vorzug der neuen Richtung, dass wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Karl Marx
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dian unregistriert
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Schön pathetisch geschrieben. Gefällt mir.
Etwas übertrieben allerdings auch, fürchte ich... oder besser gesagt: einfach noch ein paar Jahre zu früh.
Ich war vor ein paar Tagen im Kino.. umgeben von einer Horde vergnügungssüchtiger Teenies, die nichts anderes im Sinn hatten als dummes Zeug zu labern und andere mit ihrer Selbstverliebtheit zu belästigen. Mit so einer Jugend lässt sich jedenfalls keine Revolution beginnen.
Wenn man sich größtenteils mit alternativ gesinnten Menschen umgibt, vergisst man schnell mal, dass die große Mehrheit der Jugend überhaupt nicht alternativ ist, und nicht mal einsieht, dass dieses System auf die Dauer nicht funktionieren kann... denn für sie (also für die degenerierten, hirnamputierten Jugendlichen und deren primitive Bedürfnisse) funktioniert es nämlich sehr wohl. Denen reicht dieses kleine bisschen Leben... sich unter der Woche versklaven lassen, um dann am Wochenende ins Kino zu gehen und dort die Sau rauszulassen.
grmpf. Sorry, bin noch etwas genervt, weil mir dieses Gesindel den Film versaut hat.
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Ich denke Menschen haben dieselben Grundbedürfnisse und ich denke, Menschen sind teilweise geprägt von ihrer Umwelt.
Also würde ich nicht allzu früh urteilen über Kiddy-Jugendliche, auch wenn wir ihre Lage aus unserer Sicht vll nicht verstehen können.
In Griechenland haben sie Strukturen, das ist der Unterschied. Dort gibt es ganze freie, autonome Viertel.
Die Polizei ist darin vorgedrunden-nach Jahren- und hat den Schuss abgefeuert und halb Griechenland steht auf.
Wie konnte so etwas geschehen? Weil diese autonomen Viertel keine Spukgespenster aus BILD und Co dort sind, sondern es sind Nachbarn, Freunde, die kostenlos Konzerte veranstalten und zum Abendessen einladen (ok, vll ein wenig überspitzt^^)
Aber darin sehe ich das Wesen des Problems: In Griechenland sind soweit ich sehe aufbauen eigener Strukturen, Aufklärung, Theorie und Aktion voneinander nicht wegzudenken.
In Deutschland sehe ich vor allem 2 Lager: die Theoretiker und die reinen Aktionisten.
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Seien wir realistisch- versuchen wir das Unmögliche!
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dian unregistriert
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| Zitat: |
| In Griechenland haben sie Strukturen, das ist der Unterschied. Dort gibt es ganze freie, autonome Viertel. |
In Griechenland hatten die auch noch vor knapp 20 Jahren eine Militärdiktatur.
25 Jahre, nachdem in Deutschland eine Diktatur war, wurde auch bei uns in Deutschland ordentlich was geboten, was alternativen Widerstand angeht.
Mir scheint nur, es muss erst mal wieder deutlich schlechter werden, damit dann ein paar Jahre später die Kids aufstehen können und etwas haben, wogegen sie rebellieren können.
Es müssen anscheinend immer erst Massengräber mit Menschen gefunden werden, bevor ein paar mehr Leute als nur die üblichen Freaks kapieren, dass da einiges falsch läuft.
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Worin hat Hitler die Situation der Deutschen "verbessert"?
Ich denke nicht, dass Hungersnot zur erfolgreichen Revolte führt.
Schon jetzt gibt es in vielen Ländern wegen westlicher Börsenspekulation mit Nahrung Hungersnot (Haiti,...) und nichts ändert sich.
Ich denke auch nicht, dass man sich zurücklehnen kann- wenn wir JETZT nichts aufbauen, sind wir auch für NOCH extremere Fälle nicht gerüstet.
Wir müssen JETZT handeln oder nie, auch wenn es uns jetzt noch nicht in aller Härte trifft- andere trifft es schon mit aller Härte.
Bei den Nazis sagten sie auch: Ach, die nehmen die Juden mit, ich bin kein Jude.
Jetzt sagen wir: Ach, die machen Kriege in Afghanistan, nehmen den Menschen ihr Essen weg, entziehen vielen Menschen in Deutschland auch die Perspektive, aber ich kann es mir noch einigermaßen einrichten hier.
Mit dieser Menthaltität der Spekultion, der Kritk ohne Aktion rutshcen wir immer tiefer,,,,
@ Dians Einwand kann ich nachvollziehen, um Grichenland mit Deutschland ernsthaft vergleichen zu können ist die historische Situation wichtig.
Aber machen 60 Jahre ein Problem schon "verjährt"? Muss man die Geschichte nicht einfach ganz anders anpacken als es in Deutschland üblich ist?
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Seien wir realistisch- versuchen wir das Unmögliche!
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dian unregistriert
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| Zitat: |
Ich denke nicht, dass Hungersnot zur erfolgreichen Revolte führt.
Schon jetzt gibt es in vielen Ländern wegen westlicher Börsenspekulation mit Nahrung Hungersnot (Haiti,...) und nichts ändert sich. |
Tja, so ist das eben...
wenn man genug zu Essen hat, ist man mit dem System zufrieden und macht deshalb keine Revolution. Und wenn man nicht genug zu Essen hat, ist man so sehr mit Hungern und der Suche nach Nahrung beschäftigt, dass man gar keine Zeit hat, um ernsthaft über eine Revolution nachzudenken.
Aber zurück zu Griechenland:
Dort hat die ganze Sache ja damit angefangen, dass die Polizei "versehentlich" einen Jugendlichen erschossen hat. In Frankreich damals war der Anlass bekanntlich ganz ähnlich.
Da stellt sich mir die Frage:
Was, wenn in Deutschland plötzlich ein kleinkrimineller, jugendlicher Türke von der Polizei erschossen werden würde?
Würde es ähnliche Solidaritätsbekundungen geben?
Ich glaube fast nicht. Ich glaube, da würden die allermeisten (deutschen) jungen Leute sagen: "Geschieht ihm ganz recht!" Und auch von seinen Landsleuten würden wohl nicht so viele auf den Putz hauen, dass daraus landesweite Krawalle entstehen würden.
Ganz ähnlich, wenn ein junger Punk erschossen werden würde. Dann wäre es den Türken scheißegal.. die meisten Hopper würden sagen: "War eh nur ein Opfer!", und allenfalls die Autonomen würden sich aufmachen, um mal wieder ein bisschen gegen Polizeigewalt zu demonstrieren.
Solidarität ist doch heute unter jungen Leuten völlig Fehlanzeige.
Jeder hängt nur innerhalb seiner jeweiligen Subkultur rum und will das Beste für sich und seine Clique... ein darüber hinausgehendes Gemeinschaftsgefühl, wie es meines Erachtens für Aktionen wie in Griechenland nötig wäre, existiert nicht.
Die Frage ist: Warum ist das in Griechenland anders? Ist die Jugend da anders drauf, gibt es da mehr Solidarität, oder sind die einfach nur deutlich ärmer und haben deshalb auch weniger zu verlieren?
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Das schlimme ist: So etwas gibt es ja schon, vor kurzem erst verbrannte ein Schwarzer in einer Polizeizelle. Ihre These (mit der sie durchkamen): Er hat sich selbst angezündet...
In Griechenland fühlten die Menschen sich selbst getroffen, als dieser Junge erschossen wurde. Er wurde als einer von ihnen, ein Mensch wie sie, noch unter gleicher Herrschaft, gesehen.
DAS ist denke ich das, was mensch erreichen muss. Mensch muss zeigen, dass die Probleme der "LANs" im Wesen die gleichen sind wie die der Gewerkschafter, der gestressten Büro-Sekretäre, des Obdachlosen, des Punk, des Hartz 4 Empfängers, ....
Der letzte Schritt wäre, dass verstanden wird, dass im Wesen dies sogar das gleiche Problem ist, nur mit anderen Auswüchsen, wie der Manager, der Bankiers, der Staats-Gewalt, der Präsidenten.
DAS meine ich, wenn ich von "Strukturen aufbauen" spreche, Strukturen die vereinen, ohne zu vereinheitlichen. Strukturen die einen Austausch fördern, Menschlichkeit, Mitgefühl erzeugen.
Dies scheint ansatzweise in Griechenland zu funktionieren, hierzulande, da gebe ich dir Recht, herrsche in noch größerem Maße Mauern zwischen Schichten, Aussehen,.....
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Seien wir realistisch- versuchen wir das Unmögliche!
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