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Zum Ende der Seite springen Integration und Doppelmoral  
Beiträge zu diesem Thema Autor Datum
 Integration und Doppelmoral dian 15.10.2009 13:53
 RE: Integration und Doppelmoral Shai 15.10.2009 19:04
 RE: Integration und Doppelmoral VirusMensch 15.10.2009 20:26
 RE: Integration und Doppelmoral quaid 15.10.2009 20:35
 RE: Integration und Doppelmoral VirusMensch 15.10.2009 20:43
 RE: Integration und Doppelmoral quaid 15.10.2009 21:35
 RE: Integration und Doppelmoral VirusMensch 15.10.2009 23:13
 RE: Integration und Doppelmoral Hansi 16.10.2009 02:27
 RE: Integration und Doppelmoral Arne Reload 16.10.2009 06:15
 RE: Integration und Doppelmoral dian 16.10.2009 12:16
 RE: Integration und Doppelmoral Arne Reload 17.10.2009 05:44

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dian
unregistriert
Integration und Doppelmoral 15.10.2009 13:53 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Es gibt so armselige Gestalten wie Thilo Sarrazin, die zwar im Licht der Öffentlichkeit stehen... aber eben nicht so sehr, dass sich irgendjemand aufrichtig für sie interessieren würde.
Sie haben einen angesehenen Job. Trotzdem würde sie keiner vermissen, wenn sie sich einfach von heute auf morgen in Luft auflösen würden. Wahrscheinlich würden sie nicht mal von ihrer eigenen Frau und ihren eigenen Kindern vermisst werden.
Und weil dem so ist, sagen diese Leute gerne mal Sachen, von denen sie genau wissen, dass sie dadurch viele Reaktionen ernten und die versammelten Gutmenschen Deutschlands gegen sich aufbringen werden.
Sie wollen auch mal wichtig sein... am besten so wichtig, dass sich dann sogar die Bundeskanzlerin zu dem, was sie gesagt haben, äußern muss.

Thilo Sarrazin hat neulich unter anderem folgendes gesagt:

Zitat:
"Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin.“ Es gebe außerdem „das Problem, dass 40 Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden“


Zunächst mal ist es vermutlich schon seit Zeiten der Pharaonen so, dass in der Unterschicht deutlich mehr Kinder gezeugt werden als in der Oberschicht.
Wenn Sarrazin beabsichtigt, das jetzt allein auf eine gescheiterte Berliner Multikulti-Politik zu schieben, dann macht er es sich da ein bisschen arg einfach.
Irgendjemand muss nunmal in einer Gesellschaft den Müll wegbringen. Und irgendeine Bevölkerungsschicht muss in einer Welt, in der der totale Konkurrenzkampf herrscht, zwangsläufig am unteren Ende stehen.
Also es führt in einem kapitalistischen System wie dem unseren überhaupt kein Weg vorbei, dass es eine unzufriedene, asoziale Unterschicht gibt.
Ob diese Schicht nun vornehmlich aus Deutschen, Kanaken oder Negern besteht, ist da zunächst einmal völlig zweitrangig.

Meinen Beobachtungen nach unterscheidet sich der typische deutsche Proll jedenfalls gar nicht so sehr vom typischen türkischen oder arabischen Proll. Allen gemeinsam ist, dass sie auf schnelle Autos stehen, Bildung für eine Art Krankheit halten und lieber rumvögeln oder Schwächere verprügeln, als irgendwo stundenlang still auf einem Stuhl zu sitzen.
Teilweise kann ich das sogar nachvollziehen.
Ich kann verstehen, dass ein Ausländer, wenn er Typen wie Sarrazin und die ganzen anderen Bonzen sieht, lieber an seiner alten, vertrauten Kultur festhält, als die Kultur von Leuten wie Sarrazin zu übernehmen...
diese verlogene Kultur der Doppelmoral, in der es als erstrebenswert gilt, in die Oper zu gehen und furchtbar gebildet zu sein, und dann Gesetze zu verabschieden, die dazu führen, dass weniger gebildete, gewaltbereite Menschen aus der Unterschicht (etwa Polizisten und kleine Beamte) ihr Leben dafür riskieren, andere wenig gebildete, gewaltbereite Menschen (Ausländer) in den Knast zu sperren oder aus dem Land zu werfen.
Diese Kultur, die einerseits jegliche Art von Gewalt verpöhnt und ächtet, aber andererseits ohne die ständige Gewaltbereitschaft ihrer Söldner längst dem Untergang geweiht wäre...
Was soll daran erstrebenswert sein, so zu leben?
Oder anders formuliert:
Was hat diese Gesellschaft den bei uns lebenden Ausländern zu bieten, was besser wäre als Döner essen, der Besuch in der Moschee oder guter Sex mit einer schönen Frau?

Ok, schon klar... die Gesellschaft bzw. der Sozialstaat bietet diesen Leuten mehr Geld als der Staat in ihrer Heimat es tut... nur aus diesem Grund sind viele letztlich hier her gekommen.
Manche kamen vielleicht auch, weil man hier in Deutschland nicht für seine religiösen Überzeugungen gesteinigt wird, wie anderswo auf der Welt. Manche haben vielleicht wirklich geglaubt, hier mehr Toleranz vorzufinden, und nicht ständig von irgendwelchen selbsternannten Alphamännchen herumkommandiert zu werden... und dann sind sie hier und hören so Geschwätz wie: "Du musst dich der hier herrschenden Kultur anpassen, sonst bist du bei uns nicht willkommen!"

Aber was ist eigentlich damit gemeint, wenn Sarrazin und Co. die Ausländer dazu auffordern, sich an die deutsche Kultur anzupassen?
Geht es ihnen da um Goethe, um Schiller, um Hölderlin?
Geht es darum, dass die Türken in Zukunft lieber Sauerkraut statt Köfte essen sollen?
Oder ist, wenn rechtsgesinnte Politiker das Wort "Kultur" in den Mund nehmen, damit letztlich einfach nur die kapitalistische Leistungsgesellschaft gemeint? Ist "christlich-abendländische Leitkultur" letztlich einfach nur ein Synonym dafür, sich unkritisch dem Kapitalismus zu unterwerfen, dem System zu gehorchen und dessen Führungspersonen Respekt entgegen zu bringen?
Ich glaube, in den allermeisten Fällen ist es genau so gemeint... aber man drückt es eben anders aus, weil "Seid gehorsam, konsumiert wie die Blöden und arbeitet!" nicht ganz so unverfänglich klingt wie "Übernehmt die Werte des Landes, in dem ihr lebt."

Man hört auch immer wieder von "Parallelgesellschaften", in denen die Ausländer leben.
Man sagt, viele von denen verkehren nur mit Landsleuten, die ihre Sprache sprechen. Man sagt, sie schotten sich ab und wollen mit den anderen Mitgliedern der Gesellschaft gar nichts zu tun haben.
Witzigerweise trifft das aber auch auf die komplette deutsche Oberschicht zu...
auf Politiker, Promis, Manager... eben auf solche Leute wie Sarrazin und Co.
Auch die hängen eigentlich den ganzen Tag nur mit ihresgleichen rum.
Sie schotten sich ab, in ihren Bonzenlokalen oder auf ihren Golfplätzen... und jeder Normalsterbliche, der sich ihnen zu nähern versucht, wird erstmal unsanft von umherstehenden Bodyguards zu Fall gebracht.
Sie besuchen Wagner-Festspiele in Bayreuth und so einen Scheiß,lassen sich von ihrem Chauffeur durch die Gegend kutschieren, und wahrscheinlich gehen sie nicht mal selber einkaufen, sondern haben dafür ihre Bediensteten, damit sie auch ja nicht in die Verlegenheit kommen, einmal mit Durchschnittsverdienern an einer Supermarktkasse stehen zu müssen.
Da ist ja jede Durchschnitts-Fatma mit Kopftuch, die zweimal am Tag zum Lidl einkaufen geht, noch besser in die Gesellschaft integriert als dieses Bonzenpack!

Angesichts dieser Tatsache verkommt die tatsächlich bestehende Problematik der ungebildeten Unterschicht (bzw. deren Gewaltbereitschaft und ungezügelte Vermehrungsbereitschaft) fast zur Nebensache.. weil eine Aufforderung durch Leute wie Sarrazin zu mehr Anstand und Moral in etwa so ist, wie wenn sich ein Schwein parfümiert.
Es ist einfach nur verlogen.... ganz gleich, wie viele asoziale Türken und Araber es nun in Deutschland geben mag. So asozial wie jene, die in unserem Namen Deutschland regieren, können die gar nicht sein.
Von mir hat jedenfalls noch kein Türke Steuern verlangt, oder mir per Gesetz vorgeschrieben, was ich zu tun und zu lassen habe.
Und nebenbei bemerkt...
ohne die ganzen ausländischen Kriminellen, die ab und zu jemanden anpöbeln oder sonstwie scheiße bauen, wären unsere Polizisten noch viel unterbeschäftigter, als sie es eh schon sind. Das heißt, sie würden noch mehr Bürger belästigen, Radaranlagen aufstellen, Internetseiten kontrollieren, Wohnungen verwanzen, Schulschwänzer verhaften, harmlose Jugendliche schikanieren, oder sonstwas tun, wozu ihnen heute aufgrund der bösen, asozialen Ausländer glücklicherweise oftmals das Personal fehlt. Augenzwinkern
Shai
unregistriert
15.10.2009 19:04 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Man sagt, viele von denen verkehren nur mit Landsleuten, die ihre Sprache sprechen. Man sagt, sie schotten sich ab und wollen mit den anderen Mitgliedern der Gesellschaft gar nichts zu tun haben.
Witzigerweise trifft das aber auch auf die komplette deutsche Oberschicht zu...
auf Politiker, Promis, Manager... eben auf solche Leute wie Sarrazin und Co.
Auch die hängen eigentlich den ganzen Tag nur mit ihresgleichen rum.


Was sagt uns das???
Ist wohl immer leicht, auf den Teller anderer zu schauen und dran herumzukritisieren wie sie ihre Suppe löffeln, aber selbst bei sich zu gucken, tut anscheint nur 1er von 100 Leuten.
Sind leider 99 zu wenig.... banghead

VirusMensch

Organisiertes Chaos

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15.10.2009 20:26 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Ich glaube wenn Politiker von "Integration" sprechen meinen sie: Klappe halten, Arbeiten gehen und zum Christentum oder wenigsten Ahteismus wechseln.
Zunge raus

Aber wenn man "die" dann andererseits Moscheen in Deutschland bauen lässt, sollte man auch nicht über mangelnde Integration und den Aufbau von Parallelgesellschaften heulen.
Und wer hat "die" damals ins Land geholt, weil man den Kapitalismus nicht schnell genug selbst aufbauen konnte?

Diese Doppelmoral könnte gewollt sein. Und so Leute wie Herr Sarrazin können halt nicht gute Mine zum bösen Spiel machen.
Dank der Ablenkung kann man andere Probleme vertuschen.
Dann kann der Mann von der Straße, der gerade seine Arbeit wegen irgendeiner Bankenpleite verloren hat, am Stammtisch über die "Ausländer" schimpfen und übersieht die wahren Probleme.
Wie man es dreht oder wendet, ob man Kopftücher toll oder nicht toll findet: wahre Gleichheit wird es erst wieder geben, wenn der letzte Mensch von Mutter Erde verschwunden ist.
Bis dahin wird weiter Unfriede, Ungleichheit und Hass die Welt und Herzen der Menschlein regieren.

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quaid

their law


15.10.2009 20:35 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

sarrazin's eigener kommentar, als er auf seine äußerung angesprochen wurde, war im wesentlichen die, dass man seine äußerungen nicht einzeln, sondern im zusammenhang betrachten solle. inwiefern das etwas ändert, sei mal dahin gestellt.

er sagte mal, dass er für 5 euro pro stunde jederzeit arbeiten gehen würde. dabei bin ich ziemlich überzeugt, dass er schwierigkeiten hätte, sich an seinen neuen lebensstil zu gewöhnen, geschweige denn diesen wie ein normalbürger bis zur rente durchzuziehen.
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VirusMensch

Organisiertes Chaos

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15.10.2009 20:43 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Ist ja auch die Frage wie lange er für den Stundenlohn arbeiten müsste.
Wenn es nur fünf Minuten am Tag währen und er ansonsten weiter einen auf Politiker machen könnte, würde er das sicher sehr lange aushalten.</zynismus>

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quaid

their law


15.10.2009 21:35 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

ich denke, das hier kann ich kommentarlos stehen lassen:
Zitat:
Der "Fall" Thilo Sarrazin: Einige Fakten und Materialien. Über die Freiheit des Wortes und die Liberalität unserer Gesellschaft

Ich habe das Gespräch mit Thilo Sarrazin in der aktuellen Ausgabe (Heft 86; 3/2009) von Lettre International nicht gelesen. Ich vermute, daß es mir damit so geht, wie den meisten, die sich gleichwohl dazu geäußert haben.

Im Internet sind nur Auszüge aus dem Gespräch zu finden: Auf der WebSite von Lettre International sowie in einigen Blogs. Das Heft zu kaufen ist mir bisher nicht gelungen. Die Nachfrage ist naheliegenderweise höher, als es bei dieser Zeitschrift sonst der Fall ist.

Also will ich mich zu dem Gespräch selbst nicht äußern; sondern nur zur öffentlichen Reaktion darauf.

Diese ist, soweit ich sie verfolgt habe, durch zwei Merkmale gekennzeichnet:

* Erstens durch eine große Einförmigkeit; nämlich einen Gestus des Empörtseins, verbunden mit der persönlichen Herabsetzung von Sarrazin. Ich möchte deshalb einige Stimmen zitieren, die diese Einförmigkeit durchbrechen.
* Zweitens beschränken sich fast alle Kommentatoren auf einige wenige Sätze von Sarrazin, ohne Berücksichtigung des Zusammenhangs. Ich möchte deshalb den Zusammenhang verdeutlichen.

Repräsentativ für diese überwiegende öffentliche Reaktion ist der Kommentar von Ulrich Schäfer in der gestrigen "Süddeutschen Zeitung":

Eigentlich darf sich über Thilo Sarrazin und sein unsägliches Interview, in dem er die in Berlin lebenden Ausländer beschimpft und beleidigt hat, niemand wundern. (...) Jeder hätte wissen können: Wer Sarrazin in den Bundesbank- Vorstand schickt, könnte genauso gut auch Hape Kerkeling zum Bundesverfassungsrichter ernennen.

Das steht nicht in einem Boulevardblatt, sondern in einer als seriös geltenden Tageszeitung. Ulrich Schäfer ist auch nicht irgendein Journalist, sondern der Chef des Ressorts Wirtschaft jener Zeitung.

In welchem Kontext hat Sarrazin das geäußert, was Autoren wie Schäfer zu derart herabwürdigenden Kommentaren motiviert?

Es handelt sich um einen Beitrag zu einem Sonderheft der Zeitschrift Lettre International, das dem Thema "Berlin" gewidmet ist ("Berlin auf der Couch"). Das Editorial zu diesem Heft finden Sie hier und das Inhaltsverzeichnis des Heftes hier.

Einer von Dutzenden Beiträgen zu diesem Heft ist das Gespräch mit Sarrazin; keineswegs zum Thema "Ausländer", sondern eben zum Thema Berlin. Titel: "Thilo Sarrazin im Gespräch: Klasse statt Masse. Von der Hauptstadt der Transferleistungen zur Metropole der Eliten".

Wie, sagen wir, wuchtig, wie fakten- und gedankenreich Sarrazin argumentiert, davon gibt der längere Auszug bei Lettre International einen Begriff; eine von mir kommentierte Passage daraus finden Sie in "Zettels kleinem Zimmer".

Es geht um die Chancen Berlins, auch die verpaßten; es geht um die Probleme der Stadt. Und in diesem Kontext formuliert Sarrazin das, was ihm nun so vorgehalten wird, als hätte er eine verbale Todsünde begangen.

Im Blog der Berliner Rechtsanwalts- Kanzlei Hoenig (Juristen interessieren sich für den Vorwurf der Volksverhetzung) findet man diese Sätze in ihrem Kontext:

Man muss aufhören, von ‚den’ Migranten zu reden. Wir müssen uns einmal die unterschiedlichen Migrantengruppen anschauen. Die Vietnamesen: Die Eltern können kaum Deutsch, verkaufen Zigaretten oder haben einen Kiosk. Die Vietnamesen der zweiten Generation haben dann durchweg bessere Schulnoten und höhere Abiturientenquoten als die Deutschen. Die Osteuropäer, Ukrainer, Weißrussen, Polen, Russen weisen tendenziell dasselbe Ergebnis auf. (...)

Bei den Kerngruppen der Jugoslawen sieht man dann schon eher ‚türkische’ Probleme; absolut abfallend sind die türkische Gruppe und die Araber. Auch in der dritten Generation haben sehr viele keine vernünftigen Deutschkenntnisse, viele gar keinen Schulabschluss, und nur ein kleiner Teil schafft es bis zum Abitur.(...)

In den USA müssen Einwanderer arbeiten, weil sie kein Geld bekommen, und werden deshalb viel besser integriert. Man hat Studien zu arabischen Ausländergruppen aus demselben Clan gemacht; ein Teil geht nach Schweden mit unserem Sozialsystem, ein anderer Teil geht nach Chicago. Dieselbe Sippe ist nach zwanzig Jahren in Schweden immer noch frustriert und arbeitslos, in Chicago hingegen integriert. Der Druck des Arbeitsmarktes, der Zwang des Broterwerbs sorgen dafür. (...)

Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.

Das sind nur wenige Auszüge; ich empfehle Ihnen, den ganzen Text im Blog der Kanzlei zu lesen.

Sie können sich dann ein Urteil darüber bilden, ob - wie es der SZ-Redakteur Schäfer behauptet - Sarrazin "die in Berlin lebenden Ausländer beschimpft und beleidigt hat".

Aus dem dumpfen Chor jener, die Sarrazin verurteilen, ohne sich offensichtlich mit seinem Text befaßt zu haben, fallen einige Stimmen heraus, die anzuhören sich lohnt.

Anhören im Wortsinn sollten Sie sich das, was Hans-Olaf Henkel gestern im Interview mit dem Deutschlandfunk ("Informationen am Mittag" vom 5.10.2009; 10.22 Uhr) angemerkt hat. Auszug:

Ich finde es also wirklich wahnsinnig, wie die deutschen Öffentlichkeit mit Herrn Sarrazin zur Zeit umgeht. Nicht das, was er gesagt hat, ist ein Skandal. Sondern ein Skandal ist, wie die Deutschen, die meisten deutschen Medien und viele politische Vorbilder, mit ihm umgehen.

Ähnlich, wenn auch milder, urteilte Fatina Keilani gestern im "Tagesspiegel":

Aber wer sich aufregt, der sollte erst einmal das ganze Interview lesen. Es ist fünf Seiten lang und lässt das Bild eines realistischen, nachdenklichen Mannes erkennen, der die Lage treffend analysiert und dem bestimmte Phänomene Sorge bereiten. Er vergleicht unser System mit anderen auf der Welt, und das geht nicht immer gut für uns aus. Bei uns ist es für die Leistungsunwilligen zu gemütlich, meint Sarrazin. Man müsse ihnen mehr abverlangen, das sei auch gut für die Integration. Vielleicht ist Thilo Sarrazin kein besonders typischer Sozialdemokrat. Aber was er sagt, ist hilfreich, und es ist die Auseinandersetzung wert. Schade, dass das nicht gewürdigt wird.

Sodann ist auf den Kommentar von Bettina Röhl gestern in "Welt- Online" hinzuweisen. Auszug:

Was Sarrazin gesagt hat, muss jemand sagen dürfen, ohne, dass er persönlich vernichtet wird. Sarrazin hat ein Recht, mit dem was er gesagt hat, auf das Gegenargument. Und die Gesellschaft und die Bürger dieses Land haben ein Recht auf Diskussion. Die Reaktionen, die Sarrazin erzeugt hat, beweisen, dass das Thema Integration von einem gefährlichen Ungeist totgebügelt wird, obwohl es das wahrscheinlich virulenteste Thema der Gegenwart ist.

Der Kommentar ist in einem scharfen Ton abgefaßt und für meinen Geschmack in vielen Passagen zu polemisch; aber als Gegengewicht zu dem, was in den Medien zu diesem Thema dominiert, möchte ich seine Lektüre doch empfehlen.

Und schließlich noch ein Kommentar, der die Reaktion von Medien und Politikern in einen breiteren Kontext stellt. Volker Zastrow, der Politikchef der F.A.S., hat ihn am Samstag in FAZ.Net publiziert. Er schreibt:

Unserer Gesellschaft scheint inzwischen etwas vorzuschweben wie ein moderierter Diskurs, in dem jeder Inhalt sich der Etikette zu beugen hat. Wobei Etikette längst in Wahrheit nicht wirklich meint, wie etwas gesagt wird, sondern was. Das erkennt man daran, dass denen, die dagegen verstoßen, sofort mit dem Berufsverbot gedroht wird, dem Strafrecht gar, dass ihnen nicht widersprochen wird, sondern dass sie nicht mehr sprechen sollen. Es soll Redefreiheit nur im Rahmen dessen geben, was man hören möchte. Der Zusammenhang zwischen Redefreiheit, Meinungsfreiheit und Demokratie: den meisten scheint er gar nicht mehr bekannt. Aber auch der zwischen offenem Wort, offenem Denken, Einsicht oder gar Umkehr.

Leider ist das wahr. Auch hier empfehle ich, den ganzen Text zu lesen. Er macht deutlich, daß es beim Umgang mit "Fällen" wie dem von Thilo Sarrazin um nichts Geringeres geht als um die Freiheit des Worts; also um die Liberalität unserer Gesellschaft..

Quelle: http://zettelsraum.blogspot.com/2009/10/...ige-fakten.html
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VirusMensch

Organisiertes Chaos

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15.10.2009 23:13 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Das Texte aus dem Zusammenhang gerissen werden um jemanden fertig zu machen ist ja nichts neues.
Gabs diese Jahr beim Papst... gabs früher in der Schule... nichts neues also.

Nur durch Individuen, die aus der Reihe schlagen, findet EVOLUTION statt!
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Hansi
unregistriert
16.10.2009 02:27 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Meinen Beobachtungen nach unterscheidet sich der typische deutsche Proll jedenfalls gar nicht so sehr vom typischen türkischen oder arabischen Proll. Allen gemeinsam ist, dass sie auf schnelle Autos stehen, Bildung für eine Art Krankheit halten und lieber rumvögeln oder Schwächere verprügeln, als irgendwo stundenlang still auf einem Stuhl zu sitzen.


Hast du nicht mal in einem deiner Bücher kritisiert das Kinder in der Schule artig und gehorsam und still auf einem Stuhl rumsitzen müssen?!? Augenzwinkern

Arne Reload



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16.10.2009 06:15 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Also, wenn mal irgendwann jemand so einen ganz fiesen Copyrigth-Abmahnanwalt kennenlernt, weist den bitte mal auf die Seite von dem Link von quaid hin. Ich möchte mal wissen, ob die Erben von Arno Schmidt die Zustimmung zu dieser Verballhornung von "Zettels Traum" gegeben haben.

Ansonsten ist fast alles gesagt, ich möchte nur noch hinzufügen, dass, wenn man eben die Gesamtheit von Interview betrachttet, man eben sagen kann, dass es ja nujr um Berlin ging. Und das das eine Kotzwürgstadt ist, können andere in Schlagern besser ausdrücken als Herr Sarazin.
Kann, wenn die jemand stört, von mir aus von der Landkarte verschwinden.
Das kann ich sehr gut nachvollziehen, dass sich halbwegs intelligente Menschen nicht an die Arschlöcher, die da leben anpassen will, auch Sarazin scheint die intellektuelle Ausgabe eines Bushidos zu sein. Jemand, der eine große Fresse hat und gerne rumstänkert und ansonsten nix gebacken bekommt in seinem Leben. Der ist -zig Jahre Finanzsenator gewesen und hatte damit einen Posten, in dem er auch mal Mittel so zur Verfügung hätten stellen können, das seine Pläne umsetzbar gewesen wären.

Und wenn mich mal einer aus der reaktionären Ecke darauf zustimmend ansprechen sollte, dann werde ich dem sagen, dass es schön ist, dass die Deutschen endlich wohl einsehen, dass Milosevic schon richtig handelte im Kosovo, dass er sich da nichts bieten lassen wollte und jetzt sicherlich schnell Entschädigungen zahlen will an die Serben.
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dian
unregistriert
16.10.2009 12:16 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Das Texte aus dem Zusammenhang gerissen werden um jemanden fertig zu machen ist ja nichts neues.
Gabs diese Jahr beim Papst... gabs früher in der Schule... nichts neues also.

Ach, das ist doch immer die selbe faule Ausrede....
Politiker und sonstige Promis (ja, auch der Papst) finden es geil, im Rampenlicht zu stehen. Sie leben davon und nähren sich vom Interesse des Publikums wie die Made vom Speck.
Aber sobald das im Rampenlicht stehen mal negative Auswirkungen auf sie hat, jammern sie rum: "Ich bin falsch zitiert worden" oder "Die böse Presse hat da ein ganz mieses Spiel mit mir gespielt."
Ich denke, es ist ein ganz bewusstes, gegenseitiges sich-aussaugen. Mitleid braucht man da mit keinem von denen zu haben.

Mir geht es dabei auch gar nicht darum, ob der Satz mit den "Kopftuchmädchen" nun rassistisch war oder nicht... ich selbst habe definitiv schon weitaus "rassistischere" Dinge gesagt als das.
Es geht um das Weltbild, das diesen Äußerungen zu Grunde liegt.
Und das Weltbild des Herrn Sarrazins scheint nunmal etwas mit bedingungsloser Leistungsbereitschaft zu tun zu haben. Hartz4-Empfänger sollen jeden Drecksjob annehmen, die Leute in der Unterschicht sollen gefälligst Leistung erbringen und sich kaputtschuften, damit sie ihren Kindern eine gute Ausbildung finanzieren können... und in Amerika ist sowieso alles besser. Da redet zwar auch kein Mexikaner mit einem Schwarzen oder einem Chinesen (man sticht sich höchstens gegenseitig ab, wenn man sich mal zufällig auf der Straße begegnet)... aber Sarrazin behauptet trotzdem, dass die Integration da viel besser funktionieren würde als in Deutschland.
Wahrscheinlich wären ihm amerikanische Verhältnisse auch am liebsten, wo die Leute mehrere Jobs annehmen müssen, um überhaupt überleben zu können, und man halt einfach verreckt, wenn man kein Geld für den Arzt hat.
Mit Ausnahme natürlich der Oberschicht... denn die haben ja schließlich studiert, und studierte Menschen müssen sich nicht kaputtschuften. Studierte Menschen sind die neue Herrenrasse, die sich von den Untermenschen, Ausländern, Hartz4-Empfängern und niederen Arbeitern ganz wesentlich unterscheidet, weil sie einfach gebildeter und wichtiger für die Gesellschaft sind. smilie17

Also ich finde Sarrazins Äußerungen eher generell menschenverachtend, und nicht unbedingt ausländerfeindlich. Dass er genauso verallgemeinernd über "die Türken" und "die Vietnamesen" spricht, wie man früher im Dritten Reich "die Juden" alle über einen Kamm geschert hat, macht die Sache aber natürlich auch nicht gerade besser.

Arne Reload



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17.10.2009 05:44 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Deshalb sollte man ja auch genauso verallgeimenernd über Deutsche bzw. hier in diesem Falle über Berliner sprechen.
(Davon abgesehen, soviel ich weiß kommt quaid ja noch aus Brandenburg und nicht aus Berlin, aber wenn ihr mal an die HipHop-Szene aus Berlin denkt, an Bushido z.B. und jetzt das mit Sarazin vergleicht,: Ist da ein Unterschied? Sind die wirklich alle so, dass die nur ihre Schnauze aufreißen und absolut nix dahinter ist? Sarazin hätte ja auch was machen können. Als Finanzsenator oder selber ficken, wenn er meint, dass andere Gruppe zu hohe Geburtenquoten haben. Was macht er? Laut rumjammern, wie Scheiße alles ist und bekommt selber nix gebacken. Das noch in einem völlig unhöflichen, unqualifiziertem Tonfall. Das ist genau das, was ich mir unter Berlinern vorstelle. Inkompetent, unhöflich und großmäulig. Würde ich mir als Migrant auch lange überlegen, sich da zu integrieren. *
Naja, ich hatte sowas ähnliches auch in Wien erwartet und war überrascht, dass man dort nicht an jeder Ecke angepflaumt wurde mit Nazisprüchen.)

Nur noch eine Sache zu den USA und Migranten:
Ungefähr 90 % der mexikanischen Migranten sind illegal in den USA und haben insofern nicht mal die Mindestrechte, die auch ein Nichtamerikaner in den USA hat. Ist in den USA btw auch ein beliebtes Spiel geworden, dass man, wenn man einen bestimmten Politiker oder sowas auf einem Posten verhindern will, man nur mal nachforschen muss, ob der mal irgendwann eine illegale mexikanische Putzfrau hatte, das zieht immer und der ist weg von Fenster. Evtl. sollte man da mal bei Sarazin nachforschen, aber in Deutschland sind die Leute leider bei sowas immer noch staatstreuer als wie in den USA.
Aber, dass man in den USA krepieren muss, wenn man kein Geld für einen Arzt hat, ist etwas verfremdet dargestellt. Die Krankenhäuser da sind genauso verpflichtet, bei Notaufnahmen jeden aufzunehmen, auch denjenigen, der keine Mittel hat. Das wird dann über Steuermittel ausgeglichen, deshalb will Obama ja auch jetzt ein Versicherungssystem, um die Kosten anders zu regeln.
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