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Zum Ende der Seite springen Garantiertes Grundeinkommen (Erich Fromm 1966 ! ) I.  
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Pig Pen



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Garantiertes Grundeinkommen (Erich Fromm 1966 ! ) I. 11.11.2007 03:05 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Dieses Thema wurde sicherlich schon diverse Male (auch hier) erörtert, aba diese Überlegungen (von 1966 !) liefen mir gerade mal wieder über den Weg..., und Erich Fromm find ich eh recht genial

Erich Fromm

Psychologische Aspekte zur Frage eines garantierten Einkommens für alle

(1966)

Dieser Beitrag befaßt sich ausschließlich mit den psychologischen Aspekten eines garantierten Einkommens, mit dessen Wert, seinen Risiken und mit den menschlichen Problemen, die dabei entstehen können. Für ein garantiertes Einkommen für alle spricht in erster Linie, daß die Freiheit des einzelnen auf diese Weise entschieden erweitert werden könnte. (Vgl. hierzu auch meine Ausführungen zu einem garantierten Existenzminimum in The Sane Society,1955a, GA IV, S. 234-236.) Bisher war der Mensch während seiner gesamten Geschichte durch zwei Faktoren in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkt: durch die Anwendung von Gewalt von seiten der Herrschenden (besonders dadurch, daß diese in der Lage waren, Abweichler umzubringen) und - was noch wesentlicher war - dadurch, daß alle vom Hungertod bedroht waren, die nicht bereit waren, die ihnen auferlegten Bedingungen in bezug auf ihre Arbeit und ihre soziale Existenz zu akzeptieren.

Jeder, der nicht bereit war, diese Bedingungen anzunehmen, sah sich der Gefahr, verhungern zu müssen, ausgesetzt, und zwar sogar dann, wenn keine anderen Gewaltmaßnahmen gegen ihn angewandt wurden. Das während des größten Teils der vergangenen und der gegenwärtigen Menschheitsgeschichte vorherrschende Prinzip lautet (im Kapitalismus genau wie in der Sowjetunion): „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ Diese Drohung zwang den Menschen, nicht nur so zu handeln, wie von ihm verlangt wurde, sondern auch so zu denken und zu fühlen, daß er nicht einmal in Versuchung geriet, sich anders zu verhalten.

Daß die Geschichte auf dem Prinzip der Angst beruht, verhungern zu müssen, hat seine Ursache letzten Endes darin, daß der Mensch - von bestimmten primitiven Gesellschaften abgesehen - auf einem wirtschaftlich wie psychologisch niedrigen Existenzniveau lebte. Es waren niemals ausreichend materielle Güter vorhanden, mit denen man die Bedürfnisse aller hätte befriedigen können. Gewöhnlich war es so, daß eine kleine Führungsschicht alles an sich nahm, was ihr Herz begehrte, und daß man den vielen, die sich nicht an einen gedeckten Tisch setzen konnten, sagte, es sei Gottes Wille oder das Gesetz der Natur. Hierzu ist allerdings zu bemerken, daß das {176} Ausschlaggebende dabei nicht die Habgier der „Regierenden“, sondern das niedrige Niveau der materiellen Produktivität war. [310]

Ein garantiertes Einkommen, das im Zeitalter des wirtschaftlichen Überflusses möglich wird, könnte zum erstenmal den Menschen von der Drohung des Hungertods befreien und ihn auf diese Weise von wirtschaftlicher Bedrohung wahrhaft frei und unabhängig machen. Niemand müßte sich mehr nur deshalb auf bestimmte Arbeitsbedingungen einlassen, weil er sonst befürchten müßte, er würde verhungern. Begabte oder ehrgeizige Männer und Frauen könnten die Ausbildung wechseln, um sich damit auf einen anderen Beruf vorzubereiten; eine Frau könnte ihren Ehemann, ein Jugendlicher seine Familie verlassen. Die Menschen hätten keine Angst mehr, wenn sie den Hunger nicht mehr zu befürchten brauchten. (Dies trifft natürlich nur dann zu, wenn keine politischen Drohungen den Menschen am freien Denken, Reden und Handeln hindern.)

Das garantierte Einkommen würde nicht nur aus dem Schlagwort „Freiheit“ eine Realität machen, es würde auch ein tief in der religiösen und humanistischen Tradition des Westens verwurzeltes Prinzip bestätigen, daß der Mensch unter allen Umständen das Recht hat zu leben. Dieses Recht auf Leben, Nahrung und Unterkunft, auf medizinische Versorgung, Bildung usw. ist ein dem Menschen angeborenes Recht, das unter keinen Umständen eingeschränkt werden darf, nicht einmal im Hinblick darauf, ob der Betreffende für die Gesellschaft „von Nutzen ist“.

Der Übergang von einer Psychologie des Mangels zu einer des Überflusses bedeutet einen der wichtigsten Schritte in der menschlichen Entwicklung. Eine Psychologie des Mangels erzeugt Angst, Neid und Egoismus (was man auf der ganzen Welt am intensivsten in Bauernkulturen beobachten kann). Eine Psychologie des Überflusses erzeugt Initiative, Glauben an das Leben und Solidarität. Tatsache ist jedoch, daß die meisten Menschen psychologisch immer noch in den ökonomischen Bedingungen des Mangels befangen sind, während die industrialisierte Welt im Begriff ist, in ein neues Zeitalter des ökonomischen Überflusses einzutreten. Aber wegen dieser psychologischen „Phasenverschiebung“ sind viele Menschen nicht einmal imstande, neue Ideen wie die eines garantierten Einkommens zu begreifen, denn traditionelle Ideen werden gewöhnlich von Gefühlen bestimmt, die ihren Ursprung in früheren Gesellschaftsformen haben.

Eine weitere Auswirkung des garantierten Einkommens in Verbindung mit einer wesentlich {177} verkürzten Arbeitszeit für alle wäre sicher, daß die geistigen und religiösen Probleme des menschlichen Daseins real und bestimmend würden. Bisher war der Mensch mit seiner Arbeit zu sehr beschäftigt (oder er war nach der Arbeit zu müde), um sich ernsthaft mit den Problemen abzugeben: „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Woran glaube ich?“, „Welche Werte vertrete ich?“, „Wer bin ich?“ usw. Wenn er nicht mehr ausschließlich von seiner Arbeit in Anspruch genommen ist, wird es ihm entweder freistehen, sich ernsthaft mit diesen Problemen auseinanderzusetzen, oder er wird aus unmittelbarer oder kompensierter Langeweile halb verrückt werden. Prinzipiell kann der wirtschaftliche Überfluß die Befreiung von der Angst vor dem Hungertod, den Übergang von einer vormenschlichen zu einer wahrhaft menschlichen Gesellschaft kennzeichnen. [311]

Um ein ausgeglichenes Bild zu bieten, sollte man aber auch einige Einwände gegen diese Vorstellung von einem garantierten Einkommen für alle und kritische Fragen nicht außer acht lassen. Die nächstliegende Frage lautet, ob ein garantiertes Einkommen nicht die Arbeitsmotivation beeinträchtigen würde.

Ganz abgesehen davon, daß bereits heute für einen ständig wachsenden Teil unserer Bevölkerung überhaupt keine Arbeit vorhanden ist und daß daher die Frage der Arbeitsmotivation für diese Menschen nicht relevant ist, sollte man diesen Einwand trotzdem ernst nehmen. Meines Erachtens kann man zeigen, daß der materielle Anreiz keineswegs das einzige Motiv ist, um zu arbeiten und sich anzustrengen. Erstens gibt es auch noch andere Motive - wie z. B. Stolz, soziale Anerkennung, Freude an der Arbeit selbst usw. An Beispielen hierfür fehlt es nicht. Am deutlichsten sieht man es an der Arbeit des Wissenschaftlers, des Künstlers usw., deren hervorragende Leistungen nicht vom finanziellen Gewinn, sondern von verschiedenen Faktoren motiviert sind: vor allem vom Interesse an seiner Arbeit, vom Stolz auf die eigene Leistung und dem Streben nach Anerkennung. Aber so augenfällig diese Beispiele auch sein mögen, so sind sie doch nicht völlig überzeugend, weil man sagen könnte, diese Ausnahmemenschen seien zu solchen außergewöhnlichen Anstrengungen eben deshalb fähig, weil sie so außergewöhnlich begabt seien, und sie seien deshalb keine typischen Beispiele für die Reaktion des Durchschnittsmenschen. Mir scheint dieser Einwand jedoch nicht stichhaltig, wenn wir uns die Antriebe zur Aktivität bei Menschen näher ansehen, welche diese Eigenschaften des außergewöhnlichen, kreativen Menschen nicht besitzen. Welche Anstrengungen werden im Bereich des Sports und vieler Hobbys aufgeboten, wo keinerlei materielle Anreize gegeben sind. In welchem Ausmaß {178} das Interesse am Arbeitsprozeß selbst ein Antrieb zur Arbeit sein kann, hat zuerst Professor Mayo in seiner klassischen Untersuchung in den Chicagoer Hawthorne-Werken der „Western Electric Company“ nachgewiesen (E. Mayo, 1933). Allein die Tatsache, daß man ungelernte Arbeiterinnen bei dem Experiment, das ihre Arbeitsproduktivität betraf, selbst heranzog und sie durch ihre Beteiligung zu interessierten, aktiven Teilnehmern wurden, führte zu einer höheren Produktivität, ja sogar zu einem besseren Gesundheitszustand.

Das Problem wird noch deutlicher, wenn wir uns ältere Gesellschaftsformen einmal genauer ansehen. Die Tüchtigkeit und Unbestechlichkeit der traditionellen preußischen Beamten war berühmt, obwohl sie sehr schlecht bezahlt wurden; in diesem Fall waren Begriffe wie Ehre, Treue und Pflichterfüllung die entscheidenden Antriebe zu guten Arbeitsleistungen. Betrachten wir vorindustrielle Gesellschaften (wie zum Beispiel die mittelalterliche europäische Gesellschaft oder die halbfeudalen Gesellschaften zu Anfang unseres Jahrhunderts in Lateinamerika), so taucht noch ein anderer Faktor auf. In diesen Gesellschaften wollte beispielsweise ein Zimmermann nur so viel verdienen, daß er sich das leisten konnte, was zu seinem traditionellen Lebensstandard gehörte. Er hätte sich geweigert, mehr zu arbeiten und zu verdienen, als er brauchte.

Ein zweites Argument dafür, daß der Mensch nicht nur aus materiellem Anreiz arbeiten und sich anstrengen will, ergibt sich aus der Tatsache, daß der Mensch unter den Folgen von Untätigkeit leidet und eben gerade nicht von Natur aus träge ist. Sicher [312] würden viele Leute gerne für ein oder zwei Monate nicht arbeiten. Die allermeisten würden aber dringend darum bitten, arbeiten zu dürfen, selbst wenn sie nichts dafür bezahlt bekämen. Erkenntnisse über die kindliche Entwicklung und über Geisteskrankheiten liefern eine Fülle Daten hierfür. Es sollte unbedingt eine systematische Untersuchung gemacht werden, bei der alle verfügbaren Daten unter dem Aspekt „Trägheit als Krankheit“ analysiert würden.
...

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Lovecraft

Großer Alter


11.11.2007 16:02 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Netter Text.

Neben den psychologischen Überlegungen würde mich aber vor allem die Finanzierung interessieren, ganz realpolitisch. Über die Einkommensteuer kann man das getrost vergessen.
Die Finanzierung über die Umsatzsteuer ist schon besser, das würde auch die Arbeit weder für Arbeitgeber noch Arbeitnehmer unattraktiver machen. Aber auch da sollte man sich nicht blenden lassen, denn die Umsatzsteuer wird das Leben verteuern. Sprich, jede heutige Summe wird weniger Kaufkraft haben als heute.

Man sollte auch nicht vergessen, daß das ganze für gewisse Kreise deswegen interessant ist, weil man sich gegen eine kleine(!) Gebühr des ganzen Sozialkrimskrams und der bedarfsorientierten Sozialleistungen entledigen kann. Wenn es die Möglichkeit gibt, sich über das Bürgergeld auszuklinken, dann braucht es ja keinen Arbeitnehmerschutz mehr usw.
Es ist der jahrhundertealte Traum der Liberalen - man wäre endlich am Ziel. Deswegen steht und fällt das alles mit der Höhe und konkreten Ausgestaltung des Bürgergelds.

Es muß mindestens so hoch sein, wie die heute Sozialhilfe, das ist klar. Andernfalls würden diejenigen, die wirklich darauf angewiesen sind, benachteiligt. Wenn es zu hoch ist, wird es schwierig mit der Finanzierung, und auch mit der Vermittelbarkeit.

P.S. Und laß bitte diese debilen Formulierungen wie 'aba' usw in diesem Forum.

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Lovecraft am 11.11.2007 16:04.



Sollen sie mich doch hassen, wenn sie mich bloß fürchten. (Unveröffentlichtes Abizeitungs-Lebensmotto)
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komakino



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11.11.2007 21:01 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
P.S. Und laß bitte diese debilen Formulierungen wie 'aba' usw in diesem Forum.

Wieso sollte er? Fällts dir dadurch etwa schwerer seine Beiträge zu lesen?!

"And manifest the daydream
Like those who fell before
And glorify our small attempts
And hate ourselves no more

Blow words between these sucker's teeth
And bind these panicked hands
Lose your heart like a clumsy bell
Please be well"

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Leberkrebs
unregistriert
12.11.2007 01:01 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Die lovecraftsche alternative ist, daß wir weiterwurschteln wie bisher damit eines der folgenden vier Ereignisse (oder sogar mehrere) eintrifft:

1. Das Volk wird finanziel derart ausgesaugt und vernichtet, daß auch die Raubtiere und Ausbeuter aussterben. Also totales Versagen der Wirtschaft.
2. Das Volk flippt vorher aus, also Bürgerkrieg und Chaos!
3. Es kommt zu einem neuen Weltkrieg um den letzten Profit und die letzten Gewinne, der Verlierer wirft vermutlich die Atombombe aus Rache !
4. Die Natur wehrt sich gegen ständige Ausbeutung und Verarschung. Gewaltige Naturkatastrophen und Seuchen folgen. Stichwort AIDS und KLIMAKATASTROPHE.

Aber: Ein paar reiche Säcke können ihren Arsch bis dahin noch im Luxus baden und hoffen das sie vorher natürlichen Todes gestorben sind. Nach mir die Sintflut. Und daher wird es auch so kommen !!

Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, zum letzten Mal von Leberkrebs am 12.11.2007 01:03.

Arne Kroger
unregistriert
12.11.2007 04:23 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Also, irgendwie hab' ich keinen Bock, jedes Mal die gleichen Argumente zu wiederholen und mir auch immer wieder das gleiche anzuhören.

Die Diskussion fand vor ein paar Tagen hier statt:
http://www.theunity.de/unity/thread.php?...htuser=0&page=1

Lovecraft

Großer Alter


12.11.2007 21:03 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Wieso sollte er? Fällts dir dadurch etwa schwerer seine Beiträge zu lesen?!

[Edit: Ja, weil ich wahrscheinlich so konservativ bin, daß es mir sonst schwerfällt, ernsthaft zu diskutieren.]
Calgmoth schrieb in einem anderen Sraed:
Zitat:
36 Welchen User hier im Forum findet ihr am sympathischsten?
Alle diejenigen, die die Grammatik und die deutsche Sprache beherrschen, sich kurz fassen können und nicht kleinschreiben.

Davon fühle ich mich angesprochen, in doppelter Bedeutung. Übrigens, wenn ich nicht der meistgeliebte Forumsbenutzer werde, dann will ich doch wenigstens der meistgehasste sein. Jedenfalls, was ich nicht will, ist mir hier vorzukommen wie in einem Hipf-Hüpf-Kindergarten. Er muß ja nicht gleich ein zweiter Lonewolf werden, aber wenn er ernstgenommen werden will, dann sollte er schon auch deutsch schreiben.

Die Idee des Grundeinkommens ist paradoxerweise übrigens tatsächlich in der CDU, und früher von der FDP (Ulmer Modell!) diskutiert worden. Insofern, wenn ich damit sympathisiere und man das wahrnehmen würde, könnte man tatsächlich eine Nähe zu beiden Parteien konstruieren - wobei die baden-württembergischen Grünen aktuell auch einen solchen Antrag verabschiedet haben auf ihrer Landesdelegiertenkonferenz, und die Linkspartei meines Wissens dem auch positiv gegenübersteht.

Sympathie und reiner Voluntarismus reichen aber nicht! Es soll sich nicht nur nett anhören, sondern ich will auch, daß es finanzierbar ist. Ganz einfach.

Deswegen, gottseibeiuns, hier ein lesenswerter Link zu einem Artikel in der (übrigens hervorragenden!) Financial Times Deutschland über das bedingungslose Grundeinkommen: Professoren zerpflücken das Bürgergeld
Wenn man natürlich nur abstrakt-utopischen Träumen nachhängen möchte, weil man gerne hätte, daß es funktionieren würde, sich aber nicht weiter (kritisch) damit auseinandersetzen will, dann braucht man das auch nicht zu lesen.

Die alten Beiträge kenne ich nicht alle, sorry. Dinge, die für mich zu klären sind:
Finanzierung über Lohnnebenkosten macht Arbeit noch teuer.
Finanzierung über die Lohnsteuer: Die ist schon hoch, und wenn sie zu hoch wird, dann schwindet der Unterschied zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit, auch wenn alle das Geld bekommen. Es wird auch schwer vermittelbar, daß, zugespitzt formuliert, vor allem diejenigen profitieren, die einfach keine Lust haben. Nicht die wirklich Bedürftigen, d.h. die finanziell und nach sachlichem Grund Bedürftigen. (Ich selbst fände es angesichts meiner Lebenssituation ganz reizvoll).
Zur Finanzierung über die Mehrwertsteuer werde ich Herr Prof. Götz Werner (oder heißt er Werner Götz) befragen, der demnächst hier in die Gegend kommt und einen Vortrag hält über das solidarische Bürgergeld. Kommt ja nicht oft vor, daß so jemand kommt. Der letzte, den ich gesehen habe, war Günter Wallraff, und das ist auch schon eine Weile her (naja, der Professor aus Heidelberg, Container-Guido und ähnliche Prominenz, die ich gar nicht sehen wollten, jetzt mal nicht mitgerechnet).

Sorry, wenn die Beiträge heute etwas assoziativ gelockert erscheinen. Mir geht es gut, ich mag meinen Mitteilungsdrang nur nicht gedanklich ordnen.

Zum Schluß noch ein Zitat Herbert Marcuses:
"Da die Dauer des Arbeitstages an sich einer der entscheidenden Faktoren für die Unterdrückung des Lustprinzips durch das Realitätsprinzip darstellt, ist die Verkürzung der Arbeitszeit bis zu einem Punkt, wo das bloße Arbeitsquantum die menschliche Entwicklung nicht mehr behindert, die erste Vorbedingung der Freiheit."
Herbert Marcuse, Triebstruktur und Gesellschaft, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1977, S. 152

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Lovecraft am 12.11.2007 21:08.



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komakino



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12.11.2007 21:42 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Lovecraft
Zitat:
Wieso sollte er? Fällts dir dadurch etwa schwerer seine Beiträge zu lesen?!

[Edit: Ja, weil ich wahrscheinlich so konservativ bin, daß es mir sonst schwerfällt, ernsthaft zu diskutieren.]

Jetz leg mir doch nichts falsches in den Mund hier. Find's nunmal scheiße wenn man auf so nem Ross sitzt das man mit ner meldung kommt alá "Lass diese Formulierungen in diesem Forum". Zudem es echt überhaupt keine Gründe gibt, warum er nicht bei dem "aba" bleiben sollte, ist einfach sein individueller Schreibstil.. Augen rollen

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Leberkrebs
unregistriert
14.11.2007 21:43 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Lovecraft
Zitat:
Wieso sollte er? Fällts dir dadurch etwa schwerer seine Beiträge zu lesen?!

[Edit: Ja, weil ich wahrscheinlich so konservativ bin, daß es mir sonst schwerfällt, ernsthaft zu diskutieren.]
Calgmoth schrieb in einem anderen Sraed:
Zitat:
36 Welchen User hier im Forum findet ihr am sympathischsten?
Alle diejenigen, die die Grammatik und die deutsche Sprache beherrschen, sich kurz fassen können und nicht kleinschreiben.

Davon fühle ich mich angesprochen, in doppelter Bedeutung. Übrigens, wenn ich nicht der meistgeliebte Forumsbenutzer werde, dann will ich doch wenigstens der meistgehasste sein. Jedenfalls, was ich nicht will, ist mir hier vorzukommen wie in einem Hipf-Hüpf-Kindergarten. Er muß ja nicht gleich ein zweiter Lonewolf werden, aber wenn er ernstgenommen werden will, dann sollte er schon auch deutsch schreiben.

Die Idee des Grundeinkommens ist paradoxerweise übrigens tatsächlich in der CDU, und früher von der FDP (Ulmer Modell!) diskutiert worden. Insofern, wenn ich damit sympathisiere und man das wahrnehmen würde, könnte man tatsächlich eine Nähe zu beiden Parteien konstruieren - wobei die baden-württembergischen Grünen aktuell auch einen solchen Antrag verabschiedet haben auf ihrer Landesdelegiertenkonferenz, und die Linkspartei meines Wissens dem auch positiv gegenübersteht.

Sympathie und reiner Voluntarismus reichen aber nicht! Es soll sich nicht nur nett anhören, sondern ich will auch, daß es finanzierbar ist. Ganz einfach.

Deswegen, gottseibeiuns, hier ein lesenswerter Link zu einem Artikel in der (übrigens hervorragenden!) Financial Times Deutschland über das bedingungslose Grundeinkommen: rofessoren%20B%FCrgergeld/276215.html" rel="nofollow" target="_blank">Professoren zerpflücken das Bürgergeld
Wenn man natürlich nur abstrakt-utopischen Träumen nachhängen möchte, weil man gerne hätte, daß es funktionieren würde, sich aber nicht weiter (kritisch) damit auseinandersetzen will, dann braucht man das auch nicht zu lesen.

Die alten Beiträge kenne ich nicht alle, sorry. Dinge, die für mich zu klären sind:
Finanzierung über Lohnnebenkosten macht Arbeit noch teuer.
Finanzierung über die Lohnsteuer: Die ist schon hoch, und wenn sie zu hoch wird, dann schwindet der Unterschied zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit, auch wenn alle das Geld bekommen. Es wird auch schwer vermittelbar, daß, zugespitzt formuliert, vor allem diejenigen profitieren, die einfach keine Lust haben. Nicht die wirklich Bedürftigen, d.h. die finanziell und nach sachlichem Grund Bedürftigen. (Ich selbst fände es angesichts meiner Lebenssituation ganz reizvoll).
Zur Finanzierung über die Mehrwertsteuer werde ich Herr Prof. Götz Werner (oder heißt er Werner Götz) befragen, der demnächst hier in die Gegend kommt und einen Vortrag hält über das solidarische Bürgergeld. Kommt ja nicht oft vor, daß so jemand kommt. Der letzte, den ich gesehen habe, war Günter Wallraff, und das ist auch schon eine Weile her (naja, der Professor aus Heidelberg, Container-Guido und ähnliche Prominenz, die ich gar nicht sehen wollten, jetzt mal nicht mitgerechnet).

Sorry, wenn die Beiträge heute etwas assoziativ gelockert erscheinen. Mir geht es gut, ich mag meinen Mitteilungsdrang nur nicht gedanklich ordnen.

Zum Schluß noch ein Zitat Herbert Marcuses:
"Da die Dauer des Arbeitstages an sich einer der entscheidenden Faktoren für die Unterdrückung des Lustprinzips durch das Realitätsprinzip darstellt, ist die Verkürzung der Arbeitszeit bis zu einem Punkt, wo das bloße Arbeitsquantum die menschliche Entwicklung nicht mehr behindert, die erste Vorbedingung der Freiheit."
Herbert Marcuse, Triebstruktur und Gesellschaft, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1977, S. 152


Beeinduckend: Wenn ich als "Professor" jeden Monat den Arsch mit 5000 bis 10000€ gepudert kriege, dann werde ich für meine auftraggeber auch erklären, 1+1=3 Garantiert! Und das soll ein Beweis sein?

Lovecraft

Großer Alter


Prof. Götz Werner 24.11.2007 16:32 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

So, ich war nun auf dem Vortrag von Prof. Götz Werner. Es war wenig spektakulär. Er sprach vor einem gediegen-bürgerlichen Publikum, was in dem Umfeld, in dem der Vortrag stattfand, auch nicht wunderte. Natürlich gab es den obligatorischen Psychotiker, und auch eine friedensbewege Labertante, die eigentlich gar keine Frage an ihn hatte, aber trotzdem was loswerden mußte, auch wenn es nichts mit dem Thema zu tun hatte. Sonst waren die Fragen in der anschließenden Diskussion eher von der Art "ob ma denn fir'd Kender au Grundeikomma kriagt?".
Aber zum Inhalt:
Ihm geht es vor allem darum, daß er als Unternehmer keine Steuern mehr zahlen will. Das soll alles auf die Konsumsteuer umgewälzt werden.
Er hat bestimmt eine Viertelstunde darauf verwendet, um in immer neuen Worten den Wirtschaftskreislauf zu erklären. Das ist ja nichts ganz Neues, das wußten auch Adam Smith oder Karl Marx schon. Heute würden die Steuern schon auf den Produktpreis draufgeschlagen. Dabei unterschlägt er vollkommen die Frage nach der Steuergerechtigkeit: Es ist ja nicht so, daß es keine Rolle spielen würde, an welcher Stelle (=wer) besteuert wird. Insbesondere würde die Steuerprogression verloren gehen, also die Besteuerung nach Leistungsfähigkeit. Gerade das will er aufheben: nicht Leistung, sondern Konsum solle besteuert werden. Eigentlich wäre es sogar eine steuerliche Degression, denn die Gutverdienenden geben in der Regel anteilig weniger für den Konsum aus. Auf der Ausgabenseite werden natürlich auch die (verheerenden) verteilungspolitischen Effekte ignoriert, wenn an Stelle des Prinzips Bedürftigkeit das Prinzip Gießkanne tritt. Es ist auch überhaupt nicht einzusehen, warum ein Gutverdiener auch noch ein Grundeinkommen beziehen soll.

Ich kam nicht mehr dazu, eine Frage zu stellen, und mit einer einzigen wäre er auch gar nicht zu fassen gewesen. Tatsächlich glaubt er tatsächlich, man könne mit der jetzigen Steuerquote und einer bloßen Umstellung des Systems bereits ein Grundeinkommen von 800 Euro, später noch mehr, ermöglichen. Ich habe keine Zahlen zur Hand, aber was wird denn aus den ganzen Ausgaben für Infrastruktur wie Schule und Unis, für innere Sicherheit, Polizei, Bundeswehr, Straßenbau und so weiter; wieviel bleibt abzüglich dem noch zu verteilen übrig?

So wird sicher kein Schuh draus. Das heißt nicht, daß die Ideen um das Grundeinkommen allesamt abzulehnen sind. Mein Vorschlag wäre die negative Einkommensteuer: Bedingunglos soll sich nur auf den sachlichen Grund beziehen, nicht auf die finanziellen Verhältnisse, am besten nur auf das Einkommen. Jemand, der momentan kein Einkommen hat, bekommt den vollen Satz, und dann reduziert sich die Zahlung bis zu einem Punkt, ab dem es kein Grundeinkommen mehr gibt, weil es nicht mehr nötig ist. Natürlich so, daß vom Verdienst unter dem Strich immer noch was übrigbleibt und damit im Gegensatz zur jetzigen Regelung Arbeitsanreize gesetzt sind; so wie bei der normalen Steuer auch, wo auch nicht 100% abgegeben werden. So wäre es auch eher noch finanzierbar - wenn auch bereits dafür die Mehrwertsteuer angehoben werden müßte.
Götz Werner ist wohl kein Reaktionär, und solche Leute solltet ihr auch versuchen, einzubinden oder euch positiv auf sie zu beziehen, denn sie sind sehr wertvoll (als Unternehmer!).

Heute ist übrigens eine Lesung eines ehemaligen RAF-Terroristen, auf die ich mangels Begleiter wohl nicht gehen werde; sowas müßte ja auch unitykonform sein. Obwohl, er hat sich inzwischen vom Terror losgesagt ...

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Arne Kroger
unregistriert
25.11.2007 03:36 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Bei negativer Einkommenssteuer löst Du aber das Problem nicht, dass zuviel Arbeit angeboten wird und zu wenig nachgefragt wird.
Und das das so ist, ist im Interesse der Menschheit auch gut so.

Btw ist die Beschränkung auf 800 € völliger Blödsinn, das erkläre ich allen Befürwortern des Grundeinkommens. D.h. nämlich, dass die pflegebedürftige Oma im Altersheim auch mit 800 € auskommen müsste und davon auch ihren Pflegesatz bezahlen müsste, das würde dazu führen, dass die maximal noch eine 1/10-Stelle zahlen kann, wenn man berücksichtigt, dass es auch noch Urlaub gibt und die ja auch noch Pflegemittel und Medikamente braucht.

Lovecraft

Großer Alter


25.11.2007 13:00 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Scheiße, das Zitat kannte ich sogar. Hätte ich meine Ausgabe von "Das waren die Grünen." doch nicht verkaufen dürfen. (Fleiß-)Punkt für Dich.

Eine Nachfrage in die Richtung kam dann doch aus dem Publikum, von einem, der vom Äußeren gar nicht so hineinpaßte, nämlich ob denn alles über das Grundeinkommen Hinausgehende dann der Markt machen würde. Werner parierte das, indem er sagte, daß solche Fälle dann eben wie bisher gehandthabt werden, also wenn der Bedarf das Grundeinkommen übersteigt. Das schränkt die Summe, die für das Grundeinkommen übrig bliebe, noch weiter ein.

Den Einwand gegen die negative Einkommensteuer verstehe ich nicht. Sobald man aufhört zu arbeiten, bekommt man ja das Grundeinkommen in der vollen Höhe, oder zumindest noch einen Teil davon, wenn man nur wenig verdient. Wie meinst Du das genau: zuviel Arbeit angeboten, zuwenig nachgefragt? Wenn ich das in der verbreiteten Diktion deute, dann wäre das das Arbeitnehmer-Paradies, leider ist es aber heute mit hoher Arbeitslosigkeit genau umgekehrt. Oder verwendest Du die umgekehrte Sichtweise?
Oder meinst Du, daß alle, die sonst normal verdienen würden, mit einem allgemeinen Grundeinkommen die Arbeitszeit entsprechend reduzieren würden? Abgesehen von der Frage, von was dann das Grundeinkommen finanziert werden soll, wenn weniger gearbeitet wird: Das könnte doch erreicht werden durch eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung, die ich auch befürworten würde, eventuell auch ohne Lohnausgleich, damit die Stundenlöhne nicht steigen und Arbeit somit nicht teurer wird.

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Arne Kroger
unregistriert
26.11.2007 01:09 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Nein, es wird von den Arbeitnehmern, die auch nix anderes als ihre Arbeitskraft haben, zuviel angeboten und es wird zu wenig von den Arbeitgebern nachgefragt, das bedeutet Arbeitslosigkeit.

Und es ist einfach meine Erfahrung aus 25 Jahren Berufstätigkeit, dass es zumindest in den Bereichen, in denen ich bislang tätig war (soziale Bereiche), besser ist, wenn weniger arbeiten, dafür aber eben nur die Leute, die auch dazu motiviert sind.
Daher will ich eben, dass sich NICHTARBEITEN mehr lohnt.
Wenn Arbeitslohn nur darin bestehen würde, die zusätzlichen Kosten, wie etwa Kosten für die Fahrt zur Arbeitsstelle, bei Schichtdienst auch Kosten für höhere Verpflegungskosten u.ä, (man kann dann nicht immer bei ALDI einkaufen und braucht auch mehr Strom wegen Vorratshaltung z.B.) auszugleichen, wäre man das ganze unmotivierte Gesocks, dass gar keinen Bock hat, was gescheites zu tun, los.
Ich hätte lieber zwei flexible Putzfrauen oder Hauswirtschaftskräfte mehr auf der Arbeit gehabt, und dafür gerne zwei Kollegen mit voller Stelle nach Hause geschickt, weil die sowieso die Menschen nur bekloppt machen.
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