Unity-Forum
RegistrierungTeammitgliederMitgliederlisteHäufig gestellte FragenSucheZur Startseite Texte Homepage chat

Unity-Forum » :: Diskussionen :: » Politik & Gesellschaft » Menschenverachtende Polizei und Jugendamt » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Letzter Beitrag | Erster ungelesener Beitrag | Druckvorschau | Thema zu Favoriten hinzufügen |
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Zum Ende der Seite springen Menschenverachtende Polizei und Jugendamt  
Beiträge zu diesem Thema Autor Datum
 Menschenverachtende Polizei und Jugendamt Karim 19.05.2008 18:46
 RE: Menschenverachtende Polizei und Jugendamt Hansi 19.05.2008 19:38
 RE: Menschenverachtende Polizei und Jugendamt Arne Kroger 23.05.2008 02:36
 RE: Menschenverachtende Polizei und Jugendamt Karim 19.05.2008 20:14

Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »

Karim




Menschenverachtende Polizei und Jugendamt 19.05.2008 18:46 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

PRESSEMITTEILUNG: Brutaler Polizeieinsatz gegen nigerianische Flüchtlingskinder in Treuen (Sachsen)
Submitted by voice on Sun, 18/05/2008 - 14:56.

Bundesweites Netzwerk der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen.

PRESSEMITTEILUNG
18.05.2008

Brutaler Polizeieinsatz gegen nigerianische Flüchtlingskinder in Treuen (Sachsen)
Polizei schiebt Kinder in Handschellen aus dem Kinderheim ins Flüchtlingslager ab

Unter Einsatz von physischer Gewalt wurden die drei Mädchen Sophia (14), Sandra (13) und Sonja (cool Omoroghomwan am Freitag, 16. Mai 2008 von der Polizei aus dem AWO Kinder- und Jugendwohnhaus in Treuen (Vogtlandkreis/Sachsen) in das abgeschiedene Flüchtlingslager im Wald bei Posseck (ebenfalls Vogtlandkreis) zurückgeschoben.

Die drei Mädchen aus Nigeria hatten letztes Wochenende aus eigenem Entschluss das Kinderheim in Treuen in der Nähe von Plauen aufgesucht, weil sie das Leben in der Isolation nicht mehr ertragen konnten. Sie waren in dem Heim freundlich aufgenommen worden und fühlten sich dort wohl. Obwohl sie dort getrennt von ihrer Mutter Claudia leben mussten, wollten sie bleiben, weil sie die Lebensbedingungen in Posseck nicht mehr ertragen konnten.

Am vergangenen Freitag wurden sie im Beisein einer Vertreterin des Jugendamtes mit Hilfe der Polizei gezwungen, in das Lager in Posseck zurückzukehren. Die Mädchen wurden vom Heimpersonal am Morgen darüber informiert, dass sie zurück nach Posseck sollen. Als die Mädchen sich weigerten, verständigte die Vertreterin des Jugendamts die Polizei. Insgesamt wurden für den Einsatz vier Polizeiwagen angefordert. Erschreckt und verängstigt versuchten die Kinder davon zu laufen. Dabei wurden sie von einem Polizeiwagen verfolgt. Als die jüngste, Sonja, gefasst wurde, entschloss sich die älteste Schwester, Sophia, mit ihr zusammen zurückzubleiben. Beide wurden in ein Zimmer gesperrt. Während Sandra weiter zu fliehen versuchte, verlangte die Frau vom Jugendamt den Einsatz von mehr Polizei. Als Sandra schließlich gefasst wurde, legte man sie in Handschellen und schleifte sie über den Boden. Auch an den Beinen wurde sie gefesselt. Nach Aussage ihrer Schwestern war Sandra völlig außer sich und schrie.

Die Kinder sahen sich Beschimpfungen durch die Anwesenden ausgesetzt. Sie vernahmen die Worte „blöde Kuh“, „Schwarze“, „verrückt“. Die Vertreterin des Jugendamtes hörten sie sagen, sie hätten keine Chance.

Die beiden jüngeren Mädchen Sandra (13) und Sonja (cool wurden in Handschellen aneinander gekettet, Sophia wurden die Hände auf dem Rücken gefesselt. Die Kinder gaben an, von der Polizei gezerrt und gezogen worden zu sein, wobei keine Rücksicht darauf genommen wurde, dass sie gefesselt waren und dass sie über Schmerzen klagten. Sophia sagte aus, dass man ihnen einfach nicht zugehört hätte. Die Handschellen hinterließen sichtbare und schmerzhafte Spuren an den Handgelenken. Gefesselt wurden sie ins Auto geschubst und in das Flüchtlingslager verfrachtet, immer noch gefesselt wurden sie dort wieder aus dem Auto gezerrt und in ihr Zimmer im Heim gebracht.

Die Mutter war über die Maßnahme nicht in Kenntnis gesetzt worden. Als die Kinder im Heim ankamen, war sie außer sich darüber, was man ihren Kindern angetan hat. Die Kinder selbst stehen unter Schock und klagen über Schmerzen.

Die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen und The VOICE Refugee Forum protestieren scharf gegen diesen Akt behördlicher und polizeilicher Gewalt. Mit dem Polizeieinsatz als Reaktion auf den Hilfeschrei der drei Mädchen nach einem Leben außerhalb des Lagers und mit sozialen Kontakten hat das Jugendamt sich in jeglicher Hinsicht diskreditiert und seinen Auftrag, das Wohl der Kinder zu schützen ins Gegenteil verkehrt. Unser Protest richtet sich deshalb auch insbesondere gegen die Haltung des Jugendamts. Laut Beschluss des Familiengerichts Plauen hat das Jugendamt eine Ergänzungspflegschaft für die drei älteren Mädchen inne, für die Claudia Omoroghomwan nach dem Verkehrstod ihres Bruders und ihrer Schwägerin, der leiblichen Eltern, gemeinsam mit der vor zwei Jahren ebenfalls verstorbenen Großmutter die Sorge übernommen hat.
Seit dem Beschluss wird Frau Omoroghomwan das Recht abgesprochen, über die Kinder zu entscheiden. Dass das Jugendamt als „Ergänzungspfleger“ nur zum Besten der Kinder da ist, wurde durch diese Vorgehensweise eindeutig widerlegt. Die Suche nach Schutz vor den menschenunwürdigen Lebensbedingungen im Wald bei Posseck wurde vom Jugendamt nicht ernst genommen, stattdessen wurde physische Gewalt als Mittel gutgeheißen, um die Kinder dorthin zurück zu zwingen, wo ihnen der psychische Druck und die Isolation den Lebensmut nimmt.

Frau Omoroghomwan und ihre Kinder sind verzweifelt angesichts dieser Art von Verfolgung durch die deutschen Behörden. Frau Omoroghomwan hatte bereits wiederholte Male ohne Erfolg versucht, einen Umzug in eine normale Wohnung in eine Stadt genehmigt zu bekommen. Nach dem jüngsten Vorfall ist ein Weiterleben in Posseck und im Vogtlandkreis nicht mehr möglich.

Das Karawanenetzwerk und The VOICE Refugee Forum unterstützen die Forderung Frau Omoroghomwans nach einer sofortigen Umverteilung nach Halle, wo die Familie durch den Anschluss an religiöse Gemeinschaften und die afrikanische Kultur ihre soziale Isolation überwinden kann.
Wir rufen alle Kinderschutz- und Menschenrechtsorganisationen auf, sich in Absprache mit uns für den Schutz, die Gesundheit und eine menschenwürdige Lebenssituation der Familie einzusetzen.

Wir appellieren an das Bundesamt für Migration, unverzüglich eine Entscheidung über das Asylgesuch der jüngsten Tochter Dammiana zu treffen, die ihr den nötigen Schutz vor der drohenden Beschneidung gewährt, den ihr Heimatland Nigeria nicht bietet.

Bitte schließt euch unserem Protest gegen diese behördliche Gewalt in Sachsen an und helft uns, diesen Aufruf zu verbreiten!

Kontakt Personen:
Mai zeidani, Tel.: 0172 393 1225 und
Mbolo Yufanyi, Tel.: 0170 8788124

Für mehr Information:

weitere Informationen unter:

http://www.thevoiceforum.org/node/796

Bundesweites Netzwerk der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen, c/o Internationales Zentrum B5, Brigittenstraße 5, 20359 Hamburg,
Tel.: 040 43189037, E-Mail: free2move@nadir.org

Die Arbeit ist etwas Unnatürliches. Die Faulheit allein ist göttlich.

Anatole France
16.04.1844 - 12.10.1924
----------------------------------------------------

"This doesn´t happen to fucking synthesizers." (Midge Ure beim Konzert in Augsburg am 16.10.05 nachdem ihm eine Gitarrensaite gerissen ist).
E-Mail an Karim senden
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen
Hansi
unregistriert
19.05.2008 19:38 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Boah, rechtes, sadistisches, ekelhaftes Bullenpack smilie17 smilie16 fuerer smilie19 smilie33 piep smilie32 smilie31 .
Arne Kroger
unregistriert
23.05.2008 02:36 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Also, was die Bullen anbelangt, weiß man ja: All Cops Are Bastards.

Interessanter finde ich das Verhalten der Mitarbeiter vom Heim und Jugendamt.

Das erinnert mich an die Geschichte in Behindertenheimen im III. Reich.
Während in Süddeutschland, z.B. in Stetten, die Bewohner widerstandslos in fahrbaren Gaskammern abgeholt wurden, ist der Reformierte Bodelschwingh einfach hingegangen und hat gesagt, dass, bevor auch nur ein Bewohner von ihm abgeholt würde, man ihn erstmal selber abholen solle.

Kein Bewohner wurde aus Bethel abgeholt.

Und ich kann auch sagen, dass, z.B., bevor mein Bewohner abgeholt würde von der Polizei wegen irgendwelcher formaler Blödsinnigkeiten (Eigentumsrechte, Rechte anderer auf körperliche Unversehrtheit oder so), ich auch mit ihm eher die Künste, die ich von ihm gerade lerne, was den Einsatz von Messern u.ä. anbelangt, einsetzen würde, bevor ein Bulle den mitnehmen würde.

Karim




19.05.2008 20:14 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Dazu sollte man wissen, in welchen Verhältnissen die Menschen dort "leben" müssen. Das mutet schon eher wie ein Nazi-Gefangenenlager an.
Und so geht es in Posseck zu:


Posseck Flüchtlingslager: Ein Bericht des The VOICE Refugee Forum – Treffens in Jena
Submitted by voice on Sun, 04/05/2008 - 15:12.


E N G L I S H :
Visit in the refugee camp near Posseck (Sachsen), January 2008 by the Family of Claudia Omoroghomwan.
A Report from The VOICE Refugee Forum Meeting in Jena, 26/27.02.2008.
http://thevoiceforum.org/node/781
*****
Besuch im Flüchtlingslager in der Nähe von Posseck (Sachsen) im Januar 2008 bei der Familie von Claudia Omoroghomwan.

Claudia Omoroghomwan lebt seit 2006 mit vier Mädchen in dem Flüchtlingslager in der Nähe von Posseck. Zuvor waren sie in Reichenbach untergebracht.

Sophia 25.02.1994
Sandra 05.03.1955
Sonja 01.01.2000
Dammiana 28.11.2001

Claudia Omoroghomwan kam 2004 mit den beiden jüngeren Mädchen von Nigeria nach Deutschland. Die beiden Älteren blieben vorerst bei ihrer Großmutter in Nigeria. Um zusammen sein zu können, kamen auch sie nach deren Tod nach Deutschland.

Das jüngste Mädchen ist ihre biologische Tochter und bei den Größeren handelt es sich um die Kinder ihres Bruders. Dieser verstarb zusammen mit seiner Frau bei einem Autounfall. Er überließ ihr als Tante das Sorgerecht für die Kinder.

Wohnsituation in Reichenbach – die frühere Unterkunft

Vor dem Umzug ins isolierte Lager bei Posseck, lebte die Familie in Reichenbach. Dort waren sie mit der unangenehmen Situation konfrontiert sich eine Toilette mit mehreren Männern teilen zu müssen.

Frau Omoroghomwan beschwerte sich mehrmals bei der zuständigen Behörde. Ihre Beschwerden wurden mit dem Vorwurf abgewiesen, dass sie als Mutter nicht genügend auf die Kinder achten würde. Dem hält Frau Omoroghomwan entgegen, dass die Mädchen die Möglichkeit haben sollten ohne Furcht und Schamgefühl die Toilette benutzen zu können.

Eine andere Frau, die sich über die Kakerlaken in den Zimmern beschwerte, erlebte ähnliches. Ihre Beschwerde wurde mit der beunruhigenden Aussage abgetan, dass die Kakerlaken sie schon nicht töten würden.

Aufgrund dieser ganzen Unannehmlichkeiten war die Familie gezwungen viel Zeit bei Freunden außerhalb des Camps zu verbringen. Dieser Umstand führte wiederum zu der Beschuldigung, dass sie und die Kinder sich nicht regelmäßig im Heim aufhalten würden.

Mittlerweile wurde die Unterbringung in Reichenbach aufgrund der hygienischen Zustände geschlossen.

Isolation in Posseck

Das Lager liegt wie es üblich ist, isoliert von anderen Menschen und Häusern, mitten im Wald.
Die nächstgelegenen Häuser sind ungefähr einen Kilometer entfernt und zwei bis drei Kilometer weiter liegt Posseck, der nächste Ort.
Es gibt ist eine Busverbindung nach Oelsnitz und Hof. Das ist das Einzige und die Entfernung beträgt 22 Kilometer.
Oelsnitz ist zwar eine Stadt in selben Landkreis, verfügt allerdings nur über eine sehr geringe Infrastruktur.
Hof hingegen hat 50.000 Einwohner. Aber den Flüchtlingen ist es aufgrund der Residenzpflicht verboten dorthin zu fahren, da Hof in einem anderen Landkreis und des weiteren in einem anderen Bundesland liegt.

Bei dem Lager handelt es sich vermutlich um eine Unterkunft aus DDR-Zeiten, in der die damaligen Grenzsoldaten teilweise untergebracht waren.
Die durch die kasernenähnliche Atmosphäre des Lagers bedrückende Wirkung auf die Bewohner, fällt jedem sofort auf. Selbst als Besucher kann man das spüren.

Die Gegend wird nur von einigen wenigen Lampen erhellt. Sogar der einzige Weg der durch den Wald zum nächsten Ort führt ist ohne Beleuchtung.

Bis zum heutigen Tag gibt es Zeiten in denen die Gegend um das Haus herum für Militärübungen und Polizeitrainings zu Schießübungen genutzt wird.

Gesellschaftliche Vereinsamung

Die vier Mädchen teilen sich zusammen mit Frau Omoroghomwan ein 30 m²-Zimmer. Die Mädchen und ein kleines Baby sind die einzigen Kinder im Heim.

Die belastende Situation, die aus der Isolation entsteht verschlimmert sich für diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben bei Freunden unterzukommen oder anderweitig mehr Zeit außerhalb des Lagers zu verbringen.

Frau Omoroghomwan leidet sehr darunter, dass sie niemanden hat mit dem sie sich austauschen kann.
Durch den Mangel an normalen sozialen Kontakten mit anderen Müttern wird den Mädchen der Kontakt mit anderen Kindern in deren Alter entzogen.

Nach Frau Omoroghomwan Schilderungen braucht jeder im Flüchtlingsheim Hilfe.
Insbesondere bei der Aufklärung der eigenen Rechte, um staatliche Unterstützung zu erhalten, sowie eine angemessene ärztliche Behandlung. Zusammen mit vielen anderen sind sie einer hoffnungslosen Situation ausgesetzt.

Wirtschaftliche Ausbeutung

Die Duschen liegen im Keller und können nur in der Zeit von 19:00 bis 22:00 Uhr benutzt werden. Manchmal gibt es plötzlich kein heißes Wasser mehr und die Kinder müssen mit kaltem Wasser baden. Trotz dieser Umstände beschwert sich der Hausmeister, dass die Kinder zuviel Wasser verbrauchen.

Statt Geld für Lebensmittel gibt es Coupons, die es unmöglich machen eine wünschenswerte Ernährung zu gewährleisten. Diese Coupons können nur in dem im Flüchtlingslager ansässigen Laden und auch nur an zwei Tagen in der Woche (Montag und Donnerstag in der Zeit von 10:00 bis 15:00 Uhr) dort eingelöst werden.

So werden die armen Leute ausgebeutet und gezwungen völlig überteuerte Produkte zu kaufen, die sie woanders sehr viel günstiger erwerben könnten, wenn man Ihnen die Möglichkeit geben würde.
Beispielsweise werden hier Waren der günstigsten Marke von Edeka „Gut und Günstig“ (z. B. 750 gr. Honey Wheat (Weizenpops) für 3,99 €, Multivitaminnektar für 0,89 € und Thunfisch für 0,90 €, ) zu extrem hohen Preisen verkauft.

Für Kleidung bekommen die Familien alle zwei Monate einen Gutschein, der nur in einem bestimmten Laden (KIK) einzulösen ist. Hier kann man zwar Kleidung erwerben, nur leider keine Schuhe. Somit wird das kleine Taschengeld zusammengespart, um sich überhaupt Schuhe leisten zu können.

Unmöglichkeit des Schulbesuchs

Bis Februar 2008 werden die Kinder der Möglichkeit eines Schulbesuchs beraubt.
Bis zum Sommer 2007 wurde ihnen der Besuch der Schule sogar verweigert.

Frau Omoroghomwan schildert, dass sie auf den Wunsch, dass die Mädchen zur Schule gehen sollten die Antwort erhalten hat, dass diese noch nicht alt genug wären. Als die Erlaubnis zur Schule gehen zu dürfen in diesem Spätherbst endlich von der Behörde erteilt wurde, war die Zweitjüngste bereits sieben Jahre und neun Monate alt.

Bevor die Mädchen in die Klassen in der Grundschule gehen zu dürfen, verlangt der Lehrer, dass sie einen Sprachkurs belegen, da sie kein Deutsch sprechen.
Frau Omoroghomwan kann immer noch nicht nachvollziehen, weshalb man ihnen nicht schon vorher diese Möglichkeit gegeben hat.

Abgesehen davon macht es die Wohnsituation den Kindern praktisch unmöglich zur Schule zu gehen, da die für die soziale Versorgung zuständige Ausländerbehörde nicht für die Fahrtkosten zur Schule aufkommen will.

Zudem befindet sich die Schule in Bad Elster (ca. 30 Kilometer entfernt von Oelsnitz) und ist nur sehr schwierig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Da die Mädchen um 08:00 Uhr in der Schule sein müssen, müssten sie gegen 05:00 Uhr das Haus verlassen, um durch den dunklen Wald einen langen Fußmarsch auf sich zu nehmen, damit sie um 05:20 Uhr den Bus erreichen können.

Seit einigen Wochen hat sich nun die AWO (Arbeiterwohlfahrt) bereit erklärt die Fahrtkosten in Form eines Taxifahrdienstes zu übernehmen. Dadurch müssen die Mädchen das Haus um 06:10 verlassen.
Das ist zwar bei Weitem einfacher zu handhaben als die Situation mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, das bedeutet aber auch eine tägliche Fahrtzeit von drei bis vier Stunden auf sich zu nehmen.

Ärztliche Behandlung

Die nächstgelegene Möglichkeit um einen Arzt aufzusuchen ist Oelsnitz. Die Fahrt dorthin kostet jeweils 3,20 €.

Wenn Frau Omoroghomwan einen Termin beim Arzt hat, muss sie jedes Mal mit einem Tagesticket nach Plauen (22 Kilometer von Posseck entfernt) fahren, welches sie 7,00 € kostet. Sie hat aber nur ein kleines Taschengeld in Höhe von 120,00 € für die komplette Familie im Monat zur Verfügung.

Mindestens vier Mal im Monat muss Frau Omoroghomwan den Arzt wegen ihrer Beschwerden im Nackenbereich konsultieren. Ohne Fahrgeld ist dies aber nicht möglich.

Auch wenn die Kinder krank werden sollten, bleibt das Problem weiterhin bestehen. Im Fall einer schweren Erkrankung würde der Arzt nur nachts vorbeikommen. Fragt man dann den Hausmeister um Hilfe, verweist dieser nur auf das helle Tageslicht und darauf, dass man zum Arzt gehen kann. Das bedeutet einen zwanzigminütigen Fußmarsch hinter sich zu bringen, um danach noch mit dem Bus zu fahren, egal wie schlecht es einem geht.

Gesundheitliche Probleme – Kontrolle

Basierend auf diesen depremierenden Verhältnissen wird ganz besonders die Zukunft der Kinder beeinträchtigt.

Die Mädchen wurden in Kinderheimen untergebracht, als Frau Omoroghomwan im November 2007 für einige Tage in die psychiatrische Klinik eingeliefert werden musste, um zu überprüfen ob eine Selbstmordabsicht vorliegt, da sie an Depressionen erkrankt ist.

Claudia Omoroghomwan hatte ständig chronische Schmerzen im Nacken.
Im letzten Herbst wurden die Schmerzen so extrem stark und breiteten sich vom
Nackenbereich über den restlichen Körper aus, dass am Sonntag der Notarzt kommen musste.

Sie wurde umgehend ins Krankenhaus eingeliefert, mit der Absicht einmal gründlich untersucht und behandelt zu werden. Nur wurde sie bevor irgendeine Untersuchung an ihr vorgenommen wurde vom Arzt mit der Begründung, dass sie bei ihren Kindern bleiben solle, zurückgeschickt.

Frau Omoroghomwan hat eigenartigerweise keine Bescheinigung über ihren Aufenthalt und keinen Krankheitsbericht vom Krankenhaus erhalten. Vermutlich stand eine Intervention der Ausländerbehörde hinter dieser Entscheidung.

Es ist immer noch nicht geklärt warum es nicht möglich war, die Kinder für die Zeit des Krankenhausaufenthalts im Kinderheim unterzubringen, damit sie eine adäquate ärztliche Behandlung erhalten konnte.

Andererseits wurde Frau Omoroghomwan der Drohung ausgesetzt, dass man ihr die Mädchen wegnehmen und in ein Kinderheim geben würde.
Grund dafür war eine Reise zu einem Arzt ihres Vertrauens nach Dortmund bezüglich des Asylantenstatus der jüngsten Tochter Dammiana. Diese flüchtete aus Nigeria, um den Gefahren durch eine Beschneidung zu entkommen.

Auf der Fahrt gerieten sie in eine Polizeikontrolle. Diese stellte fest, dass sie keine Erlaubnis der Ausländerbehörde hatte den Landkreis zu verlassen. Diese hatte ihr die Bewilligung verweigert, da sie keine schriftliche Einladung vorweisen konnte.

Die Information über den Verstoß gegen die so genannte Residenzpflicht wurde an das für die Familie zuständige Jugendamt weitergegeben. Das Resultat war die Androhung ihr die Kinder wegnehmen zu wollen.
Die Mädchen, die bei der Mutter bleiben wollten, konnten die Bestrebungen des Jugendamts durch Proteste verhindern.

Das sind Auswirkungen des verbindlichen Gesetzes der Residenzpflicht – ein rassistisches Sondergesetz, welches als Mittel zur Kontrolle eingesetzt wird und welches das Grundrecht der persönlichen Freiheit und der Bewegungsfreiheit in massiver Weise verletzt, ebenso die persönlichen Entscheidungen der Familie.

Dieses Gesetzt steht im absoluten Widerspruch zu dem für deutsche Familien geltenden Grundrecht, sprich unabhängig entscheiden zu können mit den eigenen Kindern zu reisen, egal aus welchen Gründen. - Bei Frau Omoroghomwan wurde die Wahrnehmung ihrer persönlichen Freiheit nicht nur als kriminelle Straftat ausgelegt, sondern vielmehr als Rechtfertigung ihre elterliche Fürsorgepflicht in Frage zu stellen, und somit ihre Fähigkeit sich um ihre eigenen Kinder zu kümmern.

In diesem Fall ist es völlig ersichtlich, dass die allgemeine Erklärung der Menschenrechte missachtet wird. Dieses Gesetz nimmt den Eltern das Recht die Entwicklung des eigenen Kindes selbst bestimmen zu können. Beziehungsweise sagt es aus, dass über das Wohlergehen des Kindes der Staat und nicht die Eltern entscheidet, jedenfalls soweit es Asylsuchende betrifft.

Inzwischen wurde Frau Omoroghomwan der Vorschlag gemacht, dass sie gemeinsam mit den Mädchen in das Jugendheim ziehen könnte. Einerseits würde dies zwar die Isolation der Familie in dem abgelegenen Lager beenden, andererseits wird ihr die Möglichkeit genommen unabhängig für die Mädchen deren Entwicklung bestimmen zu können.

Zu ihren bisherigen Erfahrungen mit den Behörden erläutert Frau Omoroghomwan:
„ Jedes Mal wenn man die zuständigen Behörden nach etwas fragt, erschweren sie einem die Situation.“

Überdrüssig der sich weiter verschlechternden Umstände, hat sich Frau Omoroghomwan 2007 an andere Länder gewandt, um Deutschland zu verlassen. Bisher hat sie noch keine Antwort auf ihre Anfrage erhalten.

Perspektiven?

Hauptsächlich wünschen sich Frau Omoroghomwan und die Mädchen einen Umzug in eine eigene Wohnung in einer größeren Stadt, die Möglichkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen und die lang anhaltende soziale Isolation verarbeiten zu können.

Die Mädchen hätten die Möglichkeit regelmäßig die Grundschule zu besuchen und könnten als überzeugte, gläubige Christen regelmäßig in die Kirche gehen.

Die Bemühungen der AWO einen Beschluss des Umzugs in eine private Unterbringung zu erwirken sind abgelehnt worden. Begründet wurde dies mit der Duldung, da es ja jederzeit die Möglichkeit der Abschiebung gäbe.

Schlussendlich ist vom Bundesamt immer noch keine Entscheidung über den Asylantrag getroffen worden.

Außerdem klagt Frau Omoroghomwan an:
„ Wann auch immer wir uns an die für unsere Situation verantwortlichen Behörden wenden, verschlimmert sich unsere Lage. Sie geben uns das Gefühl, dass Wir nicht das Recht haben uns zu beschweren.“

Alle Mädchen sind mit psychologischen Problemen belastet. Das geht so weit, dass sie momentan nicht mit anderen Kindern zusammen spielen können. Es ist für jeden ersichtlich, wie traumatisiert und ängstlich sie sind.

Unsere Forderungen sind:

Eine schnelle Antwort vom Bundesamt.

Die Genehmigung der Ausländerbehörde zum Umzug in eine private Unterbringung,
weil

- die Kinder dringend den Kontakt zu anderen Kindern brauchen.
- sie das Recht haben eine geeignete Schule zu besuchen.
- kein normaler Mensch mit permanenter, langer Isolation leben kann.
- Frau Omoroghomwan dringend den Kontakt zu anderen Frauen und Familien braucht.
- mehr als genug depressive und psychologische Folter ertragen wurde.
- eine normale medizinische Betreuung gewährleistet sein muss.
- die Zukunft der Kinder in ernsthafter Gefahr ist.
- das Leben hier gefährlich bedroht ist.
- es das Recht eines jeden Menschen ist menschenwürdig zu leben.

Dieser Text wurde zum ersten Mal am 26. und 27. Febraur 2008 in Jena beim Treffen von The Voice Refugee Forum zusammen mit Claudia Omoroghomwan in Posseck vorgelegt und diskutiert.

http://www.thevoiceforum.org/node/796

Die Arbeit ist etwas Unnatürliches. Die Faulheit allein ist göttlich.

Anatole France
16.04.1844 - 12.10.1924
----------------------------------------------------

"This doesn´t happen to fucking synthesizers." (Midge Ure beim Konzert in Augsburg am 16.10.05 nachdem ihm eine Gitarrensaite gerissen ist).
E-Mail an Karim senden
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen
Baumstruktur | Brettstruktur
Gehe zu:
Neues Thema erstellen Antwort erstellen
Unity-Forum » :: Diskussionen :: » Politik & Gesellschaft » Menschenverachtende Polizei und Jugendamt

Schnellantwort
Benutzername:
Überschrift:  
Optionen:




Antworten:

Powered by Burning Board 2.2.2 © 2001-2004 WoltLab GmbH | Impressum