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dian
unregistriert
26.01.2010 17:41 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

@ Shinobi:
Zitat:
Der Typ hatte so großen Redebedarf, das er mir über youtube noch PNs schickte und sich als Araber autete

Echt? Also mir hat er auch PN's geschickt und erzählt, dass er von seinem Großvater aufgezogen wurde, der im Zweiten Weltkrieg gekämpft hat... aber ich wundere mich ja über gar nichts mehr.
Nazis sind halt auch nicht mehr so arisch, wie sie mal waren.
Dazu fällt mir ein schönes Lied von Landser ein:

"Wenn ich das seh, werd ich echt sauer,
Polacken-Lümmel schreien "White Power!"
Oh wie ich dieses Scheißvolk hasse,
seit wann gehörn Polacken zur arischen Rasse?"
großes Grinsen
Aber die Stelle wird dann wohl von den vielen polnisch- und russischstämmigen Nazis einfach überhört, nehme ich an...

@ Lonewolf:
Zitat:
Ihr diskutiert mit Nazis? Ist euch irgendwie langweilig?

Hin und wieder schicken mir Nazis sogar Freundschaftsanträge auf Youtube und verlinken meine Videos. waah
Ich glaube ja immer noch ein wenig an das Gute im Menschen und versuche, einfach die besseren Argumente zu liefern, um vielleicht den einen oder anderen zum Nachdenken zu bewegen.
Einfach, weil ich davon ausgehe, dass kein Mensch als Nazi auf die Welt kommt, sondern irgendwann im Lauf seiner Prägung dazu gemacht wird. Und wenn das so ist, muss es doch auch möglich sein, an den Mensch im Nazi noch irgendwie heranzukommen... erst recht, wenn die schon Teile meiner Videos gutfinden.
Ich sehe das so: Junge Nazis haben, im Gegensatz zu den normalen Durchschnittsjugendlichen, immerhin schonmal erkannt, dass was grundliegend falsch läuft in der Gesellschaft. Somit haben wir ja mit denen fast schon mehr Gemeinsamkeiten als mit Otto-Normal-Teenager, der nur sinnlos konsumiert und dem Mainstream hinterherrennt.
Also sollte es doch rein theoretisch auch nicht schwerer sein, einen Nazi zum Hinterfragen des eigenen Weltbildes zu bewegen, als einen oberflächlichen Durchschnittsmenschen.
Naja, vermutlich ist beides gleichermaßen utopisch.
Menschen ändern ihr Weltbild nicht, nur weil irgendjemand in einer Diskussion die besseren Argumente auf seiner Seite hat.
Wie die von mir immer wieder gern zitierten Lemminge laufen sie halt so lange in die selbe Richtung, bis sie durch äußere Umstände dazu gezwungen werden, umzukehren.
Einem Lemming zuzurufen "Hey, pass auf, da vorne ist ein Abgrund!" ist wohl reichlich sinnlos.

Arne Reload



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27.01.2010 14:13 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Also, ich habe mich selten an Demonstrationen gegen diejenigen, die sich auch selbst als Nazis sehen, beteiligt, weil ich auch der Meinung bin, dass mir das gefälligst der Interessenverband der deutschen Exportindustrie bezahlen soll.
Denn letztendlich ist alles "antifaschistische" Gedudele doch eine schöne Möglichkeit für die deutsche Industrie, darzustellen, dass Deutschland heute ja ganz anders ist als wie 1933 bis 1945 und man ruhig wieder bei Deutschen einkaufen darf.

Ich sehe das noch nicht unbedingt so. Es ist immer noch extrem leicht, eine Sau hier durchs Land zu treiben, wenn sich BLÖD und SPON einig sind. Wenn man die Debatten in bürgerlichen Foren sich anschaut, was die dazu meinen, dass ein Oberst mal eben 140 Menschen aus der Luft ermorden lassen kann, dann sehe ich eigentlich überhaupt nicht, dass sich der Spießer von damals von dem Spießer von heute unterscheidet.
Und mich dafür herzugeben, dass die Menschen im Ausland ein falsches Bild von den hier lebenden Menschen bekommen, ist mir dann doch zu blöd.

Und es ist eine irrsinnig lange Debatte, Zelder, wenn man wirklich anfangen würde und in den sog. linken Vorstellungen nach den Verwandtheiten zum Faschismus zu suchen. Und damit meine ich nicht dieses gern gebrauchte dummdreiste "Stalin = Hitler"-Gelabere, was sowieso ziemlich daneben ist (btw ebenso der Vergleich von Holocaustleugnung, bei der es um den Tod von mindestens 6 Mio Menschen wohl geht wie mit der DDR, in der manch Stasi und NVA-Armist es irgendwie bestimmt auch hinbekommen hat, so ca insgesamt 0,1 % von den o.g. Holocaustopfern zu ermorden), sondern eben auch um solche Sehnsüchte nach Kollektivismus, nach Regeln, nach Sicherheit.
Die Debatte wäre interessant, aber ich bezweifle, dass hier viele Kritik und Selbstkritik machen wollen, um mal herauszufinden, inwieweit sie selbst faschistische Gedanken in sich tragen.
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Lonewolf



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27.01.2010 15:55 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Arne Reload
Also, ich habe mich selten an Demonstrationen gegen diejenigen, die sich auch selbst als Nazis sehen, beteiligt, weil ich auch der Meinung bin, dass mir das gefälligst der Interessenverband der deutschen Exportindustrie bezahlen soll.
Denn letztendlich ist alles "antifaschistische" Gedudele doch eine schöne Möglichkeit für die deutsche Industrie, darzustellen, dass Deutschland heute ja ganz anders ist als wie 1933 bis 1945 und man ruhig wieder bei Deutschen einkaufen darf.

Ich sehe das noch nicht unbedingt so. Es ist immer noch extrem leicht, eine Sau hier durchs Land zu treiben, wenn sich BLÖD und SPON einig sind. Wenn man die Debatten in bürgerlichen Foren sich anschaut, was die dazu meinen, dass ein Oberst mal eben 140 Menschen aus der Luft ermorden lassen kann, dann sehe ich eigentlich überhaupt nicht, dass sich der Spießer von damals von dem Spießer von heute unterscheidet.
Und mich dafür herzugeben, dass die Menschen im Ausland ein falsches Bild von den hier lebenden Menschen bekommen, ist mir dann doch zu blöd.

Und es ist eine irrsinnig lange Debatte, Zelder, wenn man wirklich anfangen würde und in den sog. linken Vorstellungen nach den Verwandtheiten zum Faschismus zu suchen. Und damit meine ich nicht dieses gern gebrauchte dummdreiste "Stalin = Hitler"-Gelabere, was sowieso ziemlich daneben ist (btw ebenso der Vergleich von Holocaustleugnung, bei der es um den Tod von mindestens 6 Mio Menschen wohl geht wie mit der DDR, in der manch Stasi und NVA-Armist es irgendwie bestimmt auch hinbekommen hat, so ca insgesamt 0,1 % von den o.g. Holocaustopfern zu ermorden), sondern eben auch um solche Sehnsüchte nach Kollektivismus, nach Regeln, nach Sicherheit.
Die Debatte wäre interessant, aber ich bezweifle, dass hier viele Kritik und Selbstkritik machen wollen, um mal herauszufinden, inwieweit sie selbst faschistische Gedanken in sich tragen.


Also, die Debatte sollten wir echt irgendwann mal führen, wäre sehr interessant. Ich denke auch, dass nicht nur die Lektüre von Carl Schmitt oder Ernst Jünger so einiges an proto-faschistischem Denken in mir hinterlassen hat Augenzwinkern
Auch das ganze Überlegensheitsgedünkel und die elitäre Verachtung der Massen in der Unity-Philosophie könnte man ganz gut in Relation dazu stellen.
Ansonsten geb ich dir auch insofern recht, dass Antifaschismus nicht in Image-Arbeit und Identitätsfindung der bürgerlichen Gesellschaft münden darf, wenn er emanzipatorischen Gehalt haben soll. Wird aber in der Regel auch in allen Aufrufen der linken Szene so gesehen und formuliert.
Die Gefahr durch Nazis würde ich aber auch nicht kleinreden, vielleicht wächst da das Gespür für auch nur, wenn man mal mit rechter Gewalt konfrontiert wurde, keine Ahnung. Dass man der natürlich auch effektiver begegnen kann als sich irgendwo an öffentlichkeitswirksamen Aktionen zu beteiligen, ist auch klar. Aber diese bieten eben auch Gelegenheit, die Kritik zu radikalisieen und gerade im Kontext von rechten Großaktionen auch die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft bzw. Ideologie ins Visier zu nehmen.

Im Fall von Dresden muss man allerdngs auch sehen, dass es sich hier nunmal um ein Großevent handelt, dessen langfristige Verhinderung schon mal ein Fortschritt wäre, auch wenn er nur mit einem breiten Bündnis möglich wird. Den Nazis die Straße zu nehmen, kann aber natürlich nur ein Schritt unter vielen sein.

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Indessen ist das gerade wieder der Vorzug der neuen Richtung, dass wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Karl Marx
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wave
unregistriert
27.01.2010 17:39 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Die Gefahr durch Nazis würde ich aber auch nicht kleinreden


Dies wiederum sehe ich nicht so und habe mich auch im Mind-Riot Chat schon über diese Nazi/Nichtnazi-Schubladisierung, die in jeglicher Hinsicht verklärt und vollkommen Banane ist, ausgekotzt. Um es schnell und kurz zusammenfassen:

1. Der Begriff Nazi ist verfehlt, da er sich auf Biegen und Brechen hinrücken lässt, wie es einem gerade passt. Für den einen sind schon Opas, die auf ein Rauchverbot hinweisen Nazis, für andere nur die "Originale" aus der NS-Zeit. Mit einem Begriff, welcher nicht hinreichend klar ist, kann man nicht arbeiten.

Ich gehe aber desweiteren mal davon aus, dass du die sogenannten "Neo-nazis" damit meinst:

2. Für ein Opfer ist es vollkommen irrelevant, ob es nun von einem "Nazi" zusammengeschlagen wird oder von jemand anderem.

3. Die Gewalttaten, welche sich den "Nazis" zuordnen lassen sind gegenüber der Gesamtzahl an Gewalttaten denkbar gering.

4. Offensichtlich rechtsradikales Gedankengut hat heutzutage ohnehin keine realistische Chance auf nennenswerte politische Macht..


Aus 1-4 folgt, dass es sinnfrei und daneben ist, die Gefahr durch Rechtsradikale groß zu reden und GENAU DAS ist ein Profilierungsinstrument der sogenannten Antifaschisten, auch um dem Gewaltpotential einer Minderheit der linken Szene gerecht werden zu können.
Es existieren nämlich eben nicht Nazis und Nichtnazis, sondern ein breites Spektrum. Dem faschistischen Gedankengut, welches auch unter den Linken weit verbreitet ist, wird man nicht Herr, indem man ein Feindbild schafft und draufknüppelt.

Lonewolf



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27.01.2010 20:48 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

@Wave:
1. Der Begriff Nazi ist verfehlt, da er sich auf Biegen und Brechen hinrücken lässt, wie es einem gerade passt. Für den einen sind schon Opas, die auf ein Rauchverbot hinweisen Nazis, für andere nur die "Originale" aus der NS-Zeit. Mit einem Begriff, welcher nicht hinreichend klar ist, kann man nicht arbeiten."

Der Begriff "Nazi" bezeichnet schlicht und ergreifend Nationalsozialisten. Konkret organisiert findet man dieses Personenpotential derzeit in Parteien wie der NPD (und auch der DVU), sowie der Jugendorganisation JN und innerhalb der sog. "freien Kräfte" und Kameradschaften, welche in den allermeisten Fällen strukturell personendentisch mit den Parteileuten sind (zumindest bei uns im Süden).
Es ist immer dieses Klientel, das für Aufmärsche, Propaganda und auch gezielte Übergriffe verantwortlich ist. Den x-beliebigen "Bauernfascho", der nicht unbedingt fest organisiert ist aber dennoch ab und zu mal mit dabei, lasse ich mal außen vor. Überschneidungen mit dem rechtskonservativen Lager gibt es insbesondere am rechten Rand der CDU/CSU sowie innerhalb von Burschenschaften. Das bezieht sich meistens auf Dinge wie das Stellen von Referenten (bei den Burschis) oder auch anwaltlicher Vertretung. Offiziell werden diese Verbindungen skandalisiert.
Was daran schwammig sein soll, sehe ich nicht.

"2. Für ein Opfer ist es vollkommen irrelevant, ob es nun von einem "Nazi" zusammengeschlagen wird oder von jemand anderem."

Was für ein Opfer relevant ist und was nicht, liegt wohl kaum innerhalb deiner Deutungshoheit. Ob es bspw. für die Familie von Amadeu (http://de.wikipedia.org/wiki/Amadeu_Antonio_Kiowa) keinen Unterschied gemacht hat, dass er nunmal von Nazis und nicht von Straßenräubern totgetreten wurde, darf bezweifelt werden. Deine Argumentation ignoriert mit der Motivation zugleich jede Möglichkeit, derartiges in Zukunft zu verhindern.

"3. Die Gewalttaten, welche sich den "Nazis" zuordnen lassen sind gegenüber der Gesamtzahl an Gewalttaten denkbar gering."

Und das hast du woher? Aus "geglätteten" Statistiken des BKA? *lol* Die offiziellen Zahlen kannst du mal locker verzehnfachen, um ein realistisches Bild zu bekommen. Im Übrigen ist jedes Opfer eines zuviel.
Ach ja: Die Anzahl an Toten durch Gewalttaten ist denbar gering im Vergleich zu den Gefahren des Straßenverkehrs. Welche Konsequenz kann ich jetzt aus dieser tollen Erkenntnis ziehen?

"4. Offensichtlich rechtsradikales Gedankengut hat heutzutage ohnehin keine realistische Chance auf nennenswerte politische Macht.."

Die bereits bestehende Macht (no go areas in so einigen Vierteln nicht nur des Ostens) reicht mir eigentlich schon, um in Nazis ausreichend Bedrohungspotential zu erkennen. Ich weiß ja nicht welches Ausmaß erst offenkundig werden muss, damit man reagieren darf ohne als "Profilneurotiker" zu gelten.
Hast du da irgendeinen Maßstab? Reichen über 150 Tote seit der Wende noch nicht? Ab welcher Opferzahl darf ich denn Nazis als Gefahr bezeichnen?
Im übrigen hat es rechte Gewalt nunmal an sich, dass sie sehr selektiv vorgeht. Dass dies den deutschen Durchschnitt oft herzlich wenig interessiert, weil es ihn schlicht nicht betrifft, ist auch klar.

"Aus 1-4 folgt, dass es sinnfrei und daneben ist, die Gefahr durch Rechtsradikale groß zu reden und GENAU DAS ist ein Profilierungsinstrument der sogenannten Antifaschisten, auch um dem Gewaltpotential einer Minderheit der linken Szene gerecht werden zu können."

Ich hab nicht den Eindruck dass hier oder woanders irgendetwas großgeredet wird. Deine Argumentation erinnert mich eher an die rechte Rhetorik, die natürlich immer wieder mit Gegenbeispielen
versucht das eigene Gewaltpotential kleinzureden, als hätte es irgendeinen Sinn, eine Tat durch eine andere zu relativieren.
Wenn du übrigens auch nur einen Hauch breit Ahnung hättest von Inhalten und Diskussionen innerhalb der antifaschistischen Szene, wüsstest du dass die Thematisierung rechter Gewalt einen vergleichsweise kleinen Platz einnimmt im Vergleich zu theoretischen Grundsatzdebatten (Kapitalismus- und Staatskritik, Neuorientierung linksradiklaler Perspektiven etc.)

"Es existieren nämlich eben nicht Nazis und Nichtnazis, sondern ein breites Spektrum."

Falsch, es existieren genug eindeutige Nazis (siehe oben genanntes Spektrum) SOWIE ein breites Spektrum an Grau- bzw. Braunzonen. Die sind auch Gegenstand umfassender Debatten, zuletzt fand ich diesen Artikel aus dem Antifa-Infoblatt sehr gelungen: http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/85/46.php

"Dem faschistischen Gedankengut, welches auch unter den Linken weit verbreitet ist, wird man nicht Herr, indem man ein Feindbild schafft und draufknüppelt."

Nazis sind wie gesagt nunmal existent und dergestalt auch ein legitimes Feindbild. Dass sich antifaschistische Politik nichr darauf beschränkt hab ich übrigens in meiner Antwort an arne schon angedeutet. "Mehr als nur gegen Nazis" sollte ein Slogan sein, der selbst bei dir angekommen sein sollte. Ansonsten gilt: Auf allen Ebenen, mit allen Mitteln. Nazis niederzuknüppeln ist EIN Teil emanzipatorischer Arbeit, aber nunmal beileibe nicht der einzige. Der Kampf gegen die Reaktion (der Begriff ist natürlich weiter gefasst) ist eher als Grundlage für den Kampf gegen Herrschaft und Ausbeutung im Allgemeinen zu verstehen. NS und Faschismus waren nicht nur historisch mit den Entwicklungen des modernen Kapitalismus verbunden, sondern leben in Form autoritärer staatlicher Formierungen und gesellschaftlicher Ideologien fort.

Um es auf den Punkt zu bringen: Im Kontext radikaler Gesellschaftskritik ist die Antifa der militante Arm der kritischen Theorie.Augenzwinkern Interessante Reflexionen aus der Szene gibt es hier:
http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib...skussion/81.php
http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib...skussion/83.php

Fazit: Die Antifa ist auf einem hochreflexiven Standpunkt, der um einiges intelligenter und auch (selbst-)kritischer rüberkommt als deine Aneinanderreihung von Phrasen, die ich schon zigmal besser formuliert gehört habe. Wenn du willst geb ich dir mal ein paar Kontaktadressen zu Vertretern der JN, die sich mit der rhetorischen Schulung ihrer Kameraden beschäftigen. Die schlagen in die gleiche Kerbe wie du (Relativierung, Ablenkung, Gleichsetzung etc.), aber rhetorisch eben weitaus geschickter Augenzwinkern

The Loathsome mask has fallen the man remains
Sceptreless, free, uncircumscribed, but man
Equal, unclassed, tribless and nationless,
Exempt from awe, worship, degree, the king,
Over himself, just, gentle, wise.

Percy Bysshe Shelley


Indessen ist das gerade wieder der Vorzug der neuen Richtung, dass wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Karl Marx
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wave
unregistriert
27.01.2010 21:38 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Reichen über 150 Tote seit der Wende noch nicht? Ab welcher Opferzahl darf ich denn Nazis als Gefahr bezeichnen?


150 Tote ist eine in der Tat bedeutungslose und verschwindend geringe Zahl. Die Chance, das nächste Opfer zu sein ist praktisch Null.
Die Kriminalstatistik für das Jahr 2008 erfasst in Deutschland 2266 Fälle von Mord und Totschlag, wenn ich das hochrechne auf 20 Jahre seit der Wiedervereinigung, dann komme ich auf 45320 Fälle.

Davon sind dann immerhin ganze 0,33% "Naziopfer" (sofern deine Zahl richtig ist), ich muss schon sagen, dieser Anteil haut mich von den Socken.

Und bevor du mir wieder mit Verkehrstoten oder sowas kommst: Vergleiche nur vergleichbares. In dem Fall habe ich Mord und Totschlag mit Mord und Totschlag verglichen und nicht Verkehrstote mit sonstwas.


Zitat:
Wenn du willst geb ich dir mal ein paar Kontaktadressen zu Vertretern der JN, die sich mit der rhetorischen Schulung ihrer Kameraden beschäftigen. Die schlagen in die gleiche Kerbe wie du (Relativierung, Ablenkung, Gleichsetzung etc.)


Sollten die in die gleiche Kerbe schlagen wie ich, dann kann ich das nur befürworten. Ich denke aber eher, dass du dich irrst bzw. den Unterschied nicht sehen willst. Es gibt da nämlich einen Unterschied zwischen radikal und rabiat. Radikal bin auch ich in der Tat, das rabiate findet man bei den "sogenannten Radikalen".

Lonewolf



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27.01.2010 22:01 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

"Und bevor du mir wieder mit Verkehrstoten oder sowas kommst: Vergleiche nur vergleichbares. In dem Fall habe ich Mord und Totschlag mit Mord und Totschlag verglichen und nicht Verkehrstote mit sonstwas."

Aber wave, du vergisst: Für ein Opfer ist es doch irrelevant, ob es vom Nazis totgeschlagen oder vom Auto totgefahren wird! Tot ist doch tot. Und da die GEFAHR, und darum geht's dir doch, im Straßenverkehr zu sterben nunmal deutlich höher ist als Opfer eines Mordes zu werden, sollte man letzteres nicht unnötig großreden und seine ganze Energie auf Verkehrerziehung verwenden Augenzwinkern

Insofern ist der Vergleich natürlich berechtigt, wenn die Wahrscheinlichkeit betroffen zu sein der ausschlaggebende Faktor für dich ist, welche Aufmerksamkeit das jeweilige Problemfeld verdient.
Wie gehst du eigentlich mit einem Arzt um, der sich mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die Gefahren vergleichsweise nicht so häufig vorkommender Krankheiten wünscht? Soll der sich auch nicht so aufspielen und seine Zeit lieber für die Krebs- oder Aids-Forschung aufwenden?

Tut mit leid wenn dir diese Vergleiche nicht einleuchten sollten, mit leuchtet auch nicht ein welche Konsequnez du jetzt aus deinen Erkenntnissen ziehst. Nazis bzw. rechte Gewalt sind nun echt nicht das große Thema in der Öffentlichkeit. Dass man dennoch mit dem bestehenden Potential irgendwie umgehen muss, ist halt nicht von der Hand zu weisen. Oder bist du auch ein Vertreter des "aktiven Ignorierens"?

"Sollten die in die gleiche Kerbe schlagen wie ich, dann kann ich das nur befürworten. Ich denke aber eher, dass du dich irrst bzw. den Unterschied nicht sehen willst."

Ach ,mach dir mal keine Sorgen. Ich weiß schon inzwischen ganz gut welche Elemente rechte Rhetorik enthält und inwiefern sie sich von üblichen Ressentiments des Stammtisches unterscheidet. Deine Ansichten würde ich eher als Ansatzpunkt begreifen, an dem er ein rechter Diskutant gut ansetzen kann.
Ich denke nun zwar nicht, dass du im Verlauf einer solchen Debatte selbst mit rechtem Gedankengut infiziert werden würdest, aber wahrscheinlich würde es dem Nazi gelingen, dass du in ihm keinen Feind mehr sehen würdest. Und das ist eigentlich schon zuviel.


P.s: Ein Begriff, der übrigens wikrlich total schwammig ist und nicht mehr verwendet werden sollte, ist der des "Rechtsextremismus" bzw. "Extremismus" im Allgemeinen. Hier handelt es sich tatsächlich um beliebig dehnbare ideologische Kampfbegriffe, mit denen die "demokratische Mitte" gerne hantiert um jede grundlegende Kritik an Staat und Kapital abzuwürgen und zu diffamieren.

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Indessen ist das gerade wieder der Vorzug der neuen Richtung, dass wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Karl Marx
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wave
unregistriert
27.01.2010 22:43 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Aber wave, du vergisst: Für ein Opfer ist es doch irrelevant, ob es vom Nazis totgeschlagen oder vom Auto totgefahren wird! Tot ist doch tot. Und da die GEFAHR, und darum geht's dir doch, im Straßenverkehr zu sterben nunmal deutlich höher ist als Opfer eines Mordes zu werden, sollte man letzteres nicht unnötig großreden und seine ganze Energie auf Verkehrerziehung verwenden Augenzwinkern


Ich denke, sowas muss man von zwei Seiten ausleuchten. Zum einen von der gesellschaftlich relevanten Perspektive und zum anderen aus der Perspektive des Einzelnen. Wenn ich beide Seiten betrachte, kann ich mir überlegen, wieviel die Sache wert ist und was es kosten würde (finanziell und auch sonst), nennenswert etwas zu verbessern. Beachten muss man natürlich, dass verschiedene Angelegenheiten auch natürlicherweise verschiedene Vorkommenshäufigkeiten haben und man daher nicht nur nach Fallzahlen schauen kann. Morde unter sich sind zB aber vergleichbar.

Dann kann ich zum Beispiel folgendermaßen die Sache betrachten:
Es gibt etwas weniger als 5000 Verkehrstote jährlich in Deutschland. Dies ist nicht wenig, aber man hat schon sehr viele Maßnahmen getroffen und es wäre teuer und sehr einschränkend diese Zahl noch nennenswert zu senken. Soviel zur gesellschaftlichen Sicht. Zur Sicht des Einzelnen: Die meisten Toten gibt es auf der Landstraße bei selbstverschuldeten Unfällen. Man kann daher sagen, dass sich die Hälfte der Verkehrstoten durch eigene Blödheit leichtfertig umbringt.
Ergo: Da Zeit und Geld reinstecken lohnt nicht, man hat das Optimum rausgeholt.

Zu "Nazi-Opfern": Gesellschaftlich irrelevant, da Fallzahl sehr sehr klein. Zur Einzelsicht: Durch die geringe Fallzahl gibt es durchweg eine hohe Streuung, sodass das Risiko für eine Einzelperson gering, aber dennoch unkalkulierbar ist. Um hier nennenswert Opfer zu vermeiden, müsste man die ganze rechte Szene praktisch absäbeln, was direkt nicht möglich ist. Interessant wäre hier zu wissen, ob gewalttätig veranlagte Menschen sich von Demos abhalten lassen oder welche WIRKSAMEN Maßnahmen ergriffen werden können. Gibt es eine vergleichbare Statistik bezüglich linker Gewalt, die ausschließt, dass die 150 Toten eine Randgruppenkriminalität darstellen, die im üblichen Rahmen liegt? Das fände ich interessant zu wissen.


Zitat:
Oder bist du auch ein Vertreter des "aktiven Ignorierens"?


Nein, ich bin eine Fan einer ganzheitlichen Betrachtung. Hierzu stelle ich zB fest, dass ich schon zweimal fast von ausländischen Mitbürgern grundlos verprügelt wurde. Bei einem Nazi ist mir das bisher nicht passiert. Verstehe mich nicht falsch, ich habe nicht gegen Ausländer, mir ist es schlicht völlig egal, wer da genau prügelt, mir geht es darum, dass es unterlassen wird. Und in diesem Sinne nützt es rein gar nicht, wenn man Nazis in ihrer Rolle wichtiger macht als sie sind und sich "Edeltote" schafft, dank denen man mehr dämliche Parolen raushauen kann (und ja, in dieser Hinsicht steht die Linke der Rechten um nichts nach) und den Blick fürs ganze verlieren.


Zitat:
dass du in ihm keinen Feind mehr sehen würdest. Und das ist eigentlich schon zuviel.


Dafür muss er mich nicht vollabern. Ich sehe weder in einem Menschen einen Feind, weil er ne Glatze trägt, noch weil er vermummt ist und Steine wirft. Der Steinewerfer wird mir von den Idealen und den Zielen sicher wesentlich sympathischer sein, aber welcher von beiden nun aus Blödheit einem neuen Führer hinterherrennt spielt nicht so die Rolle.

derSkeptiker



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28.01.2010 01:47 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Es ist also, Wave, um die Sache mal auf den Punkt zu bringen, klüger, acht- und tatlos den "größten Aufmarsch von Rechtsextremisten in Europa" passieren zu lassen, und reaktionslos die Tatsache hinzunehmen?
Es ist klüger, bei derartigen Repressionen, wie ich sie in meiner Kolumne angeführt habe, stillschweigend wegzusehen, unter dem Deckmantel der Relativierung des Eigentlichen?
Es ist also eine Sache verblendeter Sucht und Suche nach Führung, zum einen sich gegen verbrecherisches Gedankengut zu stellen und zu anderen wütend zu werden, wenn der Staat/ das System repressiv kriminalisiert und jenen Widerstand zu unterdrücken versucht?
Es ist also ein Fakt schlichter Dummheit, politisch motivierte Morde von der eigentlichen Mordstatistik zu trennen?
Und also ist es eine Tatsache der geistig sparsamen Erziehung, sich physisch und psychisch gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus und dergleichen zu positionieren?

"Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten"
von Götz Alzmann abgewandeltes Zitat eines Tucholski- Spruches
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Hansi
unregistriert
28.01.2010 01:59 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Die Antifa-Bewegung hat halt n schlechtes Image (und das teilweise gar nicht mal zu Unrecht). Aber durch dieses Bild der chaotischen und zerstörerischen Demonstranten in schwarz wie man sie ja öfter in den Nachrichten zu sehen sieht leidet darunter leider eine ganz wichtige Grundidee die dahintersteckt, nämlich aus der Vergangenheit gelernt zu haben und die selben Fehler von damals heute zu vermeiden - dabei werden halt leider sehr, sehr viele neue Fehler gemacht. Aber jeder der die Grundidee der Antifa-Bewegung irgendwie schlecht reden möchte ist entweder geistig ein bisschen beschränkt und lernunfähig oder aber er ist Gleichgültig wenn es um das Thema Faschismus geht. Man muss es ja nicht Antifa nennen und millitant gebündelt Steine schmeißen gehen um verstanden zu haben weshalb Rechtsextremismus gefährlich ist.

Zelder

Spiegel deines Elends

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28.01.2010 07:10 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

@Wave: Man muss rechtsradikale Gewalt schon aus historischen Gründen immer mit einem wachsamen Auge begegnen. Klingt nach Geschichtslehrer und ausgelutscht, ist es aber nicht. Du kannst dich ja mal mit der Geschichte der SA vor der Machtergreifung Hitler beschäftigen (Stichwort: "Hitlers Schlägertruppe").
Man kann die Neonazis sicher nicht mit den Nazis im dritten Reich, also dem Endstadium, vergleichen. Nazi-Deutschland ist jedoch nicht aus dem Nichts entstanden, sondern hatte Vorläufer in vielen kleinen rechtsgerichteten Gruppen. Und mit solchen Gruppen sind die Neonazis durchaus vergleichbar.

Zu Eastwoods Vorwurf, die Polizei behandle Rechte nachteilig und bevorzuge Linke, möchte ich nur auf dieses Video verweisen und sonst nichts sagen.
http://www.youtube.com/watch?v=iHzvz2aAyJQ

@Arne: Auf Theyoungturks haben sie mal ein Video gezeigt, in dem einer die Nazis mit den Linken dadurch in Verbindung gebracht hat, dass die Nazis ja Nationalsozialisten seien, also Sozialisten! Hüpft man ein bisschen weiter in diese Richtung, ist man schnell bei Obamas Todestribunal Augen rollen


Freut mich mich übrigens, wenn ich mit meinem Kuschelvorwurf falsch lag Augenzwinkern



"All the people who created traditions, who created countries, who created rules - them fuckers are dead.
Why don't you start your own world while you got the chance?"
Bill Hicks
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MAUS

Too old to die young

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28.01.2010 09:31 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von wave
150 Tote ist eine in der Tat bedeutungslose und verschwindend geringe Zahl. Die Chance, das nächste Opfer zu sein ist praktisch Null.

Das mag auf Dich durchaus zutreffen, wenn ich mir die Bilder von Dir in Erinnerung rufe, tja und ich bin wohl selbst schuld, wenn ich mit zB bunten Haaren deren Aufmerksamkeit auf mich ziehe, was erdreiste ich mich auch, das einfach schöner zu finden... dumm nur, daß es Menschen gibt, die sich ihre "falsche Abstammung", ihre Behinderung oder ihre sexuelle Ausrichtung nicht aussuchen können, aber was einen persönlich nicht betrifft, ist halt einfach bedeutungslos, oder wie war das nochmal... Augen rollen

"Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Gewerkschafter.

Und als sie mich holten,
gab es keinen mehr, der protestieren konnte"

HOFFNUNG IST DER IRRSINNIGE GLAUBE AN DAS UNMÖGLICHE
E-Mail an MAUS senden
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wave
unregistriert
28.01.2010 11:47 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Okay, nun mal der Reihe nach.
@Skeptiker: Wenn du in meine Beiträge keine Aussagen hineininterpretieren würdest, die da nicht stehen, würdest du auch nicht solche Fragen stellen. Ich erspare mir daher, darauf einzugehen. Lies meine Beiträge und gehe auf das ein, was ich gesagt habe.


Zitat:
Du kannst dich ja mal mit der Geschichte der SA vor der Machtergreifung Hitler beschäftigen (Stichwort: "Hitlers Schlägertruppe").


Damit habe ich mich durchaus beschäftigt, aber danke.


Zitat:
Und mit solchen Gruppen sind die Neonazis durchaus vergleichbar.


Nein, sind sie nicht. Der entscheidende Unterschied ist, dass es damals noch kein Aha-Erlebnis gab, welches heute mindestens 90% der Bevölkerung davon abhält mit rechten was zu tun haben zu wollen.


Zitat:
Das mag auf Dich durchaus zutreffen, wenn ich mir die Bilder von Dir in Erinnerung rufe, tja und ich bin wohl selbst schuld, wenn ich mit zB bunten Haaren deren Aufmerksamkeit auf mich ziehe, was erdreiste ich mich auch, das einfach schöner zu finden... dumm nur, daß es Menschen gibt, die sich ihre "falsche Abstammung", ihre Behinderung oder ihre sexuelle Ausrichtung nicht aussuchen können, aber was einen persönlich nicht betrifft, ist halt einfach bedeutungslos, oder wie war das nochmal...


Du bist in der Tat selbst schuld, dass du bunte Haare hast, zumindest hoffe ich das. Desweiteren gehört zum "Aufmerksamkeit auf sich ziehen" eine gewisse räumliche Nähe, die gibt es bestimmt nicht bei dir im Wohnzimmer zuhause, sondern erfordert, dass entweder du bei den "Nazis" rumhängst oder sie bei dir. Dies ist eine eher unkluge Taktik, aber macht dich natürlich nicht schuld an eventuellen Übergriffen.
Was ich damit sagen will: Dass die Gefahr nicht für jeden gleich groß ist, ist sicherlich zutreffend. Dennoch bleiben 150 Tote in 20 Jahren verschwindend wenig. Ich nehme allerdings deine gefühlte erhöhte Gefahr zur Kenntnis und bitte um Vorschläge, wie diese effizient beseitigt werden kann, ohne dass sich ganze Städte zum Theaterschauplatz "Krieg dumm gegen dumm" entwickeln müssen. Dass die "Nazis" diese Demos nicht veranstalten, um für sich zu werben, sondern um Linke anzuziehen, die sich dann meistens wesentlich ausfälliger benehmen und die Rechten damit als die Guten dastehen lassen, sollte inzwischen jeder begriffen haben. Das schöne für die Rechte ist, dass die Linke das Hirn schön weiter im Stand-By lässt und das mitmacht.

Xoc

lol

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28.01.2010 13:48 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,668330,00.html

Mit ner rechten politischen Einstellung muss man in Deutschland anscheinend fürchten am studieren gehindert zu werden, toll gemacht von den Antifa.

Da müsste das wohl heissen:
"Als die Antifa die Nazis holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Nazi."

Toll gemacht von der Antifa, wirklich.
Was wollen die erreichen?
Dass Menschen, die auch Nazis Rechte zusprechen, sich mit diesen solidarisieren?
Es der rechten Rhetorik besonders einfach machen, Recht zu haben?

Manchmal werde ich den Eindruck nicht los, dass es manchen so viel Spass macht Nazis (das Böse in Person) zu bekämpfen, dass es sie eigentlich gar nicht wirklich stört, wenn es viele davon gibt ...

"Do you believe in free will?" "I have no choice."
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Lonewolf



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28.01.2010 21:52 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

"Dass die "Nazis" diese Demos nicht veranstalten, um für sich zu werben, sondern um Linke anzuziehen, die sich dann meistens wesentlich ausfälliger benehmen und die Rechten damit als die Guten dastehen lassen, sollte inzwischen jeder begriffen haben. Das schöne für die Rechte ist, dass die Linke das Hirn schön weiter im Stand-By lässt und das mitmacht."

Mal im Ernst: Glaubst du den Stuss, den du hier von dir gibst eigentlich selbst?Woher beziehst du eigentlich deine Informationen? Nazis (die Definiton habe ich geliefert, schade dass sie für dich scheinbar immer noch zu kompliziert ist) veranstalten Demos in erster Linie, um Präsenz zu zeigen, sich untereinander zu vernetzen (hierfür sind Massenaufläufe hervorragend geeignet) und wohl erst in zweiter Linie, um tatsächlich eine Öffentlichkeit anzusprechen. Außen vor lassen darf man auch nicht die Rolle der Stärkung interner Moral - nichts wirkt auf den braunen Mob so demoralisierend wie eine verhinderte Demonstration, weswegen dies auch ein effektives Mittel ist um die Strukturen und deren Mobilisierungspotential einzuschränken.

Die Nazi-Szene ist ebenso wie die Antifa meist auf überregionale Vernetzungen angewiesen, diese lassen sich nunmal am besten in Gestalt von größeren Veranstaltungen unterschiedlicher Art vollziehen - Öffentlichkeitswirksamkeit ist tatsächlich eher sekundär, weswegen auch jedes Argument das auf Ignorieren abziehlt den Kern des Ganzen verfehlt.
Wie eine Strategie zur Bekämpfung rechter Struktur am sinnvollsten aufgebaut werden sollte, ist sicher regional verschieden, kann sich aber grundsätzlich an einigen Grundsätzen orientieren:
-Verhinderung rechter Veranstaltungen und Aufmärsche
-Schaffung einer kritischen Öffentlichkeit (Vorträge, Bildung etc.)
-Aufbau linker Szene-Strukturen (Zentren,Konzerte, Parties etc.)
-und last but not least, direkte Aktionen gegen Nazis, die auch in Gestalt von Outings an Uni, Arbeitsstelle und Schule geschehen können. Das Ziel von rechten Aktionen ist ein Klima der Angst zu erzeugen, sei es in Gestalt reinen Präsenzzeigens oder in Form direkter Übergriffe. Dem begegnet man nunmal am besten auf gleicher Augenhöhe, durch Einschüchterung und Gegengewalt. Insbesondere Outings haben immer wieder zur Folge, dass sich nur ein wirklich harter Kern tatsächlich organisiert und viele Mitläufer der rechten Politik den Rücken kehren.

Alle Vulgär-Demokraten und Pseudo-Pazifisten muss ich übrigens enttäuschen - diese Taktik ist effektiv, was ich aus Erfahrung sagen kann. Wo öffentliches Bewusstsein, linke Struktur UND falls nötig das Potential zur militanten Gegenwehr vorhanden ist, bekommen Nazis keinen Fuß auf den Boden.

Wer nun anfängt, sich aufgrund dieser Vorgehensweisen gar mit den rechten Pack zu solidarisieren, oder das Problem tatsächlich in denen zu sehen die sie bekämpfen, dem ist so der so nicht mehr zu helfen. Glücklicherweise ist antifaschistische Arbeit nicht auf Hinz und Kunz angewiesen, um erfolgreich zu sein, und nicht jeder Idiot muss von der Legitimität dieser Arbeit überzeugt werden.

The Loathsome mask has fallen the man remains
Sceptreless, free, uncircumscribed, but man
Equal, unclassed, tribless and nationless,
Exempt from awe, worship, degree, the king,
Over himself, just, gentle, wise.

Percy Bysshe Shelley


Indessen ist das gerade wieder der Vorzug der neuen Richtung, dass wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Karl Marx
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wave
unregistriert
28.01.2010 22:29 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
veranstalten Demos in erster Linie, um Präsenz zu zeigen, sich untereinander zu vernetzen (hierfür sind Massenaufläufe hervorragend geeignet) und wohl erst in zweiter Linie, um tatsächlich eine Öffentlichkeit anzusprechen.


Eine Demonstration macht nur Sinn, wenn jemand zuschaut. Die großen Zuschauerbringer sind bei "Nazidemos" aber nicht die Nazis, sondern die linken Gegendemonstranten, die das ganze ausarten lassen. So eine Demo alleine würde wahrscheinlich keiner mitbekommen, dementsprechend fiele die öffentliche Wirksamkeit ins Wasser.

Die Rechten sind um jeden einzelnen Steinewerfer froh, aber das scheint niemanden davon abzuhalten, sich für den Widerstand auf die Schulter zu klopfen.

Arne Reload



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29.01.2010 04:56 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Also, ich gebe Seneca insofern Recht, als es richtig ist, dass natürlich gegen Autofahrer ein größerer Protest laufen müsste als gegen Nazis. Wer ein Auto fährt ohne erkennbaren Grund, muss sein Gewissen befragen, inweiweit er die Tötung eines Menschens in Kauf nimmt, insofern nix besseres ist als einer der vielen Mitläufer, die zwischen 33 und 45 dem Holocaust nix entgegensetzten.
Herr Ratzinger würde evtl. noch Frauen, die Abtreibungen vornehmen lassen, als größere Belastung ansehen als Neonazis.
Wundert mich, dass das Argument noch nicht gefallen ist.

Ansonsten noch eben eine Frage, Seneca:
Zitat:
Original von Wave
Hierzu stelle ich zB fest, dass ich schon zweimal fast von ausländischen Mitbürgern grundlos verprügelt wurde. Bei einem Nazi ist mir das bisher nicht passiert.

Das finde ich jetzt interessant.
Wie haben die ausländischen Mitbürger sich Dir denn als Nicht-Faschisten und als ausländische Mitbürger denn zu erkennen gegeben? Haben sie vorher klar und deutlich die Unterschiedlichkeit von Menschengruppen verneint und klar festgestellt, dass sie gleiche Rechte für alle Menschen als selbstverständlich halten? Und wie kam es dann noch zu der Schlägerei?

Ja, soviel dann zum Schbladendenken: Schubalde 1 bei Dir: Nazis
Schublade 2 bei Dir: Ausländer.
Ausländer können eben keine Nazis sein. Das geht wohl irgendwie nicht.
(Wie hat das dann Hitler als geborener Österreicher eigentlich geschafft? Oder was ist mit dem Herren hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Demjanjuk ?


Skeptiker und Lonewolf:
Ich bin dennoch skeptisch gegenüber der Gegendemonstration, wenn ich hier sowas lese:
Zitat:


13.02.2010
Kranzniederlegung am Heidefriedhof

* Beginn: 11 Uhr
* Ort: Heidefriedhof, an der Gedenkmauer
* Initiative: Landeshauptstadt Dresden (Abteilung Protokoll)

Menschenkette durch die Innenstadt

* Beginn: 13 Uhr
* Treff: Rathausplatz




* alle Informationen zur Aktion!


Stilles Gedenken vor der Frauenkirche

* Zeit: 15 bis 22 Uhr
* Ort: auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche
* Veranstalter: Gesellschaft zu Förderung der Frauenkirche e.V.
* Eintritt frei

»Gedenkveranstaltung 13. Februar 2010
Wahrhaftig erinnern – Versöhnt leben«

* Beginn: 19 Uhr
* Ort: Neumarkt
* Veranstalter: Gesellschaft zu Förderung der Frauenkirche e.V.
unterstützt von der Landeshauptstadt Dresden
* Am 13. Februar 2010 gedenken Menschen in Dresden und der Welt der Zerstörung der Stadt vor 65 Jahren. Wir laden Bürgerinnen und Bürger ein, an diesem Tag um 19 Uhr zum gemeinsamen Gedenken an die Frauenkirche zu kommen. Wir rufen auf, wahrhaftig auf die Vergangenheit und im Geist der Versöhnung in die Zukunft zu blicken.
* Programm:
o Kammerchor der Frauenkirche
o Ansprache Jochen Bohl (Landesbischof)
o Ansprache Helma Orosz (OB Dresden)
o Felix Mendelssohn Bartholdy: »Verleih uns Frieden gnädiglich«
o Dresdner Gedenkrede: Gerhart Baum (Bundesinnenminister a.D.)
o Saxophon-Improvisation
o Rudolf Mauersberger: »Wie liegt die Stadt so wüst«
o Ökumenischer Gottesdienst
* Eintritt frei

5. Zyklus-Konzertes »Requiem für Soli, Chor und Orchester op. 89« von Dvorak

* Beginn: 19.30 Uhr
* Ort: Kulturpalast
* Aufführung der Dresdner Philharmonie

9. Sinfoniekonzert zum Gedenken an die Zerstörung Dresdens am 13.Februar 1945

* Beginn: 20 Uhr
* Ort: Semperoper
* Aufführung der Sächsischen Staatskapelle
* Ludwig van Beethoven: »Missa Solemnis«
Dirigent: Christian Thielemann

Ökumenischer Friedensgottesdienst

* Beginn: 20.30 Uhr
* Ort: Kreuzkirche Dresden
* Veranstalter: Stadtökumenekreis Dresden

Nacht der Stille
»Wachen und beten für den Frieden in der Welt«

* Zeit: 22 bis 1 Uhr
* Ort: Hauptraum der Frauenkirche
* Veranstalter: Stiftung Frauenkirche Dresden in Kooperation mit dem evangelisch-lutherischen Stadtjugendpfarramt
* Eintritt frei


Foto: Steffen Füssel
Logo der Gedenkveranstaltungen der Frauenkirche Dresden




Eimfach Klasse, die Offiziellen dürfen das, die labern noch ein bisschen vom Frieden in der Welt dazu und dann ist das okay.
Schon schade genug, dass Gerhart Baum sich für sowas hergibt, aber evtl. ist das jemand, aus dessen Mund was gescheites kommt, ansonsten ist es eine Schande, welche Komponisten da einfach zu mißbraucht werden.
Mendelssohn-Bartholdy da zu nehmen ist schon geradezu geschmacklos!!!
Das dürfte wohl eher angemessen sein.

Ich würde die Nazis da eher hinkarren. Genau zu den offiziellen Gedenkveranstaltungen, damit die da mal eine große Gemeinschaft haben.
Insbeondere nach den Aktionen der Staatsanwaltschaft wäre das eine Sache, mit der die nicht rechnen würden, wenn man auf einmal lieber den Nazis, die sich auch so nennen, noch hilft, zu den anderen Nazis zu kommen, die sich nur nicht so nennen. Die Deutschen hatten wirklich, wenn sie wirklich gewollt hätten, genug Zeit, dem ein Ende zu setzen.
Und die Neonazis dann bei der offiziellen Gedenkfeier zu sehen, das wird dann auch die Öffentlichkeit, hoffentlich die Welt mitbekommen.



So, jetzt noch zu der Sache, Xoc:
Zitat:
Original von Xoc


http://www.spiegel.de/unispiegel/studium...,668330,00.html

Mit ner rechten politischen Einstellung muss man in Deutschland anscheinend fürchten am studieren gehindert zu werden, toll gemacht von den Antifa.

Da müsste das wohl heissen:
"Als die Antifa die Nazis holten, habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Nazi."

Toll gemacht von der Antifa, wirklich.
Was wollen die erreichen?
Dass Menschen, die auch Nazis Rechte zusprechen, sich mit diesen solidarisieren?
Es der rechten Rhetorik besonders einfach machen, Recht zu haben?


Dazu musst Du berücksichtigen, dass Schulen, auch Hochschulen auch eine Allokationsfunktion für die Gesellschaft besitzen. Es mag unglaubwürdig erscheinen, aber tatsächlich kann selbst jemand, der so ein Fach wie Politiologie studiert, damit später mal eine bessere Stellung als Pommesverkäufer in unserer Gesellschaft erreichen. Leider. Aber es ist so.
Insofern ist es schon nicht ganz unnütz, etwas dagegen zu unternehmen, dass Personen mit ziemlich gefährlichen Auffassungen frühzeitig auszusondern.
Was ist denn passiert?
Da flogen ein paar Farbbeutel. Wenn deswegen schon Menschen zu Nazis werden, weil man sie mit Farbe besprüht, dann ist Dein Menschenbild entweder sehr misantropisch oder evtl. auch nur Dein Deutschenbild sehr realistisch.
Ich halte es für vollständig legetim, jemanden mit gefährlichen Auffassungen keinen all zu hohen Platz in dieser Gesellschaft zuzuweisen und auch infolgedessen frühzeitig es nicht zuzulassen, dass demnächst im Rahmen einer solche Wischi-Waschi-Toleranz, dass man sowas ja nicht machen darf, weil jemand geschockt sein könnte, sich das dann auch auf andere Fächer ausweitet und dort um der lieben Toleranz willen, demnächst wieder gelehrt wird, dass die Erde eine Scheibe ist, ID die offizielle Theorie im Biologieunterricht wird und Gott alles ja sowieso erschaffen hat.
Genau dazu führt es, wenn man schrägen Ideologien Haus und Tor bei Universitäten öffnet.
Und ich persönlich würde auf Menschen, die z.B. daran sich mit Menschen soplidarisieren die glauben, dass die Erde der Mittelpunkt des Universums ist, nur, weil ein Anhänger dieser These mit Farbe bespritzt wurde, keinerlei Rücksicht mehr nehmen an Deiner Stelle.

Und btw:
Es ist auch eine selten dämliche Provokation von dem, an einer deutschen Uni studieren zu wollen. Dass da nicht jeder studieren kann, ist nunmal altbekannt. Die Kommunisten und Sozialisten, die dort keinen Abschluß erhalten würden, studieren dann wie Sarah Wagenknecht oder Gesine Lötzsch es taten, in den Niederlande. Ist zwar etwas schwerer, alleine schon wegen dem Erlernen einer neuen Sprache, führt dann aber auch zu Promotionen.
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Zelder

Spiegel deines Elends

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29.01.2010 06:51 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von wave
Zitat:
Und mit solchen Gruppen sind die Neonazis durchaus vergleichbar.

Nein, sind sie nicht. Der entscheidende Unterschied ist, dass es damals noch kein Aha-Erlebnis gab, welches heute mindestens 90% der Bevölkerung davon abhält mit rechten was zu tun haben zu wollen.


Ich gebe dir ja recht, viele Menschen haben aus dem dritten Reich gelernt und wollen keinen Faschismus mehr. Andererseits ein Armutszeugnis, dass sich der ganze rechte Wahnsinn erst selbst widerlegen musste...
Diese im Grunde erfreuliche Entwicklung hat jedoch weder mit den heutigen Neonazigruppen noch mit den alten, rechtsradikalen Gruppen der 20er Jahre zu tun. Ich verstehe daher nicht ganz, wie du damit meinen Vergleich widerlegen möchtest.



"All the people who created traditions, who created countries, who created rules - them fuckers are dead.
Why don't you start your own world while you got the chance?"
Bill Hicks
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Lonewolf



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29.01.2010 12:57 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von wave
Zitat:
veranstalten Demos in erster Linie, um Präsenz zu zeigen, sich untereinander zu vernetzen (hierfür sind Massenaufläufe hervorragend geeignet) und wohl erst in zweiter Linie, um tatsächlich eine Öffentlichkeit anzusprechen.


Eine Demonstration macht nur Sinn, wenn jemand zuschaut. Die großen Zuschauerbringer sind bei "Nazidemos" aber nicht die Nazis, sondern die linken Gegendemonstranten, die das ganze ausarten lassen. So eine Demo alleine würde wahrscheinlich keiner mitbekommen, dementsprechend fiele die öffentliche Wirksamkeit ins Wasser.

Die Rechten sind um jeden einzelnen Steinewerfer froh, aber das scheint niemanden davon abzuhalten, sich für den Widerstand auf die Schulter zu klopfen.


Auf die Gefahr hin, dass wir hier in ein "wer hat das letzte wort"-Spielchen verfallen und uns nur noch in ständigen Wiederholungen ergehen:
Die Außenwirkung ist tatsächlich schon sekundär geworden, zumindest was den direkten Kontekt auf der Straße angeht. Dass dieser tatsächlich kaum noch zustande kommt, liegt übrigens tatsächlich an den Gegenprotesten, die dazu führen dass ein Nazi-Aufmarsch in der Regel nur noch hinter zig Spalier Bullen und Absperrungen stattfinden kann. Allein das ist also schon als Erfolg zu werten. Auch, dass diese Aufmärsche aufgrund zu erwartender Proteste häufig in die Peripherie verbannt werden.

Die Organisation einer Demo in einer bestimmten Region spielt immer auch die Rolle, das lokale Potential zu mobilisieren und auch darüber hinaus durch diese Erlebniskultur an die Szene zu binden. Landes- und bundesweite Vernetzungen haben u.a. auch ihren Ursprung hierin. Man lernt sich auf Demos kennen, hat gleich zig Leute aus anderen Regionen vor sich, tauscht Nummern und Mail-Adressen aus und kann sich so leichter vernetzen und zu weiteren Aktionen verabreden.
Sprich: Die Verhinderung dieser Erlebniskultur würde natürlich der rechten Struktur langfristig sehr viele Leute entziehen. Exakt deswegen, und nicht um etwa um den lieben demokratischen Mitbürgern den Anblick zu ersparen, ist eine Blockade von Aufmärschen ein notwendiges Mittel um Neonazis zu begegnen.

Die Taktik, tatsächlich nach außen hin diszipliniert und "bürgernah" zu wirken, hat die rechte Szene durch die Adaption des Schwarzen Blocks bzw. den "Autonomen Nationalismus" ohnehin schon längst ad absurdum geführt - hier ist längst deutlich geworden, dass eine Wende hin zur Adaption autonomer Erscheinungsformen ein ganz anderes Publikum (sprich den erlebnisorientierten Jugendlichen) ansprechen soll.

Und dieses Potential lässt sich nunmal leider nicht wegignorieren, da sich Nazis nicht wie Alpträume in Luft auflösen durch die Kraft der Imagination. Genauso wenig recht es aus, anlässlich solcher Großveranstaltungen "Flagge zu zeigen", sich seiner heißgeliebten Demokratie zu bekennen und ansonsten wieder in die andere Richtung zu sehen. Aber all das habe ich oben schon dargelegt...

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Lonewolf



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29.01.2010 13:30 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Xoc
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"Als die Antifa die Nazis holten, habe ich geschwiegen;
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Toll gemacht von der Antifa, wirklich.
Was wollen die erreichen?
Dass Menschen, die auch Nazis Rechte zusprechen, sich mit diesen solidarisieren?
Es der rechten Rhetorik besonders einfach machen, Recht zu haben?

Manchmal werde ich den Eindruck nicht los, dass es manchen so viel Spass macht Nazis (das Böse in Person) zu bekämpfen, dass es sie eigentlich gar nicht wirklich stört, wenn es viele davon gibt ...



Also,das Beispiel an der Uni zeigt eindeutig auf, dass es es die brave demokratische Öffentlichkeit, und nicht etwa die autonome Antifa ist, die Nazis unnötige Aufmerksamkeit beschert. Der Anspruch, Nazis mit "demokratischen" Mittel zu begegnen wertet sie tatsächlich unnötig auf.
Entsprechend erklärt sich auch die postulierte Hilflosigkeit, wenn man meint sich an Neonazis intelektuell abarbeiten zu müssen. Sinnlose Zeit- und Energieverschwendung, sinnvoller wäre es mal einige interessante Seminare zur Theorie von Faschismus und NS zu veranstalten.

Denn wer tatsächlich meint, einen Nazi mit Farbe zu besprühen sei selbst eine "faschistische" Methode, braucht wohl noch einiges an Nachhilfeunterricht.
Na ja, wahrscheinlich waren ja Georg Elser, die antifaschistischen Partisanen in Italien und Spanien und die Resistance auch bloß Faschisten, weil sie Nazis gewaltsam bekämpft haben anstatt sie totzudiskutieren oder wegzuignorieren.

Und immer dieses Scheißargument, Neonazis würde "unsichtbar" werden, gar in den "Untergrund" gehen, wenn man sie aus dem öffentlichen Diskurs verdrängen würde (sei es durch ein NPD-Verbot oder die Entfernung aus öffentlichen Ämtern, Unis etc.) . Guten Morgen, im "Untergrund" sind sie längst- der Nadelstreifen-Nazi geht mit dem rechten Schläger und Terroristen Hand in Hand, es ist alles eine Frage der Taktik und des Adressats. Und dadurch, dass man versucht sie in der Diskussion zu "wiederlegen", wird man ihnen wohl kaum die Anhänger rauben - dieser Irrglaube, es ginge in der Politik um Wahrheitsfindung, scheint sich hartnäckig zu halten.

Wer faschistische oder nationalistische Ideologien annimmt, tut dies aus bestimmten Wertvorstellungen heraus. Die bekommt man nicht durch Diskussion aus ihm raus, und leider wird es immer dieses Potential an Hetzern und Verirrten geben - die Frage kann nur sein, wie ich effektiv verhindere, dass sie Schaden anrichten. Sie daran zu hindern,Karriere zu machen, ist schon mal ein guter Ansatz.
Was brave Dmokraten nicht verstehen mögen ist, dass eine Auseinandersetzung mit Neonazis immer in Gewalt münden wird - es ist bloß die Frage, wann und in welchem Ausmaß. Und da ist mir die Auseinandersetzung auf der Straße lieber als der Kampf gegen eine bedeutsam gewordene politische Bewegung, die sich durch den Kampf in den Parlamenten und Hörsälen zu einer wirklichen Bedrohung entwickelt hat, weil "tolerante" demokratische Mitmenschen leider nicht rechtzeitig an ihrer eigenen Scheinheiligkeit erstickt sind.

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