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Komplexe, Du meinst gegen abweichlerische Außenseiter?
Ich glaube nicht. Allerdings fällt es mir schwer, mich über Stoiber oder Beckstein empören zu sollen (viel leichter fällt es mir, mich über die grüne Hackfresse in meinem Wahlkreis zu empören, die derzeit eine sehr exponierte Stellung einnimmt), und solche Texte wie oben dann unkommentiert stehen zu lassen.
Mir ist nicht das Mainstreamdenken an sich suspekt. Wohl aber sympathisiere ich mit Außenseitern, Sonderlingen und Unterprivilegierten, wenn sie in Konflikt geraten mit einem von konformistischem Denken geprägten, repressiven System; auch dann, wenn die Formen der Opposition vielleicht nicht mehr ganz koscher ist. Natürlich hat auch alles Grenzen.
Aha, sie sind also noch da - ich finde diese antinationalen Reflexe sehr befremdlich. Vor allem auch deshalb, weil das, also der deutsche Nationalismus, mir gegenwärtig nun wirklich als die allerkleinste von allen (möglichen) Gefahren vorkommt. Es gibt nirgendwo, nirgendwo auf der Welt weniger Nationalismus als in Deutschland. Selbst der etwas verquere Jürgen Elsässer, noch in den 90er Jahren "Anti-Deutscher", der inzwischen aus taktischen Gründen Oskar Lafontaine unterstützt, hat das mittlerweile begriffen.
Nun ist die Kritik an der israelischen Außenpolitik ohnehin kein für mich sonderlich relevantes Thema und mit Deinem Satz oben hast Du zweifellos einen Punkt gemacht, [auf den ich nichts mehr schreibe und Dich damit befolge]. Dennoch, ich wage die Prognose, daß der nächste Faschismus, falls es je einen geben wird, keine antisemitischen Elemente mehr in sich tragen wird.
Und noch ein Nachtritt, @Arne, mit Jürgen Elsässer: "Wer keine antiamerikanischen Reflexe hat, ist hirntot."
Der historisch undankbare
Lovecraft
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Lovecraft am 26.11.2007 22:54.
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Sollen sie mich doch hassen, wenn sie mich bloß fürchten. (Unveröffentlichtes Abizeitungs-Lebensmotto)
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M.F unregistriert
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| Zitat: |
Original von Lovecraft
Aha, sie sind also noch da - ich finde diese antinationalen Reflexe sehr befremdlich. Vor allem auch deshalb, weil das, also der deutsche Nationalismus, mir gegenwärtig nun wirklich als die allerkleinste von allen (möglichen) Gefahren vorkommt. Es gibt nirgendwo, nirgendwo auf der Welt weniger Nationalismus als in Deutschland. Selbst der etwas verquere Jürgen Elsässer, noch in den 90er Jahren "Anti-Deutscher", der inzwischen aus taktischen Gründen Oskar Lafontaine unterstützt, hat das mittlerweile begriffen.
Lovecraft |
Kein Kommentar.
Sory das musste jetzt mal sein..
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Wieso ist Antiislamismus gefährlich, entgeht einem was positives ohne Islamisten?
Von mir aus kann die Welt von allen Religionen befreit werden, die (bzw. ihr Missbrauch) find ich schlimmer als so vereinzelte Spinner. Pardon Wunschdenken natürlich.
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Arne Kroger unregistriert
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Ihr hattet auch in Österreich lange einen jüdischen Kanzler, der eben Gegner des Zionismus war und damit hat sich einiges in Österreich evtl. geändert. (Ich weiß das nicht. Ich war nur einmal ein paar Stunden in Bregenz und ansonsten noch nie in Österreich und muss da auch nicht hin!)
@Xoc:
Ist völlig korrekt, entweder müsste man jeden, der irgendeiner Religion angehört, in deren Namen Menschen getötet wurden, für ca. bis zu 2000 bis 5000 Jahre in Umerziehungslager stecken, bzw. denen verbieten, sich in irgendeiner Form zu äußern, was politische Entscheidungen anbelangt. Die CDUCSU gehört also schon alleine deswegen verboten und zu Todesstrafe in den USA oder zum Irakkrieg will ich von Hackfressen wie Ratzinger (und auch Huber) nix hören, solange nicht alle unter Erde sind, die z.B. katholisch sind und vor 1976 geboren sind (Tod der Anneliese Michel durch Exorzismus).
@Lovecraft:
Wird schon seine Gründe haben, warum Elsässer von Gremliza geschasst wurde. (U.a. auch wegen seiner bedingungslosen Befürwortung des Irakkrieges, insofern sollte der sich das Zitat mal durch den Kopf gehen lassen!)
Hirntod sind die Menschen, die NUR antiamerikanische Reflexe haben, sich aber AmiHipHopscheiße anhören, bei McDoof essen und CocaCola trinken, oder Marlboro rauchen, sich Amischeißfilme (Matrix, die Debatte haben wir ja gerade irgendwo hier!) anschauen etc. Denn das ist überflüssig, genau wie die USA zu besuchen. Man kann auf Waren aus allen Ländern verzichten, die eh so weit weg sind, dass man deren politische Situation nicht mehr beurteilen kann. (USA,, Bayern, Berlin etc. Ausgenommen Tee und Shit natürlich, aber das meiste Gras wird sowieso mittlerweile in europäischen Gefilden mit Kunstlicht angebaut , was hoffentlich aus norwegischen oder einheimischen Energiequellen stammt.)
Ein Blick in die heutige BLÖD zeigt, wie Nationalismus in der BRD ausgeprägt ist und dadurch, dass in der BRD die Übergriffe auf Menschen während der WM, die den Deutschen nicht genehm waren, verschwiegen werden, ändert sich die Realität nicht.
http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/20...opameister.html
So eine überhebliche chauvinistische Scheiße würde in den Niederlande nie erzählt (und seitdem van Basten Trainer von Oranje ist, sowieso niemals, weil, würde der EK, würden sich die Hälfte der Niederländer in Grund und Boden schämen wegen der abscheulichen Spielweise, die der spielen lässt!!!).
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Ah, das ist also der Thread in dem man nachlesen kann, welche Meinungen vertretbar sind, indem man einfach die ausblendet, die als "faschistisch" oder "rassistisch" "erkannt" wurden - großartig!
Hab' hier leider total die Übersicht verloren wegen den ganzen bescheuerten Faschismus-Diskussionen, deswegen erst mal keine Bemerkungen zu dem Thema hier...
@Lovecraft: Aus dians Unity-Zitat ging eindeutig hervor, dass es sich um die Meinung einer Figur des Romans handelt. Bevor du das nächste mal irgendwas da rein interpretierst, frag besser nach.
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Arne Kroger unregistriert
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Mach's Dir doch nicht so schwer, @Yog!
Faschismus ist einfach alles das, was Du so bezeichnen möchtest. Klappt eigentlich immer.
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@Lovecraft:
"Aha, sie sind also noch da - ich finde diese antinationalen Reflexe sehr befremdlich. Vor allem auch deshalb, weil das, also der deutsche Nationalismus, mir gegenwärtig nun wirklich als die allerkleinste von allen (möglichen) Gefahren vorkommt. Es gibt nirgendwo, nirgendwo auf der Welt weniger Nationalismus als in Deutschland"
Das hängt wohl von deinem Verständnis von Nationalismus und seiner gesellschaftlichen Funktion ab. Jeder verklärte Blick auf ein genuin 'nationales Interesse' , mag es als Volksgemeinschaftsideologie oder Standortpflege erscheinen, verfolgt den Zweck, reelle Klassengegensätze zu verleugnen. Man muss keineswegs das vertreten, was der Mainstream vielleicht als deutschen Nationalismus bezeichnen würde, um die Realität des kapitalistischen Zusammenhangs der Gemeinschaftslogik zu opfern. Was auch zur Antisemitismusfrage führt. Der Feind wird im Inneren (in Gestalt derjenigen, die ihre Rolle angeblich nicht adäquat erfüllen) und im Außen ('Heuschrecken';Globalisierung) gesehen, nach wie vor.
Ob die Projektionsfläche für verkürzte Kapitalismuskritik nun durch Juden oder zeitgenössische Stellverteter eingenommen wird, ist hier sekundär. Letztlich bleiben die Erklärungsmuster für Missverhältnisse im Bestehenden dieselben.
Eine Positionierung gegen das Konstrukt der Nation ist für eine Kapitalismuskritik an sich unerlässlich - dafür muss man beileibe kein Antideutscher sein.
Guter Text des AK Antifa Mannheim:
http://www.akantifa-mannheim.de/archiv/0...ktober_2007.htm
The Loathsome mask has fallen the man remains
Sceptreless, free, uncircumscribed, but man
Equal, unclassed, tribless and nationless,
Exempt from awe, worship, degree, the king,
Over himself, just, gentle, wise.
Percy Bysshe Shelley
Indessen ist das gerade wieder der Vorzug der neuen Richtung, dass wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Karl Marx
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monster unregistriert
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@Arne: Weder verstehe ich Dein Beispiel - eigentlich sehe ich mich darin eher noch bestätigt, wenn das die schlimmsten Auswüchse sind -, noch verstehe ich, was daran gut sein soll, beim Fußball für die anderen zu schreien. Gut, die Underdogs haben meistens meine Sympathie, vielleicht insofern noch, hehe ...
Eigentlich ist dieser Thread ein perfektes Beispiel für die These, wohin das permanente Beschwören des Faschismus' führt, nämlich daß man ihn nicht mehr erkennt, wenn er wirklich mal in etwas anderem Gewand an die Türe klopft. Die Schreiber in diesem Thread sind lebendiger Beweis dafür - an all jene ist es gerichtet, die nicht mehr die Fähigkeit zur Unterscheidung haben. Ich halte die Eigenbezeichnung "Faschismus" ausnahmsweise mal für gerechtfertigt (was eher ungewöhnlich ist, daß Fremd- und Eigenbezeichnung übereinstimmen), aber auch ohne dieses Etikett ist es schlimm genug, daß über solche Thesen diskutiert wird.
Lonewolf, wir können gerne einen eigenen Sräd aufmachen, um (ernsthaft) über das Thema antinationale Hysterie und die Cappuccino-Linke zu diskutieren, in dem ich Dir dann erklären kann, wieso ich diese Position für verfehlt halte in der heutigen Welt (wenn auch nicht "gefährlich", sondern nur töricht). Übrigens esse ich seltenst bei McDoof, trinke praktisch nie Cola, rauche sowieso nicht und bin damit fast ein vorzeigbarer "Bioregionalist". Aber ins Reich des Bösen möchte ich selbstverständlich schon mal.
Ich möchte diesen Sräd für all jene, die die Übersichtlichkeit verloren haben, lieber beenden mit einem Zitat, quasi als kleine Lektürehilfe, wie damals im Deutschunterricht:
| Zitat: |
von Dian:
Eine gewisse gedankliche Nähe zu manchen Ansichten des Herrn Linkola kann ich also nicht ganz abstreiten... |
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Sollen sie mich doch hassen, wenn sie mich bloß fürchten. (Unveröffentlichtes Abizeitungs-Lebensmotto)
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Kann mal bitte jemand das Abstandsmass für "gewisse gedankliche Nähe" definieren?
Meiner Ansicht nach ist das eine ziemlicher Wischiwaschi Begriff der vielleicht ganz brauchbar ist, wenn man weiss, wie er gemeint ist, aber im Allgemeinen folgt da gar nichts draus.
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"Do you believe in free will?" "I have no choice."
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Arne Kroger unregistriert
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@Lovecraft:
Wenn Dir Übergriffe auf Fans aus dem Ausland so unwesentlich erscheinen, wird es Dich ja auch nicht weiter stören, wenn in ostdeutschen Fußballstadien regelmäßig Hitlergrüße und Beschimpfungen farbiger Spieler stattfinden.
Und natürlich sollst Du nicht für die GEGNERISCHE Mannschaft schreien. In welcher hast Du denn gespielt??? Mir war bislang leider keine Teilnahme in einer Nationalmannschaft vergönnt. Ich glaube auch nicht, dass ich für so einen Quatsch zur Verfügung stehen würde.
Und ich habe Sympathie mit den Mannschaften, die guten Fußball spielen. Warum sollte man andere Kriterien haben, wenn man sich mit Fußball unterhalten will????
Was das anbelangt, immer noch höchsten Respekt auf deutscher Seite an den heutigen Trainer von Real Madrid, der dies später konsequent abgelehnt hat wie auch auf der niederländischen Seite an Minheer van Bommel, der auch sagt, dass er zumindest unter van Basten nie mehr für Oranje spielen wird.
Und es ging hier schon lange nicht mehr um den Begriff "Faschismus", sondern um den Begriff des "Nationalismus", der insbesondere dann interessant wird, wenn er, wie in @Lonewolfs Text beschrieben, dafür sorgt, dass Menschen aus niederen Beweggründen nicht mehr ihre eigenen Interessen wahrnehmen (und sei es nur gut unterhalten zu werden durch ein Fußballspiel), sondern eben die Interessen der Kapitalvertreter, die auf bessere Absätze hoffen und somit auf mehr Profit durch ein verbessertes Image. Und darunter fallen auch die ganzen dämlichen Lichterketten, Gedenkmale und all sowas.
Hitler wäre zumindest mit dem Deutschland, dass es heute gibt, sehr zufrieden, wenn man von Michel Friedman mal absieht.
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"Lonewolf, wir können gerne einen eigenen Sräd aufmachen, um (ernsthaft) über das Thema antinationale Hysterie und die Cappuccino-Linke zu diskutieren,"
Nur zu. Wobei ich es nebenbei bemerkt für ziemlich abstrus halte, einerseits dian faschistische Tendenzen vorzuwerfen und im Gegenzug eine völlige Blindheit für die massive rechtspolitisch motivierte Straßengewalt aufzuweisen, die sich längst nicht in Arnes Fußballbeispiel erschöpft. Dort wo sich linke Positionen nicht gleichzeitig antinational ausdrücken, stürzt der 'Kampf für's Volk' sehr schnell in völkischen Sozialismus ab, was von Linkspartei bis antiimp deutlich sichtbar ist. Der offen rechtsextreme Rand ist nur die vulgäre Zuspitzung dessen, was in abgeschwächter Form ohnehin oft konsensfähig bleibt.
Den Begriff 'Cappuccino'-Linke bringe ich übrigens eigentlich eher mit salon'linken' Stubenhockern in Verbindung, die über Kontroll- und Versorgerstaat halluzinieren und dabei wohl Venezuela im Blick haben.
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Indessen ist das gerade wieder der Vorzug der neuen Richtung, dass wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Karl Marx
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Arne: Hast Du den Michel Friedmann nur gebracht, um zu provozieren? Dann hast Du ein Händchen dafür. Wenn es diesen Typen mit seiner unsäglichen Art nicht schon gäbe, dann müßten die wirklichen Antisemiten ihn sich fast erfinden. Da hatte Möllemann schon recht.
http://www.prosieben.de/show_comedy/kalk...p_video/03443//
Wo wir schon dabei sind, den Hieb kann ich mir nicht verkneifen: "Tod eines Kritikers" von Martin Walser ist natürlich auch nur ein Roman, hat ja nichts zu tun mit den Ansichten des Autors
Ich werde einigen hier nicht den Gefallen tun und einen offensiven Sräd eröffnen "Warum das Heil in der deutschen Nation liegt" oder so - damit kann man nur verlieren.
Ich meine nur: Ich bin kein Teil jener political-correctness-Linken, die in allem und jedem Antisemitismus wittert und auch im Jahr 2007 noch die größte Gefahr im Wiedererstarken des deutschen Nationalismus sieht. Ich will auch keine (Lifestyle-)Linke, die sich ausschließlich auf den 'Randgruppenkult' kapriziert, wie Elsässer es ausdrückt. Damit lassen sich erstens - logischerweise - keine Mehrheiten gewinnen, und zweitens muß man für jede Zeit neu in der Analyse das Wesentliche sehen. Und das ist nach meiner Auffassung die Rückgewinnung der politischen Sphäre, der Handlungsfähigkeit in der Politik, oder das Primat der Politik über die Wirtschaft. Und das wiederum hängt letztlich immer an Staaten, oder auch an überstaatlichen Institutionen. Wenn sich das dann zum Teil auf der europäischen Ebene abspielt, dann bin ich gerne dabei! Ich bin da ganz pragmatisch. Insofern ist auch der Vorwurf der "völkischen" Ideologie völlig danebengegriffen, auch was Elsässer, Lafontaine und andere angeht. Diese Kritik paßt einfach nicht mehr! Ja, die Welt ist unübersichtlich geworden, und dafür eignet sich keine noch so in sich geschlossene Ideologie(kritik) aus der Mottenkiste, die natürlich für manchen Theoretiker aus dem Elfenbeimturm nie an Reiz verliert. Aber auch die EU wird irgendwo nach außen sich definieren müssen, und ich erachte es als eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit, den EU-Beitritt der Türkei zu verhindern. Das brächte zwangsläufig das ganze Projekt zum Scheitern, jedenfalls in der wünschenswerten Form. Auch das sage ich schon seit Jahren, und inzwischen wurde mit dem Beitritt von Rumänien und Bulgarien der rechte Zeitpunkt bereits verpaßt. Hier geht es um die langfristig richtigen Weichenstellungen, ohne die nicht von Grundeinkommen und Ähnlichem geträumt zu werden braucht. Darüber sollte man sich einfach mal klar werden.
Gefahr droht weniger davon, sondern mehr von der Globalisierung neoliberaler Machart und vielleicht vom amerikanischen Imperialismus. Und wenn das Schüren von (berechtigten, verdammt noch mal!) Ressentiments dabei hilft, die Distanz zu wahren und zusammenzuschweißen, um nach Alternativen zu suchen, dann ist mir das nur recht und billig.
Ich meine auch, daß der nächste Faschismus nicht nur mit Sicherheit nicht mehr antisemitisch sein wird, sondern wahrscheinlich auch nicht einmal in besonders nationalistischem Gewand daherkommen wird. Welche Funktion hat denn der Nationalstaat noch für das Kapital? Also ich als Kapitalist würde mir eher wünschen, daß Grenzen niedergerissen werden und Deutschland geflutet wird von einer Menge an billigen Arbeitskräften, die zugleich den Sozialstaat zum Kollabieren bringen. Dann würde sich auch zeigen, wer hier wirklich halluziniert (das Lieblingswort in allen innerlinken Streitgesprächen), wenn die chinesischen Billig-Philosophen den Markt erobern
. Wenn ich das mal so uncharmant zurückgeben darf. Kann natürlich auch sein, daß Du gänzlich über solchen Dingen stehst; dann können Dir die Sorgen von einfachen Menschen natürlich schon als Populismus und verkürzte kleinbürgerliche Kapitalismuskritik vorkommen.
Ich will keineswegs sagen, daß diese Deine antifaschistische Haltung reaktionär wäre; sie ist nur nicht besonders hilfreich.
Es ist sehr, sehr bemerkenswert, wie hier Dinge antizipiert werden: Wo habe ich mich denn blind gezeigt gegenüber der rechten Straßengewalt und wer hatte diese zuvor erwähnt, daß ich sie hätte übergehen können? Ich habe nur einen harmlosen BILD-Zeitungsartikel gelesen, mit dem Titel "Leser sicher: Deutschland wird Eu-Eu-Europameister". Also wenn sie, die BILD-Zeitungsleser, ihre Leidenschaft im Fußball ausleben, was ist denn daran schlimm? Ich bin froh, wenn sie es nicht an anderer Stelle tun! Manchmal kann ich wirklich nur den Kopf schütteln über soviel Naivität und Realitätsverlust.
Wenn die beschworenen Phänomene einmal wirklich eine nennenswerte Tendenz ausmachen, dann werde ich auch bereit sein, meine Position zu ändern.
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Sollen sie mich doch hassen, wenn sie mich bloß fürchten. (Unveröffentlichtes Abizeitungs-Lebensmotto)
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Arne Kroger unregistriert
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Was das Kapital von Nationalstaaten hat?
Die Leute lassen sich leichter verdummen. Ob Du es jetzt Antisemitismus oder Antiamerikanismus nennst, ist mir auch egal. Ich erlebe eine völlig unbegründete Welle des Antiamerikanismus, die mir zumindest unbegründet erscheint, wenn ich die USA mit der BRD vergleiche. Die hat eine etwas stärkere Rüstungsindustrie, daher sind bei denen die indirekten Subventionen, die über den Rüstungshaushalt laufen, höher als bei uns, ansonsten sind sie in die gleichen oder vergleichbare Kriege verstrickt, die keinerlei Antiamerikanismus rechtfertigen. In der BRD wird die Verteilung der Steuergelder der Lohnabhängigen an die Bourgeoisie eher dadurch erzeugt, dass Automobilwerke, die auch in Friedenszeiten zerstörerisches Zeug produzieren, subventioniert werden. Und in dem Bereich ist es eben schon wichtig, dass die Menschen noch einen Feind von außen auch erleben und sich auf nationaler Ebene mit der Bourgeoisie eines Staates verbünden, mit dem sie sich verbunden fühlen.
Was kann denn wünschenswertes an der EU sein für einen normalen Bürger?
Die ist kaputt und muss erstmal wieder zerstört werden, damit aus ihr was vernünftiges gemacht werden kann. Das Kapital profitiert doch wunderbar von den Nationalstaaten. Man kann billige Arbeitsplätze aufbauen, weil die Menschen zumeist so dumm gehalten werden, dass der einzelne Arbeitnehmer nicht die sprachliche Flexibilität besitzt, auch im Ausland tätig zu werden, maximal kann das der polnische Spargelstecher, der braucht keine Sprachkenntnisse dafür. Für evtl. höher qualifizierte Arbeiten wird den Bürgern die Bildung verweigert. Es gibt kaum eine Schule hier im deutschen Grenzgebiet, die z.B. Niederländisch als erste Fremdsprache anbietet, was dafür sorgt, dass der Arbeitnehmer weiterhin immobil bleibt und hier durch seine Existenz als Arbeitsloser eben wunderbar die Löhne drücken kann.
Was aus der Türkei in der EU wird, ist mir egal. Mich interessiert Deutschland und das sollte ganz schnell raus aus der EU und zwar in der Art austreten, indem es sich als Staat auflöst.
So, und nun sag' mir mal, wie dieser Schritt, der ALLEN Lohnabhängigen helfen würde, durchgeführt werden soll, wenn weiterhin Nationalismus z.B. über solchen Unsinn wie Nationalmannschaften erzeugt wird. Wieso gibt es keine EU-Nationalmannschaft? Ist das antinationalistisch, was da abläuft???
Fußball ist dabei nur ein Beispiel. Sprache ist das nächste, und dann hält man zusammen. Dann denkt auch noch der obdachlose Penner auf einmal, er gehöre in irgendeiner Art zu den Menschen, die ihn ausbeuten, solange sie seine Sprache sprechen.
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Was den Vorwurf der Verharmlosung angeht, ging es mir um die zitierte Aussage:
"Vor allem auch deshalb, weil das, also der deutsche Nationalismus, mir gegenwärtig nun wirklich als die allerkleinste von allen (möglichen) Gefahren vorkommt. Es gibt nirgendwo, nirgendwo auf der Welt weniger Nationalismus als in Deutschland."
Und ja, ich halte dies für eine absolute Verkennung der tatsächlichen Gefahr, da entgegen der landläufigen Meinung in Deutschland keineswegs vorschnell und reflexartig rechte bzw. offen nationalistische Tendenzen angeprangert werden, sondern eher (vorallem auf lokaler ebene) eine traurige Verharmlosung bis hin zur Vertuschung stattfindet. Da ändert die kurzzeitige Mügeln-Betroffenheit wenig, wenn gleichzeitig weiterhin rechte Aufmärsche von der Polizei durchgeprügelt werden oder Übergriffe als 'unpolitische Auseinandersetzungen zwischen Personengruppen' im Polizeibericht auftauchen.
Aber gut, hier ging es um die konsensfähigen Versionen einer Ideologie, die sich in Begriffen wie 'nationalistisch' oder 'völkisch' deswegen schwer beschreiben lässt, weil diese Kategorien meist eher eng umgrenzte Gebiete umfassen, die im öffentlichen Bewusstsein eher historische oder aktuell sehr partikulare 'Verfehlungen' darstellen. Da passt es auch wie die Faust auf's Auge, wenn die Bekämpfung des Nationalismus (sei es durch Sanktion oder totschweigen) als die Pflicht der 'besseren Deutschen' begriffen wird, die dadurch den schlechten Ruf von ihrem Standort abwehren wollen und sich endlich mal wieder, nach der Entledigung der Erbsünde, als stolze Patrioten präsentieren dürfen .
DIe Fixierung auf die Machenschaften 'us-imperialistischer' oder neoliberaler Wirtschaftspolitik, gegen die nur starke nationalstaatliche (oder meinetwegen durch Staatenbünde gebildete) Schutzschilde errichtet werden könnten, enhält wiederum die alte Vorstellung vom raffgierigen, fremden Kapital, das die lokalen Solidargemeinschaften bedroht. Das ist kein hysterischer Antisemitimus-Vorwurf, sondern eine funktionale Analogie. Eine Position, die den Kapitalismus nur in einer seiner historischen Phasen als bedrohlich begreift (weil er 'entfessselt' , nicht mehr kontrollierbar erscheint) hängt nur der Illusion an, es gäbe an sich einen 'guten' Kapitalismus, der nur innerhalb staatlicher Kontrolle funktionieren kann. Das nenne ich tatsächlich reaktionär, auch weil hier die Trennung des notwendigen Zusammenhangs von Staat und Kapital die Illusion erzeugt, eine Akzentverschiebung hin zu 'sozialerer' Politik wäre schon per se 'kapitalismuskritisch', anstatt absolut affirmativ.
Es ist eben keineswegs widersprüchlich, dass das Kapital nationalstaatliche Grenzen und Sanktionen einerseits als Barrieren des effizienten Wirtschaftens erfährt, und andererseits die staatliche Organisation optimaler Infrastruktur, sicherheitspolitischer Organe (z.B. zum Schutz des Privateigentums)
, sowie die allgemeine entsolidariserende Wirkung nationaler Konkurrenzsubjekte dringend benötigt, um die kapitalistische Produktion optimal zu verwirklichen. Weswegen neoliberalistische Politik eben keineswegs ein weniger an Staat, sondern nur eine Akzentverschiebung weg von wirtschaftlicher Kontrolle hin zu Repression und Überwachung mit sich bringt. Dem begegnet man allerdings sicher nicht damit adäquat, indem man die staatliche/nationale 'Solidargemeinschaft' als Bollwerk gegen den Imperialismus positioniert (was ohnehin nur rein ideologisch, aber kaum praktisch funktioniert). Ein Nationalstaat organisiert die kapitalistische Verwertung - neoliberale Standortoptimierung folgt da nur ihrer konsequenten Logik, die unter veränderten Bedingungen auch wieder umschlagen kann. Das ändert aber nix am Grundprinzip, welches immer Konkurrenzsubjekte gegeneinander antreten lassen muss. Mit der Projektion von Feindbildern nach 'innen' oder 'außen' ist in jedem Fall nur der Aufrechterhaltung der verkehrten Zustände geholfen.
Und ja, ich bin ebenfalls ein Gegner sektiererischer Randgruppenpolitik. Das kann aber wohl kaum heißen, verfehlte, gefährliche Positionen zu übernehmen und Ressentiments zu instrumentalisieren, nur um mehrheitsfähiger zu werden. Wer die Menschen dort abholt wo sie stehen, eignet sich letztlich nur ihren Standpunkt an. Das ist vielleicht NPD-Taktik, aber nicht meine.
The Loathsome mask has fallen the man remains
Sceptreless, free, uncircumscribed, but man
Equal, unclassed, tribless and nationless,
Exempt from awe, worship, degree, the king,
Over himself, just, gentle, wise.
Percy Bysshe Shelley
Indessen ist das gerade wieder der Vorzug der neuen Richtung, dass wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Karl Marx
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