Bazinga
jeder Moment ist wie ein ganzes Leben

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vergessene Freiheit & Moral
28.01.2013 13:45 |
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ich muss heute mal wieder sehr über den zusammenhang zwischen innerer unfreiheit und regelwerken / moral nachdenken.
wodurch entsteht überhaupt der bedarf nach moral und regeln:
durch unterdrückung von natürlichen empfindungen.
beispiel:
jemand wächst stark religiös auf und ihm wird gesagt: "du darfst keinen zorn haben, du darfst nur liebe empfinden" oder: "du darfst nicht geil sein, deine liebe muss gott gehören und nicht den niedrigen trieben" oder irgendein anderer blödsinn.
nun wird dieser mensch seine empfindungen diesem regelsystem unterordnen, statt sein eigenes denken & empfinden zu nutzen, um dinge zu beurteilen. je mehr er das tut, desto mehr unterdrückt er sein natürliches empfinden, bis er irgendwann nicht mal mehr in der lage ist, dieses wahrzunehmen, denn immer wenn ein natürlicher impuls auftaucht, unterdrückt er diesen sofort, weil er das regelsystem / die moral höher wertet. wenn dieser mensch nun zb. zorn empfindet, weiß er mit der empfindung nichts mehr anzufangen. er deutet ihn nicht mehr aus seinem natürlichen zusammenhang heraus (denn der zorn bezieht sich ja auf etwas und will einem etwas sagen), sondern interpretiert ihn nur anhand der moral, die nur ganz bestimmte ergebnisse zulässt. also in diesem beispiel "muss" dieser mensch dann beispielsweise "erkennen", dass sein zorn falsch ist (das sagt ihm die moral), also unterdrückt er diesen noch mehr. ein teufelskreislauf entsteht. dieser mensch ist dann tatsächlich eine orientierungslose, tickende zeitbombe: er ist nach wie vor ein mensch, hat alle menschlichen empfindungen, die er aber durch die unterdrückung ins unterbewusstsein verfrachtet hat. hier setzt der teufelskreislauf ein: da er nicht mehr aus sich heraus denken / entscheiden kann, benötigt er nun tatsächlich weitere moralsysteme, die ihm sagen, was zu tun ist.
deshalb ist es auch gefährlich, menschen nahezulegen, dass sie auf ihre gefühle hören sollen, denn gefühle sind ja bereits in eine unnatürliches, entfremdetes stadium übergegangen. außerdem entstehen gefühle abhängig von den moralsystemen, die dieser mensch übernommen hat. er wird jetzt zb. auch andere davon überzeugen wollen, dass sexuelles empfinden falsch ist, da ihm das sein glaube vorschreibt. er entwickelt innere aversionen und negativgefühle gegen sexualität.
ganz allgemein kann man das auch so formulieren, dass moral & regelsysteme wenig mit eigenverantwortung zu tun haben. was ist eigenverantwortung?
ich würde sagen, sich über die freiheit aber auch die konsequenzen des eigenen handelns im klaren zu sein. ein mensch kommt aber gar nicht in die position, diese konsequenzen zu reflektieren, weil ihm seine moral entweder vorschreibt, dass er bestimmte wege gar nicht gehen darf oder aber er rechtfertigt die konsequenzen seines handeln durch eine moral und nicht dadurch, was sie wirklich verursachen (zb. leute in die luft sprengen dient allah).
das religiöse moralbeispiel eignet sich gut für die darstellung des problems. aber es gilt natürlich genauso für alle weitere moralsysteme.
außerdem übernimmt man diese nicht nur, sondern erschafft sie auch selbst. also ich kann zb. zu einem gesellschaftlichen konzept ein anti-konzept entwerfen, beispielsweise wehre ich mich als schwuler gegen schwulenhass, indem ich dann besonders meine schwulheit betone und einen auf tunte mache. aber das ist keine freiheit, sondern nur die reaktion auf ein bestimmtes konzept.
positivbeispiel für das leben ohne moral:
würden menschen keine angst vor der fähigkeit haben, andere töten zu können, wüssten sie um diese "macht". das wissen um diese macht bringt zwingend eine auseinandersetzung damit mit sich. anstatt also gleich die moralkeule "töten ist schlecht" zu schwingen, könnte man sich erstmal über diese fähigkeit im klar werten, ohne sie moralisch zu bewerten. das natürliche empfinden könnte einem sagen, dass töten zb. bei notwehr sinn macht. und es könnte aufdecken, dass man jemanden vielleicht nur aufgrund einer moralischen überzeugung töten will.
außerdem würde schon mal der bedarf nach gewalt (/töten) wegfallen, der in abhängigkeit von unterdrückung entstehen kann.
das thema beschäftigt mich, weil viele leute auf die frage, was sie von freiheit halten, mit "wir brauchen regeln, sonst wüde chaos herrschen und alle würden sich nur gegenseitig umbringen" oder anderen doomsday szenarien argumentieren.
aber der bedarf nach regeln entsteht doch überhaupt erst in abhängigkeit von dem nie gelernten umgang mit natürlichen empfindungen. und es ist doch was völlig anderes, ob ich jemanden aus moralischen gründen nicht töte, oder weil ich es als falsch empfinde.
also argumentieren diese leute so, indem sie zusammehänge die nur innerhalb eines bestimmten bezugssystems gelten (moral & unterdrückung) auch auf begebenheiten außerhalb diese bezugssystems übertragen. denn ohne moral entsteht automatisch die auseinandersetzung mit dem eigenen handeln.
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Bazinga
jeder Moment ist wie ein ganzes Leben

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@Tom
eben die *schlechtigkeit des menschen* die du da ansprichst, sehe ich als das feierliche ergebnis von moralkeulen. erstens führen sie dazu, dass menschen übelst empfindungen unterdrücken, insofern die jeweilige moral das vorschreibt. dann ist ja klar, dass jemand irgendwann am liebsten um sich schießen will. zweitens dient der denkapparat dann auch nur noch dem moralgott.
ansonsten: was überzeugt dich von der schlechtigkeit des menschen?
wenn der mensch an sich schlecht ist, warum handeln menschen dann unterschiedlich?
wenn von 100 leuten 99 mit keulen aufeinander einschlagen und 1 steht da und schaut zu, ist der dann die große unmenschliche ausnahme?
würden menschen sich durch moral erst gar nicht gegenseitig (oder sich selbst) unterdrücken, gäbe es schon mal nicht den hass, der durch diese ganze unterdrückung entsteht,
würden sie außerdem ihren denkapparat nutzen, könnten sie zb. sehen, dass nur weil jemand stinkreich und (aus eigener perspektive) ne dumme sau ist, denjenigen zu ermorden nochmal ein ganz anderes level wäre. das ist nicht unmöglich, nur weil idioten rumlaufen, wie meinen, dass mordlust nen mord auch rechtfertigt und ne ideologie die jemand (der stinkreiche) nicht teilt doomsday-mäßig vergelten wollen.
und genau deswegen würde auch anarchie auch nicht sofort funktionieren, eben weil viel zu viele leute rumlaufen, die überhaupt kein bewusstsein von eigenverantwortung haben und sich wahrscheinlich freuen würden, dass sie den stinkreichen jetzt erstmal ungestraft abmetzeln können.
aber solange wir moralsysteme anbeten, kann eben auch keine eigenverantwortung erlernt werden.
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"wenn von 100 leuten 99 mit keulen aufeinander einschlagen und 1 steht da und schaut zu, ist der dann die große unmenschliche ausnahme?"
nö, das ist dann so ein superschlauer der wartet bis sich das problem von selbst erledigt, oder er will sich die finger nicht schmutzig machen, vll ist er altruist und will schlichten weil ihn das glücklich macht
er bleibt jedenfalls nicht stehen weil er von "natur aus" friedlich ist und nur noch nicht von irgend einem moralischen konstrukt verdorben wurde, er ist vielleicht bis zu dem zeitpunkt ohne keule gut durchs leben gekommen und hat nun das pech unter solche idioten geraten zu sein, naja wahrscheinlich lebt er nicht mehr lange.. vieles möglich
Mit Schlechtigkeit meinte ich eher die Tatsache dass von 100 Leuten genausogut mindestens einer dabei ist der es sich einfach macht und auf ethik, moral was auch immer scheisst.
Das hat doch nichts mit dem Fehlen von Eigenverantwortung zu tun.
Man muss nur fähig sein damit durchzukommen.
Ich dachte beim Schreiben an die natürlichen Triebe die in uns stecken. Klar man kann seinen Kopf benutzen und Kompromisse finden, muss man aber nicht um erfolgreich zu sein.
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Bazinga
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@Tom
ja eben - jemand der auf moral scheißt, begibt sich in die eigenverantwortung.
wobei es nochmal ein unterschied ist, ob sich jemand von moral an sich befreit, oder auf eine moral nur mit einer anderen moral reagiert.
mich würde mal interessieren, worauf sich deine annahme stützt, dass wir die *schlechtigkeit* in uns haben und von trieben gesteuert sind?
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