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Zum Ende der Seite springen Hartz IV  
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Leberkrebs
unregistriert
06.11.2007 01:42 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Realität ist in der Mehrheit leider anders. da gibt es sogar leute, die nach dem 1€-Job gieren und dafür malochen wollen. Dazu werden 2 Hauptargumente gebracht:
a) Ich brauche die 150€ extra, die ich da verdienen kann
b) Ich weiß ja so garnicht, wasich ohne zwangsarbeit tun soll. Mir fällt ja so die Decke auf den Kopf. Ich habe null Beschäftigung, also ist 1€-Job geil!

Die Aussagen habe ich selbst von Betroffenen bekommen. Meine entsetzlichen Emotionen dazu, sind unbeschreiblich. Wie konnte es kommen das Menschen derart verblöden und pervers werden??
Für 1€ die Stunde Rasen mähen und Laub fegen, sonst wissen die NICHTS mit sich anzufangen? geschockt geschockt geschockt
Arne Kroger
unregistriert
06.11.2007 03:52 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Normale Entwicklung in einer profitorientierten kapitalistischen Marktwirtschaft, in der der Mensch nur dann was Wert ist, wenn er für Profit ausgenutzt werden kann.

Das dauert nicht lange und die Stigmatisierung beginnt und die Menschen glauben dies selbst.
Leberkrebs
unregistriert
06.11.2007 21:59 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

na, ich spiele lieber im Park oder im Cafe mit Rentnern Schach. Das halte ich für weitaus angenehmer und sozialer, als für 1€ Müll zu sammeln.
Aber es gibt ja auch noch andere Beschäftigungen, jenseits von Glotze und saufen. Da braucht man doch keine Sklavenarbeit? Wissen die Leute nichtmehr, wo sie sich wohlfühlen?
Arne Kroger
unregistriert
07.11.2007 14:42 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Naja, ich darf ja auch nach meiner halben Stelle mal jetzt kurz erleben, was das bedeutet, wirklich mit minimalen Geld auszukommen, weil das ALGI natürlich lächerlich niedrig ist, wenn man vorher nur 'ne halbe Stelle hatte und wenn man mal lieber was machen möchte, was man auch wirklich gerne macht und nicht gleich wieder jeden Mist annimmt, den man haben könnte.

Das Geld ist auch einfach so gering bemessen, dass die Leute, selbst, wenn die wüssten, was sie machen könnten, es sich nicht leisten könnten.
Ist schon geschickt gemacht.
Leberkrebs
unregistriert
07.11.2007 19:08 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

AlG ist am untersten Niveau, besonders Alg 2. In die Stadt gehen, wegfahren, oder Gott-weiß-was unternehmen ist da höchstens mal zum Geburtstag drinn. Ansonsten kann man zusehen wie man Strom, wasser miete auf die Reihe kriegt und wovon man dann noch satt werden kann. Es ist kurz davor das der Lebensstandard für Arbeitslose auf die zeit um 1900 zurückdreht. ich freue mich teilweise schon über Sachen (gutes Essen zb) die normal heutzutage kaum wen interessieren. Sachen die mein Uropa mal toll fand, finde ich mittlerweile heutzutage schon toll. Weil mir alles derart gekürzt, eingeschränkt und weggenommen wird. Trotzdem werde ich aus sturem Protest keine sklavenarbeit unterstützen. 1e job bedeutet für mich, daß ich jede Woche bei nem anderen Arzt GELB mache. Die 40€/Monat dafür hungere ich mir noch vom Mund ab.

MAUS

Too old to die young

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16.11.2007 14:32 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Hartz4-Plattform fordert 75 Euro Weihnachtsgeld
Wiesbaden (NRhZ/H4P, 14.11.) „Für Hartz IV-Kinder gibt es keinen Weihnachtsbaum und keine Bescherung zu Heiligabend“, heißt es in einem Schreiben der Wiesbadener Hartz4-Plattform an den Sozialdezernenten und Sozialamts-Chef Arno Goßmann (SPD) der Stadt. Darin wird dieser aufgefordert, mit der nächsten Leistungsauszahlung zum 1. Dezember allen Hartz IV-Betroffenen „zusätzliche 75 Weihnachts-Euro“ auszuzahlen, so die Sprecherin der Bürgerinitiative für Arbeitslose Brigitte Vallenthin. Diesen Betrag hatte die Hartz4-Plattform kürzlich im Rahmen einer Musterklage gegen den zu geringen Hartz IV-Regelsatz als notwendig ermittelt, um Adventsschmuck, Weihnachtsbaum und Geschenke auch für Hartz IV-Betroffene zu ermöglichen.

Originalseite: http://www.nrhz.de/flyer/suche.php?resso...ssort_menu=News

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MAUS

Too old to die young

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14.12.2007 08:02 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Oh was sind das wieder tolle Nachrichten... Da kann ich mich als chronisch Kranke ja mal wieder doppelt freuen, aber ich mein, ist ja auch logisch, wenn man Mehrkosten hat, brauch man immer weniger Geld... smilie17


Tacheles e.V.: „Ohrfeige für Erwerbslose“ von Minister Olaf Scholz
Wuppertal (NRhZ/T, 11.12.) „Kaum ist die neue Spitze im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) mit Minister Olaf Scholz und Staatssekretär Klaus Brandner besetzt, da folgt auch schon die erste sozialpolitische Provokation mit einer Ohrfeige für Hartz IV-Betroffene“, erklärt der Erwerbslosenverein Tacheles e.V.. Stein des Anstoßes ist der Entwurf der neuen Verordnung zur Anrechnung von Einkommen und Vermögen beim Arbeitslosengeld II, die bereits zum Januar 2008 in Kraft treten soll. Die Vorlage sieht unter anderem eine gravierende Verschlechterung bei der Einkommensanrechnung bei „Kleinstselbständigen“ mit Arbeitslosengeld II-Bezug vor und eine 35prozentige Kürzung der Hartz IV-Regelleistung, wenn sich Leistungsbeziehende im Krankenhaus behandeln lassen müssen und ihnen dabei eine Vollverpflegung bereitgestellt wird. In der Anrechnung der Krankenhausverpflegung an die Arbeitslosengeld II-Leistung sieht Harald Thomé, Vorsitzender des Erwerbslosenvereins Tacheles e.V., „eine makabre Provokation kranker Menschen“: Thomé bemängelt, dass für Betroffene der Aufenthalt im Krankenhaus generell mit erheblichen Mehrkosten verbunden sei. „Zusätzliche Ausgaben wie z.B. die Besuchskosten der Familienmitglieder, Ergänzungsernährung, erhebliche Telefonkosten oder die Anschaffung nötiger Krankenhausbekleidung sollen wohl aus gekürzten Leistungen bestritten werden.“ Mehr unter www.harald-thome.de/media/files/Arbeitsm...ravo_111207.pdf

Originalseite: http://www.nrhz.de/flyer/suche.php?resso...ssort_menu=News


Edit: noch was gefunden, was ich aus eigener Erfahrung gut kenne...

Lokales
„Sonderbehandlung” durch die Kölner Arbeitsagentur
Furcht vor der DIMA
Von Hans-Dieter Hey


Auch am 3. November protestierten Kölner Erwerbslose – diesmal vor der ARGE in Köln-Mülheim – gegen Hartz-IV und dagegen, wie mit ihnen umgegangen wird. Auszahlungspannen und verschwundene Akten sind nur Beispiele dafür, wenn deshalb das Arbeitslosengeld plötzlich nicht auf dem Konto eingeht und man schnell in Not kommt. Auch fühlt man sich durch Schikanen der verschiedensten Art bedroht. Manchmal verborgen hinter modernistischen Zauberworten wie „DIMA”.

Aufgerufen und organisiert wurde die Neuauflage des „Zahltag“ durch die Gruppe „Agenturschluss“, der Erwerblosen-Organisation, die bundesweit immer wieder durch mutige Aktionen von sich Reden macht. Anfang Oktober war es den politisch Aktiven gelungen, dreizehn Erwerbslosen aus Köln – trotz Handgreiflichkeiten mit der Polizei – zu ihrem Arbeitslosengeld-II zu verhelfen, das man ihnen offensichtlich widerrechtlich gekürzt hatte. Unterstützung fand die neue Aktion auch durch die Kölner Bundestagsabgeordnete Ursula Lötzer von der Fraktion DIE.LINKE: „Hartz IV ist und bleibt Armut und Demütigung per Gesetz. Deshalb steht DIE.LINKE im Bundestag und vor Ort für die Forderung: Hartz-IV muss weg.“

Nach einem Monat „Disability Manager”

Anlass für die aktuelle Heimsuchung der Arbeitsagentur war deshalb die seit zwei Jahren in der ARGE existierende Abteilung „DIMA”, die ausgeschrieben „Disability Management” heißt. Ursprünglich ist damit ein international standardisiertes Verfahren zur Prävention, Früherkennung und Behandlung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen gemeint. Angesichts der enorm wachsenden psychischen Erkrankungen während und durch Arbeit – Stichwort Burn Out und Mobbing und deren körperliche und seelische Folgen – eine längst überfällige Überlegung. Seit 2004 sind Arbeitgeber zu solchen Maßnahmen verpflichtet und können Ärzte, Versicherungsträger, Rentenversicherung, Betriebsräte und REHA-Zentren zur Unterstützung der Wiedereingliederung nutzen. Inzwischen gibt es in Deutschland 254 ausgebildete „Disability Manager”. Für diese hoch spezialisierte und sensible Aufgabe kann man sich in einer lediglich einmonatigen Kurzausbildung qualifizieren. Gerechnet wird mit einem Zuwachs von jährlich 100 neuen „Managern”. Und ob die Bezeichnung Manager für diese Aufgabe richtig ist, kann allerdings bezweifelt werden.

Eher ein Ausgliederungssystem?

Findige Arbeitgeber könnten sich in diesem „Wiedereingliederungssystem” auch ein „Ausgliederungssystem” vorgestellt haben. Diese Gefahr kennt Friedrich Mehrhoff vom Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG). Dem Job-Portal „Monster Worldwide Deutschland” gegenüber äußerte er am 29. November: "Wir brauchen strenge soziale und ethische Verhaltensregeln, denn ein Eingliederungsmanager darf nicht als Alibi dienen, kranke oder behinderte Mitarbeiter vor die Tür zu setzen." Zwar müssen Disability Manager in ihrem Arbeitsvertrag unterschreiben, dass sie sich nicht zweckentfremden lassen. Doch da stellt sich die Frage, wer das prüft, und ob nicht durch die Abhängigkeit vom Job und den damit verbundenen finanziellen Anreizen schnell mal die Augen zugedrückt werden.

Nicht genügend qualifiziertes Personal

Und weil nun die Arbeitsagentur in Köln-Mülheim seit zwei Jahren eine „DIMA” hat, fürchten Erwerbslose, sich einer „Erwerbslosen-Sortiermaschine” oder „Sonderbehandlung” aussetzen zu müssen. Man wirft der ARGE nicht nur vor, nicht genügend qualifiziertes Personal für diese schwierige Aufgabe zu haben. Martin Behrsing vom Erwerbslosen Forum Deutschland und selbst Sozialarbeiter: „Wir stellten jedenfalls immer wieder fest, dass die Sachbearbeiter dafür nicht ausgebildet sind. Von daher stellt sich schon die Frage, welche Qualifikation steht dahinter.” Und weiter: „Vieles hat nichts mehr mit dem Anspruch der Integration zu tun.”

Vor allem stößt auf heftige Kritik, in welchem Umfang man sich dort offenbaren muss. Es gehe nicht nur um Fragen der Qualifikation, beruflicher Möglichkeiten oder gesundheitlicher Einschränkungen, sondern es würden auch die intimsten Bereiche der Persönlichkeitssphäre hinterfragt. Nach Aussagen von „Agenturschluss” werden Erwerbslose gezwungen, Auskunft über ihre Vorlieben, Gewohnheiten, Sexualität, Lebenseinstellung, Alkohol u.a. zu geben. Dies sei eine Praxis, die weit über das Fragerecht eines Arbeitgebers bei einer Einstellung hinausgehe. Doch passt das Ganze durchaus in das gegenwärtige Bild staatsgelenkter Totalüberwachung und Geängelung. - Über das „Profiling“ der Arbeitsagenturen hat die NRhZ bereits berichtet.

Einstellung des Pilotprojekts gefordert

Erwerbslose, die bisher den MitarbeiterInnen (Jobpiloten) der Abteilung „DIMA” ausgeliefert waren, sind nach Auskunft von „Agenturschluss” meistens in der Grundsicherung der Sozialhilfe mit den entsprechenden Folgen gelandet (joar, das versuchen sie bei mir, seit ich mit denen zu tun habe, und mit meinem "7-Minuten-Gutachten", daß mir ein von ihnen bezahlter Scherge verpaßt hat, werden sie mich auch entweder in irgendeine, meine Restgesundheit gefährdende, Zwangsarbeit stecken [ansatzweise schon passiert, deswegen gehts mir ja nun auch wieder richtig schlecht körperlich], oder es doch noch schaffen, mich aus Hartz IV rauszudrängen), da sie entweder nicht mehr in der Lage waren, überhaupt noch zu arbeiten, oder „weil sie die Schikanen und den Stress mit der ARGE nicht mehr aushielten.” Ein Betroffener: „Mir scheint, dass es nur darum geht, dass man entweder in die Grundsicherung oder in eine Behindertenwerkstatt gesteckt wird. Ich freue mich jetzt schon, als promovierter Diplom-Psychologe in der Werkstatt für Behinderte arbeiten zu dürfen” (joar, auch die Behindertenwerkstatt wurde bereits bei meiner "Arbeitserprobung" ins Spiel gebracht, ganz abgesehen davon, daß ich mir mal wieder erzählen lassen durfte, daß mein auf entsprechenden MRT-Bildern eindeutig zu sehender körperlicher Schaden, ja doch psychosomatischer Natur sein könnte... will heißen, ich bilde mir seit 3 Jahren mal wieder nur ein, daß ich höllische Schmerzen habe, die mich praktisch lebendig begraben, ich mein klar, ist doch in meinem Alter auch vollkommen erstrebenswert, fast nur noch in 1 Raum leben zu können, denn wer will schon richtig leben, wenn er auch siechen kann... banghead ) Doch der Kölner ARGE-Chef Josef Ludwig kontert: „Es ist nicht Ziel der DIMA, sie in die Werkstatt für Behinderte zu stecken. Ziel der DIMA ist es, die Erwerbstätigkeit unserer Kunden abzuklären”.

Agenturschluss verlangt nun, dass das Kölner Pilotprojekt sofort eingestellt wird. Durch frühere Vorzeigeprojekte – offensichtlich eine Kölner Spezialität – sind viele gewarnt. Hatte sich doch gerade Köln in der Vergangenheit einen negativen Ruf z.B. mit dem berüchtigten „Sprungbrett” erworben, das bundesweit als Vorzeigeprojekt verkauft wurde, aber im Endergebnis tausende von jungen Menschen aus dem Leistungsbezug katapultierte.

Andere Erwerbslose, die der „DIMA” ausgeliefert waren, hatten das zweifelhafte Glück, zu maximal zwei Jahren Niedriglohn-Arbeit verdonnert zu werden, und nur wenigen gelang es offenbar, sich daraus zu befreien. Agenturschluss rät deshalb eindringlich, zu Gesprächen mit der Arbeitsagentur nicht allein zu gehen, sondern kundige Begleiter mitzunehmen. Die werden durch die Kölner Erwerbsloseninitiativen angeboten.

Ein Informationsblatt der Kölner Erwerbslosen-Initiativen gibt es in deutscher und türkischer Sprache. Es als PDF-Datei herunter geladen werden. Für die Richtigkeit der Informationsblätter kann die Neue Rheinische Zeitung natürlich keine Garantie übernehmen. (PK)

Online-Flyer Nr. 124 vom 05.12.2007
Originalseite: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11821

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Arne Kroger
unregistriert
15.12.2007 04:24 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Was haben die denn davon, die Leute in die Grundsicherung zu schicken?
Das ist doch das gleiche vom finanziellen Aufwand her???

Seitdem die wissen, dass ich wieder anfange zu arbeiten, rufen die bei mir dauernd an, wann es denn soweit ist. Die werden sich noch wundern, wenn die die Umzugskosten tragen dürfen.
Leberkrebs
unregistriert
16.12.2007 17:16 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Ich vermute mal stark, das diese "DIMA" Geschichte auch besonders auf Bezieher von Arbeitslosengeld EINS angewendet werden soll.
Wenn man die frühzeitig in Grundsicherung abdrängen kann, dann spart der Staat meist ganz schön ein. Außerdem hab ich desöfteren gehört, daß die klassische "Sozialhilfe" für Erwerbsunfähige doch einige Euronen unter Hartz-IV liegen soll. Letzteres kann aber Gerüchte sein, aber wäre zumindest logisch gemäß Kapitalismus: Wer nichtmals als 1€-Jobber abnutzbar ist, der kriegt nochweniger.
Zur Zeit schwillt auch wieder die Medienkakophonie an, wonach es Arbeitslosen doch immer noch zu gut ginge und sie wegen der "üppigen Grundversorgung" angeblich keinen Anreiz zur Aufnahme von Arbeit hätten. Siehe dazu "Spiegel" vom 14.12.2007

Achja, demnächst muss ich auch wieder auf Sehrohrtiefe gehen und den Verlängerungsantrag auf Hartz-IV für Januar einreichen. Da kommen dann schlagartig wieder viele schnelle Schraubengeräusche von meiner Arge-Tussi. gehen wir die Sache an, auf ein neues Jungs. Rohre 1 bis 4 bewässern...neuer Kurs zum Geleitzug 090! Augen rollen

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Leberkrebs am 16.12.2007 17:30.

Arne Kroger
unregistriert
17.12.2007 03:53 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Langsam.
Es klappt aber wohl einfach nicht mehr so gut, die Menschen durch die zensierten oder gleichgeschalteten Medien in der BRD noch zu manipulieren.
Denn selbst, wenn es den Medien gelingt, Kinderficker zu neuen deutschen Helden zu machen, dann übersehen sie doch, dass die Menschen zumindest an ihrem eigenen Einkommen noch immer merken, dass der Durchschnittsbürger nix dazu bekommt, so oft MerkelHuberBeck auch das Gegenteil beteuern.
Nicht mal 23 % und das sind ausschließlich Menschen, die über dem Durchschnitt verdienen (also über ca 2000 € pro Familienmitglied, also vierköpfige Familie mit 8000 € Bruttoeinkommen z.B.) sehen das so lt. Stern.

http://www.stern.de/presse/vorab/:%0A%09...ung/603103.html

Warten wir mal die nächsten Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen ab, obwohl ich gerade den beiden Ländern mal wieder zutraue, dass die CDU über 40% liegt und die LINKE unter 5 % bleibt.
Leberkrebs
unregistriert
17.12.2007 19:55 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Die Großverdiener über 2000€ Brutto pro Kopf, gehören dann auch meist selber zur Arbeitgeberseite. Das Arbeitgeber sich doll und dusselig und noch fetter verdienen, ist ja schon seit der Wiedervereinigung im Extrem zu beobachten. Es ist FAST schon so, daß die Geschäftsidee und Grundlage egal wird. Im Prinzip braucht man nur 10 Sklaven von der Arge ordern, die unter Erpressung mit Sanktionen für 5€ brutto antreten müssen. Kostet für 10 Leute am 8 Stunden Tag dann 400€.
Ergibt 80 Stunden Arbeitsleistung. Selbst wenn die Figuren alle nur den Omas den Einkauf für je 5€ nach hause tragen, schaffen die das 2mal in der Stunde und machen damit ihren Lohn weg plus 400€ Gewinnvor Steuern. Nach Steuern bleibt für den Sklaventreiber-Boss dann etwa 200€ übrig. Dafür den ganzen Tag im Büro Eier schaukeln und paar Telefonate...und natürlich die Angestellten befehligen und Dauerkontrollieren.
Ist jetzt ein Extrembeispiel diese Idee, aber fast so läuft es doch in den kleineren und mittleren Betrieben schon ab. Die meisten Unternehmen leben quasi nurnoch, indem sie Teile der Arbeiterlöhne selber einsacken.

Ich selber hab mal als Friedhofsgärtner bei einem gearbeitet, daß war endkrass: Der hatte seine Wohnung 100m vom Friedhof entfent. Der kam morgens angeschwankt, raunzte die Tagesbefehle raus und ging dann vor seine Glotze Schalke gucken...Zum Feierabend kam der wieder und raunzte rum, was wir wieder alles noch hätten schaffen sollen und was ihm nicht passt. Und wenn er Zoff mit seiner Frau hatte, oder sonst einen Koller kriegte, dann kam der auch unerwartet mitten am Tag nochmal zum Friedhof und pampte uns an. Aufgrund einer tollen Argemaßnahme wodurch ich zum Friedhofsgärtner geschult wurde, musste ich das 2 Jahre lang ertragen! Für Nüsse, sprich Sozialgeld selbstverständlich.
Mit den ganzen Geldern für Grabpflege von Omas, kam der locker auf 4000-5000€ NETTO im Monat. Und hat selber kaum einen Handschlag getan. Die ganze Arbeit haben wir unbezahlten Arge-Sklaven gemacht.
Der bekam sogar noch Steuergeschenke, wegen Zusammenarbeit mit der Arge als Extralohn das er uns "ausbildet". Das hat fast schon was von Plantagenbesitzer in den Südstaaten.

Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, zum letzten Mal von Leberkrebs am 17.12.2007 20:22.

Arne Kroger
unregistriert
18.12.2007 04:42 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Das wird im Osten grundsätzlich so gemacht.

Das läuft dann so ab:
Die bauen da mit Steuerngeldern Call-Center auf, die den westdeutschen Callcenter Kunden abjagen.
Die dort Angestellten bekommen aber so wenig Lohn, dass sie noch zusätzlich (natürlich auch aus Steuergeldern) HartzIV-Leistungen erhalten.
Dafür rufen Dich dann zu Hause Idioten an und belästigen Dich, wofür Du Deine Mehrwertsteuer auch noch bezahlt hast.

Das ist Deutschland.
Aber auch das ist Deutschland: Schön an der Grenze zu den NL leben und dann immer dort einkaufen, wenn man schon nicht darum herumkommt, seine Lohnsteuer an die BRD zu zahlen.
Hansi
unregistriert
19.12.2007 00:04 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Dafür rufen Dich dann zu Hause Idioten an und belästigen Dich, wofür Du Deine Mehrwertsteuer auch noch bezahlt hast.


Den Idioten nehm ich dir persönlich Zunge raus .
Leberkrebs
unregistriert
19.12.2007 23:25 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Hansi
Zitat:
Dafür rufen Dich dann zu Hause Idioten an und belästigen Dich, wofür Du Deine Mehrwertsteuer auch noch bezahlt hast.


Den Idioten nehm ich dir persönlich Zunge raus .


Sag nur Du wurdest jetzt zum Callcenter Callboy?


Mal sehen was von der Fallmanagerin jetzt noch so kommt, vermutlich ab nächstes Jahr. Die dürfte jetzt etwas bitter sein, nach dieser Niederlage. Ich tippe mal auf Zwangsbewerbung bei Zeitarbeitsfirmen.
Da gehe ich unbedarft hin und falls malwieder ein Sklavenjob daraus entsteht, dann gehen die gelben Scheine eben wieder los...warten wirs ab.

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Leberkrebs am 20.12.2007 00:00.

Hansi
unregistriert
20.12.2007 00:12 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

@Bronstein: Liest du überhaupt die Beiträge hier? Dann wüsstest du nämlich, dass ich vor meiner Flucht über ein halbes Jahr im Call Center bei Quelle gearbeitet habe, bis mich die ganze Scheiße da nur noch angekotzt hat und einer der Hauptgründe war, weshalb ich mich so schnell über Nacht verpisst habe.
Arne Kroger
unregistriert
20.12.2007 02:08 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Hansi
@Bronstein: Liest du überhaupt die Beiträge hier? Dann wüsstest du nämlich, dass ich vor meiner Flucht über ein halbes Jahr im Call Center bei Quelle gearbeitet habe, bis mich die ganze Scheiße da nur noch angekotzt hat und einer der Hauptgründe war, weshalb ich mich so schnell über Nacht verpisst habe.


Ja, das machen ja die meisten so, wenn sie ihre Arbeit loswerden wollen, dass sie dann einfach abhauen Hals über Kopf und erstmal durch die Weltgeschichte tingeln.
Es soll aber auch die seltenen Fälle geben, wo sich die Leute einfach entlassen lassen und dann wenigstens etwas Knete kassieren von dem, was die vorher dem Staat eingezahlt haben und sich dann ein nettes Leben machen.
Hansi
unregistriert
20.12.2007 23:05 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Als ob die paar Pimperlinge Abfindung fürn schönes Leben gereicht hätten Augen rollen . Zumal ich da ja nur einen befristeten Arbeitsvertrag hatte und der zweite im Sommer diesen Jahres eh nicht verlängert worden wäre.

MAUS

Too old to die young

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07.01.2008 12:06 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

KVB-Preiserhöhung um 12 Prozent für Kölner Arme
Köln (NRhZ/KEA, 1.1.) Die zum 1. Januar in Kraft getretene Preiserhöhung bei der KVB für KölnPass-Inhaber fällt fast dreimal so hoch aus wie die offiziell angekündigte durchschnittliche Preiserhöhung für Straßenbahn und Busse. Laut Kölner Erwerbslosenverein „Die KEAs e.V.“ erhöht sich der Preis für ein JobTicket der Kategorie 1 um 1,20 Euro pro Monat (von 39,00 auf 40,20 Euro) während der Preis für das Monatsticket KölnPass um 3,00 Euro steigt. Dies entspricht einer Preissteigerung von 12 Prozent. Während die allgemeine Erhöhung der Fahrpreise durch die CDU-dominierte Zweckverbandsversammlung am 11. Oktober 2007 beschlossen wurde, haben die Kölner Verkehrsbetriebe mit ihrem kommunalpolitisch besetzten Aufsichtsrat über die Preise bei den KölnPass-Tickets die alleinige Entscheidungshoheit. Die KEAs fordern deshalb die Kommunalpolitiker und an deren Spitze Sozialdezernentin Marlis Bredehorst auf, „alles daran zu setzen, diese Entscheidung rückgängig zu machen“. Außerdem fordern die KEAs die Einführung von preisreduzierten Einzel- und Wochenkarten für KölnPass-Inhaber.

Originalseite:
http://www.nrhz.de/flyer/suche.php?resso...ssort_menu=News



Arbeit und Soziales
Soziale Apartheid und geschönte Zahlen
Drei Jahre Hartz IV
Von Hans-Dieter Hey


Wir wollen alle positiv ins Neue Jahr gehen. Anlass zum Jubeln bietet uns deshalb vielleicht eine Zahl: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik sind offiziell 40 Millionen Menschen erwerbstätig. Das wünschten wir uns, darüber freuen wir uns. Doch da ist die andere Seite der Medaille, die von den meisten Medien verschwiegen wird, denn die wollen uns ja nicht die gute Laune verderben und die Politik vergrellen. 2009 wird nämlich gewählt.

Geschönte Zahlen

... Im Oktober 2007 war die Zahl der „offiziell” als erwerbslos Gemeldeten mit 3,43 Millionen genauso hoch wie im Oktober 1993.[1] Da es 1993 noch keine Arbeitsmarktreformen und keine Agenda 2010 gab, kann mit Recht der Erfolg der rot-grünen Arbeitsmarktreformen in Frage gestellt werden. Der Eindruck verstärkt sich besonders, zählt man alle Erwerbslosen zusammen und frisiert sie nicht, damit die Statistik besser aussieht. Addiert man nämlich die Erwerbslosen, die Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II bekommen, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Danach wurden 2005 ca. 6,7 und 2006 ca. 6,8 Millionen Erwerbslose gemeldet. [2] Im November 2007 waren es 6,1 Millionen Erwerbslose, die Arbeitslosengeld I und II bekamen.

Doch dies ist nicht alles. Im November 2007 waren es 1,94 Millionen des Personenkreises „Sozialgeld", die bei den offiziellen Zahlen ausgelassen werden. Insgesamt erhalten wir damit eine Erwerbslosenzahl von über 8 Millionen. Ständig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müssen auch die Teilnehmer an den oft äußerst zweifelhaften Arbeitsmarktmaßnahmen. Trotzdem sind sie nicht in der Arbeitslosenstatistik aufgeführt. Im Jahre 2005 nahmen 1,24 und 2006 ca. 1,16 Millionen an solchen Maßnahmen teil. [2] Statistische Berücksichtigung finden auch weder die Erwerbslosen, die krank gemeldet waren, noch die 287.000, die 2007 mit entsprechenden Renteneinbußen in den Vorruhestand geschickt wurden.

„Ein-Euro-Jobs"

Beschäftigte mit Aufwandsentschädigung (Ein-Euro-Jobber) werden ebenfalls nicht mitgezählt, obwohl mit ihnen überhaupt kein Arbeitsverhältnis begründet wird. Im Jahre 2005 wurden von der Bundesagentur für Arbeit 290.700 Ein-Euro-Jobber angegeben. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB konnte der BA auch noch falsche Zahlen nachweisen. Tatsächlich betrug ihre Anzahl 381.700. Im Jahr 2006 stieg diese Zahl um 27,5 Prozent. [3] Mitte 2007 wurden ca. 382.000 Ein-Euro-Jobber gezählt. [4] Doch gerade die Beschäftigten mit Mehraufwandsentschädigung sind das politische Machtinstrument des „Förderns und Forderns" des neuen „Work-Fare-State Germany". Es wird politisch benutzt, um die Löhne insgesamt zu drücken - unter Inkaufnahme einer inzwischen enorm gewachsenen Armut.

Die Entwicklung der „Ein-Euro-Jobs" als Arbeitsmarktinstrument stellt sich als ein Desaster ohne gleichen dar, denn die Hälfte der Betriebe mit Ein-Euro-Jobbern erfüllt überhaupt nicht die gesetzlichen Voraussetzungen dafür. Nur zwei Prozent aller Betriebe haben beabsichtigt, Ein-Euro-Jobber im Anschluss einzustellen, 78 Prozent der Betriebe erklären, dass sie für eine Festeinstellung keinen finanziellen Spielraum haben. 45 Prozent aller Betriebe geben offen an, auf diese Weise Arbeitsplätze ganz oder z.B. als Vertretung zu ersetzen. [5]

Die „Nachdenkseiten" machen deshalb deutlich, worum es geht: „...die herrschaftlich inspirierte Zurichtung der Erwerbslosen als sich selbst verwertende und von jeglichen eigenen Ansprüchen befreite Selbstunternehmer – insbesondere für den Niedriglohnbereich; die generelle politische Disziplinierung, Erpressung und Einschüchterung der regulär Beschäftigten, um Löhne zu senken, die Arbeitszeit zu verlängern, Schutzrechte abzuschaffen etc.; die radikale Senkung der Lebensunterhaltungskosten für die erwerbslosen Menschen". [6] Das ist soziale Apartheid einer inzwischen rücksichtslos gewordenen Politikerkaste als Vollzugsbeamte des Kapitalismus, der den Bezug zur gesellschaftlichen Realität der Menschen verloren hat.

Arbeit, Arbeit über alles?

... Während bejubelt wird, dass inzwischen 40 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, bleibt unbeachtet, dass sich die Kurve zu ungunsten der Vollzeitbeschäftigung entwickelt hat. In den letzten fünf Jahren sank die Anzahl der Vollzeitarbeitsstellen um über 1,6 Millionen, während im gleichen Zeitraum die Teilzeitarbeit anstieg. 1993 waren es noch 25,5 Millionen Vollzeitstellen, die bis 2006 kontinuierlich auf 20,9 Millionen sanken. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Teilzeitbeschäftigungen von 3,1 auf 4,5 Millionen. Eine besondere Zunahme gab es bei den Mini-Jobs und den geringfügig Beschäftigten. So wuchs allein die Anzahl der geringfügig Beschäftigten von 2003 mit noch 5,5 bis 2007 auf 6,9 Millionen an. [2] Die Arbeitsmarktreformen mit der Entwicklung hin zu geringen Beschäftigungen haben damit die Krise auf dem Arbeitsmarkt deutlich verschärft und die Einnahmebasis der Sozialversicherungen über die Jahre deutlich verschlechtert.

Der Sanktionsmechanismus von Hartz IV, zu jeglichen Bedingungen zu arbeiten, beschert auch den Leiharbeitsunternehmen volle Taschen. Ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung hat sich von 1995 bis 2006 von knapp 165.800 auf 579.711 mehr als verdreifacht. In den meist ausbeuterischen Betrieben verdienen die Beschäftigten oft nur die Hälfte für die gleiche Tätigkeit, und die wenigsten haben einen Tarifvertrag. Seit 2004 dürfen Entleiher auch befristet einstellen mit der Folge, dass Befristungen mehrmals aneinander gereiht werden dürfen. Die Risiken und der Druck für die Beschäftigten sind damit enorm gestiegen. Doch nur 15 Prozent von ihnen ist es vergönnt, von Leiharbeit in eine reguläre Beschäftigung zu wechseln. [2]

Pest oder Cholera: Hartz IV oder Hungerlöhne

Inzwischen bekamen schon 15 Prozent aller arbeitsfähigen Menschen mindestens einmal Arbeitslosengeld II aufgebrummt, inklusive Überprüfung der Vermögensverhältnisse. Seit Einführung von Hartz IV kamen rund drei Millionen Bedarfsgemeinschaften hinzu, von denen weniger als die Hälfte aus der Hilfsbedürftigkeit wieder herausfanden. [2] Im Juli 2007 mussten 1,3 Mio. Beschäftigte zu ihrem Gehalt noch Arbeitslosengeld-II beantragen, um über die Runden zu kommen, davon waren über 400.000 Vollzeitbeschäftigte. 2007 arbeiteten bereits 19 Prozent aller Beschäftigten – also rund 8 Millionen Menschen – in Niedriglohnbereichen mit Armutslöhnen.

Neben der Schwächung der Gewerkschaften – nur 60 Prozent der Beschäftigten haben noch eine Tarifbindung – hat die Situation auf dem Arbeitsmarkt zu insgesamt sinkenden Löhnen geführt. In diesem Jahr werden sie bei einer Umsatzsteuererhöhung auf 19 Prozent und einer Preissteigerung von 3 Prozent nun zum 15. Mal in Folge einen Reallohnverlust hinnehmen müssen, trotz einiger Erfolge bei Tarifauseinandersetzungen. Mitte des Jahres bekamen außerdem 1,8 Millionen Kinder zum Armutsgehalt der Eltern Hartz IV, 170.000 mehr als 2006. [7]

Druck und Verarmung gehen weiter

Der freie Fall der Arbeitsverhältnisse zu Dumpinglöhnen als Folge von Hartz ist ungebremst. Im Mai diesen Jahres klagte EU-Kommissar Vladimir Spidla: "Wenn es so ist, dass jemand arbeitet und trotzdem zum Sozialamt gehen muss, weil der Lohn zum Leben nicht reicht, dann steht dies im krassen Widerspruch zum europäischen Sozialmodell." [8] Und so wird auf allen politischen Ebenen die Frage nach einem generellen Mindestlohn diskutiert - auch in der CDU. Dies führt jedoch gelegentlich zu geistigen Aussetzern, wie bei dem Vorsitzenden des Sachverständigenrates, Bert Rürup, der einen Stundenlohn von 4,50 Euro für angemessen hält. Bei einer 40-Stunden-Woche sind dies 780 Euro, netto also rund 617 Euro. Rürup müsste Herrn Spidla mal erklären, wie man in Deutschland davon leben kann. Da das Arbeitslosengeld II mit mindestens 700 Euro für eine Einzelperson (Öhm, hab ich da was verpaßt? Mindestens? Würde das nicht bedeuten 700,- oder mehr? Komisch, also auf meinem Konto finde ich diesen Betrag nicht, oder wurde nur vergessen zu erwähnen, daß es sich dabei um einen Bruttobetrag handelt?) höher ist, könnte sich ein Mindestlohn um 4,50 Euro plus Ergänzung mit Arbeitslosengeld II allerdings als gigantischer Kombilohn herausstellen und die Gelüste der Arbeitgeber herausfordern. Und deshalb fordern auch inzwischen viele Arbeitgeber den gesetzlichen Mindestlohn. Künftig dürften die Erwerbslosenzahlen weiter sinken, weil der Zwang, zu Hungerlöhnen zu arbeiten, dadurch erheblich steigt.

Für Erwerbslose ging Hartz IV bisher jedenfalls nach hinten los: „Was unter der Losung Fördern und Fordern prima facie nach einem ausbalancierten Nebeneinander zweier Prinzipien klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine umfangreiche Liste an sozialen Einschnitten und sanktionierenden Regularien, der ein vergleichsweise bescheidenes Repertoire an Förderaktivitäten gegenüber steht", so der Arbeitsmarktforscher Dr. Hartmut Seifert vom WSI. [9]

Auch in der Verwaltung von Hartz IV stimmt es hinten und vorne nicht. Die Klagen über verloren gegangene Akten, vergessene Überweisungen oder erniedrigend behandelte „Kunden” wollen nicht aufhören. Kein Wunder, dass die Menschen sich zunehmend beschweren und die Zahl der Gerichtsverfahren gestiegen ist – meist mit Erfolgen für die Kläger. Allein im Jahr 2006 wurden 390.000 Verfahren eingereicht.

Wunschvorstellungen der Kapitalisten

Die Wunschvorstellungen auf der Seite der Kapitalisten gehen offenbar dahin, dass Einkommen nicht mehr zwingend dazu da ist, dass man davon auch leben kann. IFO-Präsident Hans-Werner Sinn – laut Bild-Zeitung „der klügste Wirtschaftsprofessor Deutschlands" – meinte am 28. Dezember gegenüber der Süddeutschen Zeitung: "Jeder muss von seiner Hände Arbeit leben können? Wer so denkt, der verwechselt Wunsch und Wirklichkeit". Ob man Sinn noch ernst nehmen kann, sei dahin gestellt. Doch wenn sich Rürup einen Mindestlohn von 4,50 Euro vorstellt, liegen die Forderungen der anderen Seite auf dem Tisch. Am 30. Dezember erklärte dann auch der Mittelstandspolitiker der CDU und Apotheker Michael Fuchs der Welt-online: "Sittenwidrig ist für mich ein Lohn, der unter der Grundsicherung von Hartz IV für Alleinstehende ohne Kinder liegt...Damit würde auch die Grenze zur Sittenwidrigkeit angepasst". Da hätten wir den Salat: Hartz IV bleibt die Öffnungsklausel für eine Lohnentwicklung hin zu Hungerlöhnen nach dem "Ehernen Lohnprinzip" des Kapitalismus, eingeführt durch Rot-Grün im Jahr 2005. ...

Die Armut bei Hartz-IV-Empfängern nimmt weiter deutlich zu. Nicht nur, dass die Regelleistung bereits seit 2005 rund 20 Prozent zu niedrig bemessen wurde. Vor allem die Preissteigerungen der letzten Jahre machen das Überleben immer schwieriger. Gerade in diesem Jahr sind die Verbraucherpreise nochmals um 3 Prozent gestiegen, die Strompreise seit 2000 um 50 Prozent. "Wir hören inzwischen vermehrt, dass warme Mahlzeiten in armen Familien vom Speiseplan gestrichen werden, um Strom zu sparen", zitiert focus-online am 23. Dezember den Freiburger Experten für Armutsfragen Alfred Schleimer vom Caritas-Verband. Und wem das noch nicht reicht: Nach einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung vom November 2007 steigt die Zahl derer ständig, denen der Strom abgestellt wird, weil sie ihn nicht mehr bezahlen können.

Die Zahl armer Kinder hat sich verdoppelt

17 Prozent aller Kinder in Deutschland gelten offiziell als arm, mehr als 2,5 Millionen Kinder leben auf oder unter dem Sozialhilfeniveau, so der Politologe Prof. Dr. Butterwegge aus Köln am 23. Dezember gegenüber Welt-online. Damit hat sich ihre Zahl seit 2005 verdoppelt. Nicht einmal „Für gesunde Kinderernährung reicht das Geld...”, so die Ernährungswissenschaftlerin Mathilde Kersting im Stern 52/07. Pro Tag stehen Kindern 3,42 Euro zu, wo mindestens 4,68 Euro erforderlich wären. Für Schulmaterial sind gerade mal 1,76 Euro vorgesehen und für Spielzeug 86 Cent im Monat. Das Kinder die Zukunft unseres Landes bedeuten, findet offensichtlich nur in den realitätsfernen Sonntagsreden der Politiker vor Wahlen statt. ...

Online-Flyer Nr. 127 vom 02.01.2008

gesamter Text + weiterführende Links siehe Originalseite:
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11908

HOFFNUNG IST DER IRRSINNIGE GLAUBE AN DAS UNMÖGLICHE
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Leberkrebs
unregistriert
07.01.2008 21:50 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Mit den 700€ habe ich wohl auch was verpasst. Mir stehen zum kompletten Überleben in der Stadt Essen genau 622€ zur Verfügung.
Allerdings hat sich ARGE seit Mitte Dezember komplett totgestellt, keinerlei Vorladungen oder Schikane-Drohbriefe seitdem. Geld für Januar ist aber angekommen. Zur Zeit habe ich nichtmals einen gültigen Zwangs-eingliederungsvertrag, der letzte ist zu Sylvester offiziel abgelaufen. Das wundert mich vor allem. Denn juristisch könnte ich ohne Eingliederungsvertrag aktuell alles mögliche verweigern, ohne durchführbare Sanktion. Ich habe aber auf dem Januar-Bescheid eine neue Kundennummer , also womöglich Sacharbeiterwechsel und der / die Neue hat nocht keinen genauen Plan? Zur Zeit hoffe ich nur, das dieser Zustand möglichst lang anhält. Aber das Mißtrauen bohrt natürlich im Kopf herum.
Arne Kroger
unregistriert
08.01.2008 04:02 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Ja, die werden eine Durchschnittsmiete genommen haben, die als angemessen gilt, das ist ja abhängig von dem Mietspiegel der jeweiligen Gemeinde.
Okay, und brutto muss man eben noch die Minibeträge für Krankenkasse und Rentenversicherung zurechnen.
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