dian unregistriert
 |
|
@ VirusMensch:
| Zitat: |
| Ob es Zufall ist, das gewisse Politiker Ganztagesschulen mit aller Gewalt etablieren wollen? |
Ich bin ja auch schon seit jeher äußerst skeptisch, was diese Ganztagsschulen angeht.
Witzigerweise sind es ja gar nicht so sehr die offiziell Konservativen, die so etwas fordern, sondern zumeist die gemäßigten Linken, SPD und Grüne.
Das zeigt mir nur wieder, was dieses Pack tatsächlich von Freiheit hält...
Freiheit ist für die wohl, wenn alle Kinder den ganzen Tag beschäftigt werden, damit sie gar nicht erst auf "dumme" Gedanken kommen, die man ihnen dann hinterher verbieten müsste...
Für mich war Freiheit schon während meiner Schulzeit einfach die Zeit, in der ich nicht in die Drecksschule musste.
Viele Kids heutzutage können sich ja schon gar nicht mehr allein beschäftigen, weil es ihnen niemand beibringt... die bauen sofort irgendeine Scheiße, sobald sie mal ein paar Stunden kein fertiges Programm vorgesetzt bekommen, weil sie das Alleinsein und die damit verbundene Eigenverantwortung gar nicht ertragen.
Durch Einführung von Rund-um-die-Uhr-Betreuung und Ganztagsschulen wird das ganze Problem nur noch verstärkt. Dann können die sich bald erst recht nicht mehr alleine beschäftigen und betteln förmlich danach, dass ihnen irgendjemand einen Stundenplan vorsetzt, weil sie sonst ja gar nicht wissen, wie man den Tag rumbringen könnte.
Und so wird der perfekte Lemming von Morgen herangezüchtet... im Namen von humanistischen Idealen, und damit die Eltern unbesorgt zur Arbeit gehen können, weil das Recht auf Arbeit ja auch ein viel wichtigeres Recht ist als das Recht auf Liebe oder das Recht des Kindes auf Privatsphäre (welche es an Schulen nicht gibt)
|
|
|
|
|
|
|
|
gibt es eigentlich auch nur ein einziges haltbares argument pro ganztagsschule?
|
|
|
|
|
|
|
|
| Zitat: |
Original von quaid
gibt es eigentlich auch nur ein einziges haltbares argument pro ganztagsschule? |
Ja, viele Eltern können noch schlechter erziehen, als Lehrer.
|
"Do you believe in free will?" "I have no choice."
|
|
|
|
|
|
|
|
Kann die Lästerei dagegen auch nicht ganz verstehen.
Ich könnte mir nicht vorstellen, dass bei einer sogenannten Ganztagesschule auch wirklich kein bisschen Freizeit für den Schüler übrigbleibt.
|
|
|
|
|
Shai unregistriert
 |
|
Natürlich haben sie Freihzeit.. 15/30 Minuten Pause(zwischen den Stunden)
bzw irgendwelche freizeitlichen Wahlkurse, zu denen man aber dann auch zwangshaft gezwungen wird, einen zu nehmen..
Endeffect, nicht jeder, kann die Freizeitgestaltung haben,
die er sich zu Hause vielleicht selbst ermöglichen kann..
Ich war auf einer so gesagten fast "Ganztagsschule", mit dem Vorteil, das man selbst bestimmten durfte, ob man auch den ganzen Tag bleiben wollte, oder nach regulären Unterricht gehen wollte. bzw, man konnte selbst das net Tag täglich seine Meinung dazu ändern, sondern nur am anfang des Schuljahres, also wieder Zwang....
Sorry, aber wenn du das natürlich toll findest, das man dir vorschreibt, wie du deine Freizeit zu gestallten hast, dann frag ich mich, wie rosa deine Brille gefärbt ist...
lg Shai of fate
|
|
|
|
|
|
|
|
Die Finanzen sind das geringste Problem, denn dafür hat die Wirtschaft ja wieder mehr Eltern zur Verfügung, die sie ausbeuten kann und wenn es nur als arbeitslose Masse ist, die die Löhne drücken kann. Kinder sind ja dann eben kein Hindernisgrund mehr, nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen.
| Zitat: |
Original von quaid
gibt es eigentlich auch nur ein einziges haltbares argument pro ganztagsschule? |
Die gibt es.
(Aber die Anzahl der Lehrer, die Kinder und Jigendliche besser erziehen können als die eigenen Eltern, dürfte allerdings auch sehr gering sein, Xoc, vermute ich. Ist ja auch btw nicht deren Aufgabe, die lernen nur Didaktik, wie sie Wissen und Lernmöglichkeiten vermitteln. Mit Pädagogik haben Pauker eigentlich nix am Hut.)
Und doch, es gibt ein Argument:
Nämlich das, wenn ein Schüler SELBER es will, dass er lieber länger in der Schule ist als wie woanders. Das Modell von Shai hört sich ja noch halbwegs anständig an, nur sollte ein Schüler natürlich sich nicht gleich für ein ganzes Jahr festlegen müssen (und zwar weder was den Unterricht anbelangt, noch was seine Freizeit angeht).
Ich weiß aber nicht, ob es so viele Schüler gibt, die das wollen. Es gibt ja nicht nur Elternhaus und Schule, sondern glücklicherweise auch noch Freunde und Bekannte und so viel anderes, was in Frage kommen könnte anstelle von Schule.
Ich btw, Shai, war gar nicht traurig, dass ich ab 5 Jahren oder so in den Kindergarten durfte. Irgendwie bin ich ganz gerne unter Menschen, auch schon als Kind gewesen. So Gruppenphobien habe ich nie entwickelt, auch nicht was Klassenfahrten oder sowas anbelangt.
Aber vor 30 - 40 Jahren waren Schulen und Kindergärten evtl. auch noch ganz anders als heute.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Arne Reload am 11.10.2009 06:13.
|
|
|
|
|
dian unregistriert
 |
|
| Zitat: |
| Wenn die Schule anders aussieht als sie es derzeit tut, eher wie in Schweden z.B., dann gibt es dutzende haltbare pro-Argumente. |
Ich bin nun kein Experte, was das schwedische Schulsystem angeht... aber ich vermute, auch dort haben die Schüler keine echte Privatsphäre. Und damit wäre das für mich als bekennenden Anti-Kollektivisten definitiv nichts.
Mag ja durchaus sein, dass viele Kids in so einer Schule besser gefördert werden, und dass sie sich da dann sogar wohlfühlen und es als eine Art zweites Zuhause empfinden...
Denjenigen soll man das natürlich auch nicht verwehren.
Aber es gibt nunmal auch Menschen, die einfach nicht so diesen Herdentrieb in sich spüren, und die dankbar für jede freie Minute sind, in der sie sich nicht mit ihren dämlichen Altersgenossen (oder irgendwelchen unsympathischen Erwachsenen) umgeben müssen.
Und zumindest für diese Gruppe soll die Pädagogik gefälligst auch mal vernünftige Angebote vorlegen.
Was heute gemacht wird, ist doch immer nur, dass man versucht, die Außenseiter in die Gemeinschaft zu integrieren... weil es im Verständnis vieler Pädagogen auch völlig logisch ist, dass Menschen um so sozialer werden, je früher man sie ans Leben im sozialen Kollektiv gewöhnt.
Ich hingegen sehe das eher aus einem anderen Blickwinkel. Für mich gibt es nur eine wirklich brauchbare Möglichkeit, um echt sozial denkende Menschen zu schaffen... man muss den Kids Möglichkeit geben, zu sich selbst zu finden. Nur wer mit sich selbst im Einklang ist, kann auch mit seiner Umwelt im Einklang leben.
Daher finde ich, dass Selbstfindung und Erkenntnis durch selbstauferlegte Einsamkeit viel mehr gefördert werden sollte, als etwa Teamfähigkeit und Gemeinschaftsdenken.
Und was vor allem gefördert werden muss, ist die Fähigkeit, sich zu beschäftigen, ohne dass einem irgendjemand ein Programm vorkaut.
Auf dem Planten, wo ich herkomme, ist es jedenfalls ganz normal, dass man Kinder und Jugendliche dazu ermuntert, in die Welt zu ziehen und Abenteuer zu erleben (und sich auch mal längere Zeit komplett von allem zurückzuziehen), weil das die beste Möglichkeit ist, das Leben in seiner ganzen Vielfalt zu begreifen.
Die Schulen hier auf der Erde sind eher dazu da, die jungen Leute so lange von solchen Abenteuern fernzuhalten, bis sie konditioniert genug sind, um sich nicht mehr freiwillig darauf einzulassen, das Leben abseits der ausgetretenen Pfade zu erforschen.
Was am Ende dabei rauskommt, sieht man dann ja auf jeder Schulabschlussfeier...
|
|
|
|
|
|
|
|
Zum schwedischen Schulsystem:
Der Lehrer:Schülerschlüssel ist 1:8.
Es gibt keine festgelegten Lehrpläne, es gibt nur eine Richtlinie, was man bis zur 5.Klasse unegfähr wissen sollte. (Bis zur 9. ist die Klasse sowieso identisch, Zeugnisse und Sitzenbleiben gibt es nicht, es gibt in der 9. dann ein Zeugnis, das beschreibt, wo man hingehen kann.)
Die Lehrer werden i.d.R. geduzt, mit Vornamen oder mit Spitznamen angeredet. Ich hatte noch einen Kunstlehrer, der damals Ärger bekam, weil wir Schüler ihn duzen durften, auf der anderen Seite graut es mir zumindest vor Lehrern, die dann hier in Deutschland mit sowas auf kumpelhaft machen, obwohl hier die Schule eine ganz klare Selektionsfunktion hat.
Wenn man später kommen will, geht das. Die haben nur eine Art Gleitzeit, in der sie da sein müssen.
Es gibt auch keine festgelegten Schulfächern, sondern das wird abgestimmt mit den Schülern, auf was die Lust haben (das allerdings dann wieder kollektiv, aber man kann ja auch zur Not gehen und das an anderen Tagen machen. Ob man auch einfach gehen kann und sagen kann, dass man das lieber zu Hause lernt, weiß ich nicht. Ich fände es auch interessant, mal zu wissen, ob das ausschließlich positive Effekte hat, wenn man mit immer den gleichen Schülern faktisch von der 1. bis zur 9.Klasse zusammenbleibt.
Statt Gymnasien haben die da so gemeinsame Arten von Berufsschulen und Oberfachschulen. Ab der neunten kann man dann so eine Fachrichtung wie Mathematik oder Fremdsprache oder auch Kunst oder so nehmen, das sind irgendwie 20 verschiedene Fachrichtungen, die da zur Verfügung stehen.
Hört sich ja ganz gut an, aber was kommt dabei raus:
Mathe, Naturwissenschaften und Lesen wesentlich höher als Deutschland in der PISA-Studie, nur in Problemlösen nicht, da haben sie nämlich wohl zu wenig von. Siehe hierzu: http://www.youtube.com/watch?v=hSdMNWgUCrI
|
|
|
|
|
|
|
Ich weiß noch:
In 13,1 hatte ich Montags einen interessanten Stundenplan.
1.Std. Deutsch und dann erst wieder 6. + 7. Std. Musik.
Dazwischen frei.
Ich bin aber nie auf die Idee gekommen, deswegen auch nur eine Minute länger in der Schule zu bleiben als wie zu den Fächern an dem Tag.
Irgendwas lohnte sich immer, was man stattdessen machen konnte.
|
|
|
|
|
|