Bis Sonntag kann ich hier in Hamburg über einen Volksentscheid zum Thema Schule abstimmen. Da ich noch völlig unentschlossen bin, was ich wähle, dachte ich, stelle ich das Thema mal zur Diskussion, vielleicht hat ja jemand überzeugende Argumente dafür oder dagegen.
"Do you believe in free will?" "I have no choice."
dian unregistriert
15.07.2010 18:41
Ach, wie mich diese Pseudo-Demokratie doch ankotzt.
Es wird den Menschen vorgegaukelt, sie hätten eine Wahl, Entscheidungen zu treffen für ihr eigenes Leben... dabei entscheiden sie im Grunde nur über das Leben anderer. (in diesem Fall über das ihrer Kinder)
Lasst doch die Kinder abstimmen, wie sie ihre Schule gerne haben möchten!
Wenn man hingegen die erwachsenen Wahlberechtigten befragt, die das Thema ja in der Regel gar nicht mehr persönlich betrifft, ist das in etwa so, wie wenn man die Bevölkerung von Hamburg darüber abstimmen lassen würde, ob in München ein totales Rauchverbot herrschen soll.
Jeder stimmt eben entsprechend dem politischen Lager ab, dem er sich nahe fühlt, und ist geradezu fanatisch davon überzeugt, damit automatisch auch das Richtige für seine Kinder (oder die Kinder anderer) zu tun.
Die Linken sind ja aus Prinzip für Ganztagsschulen und möglichst langen gemeinsamen Unterricht. Die Konservativen und Neoliberalen wollen lieber möglichst früh getrennte Klassen, um den Abschaum möglichst schnell in die Gosse zu kicken, damit die Kinder der wohlhabenden Mittelschicht ungestört lernen können.
Ich finde ja, beides ist Bullshit, und wäre eher für eine Schule, wo man es jedem Kind überlässt, für sich selbst zu entscheiden, mit wem und zu welchen Zeiten es lernen möchte.
Alles andere führt konsequent zu Ende gedacht entweder zu einer gleichgeschalteten, anti-individuellen Gesellschaft oder zu einer egoistischen Zwei-Klassen-Gesellschaft.
Beides ist mir eigentlich zuwider, und deshalb würde ich auch bei solch dämlichen Bürgerentscheiden von meinem Recht gebraucht machen, weder den einen noch den anderen Schwachsinn zu unterstützen.
Rein ideologisch betrachtet entspricht die Idee der Gemeinschafts-Schule, in der Kinder nicht so früh anhand von Leistungskriterien aussortiert werden, natürlich eher dem aufgeklärten/alternativen Standpunkt. Zumindest auf den ersten Blick.
Andererseits weiß ich aus eigener Erfahrung, dass ich nach der vierten Klasse ganz froh war, von gewissem asozialen Gesocks, mit dem ich zusammen die Grundschule besuchte, wegzukommen und fortan unter braven Gymnasiasten zu hocken, die einem wenigstens keinen Stress machten.
Ich sehe nicht viel Fortschrittliches daran, wenn man Schüler dazu zwingt, auf Teufel komm raus eine Gemeinschaft zu bilden, auch wenn sie noch so unterschiedliche Interessen und Motivation haben.
Auf der anderen Seite ist frühe Selektion anhand von Leistungskriterien natürlich auch nicht gerade dazu geeignet, dazu beizutragen, dass es in kommenden Generationen weniger Unterschiede zwischen den Kindern armer und den Kindern reicher Eltern gibt.
Wie gesagt, ich denke, das ist mal wieder nur die Wahl zwischen Pest und Cholera... wie eigentlich fast immer, wenn es in dieser sogenannten Demokratie etwas zu wählen gibt.
Wäre kein Grund für mich, dafür auch nur fünf Minuten meiner Lebenszeit zu opfern.
BasicX unregistriert
15.07.2010 23:03
Tut mir ein Gefallen und wählt bitte, das schlechtere von Beiden. Hoffentlich wird das Schulrecht in Sachsen noch einmal verschärft und dann als Mustervorgabe für die anderen Bundesländer verwendet. Irgendwann haben wir dann eine besonders hochsteigende Selbstmordrate unter Jugendlichen und jedes Jahr einen Amoklauf. Ich bin jedenfalls nicht der einzige, der ein paar alte Lehrer mit dem größten Vergnügen aufschlitzen würde. Genug Hass auf das Schulsystem hat sich mit der Zeit als unmittelbar Betroffener schon genug angestaut aber anscheinend läuft das Fass immer noch nicht über...
Individuelle Persönlichkeiten rein, Lemminge raus... und die nächste Generation bitte.
@BasicX:
Jedes Jahr nen Amoklauf.. damit weiter munter gegen "Killerspiele gehetzt werden kann, ist mir irgendwie auch zuwieder. Und so viel verändern würde bei der heutigen Medienlandschaft und sensationsgeilen Masse ein Amoklauf und paar Selbstmorde mehr oder weniger auch nicht. Im Gegenteil - es würde nur ein paar selbsternannte "Experten" mehr auf die Bildfläche holen, die dann wieder irgendwo ein wenig verschlimmbessern. Und was hast du persönlich davon, dass ein Paar asoziale Lehrer verrecken, außer ein wenig Befriedigung der Rachegelüste? (Nicht dass das zwingend schlecht sein muss, aber besser wird die Welt davon noch lange nicht.) Und jemand der Suizid begeht tut das idR weil er leidet, an seinem Leben und seinem Umfeld. Die Menschen werden, wenn die Paar wenigen die am System leiden und anders sind, auch noch sterben, doch eher noch angepasster. Davon abgesehen, wünsche ich erst mal niemandem (es sei denn, er ist ein Arsch und davon gibts genug), dass er leidet - und schon gar nicht den wenigen, die wirklich anders sind!
@dian:
Natürlich ist beides schwachsinn (eigentlich unser gesamtes Schulsystem), aber ich würd mir wahrscheinlich trotzdem überlegen, welches das kleinere Übel ist und dementsprechend wählen. Und ich persönlich glaube, ich hätte möglicherweise viel mehr Lebenserfahrung, wenn ich mehr mit "asozialem Gesocks" zu tun gehabt hätte. So gut tut es den Gymnasiastenkindern ja nicht, behütet zu werden, um dann bei jedem Scheiss Schiss zu haben (ich spreche da mehr oder weniger aus Erfahrung). Jedenfalls würde ich von dem bisschen Wahlrecht gebrauch machen und etwas gegen eine Zwei-Klassen-Gesellschaft tun. Allein schon deshalb, weil diese peinliche elitäre FDP-Bürgerinitiative es nicht anders verdient hat.
Zitat:
Ich sehe nicht viel Fortschrittliches daran, wenn man Schüler dazu zwingt, auf Teufel komm raus eine Gemeinschaft zu bilden, auch wenn sie noch so unterschiedliche Interessen und Motivation haben.
Ich geb dir zwar recht, aber ich finds schlimmer sie wegen Leistungen auseinanderzureißen und in unterschiedliche Schichten einzudrängen. Ich finds übelst hart wenn schon bei nem 10jährigen quasi mehr oder weniger entschieden ist, wie der Abschluss aussehen wird und letztendlich ob er Gewinner oder Verlierer dieser Gesellschaft sein wird. Für mich wäre eine gute Schule eine, in der man ohne Leistungsdruck und -vergleiche freiwillig lernt, weil man es will und darum würde ich für die Primarschule wählen.. weil es dem Konkurrenzdenken wenigstens ein Stück weit entgegentritt.
Unterm Strich ist das Leben gar nicht so schlecht.
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Ach ja Dian, bist du für eine Abschaffung der Schulpflicht?
"Do you believe in free will?" "I have no choice."
dian unregistriert
16.07.2010 02:15
@ Remus Kay:
Zitat:
Und ich persönlich glaube, ich hätte möglicherweise viel mehr Lebenserfahrung, wenn ich mehr mit "asozialem Gesocks" zu tun gehabt hätte. So gut tut es den Gymnasiastenkindern ja nicht, behütet zu werden, um dann bei jedem Scheiss Schiss zu haben
Die Frage ist doch:
Wenn man einen Haufen Menschen zusammenwürfelt, die eigentlich nichts gemeinsam haben außer ihrem Alter... ist das dann eher gut oder eher schlecht für deren weitere Entwicklung?
Werden sie sich gegenseitig eher hochziehen oder runter?
Oder werden sie einfach nur Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig inspirieren?
Nenn mich meinetwegen einen pessimistischen, elitär denkenden Misanthropen... aber die Erfahrung, die ich mit Menschen (vor allem mit Teenies) gemacht habe, ist die, dass sie sich tendenziell eher gegenseitig runterziehen auf ein Niveau, das die Mehrheit von ihnen verstehen kann, als dass sich die Dummen den Klugen anpassen würden.
(Natürlich meine ich "dumm" in diesem Zusammenhang nicht im Bezug auf ihre Schulbildung, sondern im Bezug auf ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion und ihren geistigen Horizont.)
Längerer gemeinsamer Unterricht bedeutet meines Erachtens auch: Noch weniger Chancen, eine Schublade zu finden, die zu einem passt, weil alle einfach in die selbe Schublade geworfen werden.
Meiner Meinung nach müsste es nicht weniger, sondern noch viel mehr Spezialisierungsmöglichkeiten, schon in jungen Jahren, geben... neben Haupt-, Realschule und Gymnasium wäre ich vor allem für eine spezielle Schulform für all diejenigen, die mit dem pubertären Herdentiergehabe ihrer Altersgenossen nicht zurechtkommen und lieber ihre Ruhe haben möchten.
Das wäre garantiert die sinnvollste Amoklauf-Prävention, wenn den Verantwortlichen wirklich daran gelegen wäre, Schoolshootings in Zukunft zu verhindern.
Andererseits hast du natürlich recht, dieses FDP-Pack von der Bürgerinitiative hat völlig andere Beweggründe als ich, und denen gönne ich es natürlich auch nicht, dass sie sich damit durchsetzen.
@ Xoc:
Zitat:
Ach ja Dian, bist du für eine Abschaffung der Schulpflicht?
Ich bin dafür, dass man endlich mal diesen Irrglauben abschafft, die Menschen würden besser funktionieren, wenn man sie unter Druck setzt und zu irgendwas zwingt.
Die Gesellschaft macht es sich mit der Schulpflicht da ziemlich bequem...
man steckt einfach alle Kids zusammen in einen beaufsichtigten Raum, damit man jederzeit weiß wo sie sind und dass sie keinen Unfug anstellen. Man will sie gut verwahrt wissen, damit man sich nicht selbst um diese jungen Menschen kümmern muss und sich um "wichtigere" Dinge kümmern kann.
Also übergibt man sie sogenannten Erziehungs-Experten, ähnlich wie man die Alten heutzutage den Altenheimen übergibt, weil sich der Durchschnitts-Erwachsene nicht den Stress geben möchte, selber für sie da zu sein.
Man stelle sich mal vor, jeder der heute irgendeinen Job ausübt, hätte gleichzeitig auch noch ein paar Kinder und Jugendliche um sich herum stehen, die ihn mit Fragen löchern und beobachten, und denen man jederzeit ein Vorbild sein müsste.
Nein, das geht ja nun wirklich nicht. Da würde man ja vor lauter Sich-um-seine-Mitmenschen-kümmern zu nichts Produktivem mehr kommen.
Also ich denke, Schule in der heutigen Form ist einfach nur der erbärmliche Versuch, Verantwortung abzugeben an einen anonymen Bürokratie-Apparat.
Und hinterher meckern dann alle, die keinen Bock darauf haben, ständig irgendwelchen Kindern die Welt erklären zu müssen (wie es ihre Vorfahren vor Urzeiten noch taten), darüber, dass an den Schulen, wo sie die Kinder hin abschieben, vieles nicht richtig läuft.
Ach, es ist einfach vieles ziemlich widernatürlich und krank, was die Menschen heutzutage als große Errungenschaften ihrer Zivilisation feiern. Und die Schulpflicht würde ich da ganz oben auf diese Liste setzen.
Also, in diesem Entscheid geht es weder um die Abschaffung von Schulpflicht noch wird die Entscheidung irgendwelche Auswirkungen auf Amokläufe oder sonstwas haben.
Letztendlich geht es darum, ob Eltern nach 4 oder 6 Schuljahren alleine über die Zukunft der Kinder bestimmen dürfen.
Freundlicherweiser sind da zwei unterschiedliche Entwürfe zur Abstimmung vorgelegt und beide sind MIST bzw völlig unbedeutend, dass es zu irgendwie mehr Bildung oder sonstwas führen würde. Eine Selektion wird dadurch nicht stattfinden, ob die Eltern das Bildungsniveau in der BRD weiter drücken, indem sie ihre Kinder nun nach 4 oder eben 6 Jahren dann auf das Gymnasium schicken und die Lehrer werden dadurch auch nicht besser.
Schulisch wäre es wesentlich sinnvoller mit einer fachspezifischen Differenzierung möglichst früh anzufangen, aber das wird weder in dem einen noch in dem anderen entwurf gefordert.
Es ist einer der vielen politischen Schaukämpfe, um die man sich kümmern soll, damit man nicht merkt, dass die Probleme völlig woanders liegen (z.B. an der Ausbildung der Lehrkräften und daran, dass die Möglichkeiten zur fachspezifischen Differenzierung weder vor dem 4./6.Schuljahr liegen werden noch danach.). Leute, die Mathematik gut können, sind selten Genies in Fremdsprachen und umgekehrt. Das wird dann irgendwann wieder alles in einen Abwasch gegeben und nix an Förderung für die Interessierten oder Überforderten geschieht.
Ich persönlich würde bei beiden Entwürfen mit "Nein" stimmen. Und dann können die mal anfangen, sich Gedanken zu machen, was sie evtl. wirklich ändern könnten.
Finanziell ist es wahrscheinlich einfacher, 6 Jahre Grundschulzeit zu haben, das könnte ein Vorteil sein. Auf der anderen Seite existieren keine Grundschulen im Moment, die noch zwei Jährgänge mehr unterbringen können, auch da ist das Jacke wie Hose.
Und die eigentlich wichtiger Differenzierung, nämlich die, wie man mit Menschen umgeht, die nicht in das Bildungssystem so reinpassen, wird gar nicht angesprochen. Ist nämlich auch nicht so sinnvoll, Ewigkeiten Menschen mit Lernbehinderungen auf "normale" Schulen zu schicken, zumindest solange nicht, wie eben nur mangelhaft ausgebildete Lehrkräfte da rumlaufen.
Das perverse an solchen Bürgerentscheidungen ist btw, dass man, sollte man jetzt einen der Entwürfe unterstützen, tatsächlich dahingehen muss.
Es gibt nämlich Mindestquoren für die Annahme solcher Volksentschiede. Das finde ich total bescheuert. Gerade bei solchen fachspezifischen Fragen sollen doch bitte die Leute entscheiden, die sich dafür interessieren. Wenn das nur 10 Leute sind, dann haben da 6 die Mehrheit.
Ich meine, die meisten gehen nicht mehr zur Schule (diejenigen, die es betrifft sind eh nicht wahlberechtigt) und wer keine Kinder hat oder gerade einen pädagogischen Job ausführt, dem kann das doch egal sein. Wieso soll man bei sowas ein Mindestquorum sein, um angenommen zu werden.
Okay, da es eh Jacke wie Hose ist, ob der angenommen wird oder nicht. Es verändert nichts an den Möglichkeiten, sich zu bilden oder verhindert irgendetwas, ist das hier egal, man kann beides ablehnen.
Und an dem anderen eigentlichen Knackpunkt, dass eigentlich Eltern die ungeeignetesten sind, festzustellen, auf welche Schule ihr Kind gehen soll, ändern die Vorlagen auch nix.
Ich weiß gar nicht, wie lange dieses Quatsch schon existiert. Als ich zur Grundschule ging, entschieden das die dortigen Lehrer udn wenn Eltern eine andere Auffassung hatten, dann wurden Test durchgeführt, um zu einem Urteil zu kommen. Ich möchte mir weder ein Gymnasium ab der 5. oder ab der 7. Klasse vorstellen, wo alle Eltern ihre Kinder draufschicken ohne Rücksicht darauf, ob die da was zu suchen haben oder nicht.
BasicX unregistriert
16.07.2010 11:33
Also Dian hat fast alles gesagt, was ich gesagt hätte, aber zu faul um es auszuformulieren. Auch wenn wahrscheinlich dian niemand glaubt:
a) Die Gymnasiasten sind manchmal so etwas von überheblich, aufgrund ihrer vermeintlich besseren Ausbildung und ihren ach so tollen Berufschancen
b) 50% der männliche Klassenkameraden bei mir, die untereinander alle befreundet sind, laufen mit Nikeschuhen rum, tragen Nike-T-Shirts und benutzen ihr ach so tolles "Touchhhhhhhhhhhhhhhscreenhandy", mit den neuesten Apps, versteht sich.
c) Die nächste Party ist schon geplant: "Wer bringt das Bier mit, wer den Wodka?"
d) Andersartige werden höchstens akzeptiert, aber immer ausgeschlossen...
In der Sek II ist Bullying kein ganz großes Thema mehr, stattdessen gibt es nur noch Aktionen a la Mobbing light.
Und ständig den Lehrern in den Arsch kriechen, damit sie dich überhaupt als Person wahrnehmen...
Und an den Demonstrationen in Berlin kann man auch nicht teilnehmen, weil komischerweise immer dann eine wichtige Klausur oder Klassenarbeit geschrieben wird und/oder man keine Schulbefreiung bekommt:
Da fällt mir ein tolles Lied ein:
"Das alles ist Deutschland oho (am besten noch laut mitgrölen), das alles sind wir..."
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von BasicX am 16.07.2010 11:37.
Also den Eltern mehr Einfluss bei der Wahl der weiterführenden Schule zu geben halte ich für Unsinn; meine Mutter ist Grundschullehrerin, und die kennt das zur Genüge dass irgendwelche eingebildeten Eltern der Meinung sind, dass ihre Kinder sonderbegabt wären und unbedingt auf's Gymnasium müssten, obwohl sie nicht wirklich die hellsten sind, und dort maßlos überfordert wären.
Was m.M.n. sinnvoll wäre:
- Alle weiterführenden Schulen zu Gesamtschulen machen (Sonderschulen evtl. ausgenommen), so dass keine (indirekte) Trennung nach sozialen Schichten statt findet, und nach einzelnen Fächern differenziert wird.
- Bessere Zerstreuungsmöglichkeiten in den Pausen / zwischen den Unterrichtsstunden schaffen. Zumindest für mich waren die Pausen nicht gerade eine Erholung, da ich kaum Möglichkeiten fand die Zeit für mich sinnvoll zu nutzen, dafür hatte ich die Deppen der Klasse am Hals, denen natürlich auch langweilig war. Mag sein dass das inzwischen besser ist, ich vermute aber mal eher nein...
Naja, aber das steht bei dieser Abstimmung ja eh nicht zur Debatte...
Ich habe für 6 Jahre gestimmt und gewonnen haben die 4 Jahre.
Interessantes Detail ist es, dass die Grünen festgeschrieben haben, dass Volksentscheide bindend sind, nun ist ihre eigene Reform an einem gescheitert.
Edit:
Ach ja, was mich davon überzeugt hat, für 6 Jahre zu stimmen ist nicht, dass ich das an und für sich als so vorteilhaft sehe, sondern, das Hamburg wohl ein idealer Ort zum experimentieren ist und dann die Praxis zeigen kann, ob es wirklich besser ist.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Xoc am 20.07.2010 17:10.
"Do you believe in free will?" "I have no choice."
Was macht Hamburg denn zu so einem idealen Ort?
Hamburg steht doch in diesem Bundesländerranking von PISA, auf das sich alle berufen, ziemlich weit unten. Insofern kann man zumindest eine Verschlechterung kaum noch wahrnehmen.
Und 6jährige Grundschule gibt es bereits in Brandenburg und in Sachsen-Anhalt. Angeblich auch teilweise in Hessen, zumindest ist das da möglich.
Letztendlich ist dieser ganze Volksentscheid dermaßen kompliziert gewesen, dass es ziemlich unverständlich ist, wieso dann über ein eigentlich uninteressantes Detail abgestimmt wurde. Die weiterführenden Schulen sind in dem Sinne, zumindest wie das alte traditionelle Schulsystem war, in dem ich noch groß wurde, auch in Hamburg schon weitesgehend abgeschafft. Man hat jetzt eben nach 4 Jahren Grundschulzeit die Möglichkeit zu wählen, ob man auf eine weiterführende Schule gehen will, an der man nach 12 Jahren oder nach 13 Jahren das Abitur erhalten kann.
Insgesamt blicke ich aber schon seit Jahren nicht mehr durch, welches Bundesland welche Bildungsabschlüsse anbietet und wie das dortige Schulsystem das vorsieht.
Würde mich mal btw interessieren, wie das Schulsystem zur Zeit bei Euch allen gegliedert ist, sofern Ihr das wisst. Ich weiß über Niedersachsen nur, dass die eben vier Jahre Grundschulzeit haben und einige verschiedene Förderschulen, beruflich reicht das, aber weiß sonst einer mehr über das Schulsystem in seinem Bundesland?
wave unregistriert
21.07.2010 09:27
In BaWü:
Vier Jahre Grundschulzeit. Anschließend gibt es eine vom Lehrerkollegium ausgestellte Grundschulempfehlung, welche empfiehlt, dass der Schüler das Gymnasium, die Realschule oder eben die Hauptschule besucht (basiert in der Regel auf den Noten Mathe/Deutsch und ist eher großzügig).
Möchten die Eltern eine niedrigere Schullaufbahn als die empfohlene, so ist das problemlos möglich, möchten sie eine höhere, so ist, sofern die Schulempfehlung nicht korrigiert wird, eine Aufnahmeprüfung (Lesen, Schreiben, Verstehen, Mathe) abzulegen.
Ich denke, dass sich diese Praxis bewährt hat, da die Grundschullehrer da doch meistens auch einen guten Überblick haben und für Eltern das eigene Kind ja schließlich immer das beste ist.
In der Tendenz rennen auf dem Gymnasium ohnehin zuviele Unterqualifizierte herum. Da ist es gut, dass die Eltern das nicht frei entscheiden können.
Original von wave
In der Tendenz rennen auf dem Gymnasium ohnehin zuviele Unterqualifizierte herum.
Ja, da hat sich auch einiges getan. Meine Eltern haben mir öfter erzählt, dass früher die Hauptschule die übliche Schulform war, und das Gymnasium nur für die wenigen, die auch wirklich studieren wollten.
Heute braucht man Abitur für alles mögliche, nicht nur für das Studium, weswegen sich schon viele schämen, wenn sie es nicht auf's Gymnasium schaffen, oder zumindest auf die Realschule (wobei manche Realschulen seriösen Quellen nach zu urteilen ja höhere Leistungsanforderungen stellen als so manches Gymnasium ^^), und die Hauptschule ist ein Sammelort für Jugendliche mit schlechter beruflicher Perspektive.
Das Ergebnis: Die interessierten am Gymnasium werden nicht richtig gefordert, diejenigen, die am Gymnasium falsch sind haben enormen Leistungsdruck, und auf den Hauptschulen machen sich Depressionen breit, was zu einem (nachvollziehbaren) Desinteresse am Unterricht des einen Teils der Schüler führt, weswegen ein vernünftiger Unterricht nur schwer durchführbar ist, was dann für den anderen Teil der Schüler zur Zeitverschwendung wird.
(zumindest schätze ich das so ein)
Hansi unregistriert
22.07.2010 00:45
In Brandenburg hatte ich 6 Jahre Grundschule und konnte mich danach zwischen Gymnasium, Realschule und Gesamtschule entscheiden. An der Gesamtschule bin ich dann auch gelandet und war froh das 10 Jahre Schule genug sind.
In Nordrhein-Westfalen der sechziger war es so ähnlich wie bei Seneca in BW. Nur ging das ausschließlich von den Noten aus und die Grundschule sagte eben noch, welches Gymnasium das sein sollte. Also noten waren: bis 2,0 Gymnasium, bis 3,0 Realschule und darunter Hauptschule. War aber eben auch für bessere kein Problem auf eine Schulform runter zu gehen. Das hing vom Elternhaus ab, ob die das wollten. (1968 wurde der Handwerkerssohn noch Handwerker und nicht Ingnieur und anderesrum war das auch so.)
Und wenn Eltern mehr wollten, gab es eben einen Test, da gab es aber das Schulfach "Verstehen" noch nicht. Das war ein Diktat, ein Aufsatz, eine Leseübung, eine Rechenarbeit und noch Fragestellungen eben aus Natur-, Heimat- und Sachkunde (Also das der Grundschule entsprechende Biologie, Erdkunde und Physik.)
Nur keine Chance hatte man damals mit was für welchen Noten auch immer auf einen Gesamtschulplatz. In Mülheim stand die erste Gesamtschule der Republik oder sowas, und da durfte nur jeweils einer aus jeder Klasse drauf. (Es sei denn, die zuständige Rektorin war auch SPD-Mitglied und konnte das anders regeln. Meine Eltern bestanden dennoch auf ein Gymnasium, weil mein Vater auch darauf war, s.o., das war damals zwangsläufig noch so.)
BasicX unregistriert
22.07.2010 11:13
Zitat:
Original von Yog-Sothoth
Zitat:
Original von wave
In der Tendenz rennen auf dem Gymnasium ohnehin zuviele Unterqualifizierte herum.
Ja, da hat sich auch einiges getan. Meine Eltern haben mir öfter erzählt, dass früher die Hauptschule die übliche Schulform war, und das Gymnasium nur für die wenigen, die auch wirklich studieren wollten.
Heute braucht man Abitur für alles mögliche, nicht nur für das Studium, weswegen sich schon viele schämen, wenn sie es nicht auf's Gymnasium schaffen, oder zumindest auf die Realschule (wobei manche Realschulen seriösen Quellen nach zu urteilen ja höhere Leistungsanforderungen stellen als so manches Gymnasium ^^), und die Hauptschule ist ein Sammelort für Jugendliche mit schlechter beruflicher Perspektive.
Das Ergebnis: Die interessierten am Gymnasium werden nicht richtig gefordert, diejenigen, die am Gymnasium falsch sind haben enormen Leistungsdruck, und auf den Hauptschulen machen sich Depressionen breit, was zu einem (nachvollziehbaren) Desinteresse am Unterricht des einen Teils der Schüler führt, weswegen ein vernünftiger Unterricht nur schwer durchführbar ist, was dann für den anderen Teil der Schüler zur Zeitverschwendung wird.
(zumindest schätze ich das so ein)
@Bei aller Ehre Yog, aber da kann ich dir nicht zustimmen. Die Ergebnisse sind so, wie du sie interpretiert hast, in höchsten Maße falsch, zumindest nach meiner Meinung nach, die sich auf meinen eigenen, aus zugebenen frustrativen, Erfahrungen begründet.
Ich war nie auf einer Hauptschule, und auf einer Realschule auch nicht und deshalb kenne ich auch nicht viele Leute, die auf solche Schulen gegangen sind, abgesehen von Animus, die ja anschließend die Berufsschule gewählt hat, wo sie mit Bravour ihren Realschulabschluss gemeistert hat. Zugebener Maßen nicht mit 16 sondern 17 Jahren, was aber bei ihr nicht der entscheidende Faktor ausmacht, da sie das gleiche auch mit 16 hätte schaffen können, hätte sie eine Realschule durchgängig besucht...
Nichtsdestotrotz sind die Anforderungen leichter, je nachdem man, welche Bildungseinrichtung besucht, wo das Zeitfenster eine große Rolle spielt. Es ist ein Unterschied ob ich mein Abitur in 13 oder 12 Jahren bekomme und ebenso ein großer Unterschied ob ich meinen Realschulabschluss auf der Mittelschule (Hauptschule) oder auf dem Gymnasium abschließe. Es sind zwar einheitliche Prüfungen aber diese geben auch, vergleichbar mit den Abiturprüfungen nicht den Gesamtausschlag, da sie zwar durchaus sehr hoch in die Wertung mit eingehen aber es insgesamt auf die vollzogene Jahresgesamtleistung ankommt, und die ist bei den verschiedenen Bildungseinrichtungen unterschiedlich einfach zu erreichen.
Bei einer Hauptschule stellen die dort ansässigen Lehrer im Verlaufe des Jahres weniger hohe Ansprüche als die auf dem Gymnasium, die aufgrund der schulgeschichtlichen Vergangenheit mit ihrem scheinbar so ehrwürdigen Bildungseinrichtung glänzen möchten und davon ausgehen können und müssen, dass ein Großteil danach beschließt, das Abitur zu machen, was die anderen Lehrer an anderen Bildungseinrichtungen nicht machen können. Das mal als Einleitungsgedanke...
Ich war damals, als ich noch auf das Gymnasium gekommen bin, einer der letzten alten Jahrgänge, die aber damals bereits mit der neuen Bildungsreform konfrontiert waren. So bin ich noch halbwegs durchgerutscht... Die damaligen Anforderungen um auf das Gymnasium zu kommen, lagen bei 2,0 im Durchschnitt. Heute liegt er bei 2,5. Das bedeutet zwar mehr Schüler, die aber vergleichsweise auch mehr lernen müssen, als ich es damals musste, wobei unser Jahrgang durch den höheren Durchschnitt um einiges qualifizierter war, wenn man sich mal den Spökus anschaut, der durch unsere Klassen hoppelt. So frage ich mich doch, wie solche Kinder, die es mit viel Glück auf das Gymnasium geschafft haben, langfristig schaffen sollen, den Realschulabschluss oder das Abitur zu erwerben. Meiner Meinung nach völlig utopisch. Vielleicht meinte man, die Hauptschulen entlasten zu können, die zugebenermaßen lernatmosphärisch nicht gerade die beste Umgebung bieten aber die Lernatmosphäre in den unteren Klassen auf dem Gymnasium ist ebenfalls nicht gerade besser...
Insgesamt bildet das noch der einzige Punkt, wo ich Yog halbwegs zustimmen kann. Ich könnte euch nun über die Besonderheiten der neuen Oberstufenreform erklären, aber ich denke fast, dass das zu weit führt. Dass mein Vater allerdings, der selbst promoviert und sich im Leben überall durchboxen musste, aussagt, das diese Reform, der absolute Wahnsinn ist, (und das von einem Banker
), sagt meiner Meinung nach einiges aus.
In meinen Jahrgang hatten wir jedenfalls dieses Jahr alleine drei Fälle, die in die Psychiatrie gingen. (mich ausgeschlossen) - Bei einer effektiven Belegung einer Jugendstation sind es im Schnitt 9 Leute. Womit meine Schule nur aus der 11. Klasse sie schon zu einem Drittel belegt haben dürfte (natürlich zeitversetzt) - Die Schüler, die zumindest psychologisch betreut werden, sind nicht mit eingerechnet, ebenso wenig die unteren Klassen. Desweiteren erlebt man oft Nervenzusammenbrüche, Weinkrämpfe und wüste Auseinandersetzungen mit Lehrern. Ich behaupte ausdrücklich einmal, dass die Zeit für Lehrer zu unterrichten und für die Schüler unterrichtet zu werden, nie so schlimm war. Grund ist auch dafür, dass viele Lehrer vom Stellenabbau betroffen sind, die der Staat aufgrund der hohen finanziellen Belastung durchsetzen möchte. Dass dies zusätzlich zum Frust beiträgt, der sich dann auf die Schüler übertragen könnte und überträgt, ist nur ein Resultat zusätzlich zur schlechten Bezahlung und Arbeitszeiten, die weit über die normalen Schulzeiten hinausgehen, denn die Arbeiten korrigieren sich nicht von alleine. Ebenso wenig verständlich ist es, dass das Durchschnittsalter der heutigen Lehrkräfte bei 40+ liegt. Frisches Blut, die es versteht mit den Kids von heute, wie dian es immer so schön formuliert, richtig umzugehen, gibt es nicht. (Die alten DDR-Methoden, mit denen die Lehrer damals aufgewachsen sind, in ihrer Jugend scheinen da schon eher zu fruchten...)
Die Atmosphäre in den Klassen ist katastrophal. Es kommt kein Klassenverband auf, sondern nur sinnlose Cliquenbildung mit Ausgrenzungen derjenigen, die nicht so einfach sich unterlassen wollen oder können oder einfach nicht richtig gekleidet sind und nicht die neueste Technik mitbringen... So sind die Fundamente für eine spätere psychische Belastung schon vorprogrammiert. Die Selbstmordstatistik der Jugendlichen dürfte in ein paar Jahren ein wenig ansteigen, wobei viele als Dunkelziffer gar nicht in die Rechnung eingehen. Du redest davon, dass viele den Anforderungen nicht gewachsen sind...
Das stimmt so nicht... Nehm mich als Beispiel. Ich bin schwer depressiv, traumatisiert und schaffe selbst nach der Oberstufenreform die 11.Klasse mit 2,4 Durchschnitt. Nicht ganz gut aber angesichts der heutigen Lage durchaus befriedigend. Wenn ich die Schule doch eigentlich theoretisch schaffe, warum meinst du, will ich mich dann (unter anderen) wegen der Schule umbringen? Wir müssen hier ganz klar zwischen psychischen und phsysischen Anforderungen unterscheiden... Die meisten, die spät vom Gymnasium abgehen oder in die Klinik wandern oder Selbstmord begehen, haben die geistige Vorraussetzung es zu schaffen, selbst unter der neuen Reform.
Nicht wenige wollen es aber nicht, wie ich sehr gut verstehen kann und manch andere brechen unter diesem enormen psychischen Leistungsdruck zusammen, der ihnen Depressionen und Suizidgedanken bringt. Und du hast richtig erkannt, dass heutzutage zu fast jedem höherwertigem Beruf das Abitur verlangt wird. Ein schlechtes Abitur ist oftmals besser als ein mittelmäßiger Realschulabschluss, obgleich ich jetzt schon weiß, dass Animus zum Beispiel das anders sieht und sagt, dass es auf die innere Qualifikation ankommt und man auch ohne den passenden Abschluss bei einer guten Präsentation zu höher bezahlten Stellen kommt, was durchaus richtig ist. Allerdings passiert dies in einem sehr winzigen Maßstab und das sind meiner Meinung nach Strohhalmargumente, denen man nicht hinterherträumen sollte, weil sie niemals im großen Stil auftreten.
Auf meiner alten Schule hat sich einer, (noch vor der Oberstufenreform), von dem Völkerschlachtdenkmal gestürzt, weil er meinte, er hätte einen schlechten Abschluss und die Abiprüfung verhauen, obgleich am ende ein 1,X rauskam. Ein bedauerlicher Einzelfall? Ich glaube nicht. Ebenfalls vor ein paar Jahren, haben sich Schüler nicht selten vor Zügen geschmissen. Die Presse schrieb, dass es wegen Liebeskummer gewesen sei. Bei mindestens drei Schülern in einem Monat das gleiche Motiv und alle die selbe Methode? Irgendwie nicht ganz glaubwürdig...
Auch wenn Animus sagt, wer will, der schafft das Abitur auch. Nichts für ungut, aber dahingehend ist sie ein wenig naiv, obgleich sie mit ihrer Behauptung im theoretischen Bereich völlig recht hat. Aber blauäugig darauf zu vertrauen, dass das Abitur wenig mehr als die Realprüfung ist, wovon ich indirekt ausgehe, obschon ich jetzt schon weiß, dass sie gegen diese Anmaßung zumindest innerlich protestieren könnte, ist weit gefehlt.
Es geht gar nicht darum in der Oberstufe, wie gut du eigentlich bist, sondern nur wie du dich mit deinen Lehrern verträgst, wenn du faire Lehrer hast, dann wird auch gerecht benotet aber wenn du einen Lehrer hast, der nach Beliebtheit urteilt, dann hast du nur die Wahl dich mit ihm weitesgehend gut zu stellen. Bei den naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathematik, Chemie und Physik gibt es nur die Möglichkeit, richtig oder falsch aber in Französisch, Deutsch, Geschichte und zuweilen Bio hängt es vom Befinden des Lehrer ab, wie er dich benotet. Natürlich gibt es Richtlinien dazu, natürlich Bewertungsmaßstäbe aber ich kann euch eins sagen, wenn die Lehrer sich an diese Bewertungsmaßstäbe halten würden, dann würde ein Großteil der Klasse in meinem Jahrgang konsequent durchfallen.
Meine Gemeinschaftskundelehrerin und meine Geschichtslehrerin haben über die schriftlichen Abiturprüfungen nur folgendes gesagt (wohlgemerkt unterrichten die beiden auch nicht erst seit gestern):
Zitat:
"Macht um keines Willen die schriftlichen Abiturprüfungen im Fach Gemeinschaftskunde und Geschichte. Ich sage, euch, macht es nicht. Ich saß mit meiner Kollegin, Frau X (meiner Gemeinschaftskundelehrerin) zusammen und wir haben die Aufgaben ja erst mal selber gelöst, und wir haben uns nur angeschaut... Selbst mit unserem beruflichem Wissen und ich möchte behaupten, das wir schließlich nicht unfähig sind, war es uns nicht möglich, die Aufgaben in der Bandbreite zu lösen, wie es verlangt wäre... Ich sage euch, macht es nicht. Die da oben (die Regierung) haben keine Relation zu dem eigentlichen Wissenstand.
Immer äußerst interessant, wenn Lehrer so etwas sagen. Zeigt mir immer wieder, dass das Schulsystem und somit die berufliche Zukunft der zukünftigen Generationen derart auf eine Elite zumarschiert, die nur die wenigsten erreichen können. Ich brauche euch ja wohl nicht zu sagen, dass es längst nicht mehr ausreicht, den gelernten Stoff wiederzugeben, wie es vielleicht bis zur 8.Klasse möglich war sondern ihn auf völlig unbekanntes anzuwenden und physikalische, chemische, überhaupt naturwissenschaftliche Probleme anwenden zu können. Es nützt demnach nichts, dass ich in Geschichte die Zahlen und Fakten und sogar ein paar Verbindungen untereinander weiß, sondern dass ich sie zum Beispiel in der Interpretation einer Zahlenstatistik, die sich mit der Kohleeinfuhr beschäftigt oder dem Auswerten einer Karikatur anwenden muss... "Selbstverständlich", werdet ihr vielleicht sagen und unrecht habt ihr auch dahin nicht. Aber bei 13 Fächer, einem Stundenplan, der durchgängig bis 15 Uhr geht, irgendwie nicht ganz einfach.
Vielleicht eure Meinung: "Aber du machst schließlich Abitur und willst schließlich deinen Abschluss..."
Völlig richtig und ich behaupte auch nichts gegenteiliges. Ebenso zeige ich ja mit meinen Leistungen, dass ich es schaffe(n kann) aber dennoch sind einige von diesen pro-school-pressure-Personden der Auffassung, dass es letzendlich gar nicht so schlimm ist.
Gut und wer denkt an die zerstörten, ich drück es mal drastischer aus, vergewaltigen Seelen, die daraufhin nur noch an die berufliche Laufbahn denken und nicht mal fähig sind, so viel Phantasie hervorzukratzen, dass sie ein Gedicht auf die Reihe kriegen. Solche, die bei Mr. Keating (DPS - Dead Poets Society - Club der toten Dichter [Spielfilm]) bei einer Befassung mit Lyrik und Dramatik erst mal ein Lineal auspacken um dann, wie es im Buch steht, ein Diagramm der dichterischen Größe von Shakespeare mit einem anderen Dichter gleich einer mathematischen Statistik zu vergleichen...?
Falls es euch unklar ist, aber nach solchen Gesichtspunkten läuft eine Gedichtsinterpretation in der Sek II ab und nur dafür bekommt man auch eine gute Punktzahl...(Ich meinte nicht das Diagramm, das selbstverständlich nicht, sondern das Schema, der Ablauf zur Beurteilung...)
Das interessante war, dass uns diese Stelle damals unsere damalige Tutorin vorgespielt hat. Zu der sollte man wissen, dass sie die Oberstufenreform sehr, sehr ernst nahm. Nun ja, als sie uns die Stelle zeigte, sagte sie darauf:
Zitat:
"So will ich euch haben..."
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Dass das mit der neuen Reform und auch sonst gar nicht vereinbar gewesen ist, wollte nicht in ihrem Kopf gehen. Stattdessen füllte sie ihre Stunden mit Literaturgeschichte, wobei wir trotz der ganzen anderen Fächer jeweils immer bis zur nächsten Stunde, eine weitere Epoche ausarbeiten sollten. Sie war neu an unsere Schule und gab uns prompt eine Gedichtinterpretation auf, die ich sehr gewissenhaft und ausführlich machte, wobei ich mir die Kritik bzw. die Hinweise meiner vorherigen Deutschlehrerin, die sehr fähig war, sehr zu Herzen nahm und die Analyse ausarbeitete wobei ich selbst einen kleinen Fundus von sprachlichen Bildern einbaute, um die gesamte Interpretation abzurunden. Ich hatte bei meinen früheren Interpretationen immer bei einer 2- gelegen, oftmals bei einer 3+ aufgrund der schlecht ausgearbeiteten Analyse. Da es eine Hausaufgabe war, nutzte ich natürlich das Internet um mir Anregungen zu holen, nur Anregungen und keinesfalls irgendwelche schriftlichen Vorlagen, die dann zufällig als nicht markiertes Zitat in meiner Arbeit landen würden. Ich baute als ein paar Schmankerl ein wie "unzweideutig" und "leicht erotischen Note", die ich als Einleitung nahm, um das Gedicht zu beschreiben... Das Miststück kam nach einer Woche dann zur Auswertung wobei sie wie wahnsinnig und sehr wütend erregt, unsere Arbeiten auf das Lehrerpult knallte, wobei sie ungefähr sagte:
Zitat:
"Ich sollte euch schon alle eine 6 geben, nicht, weil ihr euch damit so viel Arbeit gemacht habt, sondern weil ich den ganzen Schrott auch noch korrigieren musste."
Es folgten einige Auflistungen, wo und welche Plagiate auftauchten, wobei sie in einem äußerst spitzen Ton auch noch formulierte, dass sie sogar dafür bezahlt hatte, diese Plagiate im Internet einsehen zu dürfen. Wie dem auch sei, entgegnete ich ihr, dass ich mir nichts zu Schulden kommen lassen ließ wobei sie meine Arbeit nahm, einen süffisanten und arroganten Ton anschlug und anfing zu lesen:
Zitat:
"Das Sonett "Vergänglichkeit der Schönheit" von dem in Breslau geborenen Christian Hofman von Hofmannswaldau, mit seiner leicht erotischen Note, schildert, wie der Titel schon verlauten lässt, vom Vergehen der weiblichen Herrlichkeit. Es ist nicht unzweideutig und....[...]
Sie kreidete mir schließlich das "unzweideutig" und "leicht erotische Note" als Plagiat an. Keiner kam an diesem Tag mit mehr als 6 Punkten davon und auch die zählten nicht mal, obschon ich sechs Stunden mit der Interpretation verbracht hatte. Danach hatte sich meine Begeisterung für die Schule für immer in die Luft aufgelöst...
Überlegt mal ganz logisch... Wir wollen Leute, die nicht auf den Kopf gefallen sind, die noch eigenständig denken, fühlen und handeln können, die nicht gleich, wenn man ihnen mit Freizeit oder Vergnügen kommt, eine Sportzeitschrift oder die Fernbedienung hervorkramen, die nächste Party organisieren oder schon im Supermarkt stehen, um das dazugehörige Bier einzukaufen? Angesichts solcher in der Oberstufe stattfindenen Gehirnwäsche, wo nicht mal "Momo", "Der kleine Prinz" oder "Unterm Rad" gelesen wird, was die Menschen ein wenig aufgeklärter oder wenigstens zum Nachdenken anregen könnte... Ich habe nach allem, was ich erlebt habe, den Glauben in eine solche Zukunft verloren, wo mir nur eine Arbeit, eine Frau und 2,4 Kinder Glück schenken können.
Das sind durch die Schule genormte Seelen, die man kaum gebrauchen kann. Wahrscheinlich denkt ihr, ich rede Unsinn, es ist gar nicht so schlimm aber ehrlich gesagt, muss ich eher diese Erkenntnisse immer wieder verdrängen oder zeitweilig vergessen um funktionieren zu können. Die Schüler sind keine Schüler sondern Roboter. Und das kann keine Reform ändern, die sich nach PISA oder Leistungskriterien richtet. Die Zukunft unserer Welt, unseres Deutschlands liegt in diesen Menschen und ich behaupte, dass man jetzt schon langsam sehen kann, was dieser Goebbels in Gelb mit uns anfangen möchte. So wird sich Arbeit auf natürlich jeden Fall wieder lohnen...
Beitragsänderung:
Ergänzung:
Anscheinend hat Deutschland an seine Wurzeln gedacht und das fortgesetzt, was Hitler damals schon im vergleichbaren Maßstab gemacht hat... Ich zitiere Adolf Hitler:
Zitat:
"Und sie werden nicht mehr frei, ihr ganzes Leben"
Heute sagt man zu diesem System wohl eher S.A.A.R.T
Und alles nur damit so etwas hier nicht mehr möglich ist (Komisch, wie leicht uns da wohl das Wort, "Sozialschmarotzer" über die Lippen kommt...):
www.theunity.de - Gegen Dummheit und Mainstreamdenken
Dieser Beitrag wurde 6 mal editiert, zum letzten Mal von BasicX am 22.07.2010 11:35.
wave unregistriert
22.07.2010 11:40
Abgesehen von deinen persönlichen Erlebnissen, denen gegenüber ich Respekt habe @BasicX, sind deine Aussagen leider von keiner Sachkenntnis geprägt, sondern stark verzerrend, verallgemeinernd und teilweise schlicht falsch. Ich greife mir mal nur einzelne Punkte heraus:
Zitat:
So frage ich mich doch, wie solche Kinder, die es mit viel Glück auf das Gymnasium geschafft haben, langfristig schaffen sollen, den Realschulabschluss oder das Abitur zu erwerben. Meiner Meinung nach völlig utopisch.
Bei uns in BaWü erhalt man die mittlere Reife PRÜFUNGSFREI, wenn man im Gymnasium in die 11. Klasse versetzt wird. Dies zu schaffen ist einfach, aber keinesfalls das Ziel eines Gymnasiums.
Zitat:
Ebenso wenig verständlich ist es, dass das Durchschnittsalter der heutigen Lehrkräfte bei 40+ liegt. Frisches Blut, die es versteht mit den Kids von heute, wie dian es immer so schön formuliert, richtig umzugehen, gibt es nicht. (Die alten DDR-Methoden, mit denen die Lehrer damals aufgewachsen sind, in ihrer Jugend scheinen da schon eher zu fruchten...)
Je älter die Lehrer werden, desto lässiger sind sie. Der Typ "cooler Opa 60+" hat sich absolut bewährt und führt unweigerlich dazu, dass man für bessere Noten und besseres Verständnis wesentlich weniger arbeiten muss. Wieso sollte man die durch junge Hektiker ersetzen?
Zitat:
Auf meiner alten Schule hat sich einer, (noch vor der Oberstufenreform), von dem Völkerschlachtdenkmal gestürzt, weil er meinte, er hätte einen schlechten Abschluss und die Abiprüfung verhauen, obgleich am ende ein 1,X rauskam. Ein bedauerlicher Einzelfall?
Ein bedauerlicher Fall von Dummheit und ein Kandidat für den jährlichen Darwin-Award.
Zitat:
Ein schlechtes Abitur ist oftmals besser als ein mittelmäßiger Realschulabschluss
Ein grüner Apfel ist schlechter als eine faulige Birne, hä????
Leute, dieses Abitur heißt "Allgemeine Hochschulreife" und ist logischerweise zum Besuch einer Hochschule gedacht. Es ist nicht vorgesehen, dass ein Abiturient einen Lehrberuf ausübt und schon das U-Stahl schief abfeilt, weil der das nie gemacht hat in der Schule. Für solche Dinge gibt es Hauptschüler, die sind darauf vorbereitet.
BasicX unregistriert
22.07.2010 12:00
Ich rede nicht von BaWü sondern von Sachsen und dass du den Realschulabschluss prüfungsfrei bekommst, stimmt auch nicht, nicht hier in Sachsen und ich habe Sachsen als damaliges Bildungsbundesland zitiert, dass eine gewisse Vorreiterrolle einnahm, worüber man sich sicherlich auch streiten kann. Ohne dem Bestehen der BLF, der besonderen Leistungsfeststellung, wirst du nicht versetzt, das ist fakt... Wobei du dann mit dem Verallgemeinern vielleicht eher noch Recht hast, dass ich Sachsen nicht als Maßstab nehmen kann...
Natürlich ist es kein Ziel des Gymnasiums, dass man die 10. Klasse besteht, jedenfalls vorrangig. Hättest du meinen Text richtig gelesen, wäre dir dieser Absatz aufgefallen...
Zitat:
Bei einer Hauptschule stellen die dort ansässigen Lehrer im Verlaufe des Jahres weniger hohe Ansprüche als die auf dem Gymnasium, die aufgrund der schulgeschichtlichen Vergangenheit mit ihrem scheinbar so ehrwürdigen Bildungseinrichtung glänzen möchten und davon ausgehen können und müssen, dass ein Großteil danach beschließt, das Abitur zu machen, was die anderen Lehrer an anderen Bildungseinrichtungen nicht machen können. Das mal als Einleitungsgedanke...
Aber danke, dass du meine Aussagen wiederholst...
Zitat:
Je älter die Lehrer werden, desto lässiger sind sie. Der Typ "cooler Opa 60+" hat sich absolut bewährt und führt unweigerlich dazu, dass man für bessere Noten und besseres Verständnis wesentlich weniger arbeiten muss. Wieso sollte man die durch junge Hektiker ersetzen?
Hast du irgendwas geraucht? Weißt du wie die Lehrer von damals selber in den DDR-Schulen unterrichtet wurden? Die sind nicht nur einfach cool und lässig. Die sind oftmals stocksteif und wissen nicht, wie sie mit einer Klasse umgehen sollen, die ihnen auf der Nase rumtanzt und haben auch völlig zeitunangemessene Methoden zur Konfliktbewältigung. Dass die jungen Hüpfer auch nicht viel besser sind, da stimme ich dir zu...
Zitat:
Es ist nicht vorgesehen, dass ein Abiturient einen Lehrberuf ausübt und schon das U-Stahl schief abfeilt, weil der das nie gemacht hat in der Schule. Für solche Dinge gibt es Hauptschüler, die sind darauf vorbereitet.
Natürlich ist es nicht vorgesehen aber Statistiken beweisen, dass nicht wenige mit einem schlechten Abitur nach einer Lehrstelle suchen und ich mache nach der 12. vielleicht das gleiche und bewerbe mich als Bankkaufmann. Mensch Junge, mach mal die Augen auf, dann wirst du sehen, dass ich gar nicht so falsch liege...
Und was deinen angesprochenen Fall "bedauerlicher Dummheit" angeht, zeigt es nicht gerade von Stärke so über einen Toten herzuziehen und zweitens zeigt das nur, dass du absolut kein Verständnis für psychische Probleme hast und das hast du auch wieder damit bewiesen, dass du einen Großteil meines Posts einfach nur ignoriert hast, um mir die unmaßgeblichen Schwachpunkte an den Latz zu werfen und damit genau das zu ignorieren, was fast alle Politiker und Psychologen dieses Landes auch ignorieren.