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Die Nacht vor dem letzten Schultag
26.09.2009 01:57 |
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Es war Montag.
Bastian starrte mit zusammengekniffenen Augen in die unheimliche Finsternis, im Versuch im Halbschlaf die roten Ziffern der Digitaluhr zu erkennen. 3:58. Rot wie Blut, das schon bald fließen wird und die ganze deutsche Nation in Schock versetzen wird. Das Blut, vergossen durch unendlich viele Mobbereien und Erniedrigungen die ihm Zeit seines grässlichen Lebens zuteil wurden. Selbst hier, im letzten Refugium seines Daseins konnte er die Stimmen hören. Sie riefen ihm zu er sei ein Verlierer, er sei minderwertig, menschlicher Abfall. Er sei ein Niemand. Er will sie nicht hören. Nie wieder. Niemals. Wenn er die Augen schloß sah er die hämisch grinsenden Fratzen seiner Peiniger wie sie ihn erniedrigten, seinen Stolz zerstörten. Er will diese Gesichter nicht mehr sehen. Nie wieder. Niemals.
Das Bett war schweißgetränkt, der strahlende Mond warf seine Silhoutette durch die geschlossenen Rolladen und tauchte das unordentliche Zimmer in silberartige Streifen. Vollmond, dachte Bastian, welch passender Vorbote des Unheils das schon bald meine Feinde ereilt. Er hat versucht zu schlafen, doch die Gedanken rannten ihm wie durch ein Zeitraffer im Kopf umher. Seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft glichen einem mehr und mehr wahr werdenden Alptraum. Dass er diesen Alptraum raus in die Welt tragen und einige Existenzen in seinem Zorn vernichten wird, war nur konsequent für ihn. Er wachte in dieser Nacht 3x Mal auf. Er konnte nicht schlafen angesichts des kommenden Blutbads.
Er fröstelte. Obwohl es warm war, war ihm kalt. Er sprang auf ging mit langsamen Schritten zur Toilette, und starrte anschließend in den Spiegel. Er fuhr sich mit seiner von Narben bedeckten Hand die Zeuge ablegte für die vielen Qualen die er verspürt hatte, über sein schmales blasses Gesicht und fragte sich mit leiser Stimme: "Wozu war ich hier?". Er starrte seinem Spiegelbild in die blauen, leeren Augen. "Wieso fällt es mir so schwer zu leben?", "Wieso kostet es mich so viel Überwindung?" dachte er. Es war absolut still. Er neigte seinen Kopf ein wenig zur Seite so dass der Spiegel hinter ihm zu dem vorderen Spiegel geneigt war und einen Spiegel-in-Spiegel effekt bildete der einem unendlichen Tunnel glich. Getaucht in silberartiges Mondlicht war das ein bizarres, fast surreales Ereignis. Bastian starrte in den Tunnel, er erinnerte ihn an sein Seelenleben. Tief, undurchschaubar und unüberwindbar. Schon bald wird nichts mehr eine Bedeutung haben, alles wird zu Ende zu gehen.
Schon bald wird er diese Welt verlassen... Er guckte aus dem Fenster und sah seine Nachbarschaft. "Die Menschheit... zusammengepfercht in asphaltierte Gefägnisse... niemals in der Lage wirklich frei zu sein." dachte er. Er starrte zum Mond. Anschließend blickte er auf seine im Mondlicht weiß getauchten Hände. "Mit diesen Händen werde ich jene die mich psychisch zerstörten, physisch zerstören. Mit diesen Händen werde ich meinen Willen durchführen, und wenn ich schon sterben werde so werde ich sie alle mitnehmen!" Eine Reihe von dunklen Wolken ziehen jetzt am Mond vorbei und tauchten das kleine, beschauliche Städchen in dem Bastian zur Welt kam, wieder in tiefschwarze Dunkelheit.
"Ja... das wird wirklich ein Tag werden den keiner mehr vergisst. Dafür werde ich sorgen...". Dieses Mal sprach er diese Worte um seine Entschlossenheit zu untermauern. Er hatte nur noch wenige Stunden um alles vorzubereiten. Er hat in seinem Leben noch nie etwas konsequent durchgezogen. Doch dieses Mal ist alles anders. Dieses Mal wird er seinem Hass Ausdruck verleihen und mit Mordwerkzeugen gegen die Menschheit und Menschlichkeit in den Kampf ziehen.... und wenn er dabei draufgeht.
By Illumatrix
Fortsetzung folgt...
Dieser Beitrag wurde 26 mal editiert, zum letzten Mal von DonBaron am 26.09.2009 02:49.
"Most people are so ungrateful to be alive, but not you, not any more... "
„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“
"Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn anleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten, als den Andersdenkenden. "
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Zwar ziemlich schön formuliert bis hierhin, aber die Andeutungen geben Anlass zur Vermutung, dass da keine große Überraschung mehr kommt.
Aber immerhin regt das an, evtl. mal selber demnächst eine Novelle hier abzulassen, wenn ich etwas mehr Zeit habe.
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@Arne Reload
Ich halte es für sehr spannend mich in Leute und ihre Lagen hineinzuversetzen. Was muss es für ein Gefühl sein zu wissen dass man am nächsten Tag zum mehrfachen Massenmörder wird und sterben wird. Was für ein Gefühlschaos tobt in einen kurz vor einem Amoklauf?
Mit meinem Text habe ich versucht anlässlich der jüngsten Ereignisse ein wenig von der Atmosphäre eines solchen Amoklaufs einzufangen und vielleicht sogar dem Leser einen leichten Schauer über dem Rücken zu jagen. Außerdem wollte ich auch zeigen dass Horror auch psychologisch und im Kopf stattfinden kann, anstatt hier einfach irgendwelche Splatterszenen reinzupacken. Im Gegenteil, grade die Dämonen im Kopf sind es doch die man schwer bekämpfen kann, die einen lähmen und komplett vereinnahmen. Jeder von uns hat mit ihnen zu kämpfen, manche mehr, manche weniger. Und die Person im Text hat diesen Kampf offenbar verloren.
Den Text werde ich nur fortsetzen um noch darzustellen wie die betreffende Person ihr Leben aushaucht, ein paar letzte Gedanken zum Thema usw.
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von DonBaron am 26.09.2009 13:04.
"Most people are so ungrateful to be alive, but not you, not any more... "
„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“
"Man verdirbt einen Jüngling am sichersten, wenn man ihn anleitet, den Gleichdenkenden höher zu achten, als den Andersdenkenden. "
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dian unregistriert
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@ Illumatrix:
Ich könnte mir das gut als Anfang eines "etwas anderen" Jugendromans vorstellen... so Unity 1 mäßig. Also ich hätte nichts dagegen, wenn daraus eine längere, zusammenhängende Geschichte werden würde... gerne auch mit einem überraschenden Ende.
Jedenfalls scheint da bei dir zumindest schon mal ein grundliegendes Verständnis für Sprache und die richtige Verwendung von Worten da zu sein... ein Talent, ohne dass man es einfach bleiben lassen sollte, solche (oder andere) Texte überhaupt zu verfassen.
Wenn du da dran bleibst und öfters etwas schreibst, ginge da auch sicher noch mehr.
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Illumatrix, wir hatten uns ja schon kurz im Chat drüber unterhalten. Für eine Charakterstudie reflektiert mir der Protagonist in Deiner Geschichte schon zuviel. Der denkt, das ist nicht der Typus Amokläufer, der die letzte Zeit aktiv war nachdem Amokluaf eine Mainstreamaktion wurde. Da kann man maximal noch den aus Emsdetten nehmen, der hatte noch was im Kopf und der hat auch sehr deutliche Unterlagen hinterlassen, warum er das machte.
Die heutigen Amokläufer stelle ich mir eher als eine aus einer Reihe von Lemmingen (hier ist das Wort evtl. mal besonders angebracht), der liest, dass es da einen Amoklauf gibt und der nicht reflektiert, der nie im Leben Selbstvertrauen hatte, mal seine Meinung allen zu sagen und seine Waffen als Phallusersatz nutzt, damit auch er einmal den längsten hat.
Okay, shinobi, das wären eben so Lösungsmöglichkeiten. Dass der Typ auf dem Weg zur Schule ein Rudel Skinheads begegnet und ihn auf ein Bahngleis fesselt und der Zug kommt und nix ist mehr mit dem schönen Amoklauf. Das würde wirklich mal zum Nachdenken anregen, was so eine Novelle soll.
(Evtl. könnte das dann die einzig pünktliche Regionalbahn sein, die bei der Deutschen Bahn AG fährt und der Zug kommt kurz vor ihm zu stehen, weil aus dem hinteren Teil des Wagens gerade Ron geschleudert wurde, der feststellen musste, dass eine Einhandkettensäge, die auch menschliche Knochen durchtrennen soll, ohne dafür jedesmal neu justiert zu werden, nur funzt, wenn auch der Kompressor dabei voll läuft und der Rückschlag so stark ist, dass man in einem fahrenden Zug nur selber meterweise durch die Gegend geschleudert wird. Kann man ja alles miteinander verbinden.)
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