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WeltverbesserInnen- ein Blick ins Dickicht
02.12.2008 00:46 |
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Arrogant, faul, weltfremd, bärtig, langhaarig- mit diesen Vorurteilen hat der/die sogenannte „WeltverbessererIn“ zu kämpfen. Viel wird über ihn/sie geurteilt: Entweder ein weltfremder „Gutmensch“ oder ein steineschmeißender Chaot ist er/sie. Doch versetzen wir uns doch einmal in die Lage dieses wirren, lausbefallenen Kobold-Mythos.
Der Tag beginnt, draußen dröhnt der Straßen-Lärm. Wir stehen auf, der Tag scheint jedoch schon bevor er angefangen hat vorprogrammiert. Schule, Nachmittagsschule, Hausis, Schlafen- zwischendurch vielleicht noch den Kopf mit Musik wegdröhnen, um sich ein wenig Platz aus der Enge zu schaffen, aber das Gerüst steht. Überhaupt scheint das ganze Leben so ein Gerüst darzustellen, ein „Käfig“- und es ginge anders, das lässt sich allein in den Büchern sehen, von denen immer gesagt wird, man solle daraus für die Zukunft seine Lehren ziehen- Geschichts-Bücher. Hat man das aber gemacht, was tun?
Nun haben wir einige Möglichkeiten um aus dieser Enge, diesem „Käfig“ herauszukommen, um uns selbst quasi zu verwirklichen. Entweder wir suchen uns ähnlich Denkende und Fühlende Menschen oder wir geben es auf und unterdrücken unser Leben lang dieses Streben nach Entfaltung, Selbstbestimmtheit und Freiheit und drängen es solang aus unserem Bewusstsein, bis wir es vergessen und nur noch ab und an auf Stammtischen mit Kollegen mit einem traurigen Blick schmunzeln, wenn wir an altes Verlangen denken.
Nehmen wir an, wir seien nicht masochistisch genug, dieses Verlangen unterbuttern zu lassen. Möglichkeit 1: Wir schließen uns einer Partei an, diese Wachen zusammen mit ein paar Sklaven-Treibern, welche uns zum Arbeiten „anregen“ und einem Apparat, der uns bestraft, wenn wir uns nicht an die Regeln dieser Instanzen halten, über den Käfig. Manche von ihnen geben einem mehr Brot-Ration und manche weniger- sie selbst nehmen sich selbstverständlich ein paar mehr. Manche vergrößern auch den Käfig. Keiner von ihnen aber hat ein Interesse den Käfig aufzulösen.
Möglichkeit 2: Wir gründen eine Gruppe/schließen uns ihr an, die nicht vorm Käfig sitzt sondern im Käfig ist. Diese Gruppe schreit- zusammen kann man lauter schreien- die Wächter an und sammelt Unterschriften und wirft sie ihnen entgegen- meistens allerdings ohne Erfolg.
Möglichkeit 3: Wir gründen eine/schließen uns einer Gruppe an, die sich zum Ziel setzt, den Käfig für alle aufzulösen.
Möglichkeit 2 führt zu einem ständigen Dasein in Ohnmacht- wir flehen und flehen die Wächter an, doch nichts Wesentliches ändert sich.
Möglichkeit 3 führt zu einem gespaltenen Dasein: Einerseits bauen wir etwas auf, in deren Umfeld man sich annährend frei schätzen kann, wir erschaffen uns z.B. im Käfig kleine Räume, in denen wir versuchen so zu leben, wie wir es gerne wollen (ein selbstverwaltendes Wohnprojekt, Freiräume etc.) andererseits sitzen wir noch im Gesamtgefängnis, müssen unsere Arbeitskraft noch als Ware verkaufen für die Sklaventreiber, nach deren Gesetze des Wachstums leben, kurzum: sind nicht frei.
Viele haben auch ein Interesse- wir meinen sogar die Mehrheit- dass nicht alle Dinge ideal laufen in diesem Gesamt-Gefängnis. Doch einige haben sich ganz gut eingerichtet und vergessen jene, die noch stärker an den Ketten leiden, weniger bis keine Brot-Ration bekommen etc. Manche haben es nach mehrmaligem schmerzhaftem Rütteln an den Stäben aufgegeben. Manche sehen nicht, dass alle doch im gleichen Gefängnis sitzen und versuchen es auf die eigene Faust- und scheitern. Kurzum: Keiner sieht eine gemeinsame Alternative. Als Weltverbesserer rennen wir nun im Käfig umher, versuchen den Menschen gemeinsame Wege aufzuzeigen aber stoßen dabei auch ständig an die Stäbe- ab und an kommt auch der Wärter und tritt uns oder einer der Mit-Insassen tritt uns, weil wir ihn nerven. „Er will es sich doch hier so gemütlich machen wie es geht, irgendwann ist es doch sowieso vorbei mit dem Leben“ - oder er missversteht uns. Manche denken, wir wollen ihnen ihre im Käfig angesammelten Brot-Krumen nehmen und missverstehen uns, einige glauben sie handeln auch für die Befreiung aus diesem Käfig, wollen uns aber nur in einen neuen Käfig locken und viele verwechseln uns mit eben jenen.
Kurzum: Das Leben in diesem Gefängnis ist ein immerwährender Widerspruch, zu dem, wie wir gerne leben würden. Es wäre anders möglich, sodass jeder sein Leben verwirklichen könnte, außerhalb dieses Gefängnisses, aber die Häftlinge haben Angst, entweder vor den Wächtern oder dem Unbekannten da draußen.
Nun kehren wir aus diesem „Kobold“ wieder in uns und überdenken noch das Bild des „Welt-Verbesserers“. Und, wenn wir ehrlich sind, steckt dieser doch irgendwo auch in uns, oder?
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Seien wir realistisch- versuchen wir das Unmögliche!
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RE: WeltverbesserInnen- ein Blick ins Dickicht
02.12.2008 02:57 |
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| Zitat: |
Original von Bakunins Bart
Arrogant, faul, weltfremd, bärtig, langhaarig- mit diesen Vorurteilen hat der/die sogenannte „WeltverbessererIn“ zu kämpfen. Viel wird über ihn/sie geurteilt: Entweder ein weltfremder „Gutmensch“ oder ein steineschmeißender Chaot ist er/sie. Doch versetzen wir uns doch einmal in die Lage dieses wirren, lausbefallenen Kobold-Mythos.
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JA bin ich fast alles, nur nicht langhaarig und deshalb keine Läuse
So mal ernsthaft:
Ich finde Deine beiden Texte (auch der mit der Politik) sind so interessant, das es ich es Schade finde das sie hier in der Lyrik liegen. Ich könnte mir gut vorstellen, das sie in "Politik & Gesellschaft" einen besseren Bezug zum Inhalt darstellen und auch leichter gefunden werden können. Aber vielleicht magst Du den Bereich hier ja auch Lieber, weil es ja schon fast Dein Unity-Home ist. Ist halt eine Anregung sie verschieben zu lassen.
Inhaltlich auch sehr interessant, dazu aber nichts mehr heute nacht
EdS
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verwerfe was Du willst.
Finde Deine eigenes Bild und lebe wie DU es willst.
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RE: WeltverbesserInnen- ein Blick ins Dickicht
02.12.2008 03:10 |
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| Zitat: |
Original von Bakunins Bart
Arrogant, faul, weltfremd, bärtig, langhaarig- mit diesen Vorurteilen hat der/die sogenannte „WeltverbessererIn“ zu kämpfen. |
Ich mag vielleicht faul, weltfremd, bärtig und langhaarig sein, aber ich bin kein Weltverbesserer!
(dafür fehlt mir einfach die Naîvität zu glauben dass ich wüsste, was für andere das Beste ist)
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das erinnert mich an marge ^^
"mein mann ist kein chauvinist! er ist vllt ein schwein, ein säufer und ein chauvinist. aber er ist kein kommunist!" oder war das abe simpson?
im übrigen finde ich auch, dass der text als politikthread durchgehen würde
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Google sagt folgendes:
Abe Simpson: "Homer ist kein Kommunist! Er ist vielleicht ein Lügner, ein Schwein, ein Idiot und ein Kommunist, aber er ist kein Pornostar!"
(ich glaube die schwammige Erinnerung an dieses Zitat war auch nicht ganz unschuldig an meinem Kommentar ^^)
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K, stimmt, nächstes mal stell ichs dort rein;-) Ist halt auch ein wenig erzählerisch geschrieben, weshalb ich dachte es ist primär ein "Text" als eine polit-Analyse.
Welt-Verbesserer ist ein interessantes Wort, ich dacht primär nicht an einen herrschenden Verbesserer sondern verbesserer im dynamischen Sinne, das heißt man treibt eine Entwicklung voran, ohne Herrschaft auszuüben. So ist man genauso ein Verbesserer, wenn man jemanden auf etwas aufmerksam macht, das ihn/sie darauf zum selbst denken anregt. Deswegen sehe ich "Verbesserer" im weitesten Sinn, wer aktiv ist aus sich selbst heraus. wer innere Aktivität hat, zu sich ehrlich ist, ist schon quasi eine Art Welt-Verbesserer.
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Seien wir realistisch- versuchen wir das Unmögliche!
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Na gut, dann muss ich wohl doch einer sein.
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