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Zum Ende der Seite springen Tag der Arbeit  
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dian
unregistriert
Tag der Arbeit 01.05.2008 13:35 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Irgendwie meine ich noch so im Hinterkopf gespeichert zu haben, dass der 1.Mai der Tag der Arbeit ist... ja, dass es an diesem Datum in früheren Jahren gar zu den berühmt-berüchtigten Chaostagen kam, an denen sich die Wut der Jugend in sinnloser Zerstörung entlud.

Und heute?
"Tag der Spießer" würde irgendwie besser passen. Egal, wo man hinschaut, überall nur glückliche, durchschnittliche Familien auf dem Familienausflug. Zumindest hier im Schwäbischen. Jede hat exakt 1,7 Kinder dabei (hab ich extra nachgezählt!), die natürlich alle brav ihre Fahrradhelme aufgeschnallt haben und zum nächsten "Feschdle" fahren, wo man sich dann ein "Bierle" genehmigt und eine "Rote" isst.
Man könnte auch sagen, die Wurst ist mittlerweile das einzig rote an diesem Tag.
Irgendwo in der Stadt trommeln und pfeifen zwar noch ein paar unverbesserliche Gewerkschafter... aber wo die Arbeiterschaft längst aufgehört hat, sich als ausgebeutetes Proletariat zu fühlen, stehen diese paar Idealisten natürlich auf verlorenem Posten.
Dabei gäbe es heutzutage doch eigentlich viel mehr Grund als in den 70ern oder 80ern, um mal ordentlich auf den Putz zu hauen.
Hartz4, die immer noch steigende Armut im Land, staatliche Überwachungsmaßnahmen in einer Qualität, die vor zwanzig Jahren noch völlig unvorstellbar gewesen wäre...
ja, wann wollen die Leute denn auf den Putz hauen, wenn nicht angesichts dieser Entwicklung?

Doch den typischen Arbeiter, der sich landesweit mit seinen ausgebeuteten Kollegen solidarisiert, gibt es nicht mehr.
Man sieht sich einfach nicht mehr als Zugehöriger einer großen Gruppe, die von einer kleinen anderen Gruppe ausgebeutet wird...
Vielmehr will jeder, selbst der dämlichste Proletarier, heutzutage ein Individuum sein. Und moderne Individuen solidarisieren sich nicht miteinander... sie beißen lieber die Zähne zusammen und malochen bis zum Umfallen, damit ihnen hinterher wenigstens niemand vorwerfen kann, dass sie dem Staat auf der Tasche liegen würden.
Keine Ahnung... vielleicht hätten die Leute vor einigen Jahrzehnten, wenn man sie über ihre Gedanken zum "Tag der Arbeit" befragt, noch irgendwas zu sagen gehabt über Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen.
Heute habe ich den Eindruck, dass der durchschnittliche Arbeiter, danach befragt nur noch antworten würde: "Ich habe das ganze Jahr fleißig gearbeitet, daher ist heute ein Tag, an dem ich mich ausruhen darf und verdienterweise mit meiner Familie zusammen sein kann."
Man nimmt die Welt hin, wie sie ist, und will sie nicht mehr wirklich verändern.

Und die Jugend?
Chaostage??
Ich weiß ja nicht, was mit den Punks heutzutage los ist... (vielleicht kann mir das Maus mal erklären)
Jedenfalls hab ich den Eindruck, da gibt es nur noch zwei unterschiedliche Gruppen. Die einen, die Feierabend-Punks, Gymnasiasten aus wohlhabendem Elternhaus, die sich für's Wochenende kleiden wie Punks und sich auch so ähnlich verhalten, aber trotzdem bei allem was sie tun, immer ihr Abitur und ihre Zukunft im Blickfeld haben...
und dann sind da eben noch die anderen, die Alkoholleichen, die zwar ab und zu mal in der Fußgängerzone urinieren, aber sich alle Gedanken, die irgendwie zu größeren gewalttätigen Protestaktionen führen könnten, längst aus dem Hirn gesoffen haben.
Mit beiden Gruppen lässt sich wohl weder eine Revolution starten, noch irgendwelche Chaostage, die mehr sind als ein paar nette zusätzliche Trainingseinheiten für die Azubis der Bereitschaftspolizei.

Ich verstehe es halt echt nicht, was da abläuft..
wieso es heute, trotz Gesundheitsreform, Massenentlassungen und steigendem Druck in der Schule, weniger Unzufriedenheit zu geben scheint als zu Zeiten der guten alten BRD, als wir noch D-Mark hatten und derjenige, der nicht arbeiten wollte, noch relativ problemlos seine Sozialhilfe ausgezahlt bekam.
Ist das der Zeitgeist?
Sind die Menschen genügsamer geworden?
Werden sie nicht mehr ausgebeutet, oder verdrängen sie nur deutlich besser als früher, dass sie ausgebeutet werden?

quaid

their law


01.05.2008 13:48 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

ich glaube, die tatsache das der 1.mai auf den herrentag fällt, sorgt eher dafür das die männer sich n bierchen genehmigen und heute chillen.
aber nur eine theorie ^^

ansonst bleibt ja nur zu sagen, das heute eh keiner mehr auf die straße gehen wird. wir sind eben nicht frankreich.
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Xoc

lol

images/avatars/avatar-508.jpg


01.05.2008 13:56 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Heute ist Tag des Physik-Aufgabenblatts Lösens, ich werde also nicht mal zum Drogenkonsum kommen.

"Do you believe in free will?" "I have no choice."
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Hansi
unregistriert
01.05.2008 14:40 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Ich fühle mich auch schuldig smilie27 . Eigentlich wollt ich heute nach Aachen auf ne Demo fahren (http://euromayday.karlspreis.info/), nur wollte ausser mir keiner mitkommen den ich kenne. Und ganz alleine auf ne Demo in ner fremden Stadt und dafür auch noch horrendes Fahrgeld zahlen wollte ich dann auch nicht. Aber ich gelobe feierlich, wenn nächstes Jahr jemand mitkommt bin ich auch wieder mit von der Partie smile .
Leberkrebs
unregistriert
01.05.2008 15:55 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von quaid
ich glaube, die tatsache das der 1.mai auf den herrentag fällt, sorgt eher dafür das die männer sich n bierchen genehmigen und heute chillen.
aber nur eine theorie ^^

ansonst bleibt ja nur zu sagen, das heute eh keiner mehr auf die straße gehen wird. wir sind eben nicht frankreich.


Also das mach ich eigentlich jeden Tag. großes Grinsen Ich hab auch das ganze Jahr daran gearbeitet, nicht arbeiten zu müssen(auf Grund der geschilderten Zustände) und kann damit heute auch verdientermaßen feiern! großes Grinsen

lachs0r




01.05.2008 17:32 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Ich merk bei mir schon an der Geräuschkulisse bei geöffnetem Fenster, dass so ein 3-in-1-Feiertag (der wohl so erst 2160 wieder kommt, falls es sowas dann noch gibt) den Leuten hier gerade recht kommt, sich quer durch die Straße rufend zu unterhalten (wobei natürlich auch das künstliche Lachen doppelt so laut wie nötig sein muss, damit es auch jeder mitkriegt), die Kinder zu zwingen, vor die Tür zu gehen weils Wetter so schön ist (= lautstarke Auseinandersetzungen und heulende Kinder), Rasen zu mähen, mit motorisierten Paraglidern krach zu machen, Wohnmobile zu waschen und sich einen Dreck um das zu kümmern, was weiter als 10m entfernt passiert.
Und abends wird dann gegrillt und sich besoffen.

Wenn dann jemand wie ich auf die Idee kommt, den ganzen Lärm mittels Metal für mich nicht mehr wahrnehmbar zu machen (Fenster schließen reicht nicht), wird sich nicht erst beschwert, dass es zu laut ist, nein, da wird sofort die Polizei gerufen. Ist tatsächlich so passiert, war einer aus der Wohnung über mir.
Da hör ich EIN MAL lauter als Stufe 20 von 40 (und das bei einer 70€-Anlage!) und schon ist das ein Grund, die Polizei zu rufen. Die sind tatsächlich hier hergekommen (als ob die nix wichtigeres zu tun hätten!), haben dann aber die Hausnummer nicht gefunden und sich wieder verzogen. Erst dann kam wer und hat geklingelt. Dass der Lärm, der von draußen kommt aber wesentlich lauter ist, als das Bisschen Metal, scheinen die ganzen Spießer hier schon gar nicht mehr zu merken.
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Leberkrebs
unregistriert
01.05.2008 18:01 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Lass mich raten: Du wohnst in einer typischen Mittelstand-Wohngegend.
Dreh doch einfach Anlage wieder auf. Wenn die Bulllerei einmal umsonst gekommen ist, dann haben die danach erfahrungsgemäß keinen Bock auf ne zweite Fahrt. smilie26

Also ich hab meinen Rechner mit ner 120 Watt Anlage verbunden. Wenn ich beim U-boot Spiel lust auf original Maschinenraum-Sound bekomme, dann drehe ich bei "AK-Voraus" mal die Boxen auf entsprechend angemessene Lautstärke. Noch schöner kommt dann MG-Feuer gegen Fliegerangriffe, oder Torpedoexplosionen großes Grinsen Gerne auch mal Sonntag auf Montag um 2.00 Uhr. Danach gemütlich mit Bierchen ans Dachfenster und die Straße runtergucken. Sobald mehr als 6 Fenster plötzlich wieder beleuchten, geht dann der Sound auf Zimmerniveau runter. großes Grinsen Meine Nachbarn mochten mich immerschon... großes Grinsen

Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, zum letzten Mal von Leberkrebs am 01.05.2008 18:10.


lachs0r




01.05.2008 18:28 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Ich habe nicht geschrieben, dass ich die Anlage jemals leiser gedreht hab großes Grinsen
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Arne Kroger
unregistriert
02.05.2008 00:38 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Also, gestern war Koniginnendag in den NL, da habe ich noch bis spät in die Nacht Knallerei von einigen km weg von hier gehört, Die machten da wohl Feuerwerk oder sowas. Hier auf dem Dorf haben die auch noch bis 3h nachts in den Mai gefeiert unüberhörbar. Dafür wurde ich dann wenigstens um 10h morgens von einem Spielmannszug des Schützenvereins geweckt, der durch meine Straße zog.
Nächstes Jahr mache ich am 1.Mai das Fenster abends dann doch lieber zu oder habe auch die Anlage so aufgebaut, dass ich mit mehreren hundert Watt dagegenhalten kann mit Liedern von Slime, K.I.Z und MfA.

Ja, nu. War nix los?

Ist das nix?
http://www.welt.de/politik/article195684...und_Berlin.html

Ich mein', packt Euch an Eure eigene Nase, wenn Ihr Euch wundert, dass keiner mehr was macht.
Mit 45, künstlichem Hüftgelenk und 70% Schwerbehinderung kann ich heute nur noch auf die alten Zeiten aus meiner Jugend verweisen, als es Bullenprügel gab. Macht mehr Spaß, könnte ich mir vorstellen, als eben das ganze nur am PC zu spielen, aber da kenne ich mich eben nicht aus.
Anstatt dauernd davon zu labern, wenn es mal doch noch ein kleines bisschen Aufbegehren bei einem Amoklauf gab, immer wieder die Egoshooter dafür verantwortlich zu machen, würde ich diese Spiele mal lieber dafür verantwortlich machen, dass die Jugendlichen kaum noch Bock haben, sich mit Bullen auf der Straße im rl zu prügeln.

Lonewolf



images/avatars/avatar-360.jpg


02.05.2008 11:37 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Arne Kroger


Ist das nix?
http://www.welt.de/politik/article195684...und_Berlin.html

Ich mein', packt Euch an Eure eigene Nase, wenn Ihr Euch wundert, dass keiner mehr was macht.
.


Dem ist eigentlich nix mehr hinzuzufügen.

Natürlich bieten sich am 1. Mai viele Möglichkeiten, auch jenseits irgendwelcher gewerkschaftlicher und parteilicher Brezelfressnachmittage den Tag etwas 'radikaler' zu gestalten. Hamburg und Berlin sind vllt. für die Südlinge hier zu weit weg, aber Nürnberg, Stuttgart und auch Zürich liegen ja wohl mehr oder minder vor der Haustür.
Wer also auf revolutionären Demos mitlaufen oder sich Straßenschlachten mit den Bullen liefern will, kann ganz leicht auf seine Kosten kommen.
Sicher sind die Zeiten (vorerst) vorbei, in denen eine Bewegung aus Hunderttausenden auf den Straßen unterwegs war und auch in organisierter Form eine wirkliche Alternative zum Bestehenden formulieren konnte. Heute sind wir wieder in den Dämmerschlaf, und somit in die Phase der Subversion eingetreten - dazu können auch Aktionen und Großveranstaltugen gehören, die zumindest Obrigkeitshörigkeit und stummer Akzeptanz das Wasser abgraben. Das Potential, den wachsenden Unmut zu kanalisieren und zu radikalisieren, ist schon vorhanden. Ich seh da also keinen Grund, auf der Basis einer gesellschaftlichen Wahrnehmung, die kleine aber feine Differenzen ausblendet, einer resignativen Haltung Vorschub zu leisten.

The Loathsome mask has fallen the man remains
Sceptreless, free, uncircumscribed, but man
Equal, unclassed, tribless and nationless,
Exempt from awe, worship, degree, the king,
Over himself, just, gentle, wise.

Percy Bysshe Shelley


Indessen ist das gerade wieder der Vorzug der neuen Richtung, dass wir nicht dogmatisch die Welt antizipieren, sondern erst aus der Kritik der alten Welt die neue finden wollen. Karl Marx
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MAUS

Too old to die young

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02.05.2008 12:25 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von dian
Irgendwie meine ich noch so im Hinterkopf gespeichert zu haben, dass der 1.Mai der Tag der Arbeit ist... ja, dass es an diesem Datum in früheren Jahren gar zu den berühmt-berüchtigten Chaostagen kam, an denen sich die Wut der Jugend in sinnloser Zerstörung entlud. ...

Das hast Du falsch im Hinterkopf, die Chaostage im August haben mit dem 1. Mai eher weniger zu tun Augenzwinkern

Zitat:
Original von dian
Und die Jugend?
Chaostage??
Ich weiß ja nicht, was mit den Punks heutzutage los ist... (vielleicht kann mir das MAUS mal erklären)
Jedenfalls hab ich den Eindruck, da gibt es nur noch zwei unterschiedliche Gruppen. Die einen, die Feierabend-Punks, Gymnasiasten aus wohlhabendem Elternhaus, die sich für's Wochenende kleiden wie Punks und sich auch so ähnlich verhalten, aber trotzdem bei allem was sie tun, immer ihr Abitur und ihre Zukunft im Blickfeld haben...
und dann sind da eben noch die anderen, die Alkoholleichen, die zwar ab und zu mal in der Fußgängerzone urinieren, aber sich alle Gedanken, die irgendwie zu größeren gewalttätigen Protestaktionen führen könnten, längst aus dem Hirn gesoffen haben.
Mit beiden Gruppen lässt sich wohl weder eine Revolution starten, noch irgendwelche Chaostage, die mehr sind als ein paar nette zusätzliche Trainingseinheiten für die Azubis der Bereitschaftspolizei.

*g* also ich hab mit keiner der 3 genannten Gruppen etwas zu tun (aber ok, ich bin dahingehend ja eh "meine eigene Gruppe", da ich über den Tellerrand schauen schon immer spannender fand, als mich ausschließlich auf 1 Gruppe zu beschränken).
1. Aus dem Jugendalter bin ich seit Jahrzehnten rausgewachsen, wie so viele andere, was bei einer gut 30 Jahre bestehenden Scene nicht so wirklich ungewöhnlich ist, auch nicht ungewöhnlich ist, daß viele Menschen ruhiger werden, wenn sie älter werden, oder schlicht einfach nicht mehr die Zeit haben sich, wie noch zu Teenagerzeiten, täglich draußen auf der Straße zu treffen, demnach prägen z.B. die "alten Säcke" der Scene natürlich auch weniger das Straßenbild. Gute Überleitung zur nächsten Gruppe...
2. Ich fand schon immer, daß völlig zugedröhnt, 10 Meter gegen den Wind zu stinken nicht viel mit dem "Punk" zu tun hat, den ich damals kennengelernt habe, der war nämlich überwiegend politisch motiviert, aber es ist natürlich so, daß die "Straßenpunks" das Straßenbild prägen, könnte etwas damit zu tun haben, daß die da leben Augenzwinkern jedenfalls trifft ein Teenie auf Trebe oder ausm Dorf zu Besuch in der Großstadt heutzutage eben nicht mehr eine große, gut durchmischte Scene auf der Straße an, sondern eben überwiegend die "Straßenpunks", was dann bei Teenies leicht mal den Gedanken aufkommen läßt, daß stinken, schnorren und sich total wegdröhnen eben "Punk" ist, kein Wunder also, daß diese Gruppe seit Jahren immer gut Nachwuchs produziert.
3. Wäre ich ein "Feierabendpunk" gewesen, anstatt mit "meinem persönlichen Punk" eine grundsätzliche Lebenseinstellung zu verbinden, hätte ich wohl heutzutage eine private Krankenversicherung großes Grinsen (mit wohlhabendem Elternhaus natürlich auch), denn diese Gruppe existiert in der Regel tatsächlich nicht über die Teenagerzeit hinaus, weil so pubertäre Rebellionsphasen eben mit der Pubertät zusammen wieder verschwinden, wie in allen anderen Teeniegruppen auch.
Mal davon ab sieht auch nicht jeder Mensch, der "Punk im Kopf" hat (welchen auch immer), aus wie der typische "Klicheepunk", was auch noch zu Wahrnehmungen wie Deinen beitragen kann...

Zitat:
Original von dian
Ist das der Zeitgeist?
Sind die Menschen genügsamer geworden?
Werden sie nicht mehr ausgebeutet, oder verdrängen sie nur deutlich besser als früher, dass sie ausgebeutet werden?

Zeitgeist auf "Punks" bezogen siehe z.B. oben, ganz allgemein würde ich glatt behaupten ja, die grundsätzliche Oberflächlichkeit der Menschen ist meiner Meinung nach rapide angestiegen, jedenfalls habe ich den Eindruck, daß früher sogar die dämlichsten "Popper" noch "hochpolitisch" waren im Vergleich zu den Generationen, die überwiegend ab den 90ern geprägt wurden. Naja, mich hat in der Grundschule jedenfalls schon die politische Lage im Land beschäftigt, ich denke es macht doch nen Unterschied, ob man z.B. noch so etwas wie Solidarität erfährt, und mit der ständig anwesenden "Angst vorm Knopfdruck" aufwächst, oder von klein auf gewohnt ist, die Realität mit technischen Hilfsmitteln außerhalb der eigenen Hirnaktivität auszublenden, indem man z.B. stundenlang in virtuelle Welten abtaucht, und überhaupt mit einer totalen "Reizüberflutung" und insgesamt fast durchweg oberflächlichen "Werten" (z.B. haste was, biste was...) aufwächst. Dahingehend finde ich Arne's Idee der "Frieden stiftenden" Ballerspiele gar nicht mal so abwegig *g*
Demnach denke ich auch, daß heutzutage eben einfach viel mehr Möglichkeiten bestehen, nicht mehr denken zu müssen, sondern sich jederzeit prima ablenken zu können, und somit eben auch Verdrängung besser funktioniert. Und naja, die Menschen, die trotzdem nachdenken, werden heutzutage eben mit einer wesentlich ausgereifteren "Staatsmacht" konfrontiert, siehe z.B. die ganzen technischen Möglichkeiten in Hinsicht auf Überwachung (*g* da wären wir auch wieder bei Zeitgeist u. "PC-Kids", die freiwillig zig persönliche Daten im I-net preisgeben, für mich "Volkszählungsgeneration" eine eher gruselige Vorstellung) und Einschüchterung. Diese Bestrebungen kommen ja nicht von ungefähr, sondern meiner Meinung nach, weil durch die immer deutlicher werdenden sozialen Ungerechtigkeiten eben doch wieder immer mehr Menschen anfangen nachzudenken (also Potential wäre schon vorhanden), zumindest solang sie nicht zu sehr damit beschäftigt sind, zu überleben, deshalb ist "Armut" ja auch so ein praktisches Druckmittel, natürlich muß man die wütend werdenden Massen rechtzeitig unter Kontrolle bringen, tja, *g* kein Problem für Hartz IV...

HOFFNUNG IST DER IRRSINNIGE GLAUBE AN DAS UNMÖGLICHE
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Arne Kroger
unregistriert
03.05.2008 02:34 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Noch zwei Sachen dazu:

Zum einen:
Es war auch in den achtzigern nicht so, dass 80% aller Jugendlichen auf die Straße gingen und politisch die cleversten Köpfe waren, Auch damals waren wir bestimmt nie mehr als 5% eines Jahrganges, der mal etwas tiefer dachte als die anderen, was politische Veränderungen anbelangte.
Evtl. waren die 5% etwas aktiver als die 5%, die heute mehr als Watte im Hirn haben. Aber auch das hat Gründe, nämlich
die zweiteren:
Man hatte früher z.B. Eltern, die noch kein Hartz IV bekamen, sondern noch ausreichend Lohn und somit auch die Kinder versorgten.
Wir hatten sowas wie Zukunft (meinten wir zumindest), weil es eben auch genügend alternative Spielräume noch gab, in denen man sich einnisten konnte. Die gibt es heute nicht mehr.
Und vor allem:
Diejenigen, die schon arbeiten gingen, hatten auch noch eine Arbeitsbelastung, die es ermöglichte, politisch aktiv zu werden.
Heute habe ich als HartzIVler kein Geld, um nach allen Demos zu fahren, auf die ich gerne möchte. Oder es müsste alles so langfristig planbar sein, dass man sich organisieren kann, dies gelingt den Organisatoren aber auch immer weniger, weil es keine finanziellen Unterstützungen mehr gibt (Damals habe ich noch für die autonome Szene Gelder aus der grünen Parteikasse locker gemacht und das war in vielen Kreisverbänden so, dass die Grünen z.B. sich noch als Basisbewegung ansahen, die den Protest von der Straße unterstützen mussten.).
Und wenn ich jetzt ab dem 15. wieder einen Job habe, mit dem ich 1500 € monatlich bekomme, habe ich keine Zeit mehr, auf die Straße zu gehen zumeist. Evtl. gelingt mir das bei dem Job, ist aber eher unwahrscheinlich. Die Arbeitsverdichtung hat den verdienenden Menschen eben auch die Luft genommen, noch politisch aktiv zu sein.
dian
unregistriert
03.05.2008 13:55 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Erstmal, @ Maus: Du hast natürlich vollkommen Recht. Chaostage und 1.Mai-Krawalle sind nicht das selbe. Keine Ahnung, wie ich da drauf gekommen bin.

Außerdem war ich wohl etwas voreilig mit meiner Einschätzung, weil es ja in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai dann in Hamburg doch noch ein bisschen abgegangen ist.
Erschreckend einseitig war hierzu übrigens wieder mal die Berichterstattung der Massenmedien:
Dass politische Ungerechtigkeiten und Protest der Grund für die Ausschreitungen sind, wird konsequent unter den Teppich gekehrt. Stattdessen fuhr N-TV irgendeinen Psychotherapeuten auf, der die Gewaltbereitschaft als typisches Verhalten heranwachsender junger Männer darstellte, die sich eben mal die Hörner abstoßen wollten, oder so ähnlich.
Auch wurden rechte und linke Demonstranten mal wieder über einen Kamm geschoren und so getan, als ob es zwischen Autonomen und Neonazis keine nennenswerten Unterschiede gibt.
Und genau das wird in der Wahrnehmung der Masse dann eben wieder mal hängenbleiben. Dass die dahintersteckenden Ideologien völlig unterschiedlich sind, ist da nicht weiter von Belang, da der anständige Bürger sich weder mit der Weltanschauung der einen noch der anderen Gruppe auseinanderzusetzen hat.
Der anständige Bürger hat vielmehr vor allem die armen Polizeibeamten zu bemitleiden, die ja so heldenhaft uneigennützig sind und unser aller Freiheit gegen brennende Müllcontainer und böse Steinewerfer verteidigen, denen es um keinerlei politische Ziele geht, sondern nur ums Steinewerfen aus purer Boshaftigkeit.
Arne Kroger
unregistriert
04.05.2008 02:45 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

http://de.youtube.com/watch?v=AjgZSABw5C4&feature=related
Leberkrebs
unregistriert
05.05.2008 04:41 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Was kostet eigentlich eine zerstörte Klingelanlage mit 10 Knöpfen für ein Bürohaus? Jobcenter hatte am 2. Mai in der Frühe einen Besuch... Augen rollen compi_aua
Arne Kroger
unregistriert
06.05.2008 01:58 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Zwar meines Wissens nicht so viel, aber Kleinvieh macht auch Mist, wie man so schön sagt.

Würde sich jeder so vorbildlich verhalten, würde sich das schon bemerkbar machen. smilie8
Leberkrebs
unregistriert
06.05.2008 18:47 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Das is doch nichtmals schwer, eine Sache von Sekunden.
Die Klingelanlage hat eine Lautsprecherbox außen, mit so schönen Rillen.
Da setzt man einen, mit Packetband gut isolierten Meissel an und einen kräftigen Hammer. Etwas Muskelschmalz kann auch nicht schaden.
Nach 2-3 Schlägen mit der richtigen Winkeltechnik, fliegt die Deckplatte und das Kabelgedärm kommt raus. Hier dann der Kabelschneider mit schön isoliertem Griff, man braucht auch nicht den roten oder den blauen Draht wählen, man wählt einfach ALLE. Und fertig ist das Vergnügen. Zeitaufwand vielleicht 1 Minute. Vorher geht man ein bisschen spazieren und checkt ab, wieviele Passanten durchschnittlich noch auftauchen könnten und ob grade Bullerei in der Nähe rumfährt. großes Grinsen

Wichtig PS: Vor einer Alarmanlage braucht man keine Angst haben. Die Alarmanlage ist NICHT mit der Klingelanlage verbunden, weil Einbrecher selten klingeln. smilie26

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Leberkrebs am 06.05.2008 18:51.

Arne Kroger
unregistriert
07.05.2008 01:07 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Ich hatte ja schon mal die Idee, nachdem das absolute Rauchverbot in öffentlichen Ämtern durchgesetzt wurde, in den Aschenbecher, der vor der unserer Agentur stand, an dem auch den ganzen Tag die Bediensteten stehen anstatt zu arbeiten, ordentlich Benzin o.ä. mal zu schütten.
Leberkrebs
unregistriert
07.05.2008 08:28 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Nimm ne pulle dreifachen Korn, der geht mit seinen 65% auch ganz gut und im Fall einer Kontrolle ist das nicht so seltsam wie wenn Du Benzin mit Dir rumschleppst. Ich mache mir aber eher Gedanken das da womöglich ein Arbeitsloser getroffen wird beim Abaschen.
Arne Kroger
unregistriert
08.05.2008 00:09 Diesen Beitrag einem Moderator melden Zum Anfang der Seite springen

Man kann ja in der Nähe stehen bleiben, und ggf. die warnen, aber die machen maximal beim Betreten des Gebäudes die Kippe dort aus und gehen sofort rein, wohingegen die Mitarbeiter natürlich da auch noch länger stehenbleiben, um zu palavern und ihrer Arbeit aus dem Weg zu gehen.

Außerdem sollte man wegen dem Fun-Faktor eh in der Nähe stehen bleiben. großes Grinsen
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